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mand hat Gott je gereken, ruft er, daß fier von feinem finnlichen Anschauen die Rede seyn fann, versteht sich von felbft; Gott ist kein Gegenstand der Sinne; daß ihn noch Nie. mano leiblicher Weise gesehen kabe, brauchte der Apostel gar nicht zu erinnern. Von einer volls kommnern, vertrautern, zuverläßigern Erfennt. niß Gottes spricht er vielmehr; gesehen würde man Gott haben, wenn man ihn og ne ita gend ein vermittelndes Bild, und gleich sam anfo aulid erkennte.

Aber dieß ist noch Niemand zu Theil worden, sagt der Apostel; so hat ihn noch fein Weiser, node kein Prophet érkannt; unvollkommnes, mittel. bares, bildliches Wissen war alles, was man von Gott hatte. Mehr Kaben wir dagegen Chrifto. zu verdanken; der eingeborne Sohn, Tegt er hinzu, der in des Vaters S000$ w ar, der hat es unsverfúndigt. Eine beßre, reichre, gleichsam ansdauliche Ers' fenntniß Gottes, das will er sagen, hat uns der Sohn Gottes - mitgetheilt; durch ihn wiss Ten wir mehr von Gott, als man ehedem wußte; durch ihn wissen wir alles besser, als man es sonst gewußt hat. Und darüber darf man sich nicht wundern; der eingeborne Sohn ist Christus; er fteht mit dem Wesen Gottes in der innigften Verbindung; er weiß das unmittelbar und durch eigne anschauung, was andern nur mittelbar und durch Bilder befannt werden konnte. Er ift nod úberdieß

im Schoore des Vaters, ist der Vertraute aller Gefinnungen und Rathschlüsse Gottes; er konnte also offenbaren, wovon Niemand eine Ahnung hatte; felbst die Tieffen der Gott. Heit, felbst ihre geheimsten Entsoliessungen konnte er ung enthüllen.

Ich habe es schon bemertt, mehr låßt fich von der Erkenntniß Gottes, welche dem mensch. lichen Geldledte durch Christum mitgetheilt worden ist, unmöglich rühmen: Und doch ist es nicht zu viel, M. 3., es låßt fich auf das strengste beweisen, gewonnen, unendlido gewon. nen hat die Erkenntniß Gottes durch Chris ftum; er hat ihr eine Vollfommenheit gegeben, die sie zuvor nicht hatte, und die Niemand ihr geben konnte. Dieß wird uns in die Aus gen fallen, wenn wir die Vorzüge der Offenbarung Gottes durch Chriftum. genauer entwickeln.

Diese Vorzüge bestehen nehmlich darin, daß die Erfenntniß Gottes durch diese Offenbarung gewifrer — reis der - andaulicher

wirksamer beruhigender und allgemeiner geo worden ist. Ein weiteres Nachdenken wird uns dieß alles bestätigen.

Die Offenbarung Gottes durch Chriftum behauptet schon dadurch einen grossen Vorzug vor jeder andern, weil sie der Erkennts niß Gottes mehr Gewiß feit giebt. Eine grosse Wohlthat Gottes ift die Offenbarung Gottes in der Natur, M. Z. Das Ano,

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schauen dieser wundervollen Welt, der Genuß so vieler Wohlthaten, das Aufstreben der Vers nunft zum Legten und Höchsten, die Ahnungen unsers Herzens von einem Herrn und Geseño geber des Ganzen, alle diese Dinge führen uns nicht bloß auf eine Vorstellung von Gott und feinen unendlichen Vollfommenheiten; auch die Ueberzeugung, er sey vorhanden, er regiere die Welt, wir fenen von ihm abhångig, und vere pflichtet, ihm zu gehorchen, bringen sie hervor. Dabey, gründet sich denn aber alles auf une rer Nachdenken, auf die Schlüsse, die wir aus unsern Wahrnehmungen und Erfahrungen ziehen, auf den Gebrauch, den wir von unsrer Vernunft machen. Aber rehet ihr nicht, wie fido eben dadurch die Gewißheit der Ers fenntniß vermindert, die wir auf diesem Wege von Gott erhalten? Wie ungeübt find bey weitem die meisten Mensden im Gebrauch ihrer Vernunft! Wie unfähig sind fie zu einem regelmässigen gründlichen Nachdenken! Wie wenig wissen sie ihren Schlüssen die Richtig, feit und Stärke zu geben, welche fie haben folten! Und wie oft irren sich selbst die Geo übtern! Wie unrichtig erklären fie oft die un. zweydeutigsten Erscheinungen! - Wie unsicher und falsch- find zuweilen ihre Folgerungen! In welche Verirrungen gerathen fie durch spikfins diges Vernünfteln! Und wie widersprechen fie fich einander, wie entgegengefekt sind die Bes hauptungen, , auf welche fie tommen. Die Era.

fahrung

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fahrung aller Zeiten hat es daher gelehrt, rrie unsicher und schwanfend, mit welchen. Thorheis ten und Widersprúden erfüllt, die natürliche Erkenntniß Gottes war; wie wenig sich selbst die erhabensten Geister ihre Zweifel zu lösen wußten; wie oft fich in ihnen der Wunsch, der fehnliche Wunsch entwickelte, daß doch Gott felbft geredet, und sich nåber geoffenbart paben möchte. Daß er auch dieß gethan, daß er, wie es in der Sdrift heißt, manchmal und auf mancherley Weise zu dem israelitischen Volfe ges redet hatte durch die Propbeten, wise set ihr.

Aber wie viel fehlte auch der auf diese Art entstandenen Erkenntniß Gottes ! Aus eigner unmittelbarer Anschauung founte keiner von allen Propheten (prechen; sie konn. ten nur mitrheilen, was fie selbst empfangen þatten; ein Mensch, hieß es von ihnen, kann nichts nehmen, es werde ihm denn gegeben vom Himmel. Und hatte Johannes der Tåuffer nicht recht, wenn er von sich und allen Propheten fagte: wer von der Erde ift, der ist von der Erde, und redet von der Erde. Waren nicht alle Propheten gewöhnliche Menschen, bescrånfte Geschópfe, durch die fich der Unendliche nur unvollkommen mittheilen konnte? Mochten fie fich also immerhin als Zeugen Gottes redt. fertigen, mochten fie immerhin darthun, daß Gott durch fie rede: foon der Umstand, daß

auch

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auch fie Menschen, wie andre waren, daß auch
fie ale Schwachheiten der menschlichen Natur
an fich batten, mußte ihrem Zeugnisse nachs
theilig werden, und das Ansehen desselben
schwaden.

Wie ganz anders verhålt fichs mit dem
Zeuguirre Cbrifti, mit der Offenbas
rung, die wir Jøm, verdanken! Hier
spricht fein gewöhnlicher Mensch; durch seinen
Eingebornen, durch das Wort, das im
Anfange war, und bey Gott war, und
selbst Gott war, hat Gott zu uns geredet.
Können wir zu unsrer Beruhigung mehr verlangen?
Hier spricht kein Prophet, der nur soviel sagen kann,
als ihm mitgetheilt ist; durch den, der in reis
nem Sdoose war, durch den Vertrauten
aller seiner Rathschlüsse, durch den, der von fick
sagen konnte: alles, was der Vater hat,
ist mein, hat Gott fich hier erklärt. Kón.
nen wir zu unsrer Sicherheit meær fordern ?
Hier spricht kein Zeuge, der nur durch Mit
theilung weiß, was er weiß, und nur vom
Hórensagen redet; durch den, der in der ges
nauesten Verbindung mit ihm steht, der alles
durch sich selbst und ansdauend erkennt, der
von fich sagen konnte: wir reden, was wir
wissen, und zeugen, das wir gereben

ponnen wir zu unsrer völligen Ueberzeugung mehr wüns Ichen? Die Aussprüche eines Gesandten Got. tes, der seine innige Gemeinschaft mit Gott

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