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können, als ich wünsche; und möchtet ihr, Meine Geliebten, halten .ob dem Worte des Lebens, und xatir einst zum Ruhme senn am Tage des Herrn; möchtet ihr es nie vergessen, daß ihr dem gefallen sollet, der Herzen und Nieren prüfet! Er mache' euch durch seinen Geist selbst fähig zu allem guten Werk, und bilde, segne, erhalte euch alle zum ewigen Leben; Amen.

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50, Am

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50. Am zwölften Sonntage nach

Trinitatis.

Denn ich mir wegen meines langen Stillschweiz gens unter euch Vorwürfe zu machen hätte, M.3., wenn ich mir bewußt wäre, mich der Pflicht, öffentlich zu euch zu reden, um irgend einer tadelnswürs digen Ursache willen entzogen zu haben: so würde ich nicht im Stande seyn, ohne Schaam und Ver: wirrung heute vor euch zu erscheinen. Allein da es der traurige Kampf mit einem Körper war, der den willigen Geist oft gerade dann am meisten zurückhält und niederdrückt, wenn er sich am frenesten emporschwingen, und ganz seinem Berufe leben will, da es dieser beschwerliche Kampf war, was mich ges gehindert hat, diesen Ort zu betreten: so darf ich euch getrost und unbesorgt anreden, wenn ich gleich eius gestehen muß, daß ich es noch nicht mit aller der Freudigkeit kann, welche das Glück, euch wiederzuFehen, in mir erwecken follte. Immer denk ich noch mit Wehmuth an die Tage zurück, die ihr bisher gefeyert habt, ohne daß ich den Antheil daran nelmen konnte, welchen ich nach den Wünschen meines Herzens, und nach den Obliegenheiten meines Amtes daran hätte nehmen sollen. Es ist wahr, ich konnte die Stunden, die ich deni öffentlichen Unter: richt und der brüderlichen Ermahnung zu widmen

Dr. Reino, volt. Predigtsammig, 3. 14. P

hatte, dazu anwenden, für euch zu beten; und der, welcher ins Verborgene sieht, ist mein Zeuge, mit welcher innigen Liebe zu euch allen sich mein Herz im Stillen vor ihm ergossen hat. Aber wie sout ich bey der Ermunterung, die ich hier in eurer Mitte finde, so oft ich euch versammelt sehe; wie fout ich ber dem Wunsch, euch To nüßlich als möglich zu werden, und den Segen des Evangeli Jesu immer weiter unter euch zu verbreiten, nicht jede Stunde bedauern, die ich dieser wichtigen Beschäftigung muß entreissen lassen; wie sollte der Gedanke, daß die Tage des irdischen Lebens, wo man wirken kann, ohnehin nicht zahlreich sind, und mit der größten Geschwindigkeit dahin eilen, den Verlust solcher Stunden nicht noch empfindlicher machen?

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In der That, es ist eine

demüthigende Betrachtung, M. Hr., daß ein grosser Theil der Zeit, die wir auf Erden zuzubringen haben, durch die Ges brechlichkeit unsers Leibes, und durch die Schwachbeiten verkümmert wird, denen er unterworfen ist. Nur klein, ist die Zahl jener Glücklichen, die eine ununterbrochne, dauerhafte Gesundheit geniessen, und immer fähig sind, ihre ganze Kraft mit Leichtigkeit zu den Absichten zu gebrauchen, welche sie zu befördern haben. Ach ben weitem die Meisten fühlen sich Durch den Körper beschwert, durch welchen sie wir: ken sollen. Ben Vielen ist er schon von Natur schwach, gebrechlich, unbehülflich; die Leiden, die ihn treffen können, find höchst mannigfaltig, oft sehr schmerzhaft, und zum Theil unvermeidlich; nicht sel: ten werden die, welche man für gesund und blühend halten sollte, durch verborgne, langwierige Uebel am meisten geängstigt; durch welche Krankheiten, durch welche Jahre anhaltender Qual hat sich so Man: cher, der jezt auf einer hohen Stufe des Alters steht, zu derselben emporarbeiten müssen; was kann endlich trauriger senn, als daß gerade die brauchs barsten Mitglieder der menschlichen Gesellschaft, als daß gerade die, welche sich ihren Pflichten mit dem thätigsten Eifer widmen, und das Meiste leisten, am gewissesten die Beute zerstörender Plagen werden, und einen alzufrühen Untergang finden.

Der Anblick eines Geschlechts, das mit so viel Uebeln kämpft, das ben aller seiner Anstrengung, fich gegen dieselben zu behaupten, nur wenig aus: richtet, und zulezt auf das Traurigste unterliegt, ist so verwirrend, M. 3, so räthselhaft, daß man sich nicht wundern darf, wenn er die menschliche Vers nunft auf sehr seltsame Vermuthungen, auf sehr niederschlagende und zum Theil trostlose Gedanken ges bracht hat. Wohl uns, daß uns durch das Evans gelium Jesu auch in dieser Dunkelheit ein Licht auf: gegangen ist, das uns ficher leiten, das uns mit uns jerm Schicksal zufrieden stellen, das uns über den Rath Gottes ben demselben so aufklären kann, wie es zu unsrer Beruhigung nöthig ist. Ben den Ums ftänden, unter welchen ich heute zu euch rede, wers det ihr es nicht befremdend finden, wenn ich ben diesem Unterrichte des Christenthums über die Ges brechlichkeit unsers Körpers stehen bleibe, und ihn kürzlich erkläre, zumal da das heutige Evangelium auf mehr als eine Art diese Betrachtung begünstigt, Theure, geliebte Mitgenossen so mancher irdischen Noth, wie gesund und stark ihr auch jezt seyn mö get, wie viel Kraft und Leben sich jezt auch in euch regen mag, ohne tausend schnierzhafte Empfindungen, ohne auflösende, zerrüttende Vorbereitungen von mancherley Art wird sich das Band nicht trennen, das euern Geist mit seinem Körper verknüpft, es wird eine Zeit kommen, wo die menschliche Hins fälligkeit auch euch fühlbar werden muß! O ler: net Tie ben Zeiten richtig beurtheilen, daß es euch nicht an Licht und Troft fehle, wenn die Nacht des Todes über euch hereinbricht! Und ihr, die ihr be:

reits seufzet unter der Last eines Körpers, der sich immer mehr seinem Untergange nähert, die ihr aus langer Erfahrung wisset, was das heißt, ein sieches Leben führen, höret" die freundliche Stimme des Christenthums und fasset Muth. Gott segne diese Stunde, und lehre uns unsre Fehler mit Wehmuth erkennen, und seinen Rath mit Unterwerfung ehren. Wir bitten um diese Gnade in stiller Undacht.

Evangelium: Marc. VII. 0.31 -37.

Und da er wieder ausgieng von den Grenzen Tyri und Sidon, kam er an das galilåische Meer, mitten unter die Grenze der zehen Städte. Und sie brachten, zu ihm einen Tauben, der stumm war; und sie baten ihn, daß er die Hand auf ihn legte. Und er nahm ihn von dem Volk besonders, und legte ihm die Finger in die Ohren, und spůžete, und rührete reine Zunge, und sabe auf gen Himmel, seufzete, und sprach zu ihm: Hephatha, das ist, thue dich auf. Und alsbald thaten sich seine Ohren auf, und das Band reiner Zunge ward los, und redete recht. Und er verbot ihnen, fie foatens Niemand sagen. Je mehr er aber verbot, je mehr fie es ausbreiteten. Und verwunderten sich über die manie, und sprachen: Er hat alles wohl gemacht; die Tauben mas chet er hørend, und die Sprachlosen redend.

Jesus ist in dem vorgelesenen Evangelio mit der Heilung eines Unglücklichen beschäftigt, M. Z., der schon von Natur einen elenden Körper hatte, und durch denselben gerade dessen beraubt war, was uns am meisten als vernünftige Geschöpfe auszeichnet, nämlids der Fähigkeit zu sprechen. Die Hilfe, die' Jesus diesem Elenden widerfahren ließ, erzeigte er bekanntlich unzähligen Leidenden, die man ihm brachte; Linderung menschlicher Noth, Aufhebung körperlicher Gebrechen, Wegnehmung unheilbarer Webel, Rettung mit dem Tode ringender Kranken war in den lezten Jahren seines Lebens so sehr sein Geschäft, daß er es überall mit seinem Unterrichte verband; daß fait kein Tag vergieng, wo man nicht mit dem Volt im Evangelio jagen konnte; er hat

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