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4:46 Eilfte Prebigt, am Sonntage Invocavit. de, der uns beruffen hat zu seiner ewigen Herrlid teit in Cbrifto Jefugi derselbige wird eud, die ihr eine klein me Zeit leidet, vollbereiten, ftårten, bråftigen, gründen; demselbigen sen Ebre und Madt von Ewigteit dat Ewigteit; Amena

XII. 2m

XII. am Sonntage Reminiscere.

Sert: 1. Joh. III. 6. 16.

Snade, Barmherzigkeit und Friede von Gott, unserm Water, und dem Herrn, Jesu Chrifto; Amen.

In einem wunderbaren, unerwarteten Zu. sammenhange stehen die Leiden und der Tod decer, welche uns theuer find, mit dem Wohls wollen und der Liebe, die wir gegen sie füh. len, M. 3. Was uns dem Anscheine nad von ihnen entfernen und unsre Zuneigung gegen sie [dowåden folte, das knüpft uns nur defto ftår. Fer an fie, und macht unsre Anfänglichkeit nuc desto gårtlicher. Immer werther, das müsset ihr aus Erfaßrung wissen, wenn ein theil. nehmendes Herz in eurem Busen solågt, ims mer wichtiger wird euch ein geliebter Mensdo, wenn er leidet; wenn ihr sehen müfet, daß er mit Widerwärtigkeiten fåmpft. Weit öfter, als fonft, lenkt fich nun euer Blic auf ihn; ihr werdet nicht müde zu beobachten, wie es mit ihm fteht und nach allen feinen Empfins dungen zu forsden; und welche Wehmuth eco

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greift

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ins greift euer Herz, wenn ihr fein ftilles, immer. währendes Dulden gewahr werdet! Aber wie verdoppelt fich auch eben deswegen eure Sorg. falt; mit weldem Eifer Teistet ihr dem geliebs ten Dulder, was in evern Kråfren ist; wie unablássig send ißr darauf bebadt, ihm Erleichs terung zu verschaffen; und wie gerne bringet ifr ivm eure Zeit, eure Rube, euer Vergnügen zum Opfer !

Und doch wird eure Zuneigung ifren hödsten Grad erst dann erreichen, wenn ifr ihn verliert, wenn ihn der Tod aus euern Armen reißt. Ja, M. Br., erst an der Gruft derer, die uns rheuer find, wird es uns flar, wie unausspredlich wir sie geliebt haben; da fühlen wirs erst ganz, - wie unentbehrlich fie uns find, und wie fest unser Herz an ih. men hångt; da erscheinen uns ihre Vorzüge in einem Glanze, in weldem wir fie nodo nie erblickt hatten, und erfüllen uns mit der unge. duldigsten Sehnsudst; da erwachen Empfinouns gen einer Zärtlickeit, einer Veregrung, einer Begeisterung in uns, die wir in diesem Grade noch nie gehabt haben, die keine Sprache aus. zudrúden vermag, von denen selbft unsre Efrån nen nur unvollkommen sprechen.

Es giebt Menschen, M. 3., die nicht bloß den Jirigen, sondern ganzen Gesellschaften, ganzen Vólfern, ganzen Zeitaltern theuer find. Wir durch seinen Geift, durch seine Jugend, durch sein gemeinnüßiges Wirken, durdo feine unlåugbaren Verdienste, die öffentliche

AufXufmerksamfeit gewinnt: der findet überall Billige; die feinen Werth erkennen; Unparoa' theyisde, die seine Vorzüge bewundern; Dant, bare, die fich ihm verpflichtet fühlen; Edel. müthige, die sich mit ißrem ganzen Wohlwol, len auf ihn lenken. Wenn es nun ein folder Mensch ist, den Widerwärtigkeiten treffen; wenn er, an dem so viele Herzen fången, in Gefahr sobwebt und endlich unterliegt: welde Empfin. dungen der Theilnehmung und liebe wird sein Schidsal überall erweden; welde. Wehmuth wird fide aller derer bemachtigen, die ihn kann. ten und zu schaßen wußten; welche Verbind. lichkeit werden sie fühlen, Denfen, handeln, lies ben zu lernen, wie er; welche Kraft wird sein Benspiel Haben, einen mensdenfreundlichen Sinn, eine gemeinnüßige Denkungsart, einen Eifer für Menschenwohl bey allen denen zu verbreia ten, die ihm ergeben waren; wie wird fichs auch hier bewahren, daß die Leiden und der Tod theurer, Dodgeldbåzter Menschen einen wunderbaren Einfluß auf das Wohlwollen und die Liebe ihrer Mitmenschen haben; daß fie nicht bloß die Liebe erhoben, die man ihnen selbft widmet, sondern auch das Wohlwollen im Ganzen nåhren und alles theilnehmender und mensolider maden.

Aber was find die Leiden und der Tod der besten, der verdientesten, der erhabenften Menschen gegen die Leiden und den Tod, deren Andenten wir in diesen Tagen feiern, M. Br.!

Wird

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Wird uns jeder geliebte Mensch theurer, wenn er vor unsern Augen duldet und fiirbt; fühlen wir uns gerührt, erweitert sich unser Herz zu fanftern Gefühlen, werden wir theilnehmender und menschenfreundlicher, wenn wir einen alle gemein verehrten Menschen mit dem widrigen Schicksal fåmpfen und den Tod leiden reben; was sollten wir ben den Martern und dem Code dessen empfinden, der nicht nur ' feilig, un, rouldig, unbeflédt und von den Sún. dern abgesondert, und höher denn der Himmel war; sondern auch von dem reinften Wohlwollen und der feurigften liebe getrieben, für unser ganzes Sesdleche blutete! Sollte ihm das, was er geduldet fat, nidor unsre Herzen auf immer gewinnen? Sollten wir ihn, der uns geliebt, und zwar bis in den Dob geliebt fat, nicht wieder lieben ? Und das Feuer seiner großmuthigen, alles umfassens den Liebe sollte nicht auch uns ergreifen, und uns zu herzlider Wohlwollen gegen alle unsre Brüder erwårmen? Sollten wir nidot lieben lernen, wie er geliebt hat? Es ist unsre Schuld, M. 3., wenn die Seiden und der Tod Jesu diese grosse Wirkung nicht hervorbringen. Betrachteten wir fie, wie fie nach der Schrift betrachtet werden sollen, fühlten wir die große fen, mannichfaltigen Verpflichtungen zur Liebe, die in denselben verborgen liegen: wie würde alle Unempfindlichteit, aller Haß, alle Feind. fchaft aus unserm Herzen verschwinden; weldes

Woble

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