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Fünftes Buch.

Deutschlands Nothịahre.

1806-1815.

„Nord und West und Siid zersplittern,
Throne bersten, Reiche zittern,
Flüchte Du, im reinen Dsten
Patriarchenluft zu kosten!
Unter Lieben, Trinken, Singen
Sou Dich Chisers Duell verjüngen.“

Göthe. Divan.

1. Göthe’s Hochzeit.

1806.

„Die Schiller hat wenig verloren, Göthe gar nichts; er hat den Augereau bei sich gehabt, und während der Plünderung hat er sich mit seiner Mätresse öffentlich in der Kirche trauen lassen, und war dieß die leßte firchliche Handlung; denn all unsere Kirchen sind nun Lazarethe und Magazine."

Charlotte v. Stein an ihren Sohn Friß.
„Ich wünsche mir eine hübsche Frani,
Die nicht Alles nähme gar zu genau,
Doch aber zugleich am besten verstände,
Wie ich mich selbst am besten befände.“

Göthe, Zahme Xenien.

Wie Schiller vorausgeahnt, sollte Göthe schließlich doch noch heirathen. Es war keine fröhliche Hochzeit. Herder und Schiller waren schon zu Grabe gestiegen; Fritsch und Schmidt, die alten Geheimräthe, ebenfalls. Corona Schröter, die Blume der Genieperiode, war todt. Charlotte von Stein führte als Wittwe ihr Hündchen, den kleinen Lolo, spazieren ?. Herzogin Anna Amalia und Wieland waren greise Ueberreste einer entschwundenen Zeit. Mit dem Erbprinzen und seiner Großfürstin war schon eine neue Generation in die Nähe des fürstlichen Thrones getreten. Göthe selbst, der Bräutigam, stand im 58. Jahre, Christiane Vulpius, die Braut, im 42. Zur Vorfeier der Hochzeit donnerten die

1 Als lolo (auch loulou) im Herbst 1807 crepirte, ließ sie ihm ein Grabsteinchen machen mit der Inschrift: Have anima, „wie es die Alten auf die Gräber eines geliebten Thiers zu seßen pflegten, und heißt: Ruhe wohl, Seelchen." Charlotte von Schiller. II. 352.

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„Winckelmann und sein Jahrhundert.“

Kanonen der Franzosen von Jena herüber und verkündigten Deutschlands tiefste Erniedrigung.

Was zwischen Schillers Tod (9. Mai 1805) und Göthe's Hochzeit (19. October 1806) liegt, ist bald erzählt, wenn man ihn nicht als einen Gott auffaßt, dessen gewöhnlichste Lebensregung schon für die ganze Welt von entscheidender Bedeutung war.

An Dichtung kam nichts Nennenswerthes zu Stande. Aus der Bühnenbearbeitung des mißglückten Götz" wurden in der Zeitung für die elegante Welt“ ein paar Bruchstücke, sowie ein „Bericht über die Aufführung desselben auf dem Weimarischen Hoftheater“ mitgetheilt, der Epilog zu Schillers „Glocke" im „Taschenbuch für Damen“ gedruckt. Bei Göschen erschien „Rameau's Neffe“ von Diderot, bei Cotta eine Schrift mit dem Titel „Winckelmann und sein Jahrhundert. In Briefen und Auffäßen herausgegeben von Göthe" 1.

Den Grundstock der leşteren Schrift bildeten 27 Briefe Windelmanns an seinen Freund Berendis, welche durch die Hers zogin Anna Amalia in Göthe's Hand gekommen waren. Göthe schrieb dazu eine Widmung, eine Vorrede, dann ein allgemeines Vorwort zu dem „Entwurf einer Geschichte der Kunst des 18. Jahrhunderts“ nebst einer kurzen Biographie von Berendis, eine Schilderung Windelmanns“ und endlich noch ,,Skizzen zu einer Schilderung Winckelmanns" nach der allgemein menschlichen Seite hin. Meyer mußte dann den „eingeleiteten" Ent: wurf einer Runstgeschichte des 18. Jahrhunderts und Skizzen über Windelmanns künstlerische Entwiclung liefern, während der Philologe F. A. Wolf in Halle die Artigkeit hatte, einige Skizzen über Winckelmanns wissenschaftliche Entwidlung hinzuzufügen.

1 S. 8. Qirzel, Verzeichniß einer Göthe-Bibliothek. 1884. S. 59-62.

2 Göthe's Werke [Hempel]. XXVIII. 183—229. Höchst merkwürdig ist, daß Herder schon 28 Jahre zuvor, als Göthe noch die lustige Person der Liebhaberbühne von Weimar war, die Bedeutung Winckelmanns weit tiefer und umfassender dargelegt hatte, als Göthe in diesen Einleitungen und Skizzen. Seine Schrift „Denkmal Johann

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