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haben, beschreibt der Dichter in unserm Tert und in seinem ganzen Liede die Safterhaften; fie find ihm Unglückliche, die auf Abwege ge. rathen find, die sich immer weiter verirren und in ifren Aussoweiffungen fein Maas mehr hals ten. Und wie wahr ist diese Bergreibung des Lasters, M. 3. Daß es Entfernung von Gott ist, daß die Natur und das Wesen desselben in einer Abweichung von den Gefeßen Gottes bes fteht; daß diese Abweichung nach und nach ein herrschender Widerwille gegen die Geseke Got. tes, ein wirklicher 'Haß derselben, eine Art von feindseliger Erbitterung gegen, die Vorschriften Gottes werden kann, das alles ist am Tage, und die Erfahrung bestätigt es unwidersprech. lich. Was kann die Folge dieser Verirrung seyn? Die einzig fichre, einzig heilsame Regel des Verhaltens þat der lasterhafte verworfen; er handelt' also regellos und ist das Spiel reis ner unordentlichen Begierden. Ist es aber nicht befannt, wie eigensinnig, wie verånderlich, mie unerfåttlich diese Begierden find; werden sie nicht immer ungeftümer, je mehr man ihnen nach giebt; werden ihre Foderungen nicht immer zu, dringlicher, je öfter fie befriedigt werden? Wer. den sie also ihren Sclaven nicht immer gewalt. samer beherrschen, nicht immer weiter treiben, nicht endlich zu Ausschweiffungen fortreissen, wels dhe er anfangs nicht für möglich gehalten has ben würde? Welch ein Zustand, M. 3. Jft es nicht soon traurig genug, wenn man seine

Frey.

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Frenheit verloren hat, wenn man seiner nicht mehr mächtig ist? Ist es nicht noch trauriger, wenn man sich zu lauter Thorheiten, zu lauter un. würdigen und entehrenden Handlungen genöthige fieht? Ist es nicht vollends schrecklich, wenn es ben diesen Verirrungen nicht einmal ein Ziel giebt, wenn man nie wissen kann, wie weit man nod werde gehen müssen; wenn man zu Frevelthaten gezwungen werden kann, vor den men man felbft zurückbebt? Uno 'bey dieser Zer. rúttung seiner ganzen fittlichen Natur, bey dies sem Kampf wilder Lufte und Leidenschaften, ben dieser traurigen, mit Sdam und Selbstverado, tung verknüpften Herabwürdigung, wåre der {ajterhafte um das Glück zu beneiden, das ihn åusserlich umgiebt? Können alle Güter der Er. de ein Ersaß für den Schaden seyu, den er an feiner Seele leidet? Wird sie ihm nicht noch überdieß zum Verderben gereichen? Wird er fie nicht dazu mißbrauchen, immer weiter zu

Pen und seine Ausschweiffungen zu vermek, ren? Ist er bey allem Glanze, der ihn um. giebt, nicht ein Elender, der fich selbst nicht besigt, der schlechterdings nicht wissen kann, was feine regellosen, empórten Neigungen noch aus ihm machen werden?

Das gerade Gegentheil dieser traurigen Vers fassung ist der Zustand des wahren Frommen; er befindet sich an der sicher leitens den Hand Gottes. Dennod bleibe ide

ftets

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Rets an dir, sagt der Dichter in unserm Terte, denn du håltst mida bey meiner redien. Hand. An Gott zu bleiben, das heißt, Gott úbere al vor Augen zu haben, mit fteter Hinsicht auf - ihn zu handeln, den Willen Gottes überall zúr Regel zu nehmen, sich in einer immermåhrenden nahen Verbindung mit Gott, und gleichsam an der Hand Gottes zu erhalten, das ist die Nas tur und das Wesen der wahren Frömmigkeit;; fie ist das unablåsige Bestreben, das Wohl. gefallen Gottes durch treuen Gehorsam gegen seine Anstalten und Geseke zu erlangen. Aber wie erwünscht und glücklich ist dieser Zustand. Ein þeiliges, 'unabånderliches, im Himmel und auf Erden gültiges Gesek ist die Richtschnur dessen, der sich in demselben befindet. Er weiß also immer genau, woran er ift. Daß er auf Abwege gerathen und fic verirren fónnte, ist nicht möglich. Immeć nur eine einzige Art zu handeln läßt ihm der Wide Gottes übrig, nehm. lido die, welche unter allen die vernünftigste, gerechtefte und edelste ift. Redot eigentlich an der Hand Gottes wandelt er also; er geht ůberall ro ficher, ruhig und entschlossen zu Wer. fe, daß es ihm unmöglich fehlen kann. Wer tann fidh leichter verirren, als der feurige Junge ling mit seinen regen, gewaltigen Trieben? Aber auch er ist sicher, wenn er sich an Sott bålt. Wie wird ein Jüngling reinen Weg unstråflid geben? fragt David in einem seiner Lieder. Wenn er sido bålt nad

deinem Wort, ist die richtige entscheidende Antwort. Denn nicht umsonst rezt der Dichter in unserm Tefte noch hinzu: du leiteft mid

n a dh deinem Rath, und nimmst mich endlich mit Efren an. Es ist nehmlich

nicht möglich, daß der, welcher fich an der Hand Gottes befindet, welder von Gott selbst geführt wird, , anderswohin gelangen könnte, als zu einer wahren, mit Ehre und Herrlichkeit verknüpften Wohlfahrr. Sey er also vor der Hand noch so dürftig und arm, noch so niedrig und verachtet, noch so gedrückt und verfolge, nodo lo úberhåuft mit Widerwertigkeiten und Seiden: einen Rath Gottes erkennt er in dierent Umstånden; er ist überzeugt, nicht ohne weise Ursachen habe Gott ihn in dieselben gerezt; und er folgt ißr um so gelaßner, um so entschloßner, diefer weisen våterlicher Leitung Gottes, da er weiß, nur mit Efre und Herrlichkeit fónne fie fica endigen. Und dieser vernünftige, seiner Sade gewisse, immer recht und edel handelnde, immer Ordnung und Wohlfahrt befördernde Freund Gottes wåre, felbft in den mißlichftent åusseru Umstånden, nicht weit glücklicher, als der unrühige, nie mit fidh einige, fica unaufhörlich entegrende, in ein immer größres Ver. derben verfinkende Lafterhafte ber aller seiner åussern Herrlichkeit? Ist es 'nicht am Tage, der Wahrheit nach ist der Zustand des Lastere haften Zerruttung, und sein Glúc nur Sdein; da bey dem Frommer umgekehrt das Unglück

blosser

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blosser Schein, nach der Wahrheit hingegen als les Ordnung und Wohlfahrt ist?

Doch dieß wird noch ansdaulicher, durch die zweyte Bemerkung unsers Teftes; das Lafter befizt nehmlich lauter irdische vergånglide Güter, der Fromme kins gegen das unvergånglido fte und beste, Die Gnade Gottes. Was will man dem sagen, wenn man das (after glücklich nennt; welches sind denn die Güter und Vortheile, um die man es beneidet? Es genießt einer dauer. haften Gesundheit; es zeichnet fich durch Schón heit der Gestalt und des Körpers aus; es ift wohlhabend, und begútert, wohl gar reich und im Besitz grosser Småge; es fteht in Verbino 1 dungen, die ihm Ansehen und Einfluß gewigs ren; es fieht fich über Andre erhoben und wird allgemein verehrt; es hat eine Macht in den Hånden, durch die es weit wirfen und wohl Bilfer und Reiche beheresden fann; dabey ge. lingt ihm ales, was es unternimmt; es fann jeden Wunsch seines Herzens befriedigen, fic jede Freude verschaffen und alles geniessen, was der Erdkreis Soones und Gutes enthält. {auter Vortheile vor Bedeutung; lauter Güter, die mit den Neigungen unsrer Natur zu febr übereinstimmen, als daß wir fie nicht wúnjdense werth finden sollten; sie verschmåben zu wollen, wåre eben To thöricht, als unnatürlich. Auf der andern Seite ist es aber auch eben so klar, uns

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