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wie wir unverschuldete Widerwertigkeiten würa dig erdulden sollen; sondern uns auch zu einer folden Erduldung auf das ftårffte zu verpfliche ten. Denn wenn wir auch in keinem besona dern Verhältnisse mit Christo ftånden, M. 3., wenn er uns auch eben so fremde wäre, als andre tugendhafte und ehrwürdige Männer des Alterthums: müßte die fittlide Grosse, die eç ber seinem traurigen Sdicksal encyúlt hat, nicht soon an sich unsre Aufmerksamkeit reizen; müßten wir es uns nicht selber sagen, ein groß. res, ein vollkommnečes Muster der Geduld, Standgaftigkeit und Würde beym Leiden ren im ganzen Umfange der Seiten nicht zu finden; müßten wir uns nicht soon darum verpflichtet fühlen, ibn nadajuahmen? Aber er ist node überdieß unser Heiland und Herr; es steht nicht

uns, ob wir ihn zum Muster nehmen wol, fen; Gott þat ihn in ein Verhältniß mit uns gefezt, wo von unserm Glauben an ihn, von unsrer Folgsamkeit gegen ihn, unsre Rettung Und Seligteit abhångt. Wenn uns also ause drücklich gesagt wird, auch im Leiden habe er uns ein Vorbild reyn wollen; er ere warte es von uns, daß wir seinen Sinn und fein Verhalten nachahmen follen, wenn wir von unverschuldeten Uebein getroffen werden: bleibt uns da ein Ausweg übrig; müssen wir nidr die Sduldigkeit, die Pflicht anerkennen, und seinem Willen gemäß zu verhalten; ift dieser Wille nicht für uns Gesek? Dodo wer

follte

ber

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follte nicht gern, wer sollte nicht mit Freuden gehorchen! Was kann efrenvoller reyn, als Repnlidfeit mit ihm zu gaben, der das vollen. déte Muster aller wahren Vodkommenheit ift? Und was dúrfen wir hoffen, wenn wir seinen Fußtapfen nachfolgen! Dann ist es ja die Bahn zur Herrlichkeit, auf der wir uns be. finden ; dann heißt es aud von uns ; das if je gewißlid wabr, fterben wir mit, so werde # wir mit leben, dulden wir mit, fo werden wir mit bereiden. Freuet eud, ruft der Apoftel nad unserm Derte, daß ihr mit Chrifto leidet, daß ihr aud zur Zeit der Offenbarung seiner Herrlid leit Freude und Wonne haben möget.

Doch der Apostel macht in unserm Tere auf eine neue Ermunterung zur würdigen Ers tragung unversouldeter Leiden aufmerksam, auf das Bewußtseyn unsrer Sduld lolige teit. Weider keine. Súnde getban bat, sagt er von unserm Herrn, ift aude tein Betrug in seinem Munde fun.

Barum litt der Herr mit fo vieler Würde, mit so grosser Standhaftigkeit, mit fo entschloßner Unterwerfung, mit fo lebendi. gem Vertrauen auf Gott? Er war fido feia ner Sould bewust; war fohlechterdings nidbe in ihm vorhanden, was iha fåtte demú. thigen und niedersdlagen können; er war vor feiner Jugend, von feiner guten Sade, pom

den.

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feinein. Einverståndaiffe mit Gott so innig über. zeugt, daß er, schon mit Fesseln belastet, schon von dem hohen Rathe der Nation zum Tode verurtheilt, dem Hohenpriester fagre: von nun an wird des Mensden Sogn fixen fur rechten Hand Gottes. Einer un jould, wie unser Herr fie hatte, einer gårja lichen Frenheit von Sünden, können wir uns freilich nicht rühmen, M. Z. Uber daß uns tausend Leiden treffen können, die wir doc auf Feine Weije verdient haben, daß man uns Verbrechen vorwerfen kann, die nie von uns beo gangen worden sind, daß man uns über Um. stånde anfeinden fann, für die wir nichts fóne nen; daß man uns vernachlässigen und zurück, Teßen kann, wo wir die gered testen Ansprüche haben; daß man uns unter tausend Vorwán. den frånfen, drücken, verfolgen kann, ohne daß wir auch nur die mindeste Veranlassung dazu gegeben haben: wer weiß das nicht? Sot es uns 'ben solchen Leiden nicht ein grosser Troft fenn, daß wir uns vólig rein wissen, daß wir uns vor aller Welt auf unsre Uns schuld beruffen, daß wir den Alwissenden felbft zum Zeugen derselben nehmen können? Saget nicht, das fen eben das Traurigste, das Sorede lichste ben solchen Leiden, daß fie unverdient fenen, daß man gar nicht wisse, wie man dazu fomme. Wåre és dir denn, sagte der zum Tode verurtheilte Sofrates einem seiner Freunde, der ikn vornehmlid darum bedauerte,

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weil er unspuldig sterben müsse, wåre es die denn lieber, wenn ich den Tod vece dient håtte?. So ist es, M. Br. Sol einmal gelitten seyn: was fann mehr Troft und Beruhigung, mehr Muth und Kraft geben, als das Bewußtseyn, man sen rahulolos ? Und wie viel wird dieses Bewußtsegn beytragen, daß man aude mit Würde leide! Wer die Strafe seiner Vergehungen trågt, der kann nicht an.,

ders, als mit Beschåmung dulden; man würde ihn für einen frechen, verstoc ten Súnder hals ten, wenn feine Mißbilligung des Geschehenen, an ihm fichtbar wäre. Welche Fassung, welche Zuversicht, ich darf wohl fagen, welder edle Stolz ist dagegen dem Unschuldigen eigen; sein ganzes Verhalten ist der Beweis, er habe fich nichts vorzuwerfen; er ist ein Gerechter, der zwar verkannt und gemißhandelt, aber nicht entehrt und herabgewürdigt werden kann; er rechnet auf eine Ehrenrettung, die ihm unmög. lid entgehen kann.

Doch dieß ist eben die vierte Ermun. terung zu einer würdigen Ertragung unver. sduldeter Leiden und Mißhandlungen, welche der Apostel in unserm Tefte bemerflich macht; fie befteher in der Hinside auf den hódos ften, alles vergeltenden Richter. Wels der nidot wiedersdalt, Geißt es in un. ferm Terte von Chrifto, da er gerolden ward, nid o dråuete, da er litt, er

ftellte

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ftellte es aber dem Beim, der da rede ridtet. Wäre der Geredote der Bosheit und Gewalt auf immer Preis gegeben, M. Br., gåbe es feine hd dofte, alles richrende, alles vers geltende Madt: so wåre die leidende Unschuld das unerfiårlidifte Ráthfel, und der foredlid, fte Anblick; fo müßte uns nichts mehr empören, als der Widerspruch gegen alle Ordnung, ge. gen alle Gefeßt der Geregtigkeit, gegen alle Forderungen des fittlichen Gefühls, der fich pier fånde und durch nichts gehoben werden könnte. Aber er verfowindet, dieser Widere fprudo, das fittliche Gefúgi fieht alle feine Forde. rungen befriedigt, wenn es einen hódoften Rid, ter, wenn es einen Vergelter giebt, der nichts Gutes únbelohnt, and nichts Böses unbeftraft låßt.' Wer kann aber daran zweifeln, daß er da ist, diefer ødoste, geredote Vergelter, daß er richtet, daß er Himmel und Erde, Zeit und Ewigkeit mit seiner Wirksamkeit umfaßt? Wer wird nicht von seinem eignen Gewiffen mit izm bedroht, wenn er Böses gerħan har? Wer be. ruft fich nicht auf feinen Ausspruch, wenn er ben Menschen feine Gerechtigkeit finden kann? Wer erschricht nicht über die Gerichte, durch die er oft soon fier die Unsould rettet, und an der Bosheit Roche übr? Wer sieht fie nicht tåglido, gleidfam mir Nugen, die' ftrenge, gerechte, überall madtig waltende Vergeltung, der kein Mensch zu entfließen, feine Gewalt zu widerstehen vermag. Weil er auf diese Were

gel.

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