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nuß und Selbstfucht gerichtet, werden nur allzuoft von menschenfeindlichen Neigungen zum Verderben Andrer angewandt! Seßet nun, diesen zerstörenden Trieben wäre kein Gefühl zum Gegengeivicht ge: geben, das an fremden Zuständen Theil nehmen kann, das mitleidsvoll, nachgebend und gelinde macht, wenn Andre leiden; welch ein harter, unem: pfindlicher Tyrann würde der Mensch seyn! Was wäre dann fähig, die Gewalt seines Zorns zu mäs: sigen; das Feuer seiner Rachsucht zu dänıpfen; die Macht seines Hasses zu vermindern; und die schreck:

lichen Ausbrüche seines Uebermuthes, feines Muth' willens, seiner Grausamkeit zurückzuhalten? Ach

es ist der immer wirksame, so leicht in Bewegung gerathende Hang zur Theilnehmung, was das Aufbrausen feindseliger Leidenschaften beruhigt, und das empörte Herz zu sanftern Gefühlen stimmt! Diesem Hang haben wirs zu verdanken, daß uns das Schicksal des armen Wandrers im Evangelio nicht auf jeder Strasse trifft; daß nicht jeder Stärs kere sich Gewaltthätigkeiten gegen uns erlaubt; daß dieser Erdkreis nicht eine grausenvolle Mörder: grube ist. Wisset ihr nicht aus der Erfahrung, sebet ihrs nicht aus dem Benspiele des Priesters und Leviten in Evangelio, sagt es nicht die ganze Geschichte, daß der Mensch zum Wütherich, zum Unterdrücker der Unschuld, zum blutdürstigen Ty: rannen wird, sobald es ihm gelungen ist, sein Herz gegen alle Leiden und Freuden Andrer zu verhär: ten, sobald er für Niemand weiter etwas empfindet, und seiner Selbstsucht ohne Einschränkung folgt? Weise, gütige Einrichtung unsers Gottes! Wir fou: ten viel Kraft, viel Vermögen zu wirken besißen: aber unsre Ueberlegenheit sollte nicht von feindseligen Neigungen zur Zerstörung gemißbraucht wer: den; Gott hat diesen schädlichen Trieben an dem Hange zur Theilnehmung ein heilsames Gegen: gewicht gegeben.

Seket noch hinzu, daß dieser Hang auch die gesellschaftliche Vereinigung der Menschen befördern solt. Un dieser Vereinigung ist un: endlich viel gelegen, M. Z., je genauer wir mit einander verknüpft sind, uns für einander verwenden, und in freundschaftlichem Einverständniß für unsre Wohlfahrt sorgen: desto schneller, desto gewisser und grösser sind auch unsre Fortschritte zu jeder Art von Vollkommenheit und Genuß. Aber o mein Gott, wie mannigfaltig und wirksam sind auf Er: . den die Ursachen, welche diese Vereinigung hindern; welche die Menschen von einander treninen; welche sie mit Gleichgültigkeit und Haß gegen einander er: füllen! Da giebt es Unterschiede des Standes und der Geburt; Unterschiede der Lebensart und der Be: mühungen; Unterschiede der Bildung und des Ge: schinacks ; Unterschiede der Sitten und Gewohnheis ten; Unterschiede des Volks und der Sprache; Ún: terschiede der Religion und des Gottesdienstes. Was würde aus dem menschlichen Geschlechte werden, welche Verwirrung, welche Unordnung, welcher wilde, alles zerstörende Geist der Uneinigkeit würde den Erdkreis beherrschen, wenn uns Gott durch den Hang zur Theilnehmung nicht wieder mit einander verbände, wenn er unserm Herzen nicht ein Gefühl eingepflanzt hätte, welches die Kraft jener Unter: schiede schwächt, und uns einander wieder nähert! Weder der Unterschied des Volks, noch der bitterste und grausamste unter allen Urten des Hasses, der Religionsbab, vermag etwas über den Samariter im Evangelio. Er sieht in dem Wandrer, der mit dem Tode ringt, nicht den Fremden, nicht den Ju: den, sondern bloß den Menschen, bloß den Leiden: den, und mehr bedarf sein theilnehmendes Herz nicht, um sich zum Beystand zu entschliessen. Sehet da die sanfte Gewalt, geliebten Brüder, durch welche Gott die Menschen aller Zeiteni, aller Gegenden, aller Stände, aller Parthenen an einander heftet!

Nein, sie vermögen es nicht, die gemeinschaftliche Natur zu verkennen, die sie alle besitzen; sie fühlen es, sobald sie sich im Glück oder im Unglück ein: ander erblicken, wie nahe sie mit einander verwandt sind, wie sehr sie einander bedürfen, wie vernünf: tig und recht es ist, daß fie sich an einander anschließen, und immer mehr ein fest verbundnes Brüdergeschlecht werden. Der Hang zur Theilneh: mung soll die gesellschaftliche Vereinigung der Menschen befördern.

Er soll daher auch das mannigfaltige Elend des irdischen Lebens lindern. Denn wahrlic), unsre Schultern sind allein gar oft zu schwach, die Lasten zu tragen, die uns hier aufge: legt werden. Wo wollten wir Trost, wo wollten wir Unterstüßung, Hilfe und Erquickung finden, wenn wir mit lauter Unempfindlichen umgeben wä: ren, wenn Niemand durch unsre Bitten gerührt, durch unsre Thränen erweicht, durch unsern Jammer in Bewegung gelezt würde? Milder, wohl: thätiger, heiliger Trieb der Theilnehmung, den Got: tes Hand in die Herzen unsrer Brüder gelegt hat, o du bist unser Schutz; du bists, worauf wir uns berufen, wenn wir um Hilfe flehen; du bists, was uns der Verzweiflung und dem Untergang entreißt, wenn wir uns nicht zu helfen wissen! Denn ist es nicht der Hang zur Theilnehmung, was unsre Mitmen: schen für uns geschäftig macht, wenn uns ihr Ben: stand nöthig ist? Ist es nicht der Hang zur Theil

. nehmung, was so viel Handlungen der Wohltha: tigkeit, der Großmuth, der uneigennüßigsten Auf: opferung bervorbringt? Ist es nicht der Hang zur Theilnehmung, was noch Linderung in Schmerzen mischt, die man nicht heilen und wegnehmen kann? Unglückliche, welche kein Mensch zu retten vermag, ihr, die ihr ein Elend duldet, das nur die Hand Gottes lindern, nur der Arm des Allmächtigen auf:

heben

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heben kann: faget eg selbst, ob es nicht Labsal für euch ist, ob ihr euch nicht erleichtert fühlet,' wenn ihr nur sehet, daß man gegen eure Noth nicht gleichgültig ist; wenn ihr nur gerührtes, Mitleid und den sehnlichen Wunsch, euch helfen zu können, auf dem Ungesicht eurer Brüder leset; wenn nur ihre Thränen und ihre stille Wehmuth euch sagen, wie sehr sie euch verstehen, und mit euch leiden? Dant jen dir, Vater unser Aller, Dank auch für diese Erquickung, auch für diese Anstalt der Erbar: mung und Gnade, vurch die du uns ein Elend er: leichterst, das du uns nicht ersparen konntest! Auch wenn uns die verlassen, die uns die nächsten sind, auch wenn wir einsam und entblößt von Beystand und Hülfe fcheinen, hast du für uns gesorgt, und fo viel, ach so viel Herzen gebildet, die für uns fühlen, die sich unsrer annehmen werden! Der Hang zur Theilnehmung soll auch das mannigfaltige Člend des irdischen Lebens lindern.

Er soll uns endlich eine reiche Quelle er: quickender Freuden öffnen. Denn in der That, es sind angenehme Thränen, M. Br., die wir mit den Beinenden weinen; unser Herz gefällt sich wohl ben der stillen Rührung, welche wir beyn Leiden Ändrer empfinden; wir würden manche Stunde, die wir mit theilnehmender Wehmuth in der Gesellschaft eines tugendhaften Dulders zugebracht haben, nicht gegen ganze Tage des rauschenden Ver: gnügens und einer wilden Freude vertauschen wollen. Und macht nicht eben dieser Hang, der uns an frem: den Leiden Theil nehmen läßt, auch fremde Freuden zu den unsrigen? Erweitert er den Kreis unfers Ge: nusses nicht auf allen Seiten? Geschieht irgendwo etwas Edles, Grosses und Bewundernswürdiges, das durch denselben nicht ein Gegenstand des Ver: gnügens für uns würde? Strömen unserm fühlen: den Herzen, das jedem Eindruck offen steht, und alles D. Trini. vouf. Predigtfarmurg, 3. TH.

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Gute willig auffaßt, nicht aus der ganzen Natur unzählige Freuden zu? Wird durch lebhafte Theila nehmung nicht jeder Gegenstand in derselben reißen: der, jede Veränderung wichtiger, jede Schönheit grösser? Wird uns auf diese Art nicht selbst die Bergangenheit gegenwärtig?' Empfinden, teiden, freuen, fürchten, hoffen wir nicht durch Theilneh mung mit jedem guten, grossen, ehrwürdigen Mann, er habe gelebt, wo er wolle, er habe gethan und gelitten, was er wolle? Sind endlich eben diese Freuden der Theilnehmung nicht die reinsten, die unschädlichsten, die dauerhaftesten und besten? Ich segne euch mit inniger Dankbarkeit gegen Gott, Stunden meines Lebens, die ich im Schoose der theilnehmenden Freundschaft zugebracht, wo ich das Glück meiner Lieben empfunden, wo ich wehmüthig mit ihnen gelitten, wo ich ihnen Erquickung und Linderung gegeben, wo ich mich hinausgeschwungen habe über die wenigen Jahre meines Dasenns, um die grossen Handlungen, um die Leiden, um die Schicksale aller guten Menschen der vorigen Zeiten kennen zu lernen, nachzuempfinden, mich derselben zu freuen, und Ermunterung und Trost aus den felben zu schöpfen; ich fegne euch, Stunden dieser Beschäftigung; denn unter allen frohen Augen: blicken, die Gott_mir auf Erden geschenkt hat, send ihr die fruchtbarsten und seligsten gewesen! Es war die Absicht unsers Vaters, M. Br., uns durch den Hang zur Theilnehmung, den er in unsre Seele ge: legt hat, auch eine reiche Quelle erquickender Freu: den zu öffnen.

Ist aber dieser Hang in seiner Abzweckung so wichtig: so ist es sehr nöthig, daß wir noch unter: suchen, wie er nach den Vorschriften des Christenthums gebildet werden soll. Denn glaubet nicht, daß es einer solchen Bildung nicht bedürfe; auch die beste Neigung unsers Herzens

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