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eben diese merkliche Abwechslung unsrer Umstände sen eine Ermunterung für uns, recht oft Vergleichungen anzustellen zwischen dem, was wir jezt find, und zwis schen dem, was wir ehemals waren. Je öfter wir dieß thun, je lebhafter wir uns die ganze Reihe unsrer Schicksale vorstellen: desto mehr werden unsre chema: ligen Gefühle sich in uns erneuern; desto stärker wers den wir empfinden, wie dem Armen zu Muthe ist, wenn wir einst selbst arm waren; wie der Gedrückte und Niedrige denkt, wenn wir einst selbst unter dem Drucke lebten; was der Kranke fühlt, wenn wir einst selbst so litten; desto miehr Fähigkeit, durch das Elend und den Jammer Andrer gerührt zu werden, werden wir selbst im Glücke benbehalten, und so dir, dir nach: ahmen, Herr Jesu, der du auch in der Herrlichkeit ein treuer Sjoherpriester bist, und Mitleiden haben kannst mit unsrer Schwachheit. Du sißest zur Rech: ten der Majestät im Himmel, und bist Herrscher über alles; aber die Herrlichkeit des Himmels hat jene Lie: be, jenes zarte menschliche Gefühl nicht aeschwächt, mit welchem du in deiner Niedrigkeit der Freund, der Trost, der Wohlthäter aller Leidenden warst. Uch was wären wir, wenn die kleinen unbedeutenden Ver: änderungen dieses Lebens uns gegen die verhärteten, die du, Sohn des Almächtigen, würdigest, deine Brü: der

gu nennen! Nein, den Weg der Liebe, der Sauft: muth, des Wohlwollend wollen wir betreteni, der dich. zur Herrlichkeit führte; wir wollen uns bestreben, ges sinnt zu seyn, wie du. O gieb und deinen Geist, Sere Sesu, gieb uns deinen Sinu! Amen.

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53. Am funfzehnten Sonntage nach

Trinitatis.

Nichts muß für den ernsthaften und nachdenkenden Beobachter dessen, was anf Erden geschieht, mert: würdiger seyn, M. Z., als das verworrene Schau: spiel der menschlichen

Bestrebungen. So zahlreich auch das mensdliche Geschlecht ist; so groß auch die Unter: (chiede des Alters, des Standes und des Volks sind; so weit auch die äussern Umstände, Berfassungen und Einrichtungen von einander abweichen, in welchen die Menschen einzeln sich befinden und leben: so ist doch alles in unaufhörlicher Bewegung; alles verfolgt ges. wisse Endzwecke; alles strebt, seine Kräfte zu äussern und sein Dasenn durd, gewisse Wirkungen zu erken: nen zu geben. Und welch ein Kampf, welch ein selt: fames Gemisch einander entgegenlaufender Bestrebungen entspringt aus dieser Bemühung! Je stärker der innre Trieb ist, welcher die Menschen in Bewegung sezt; je weiter sie sich mit ihrer Geschäftigkeit aus: breiten, und ie mehr Gegenstände sie in den Umkreis derselben ziehen: desto leichter begegnen sie einander, desto gewisser werden sie einander hinderlich, desto mehr sehen sie sich genöthigt, entweder einander aus: zuweichen, oder sich in einen Streit einzulassen, dessen Uusgang immer ungewiß ist. Ein immerwährendes Jagen nach gewissen Vortheilen; ein ängstliches Bes streben, es Undern zurorzuthun, und ihnen den Rang abzulaufen; ein unablässiges Aufbieten aller nur mög:

lichen Künste, sich Undern bemerklich und wichtig zu machen; eine fast unglaubliche Anstrengung endlich, die Qual der langen Weile abzuwenden, und jeden Augenblick des Lebens mit angenehmen Unterhaltungen auszufüllen: dieß ist es, was ben der menschlichen Thätigkeit am nieisten in die Augen fällt, was man wahrnimmt, man mag auf Erden hinsehen, wo man will.

Uber unmöglich kann dem, der dieses sonderbare Schauspiel mit Nachdenken betrachtet, die Bemers kung entgehen, M.3., daß ben weitem die meisten dieser Bestrebungen eitel sind, und nie eine Wirkung hervorbringen, mit der die Vernunft zufrieden seyn könnte. Uch unzählige Menschen, die ihre Kräfte das ganze Leben hindurch angestrengt haben, und unauf: Hörlich in unruhiger Bewegung gewesen sind, vers schwinden beym Tod aus der menschlichen Gesell: schaft, ohne auch nur eine merkwürdige und dauer: hafte Spur ihres Dasenns zurückzulassen. Es giebt , Absichten und Entwürfe, an deren Ausführung ganze Gesellschaften, ganze Völker mit einem ungeheuern Aufwande von Kraft seit Jahrhunderten arbeiten, und die noch immer unvollendet sind, von denen es sogar ungewiß ist, ob sie jemals vollendet werden können. Und wem wird es nicht beym Nachdenken über sein tägliches Thun und Wirken, mehr als ihm lieb ist, deutlich, daß er sich häufig ganz umsonst anstrengt, daß er seine Zeit und seine Kräfte in unzähligen fruchtlosen Handlungen verschwendet, und daß er nach den fortgesézten treuen Bemühungen vieler Jahre seinem Endzweck noch um keinen Schritt näher ift.

Sollte es denn das traurige Loos der Men: îchen senn, zu wirken, und nichts auszurichten, unaufhörlidh Bewegungen zu machen, und nicht weiter zu kommen; sollte ein grausames unwidertreibliches Schicksal fie dazu bestimnten haben, sich einige Jahre hindurch in einer zwecklosen Unstrengung zu erschö: pfen, und dann ohne allen wahren Gewinn von dem

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Schauplaß dieses eitlen Tumults wieder abzutreten? O wie wären wir zu bedauern, M. Br., wenn dieß so wäre, wenn es nicht in unsrer Macht stünde, uns nüßen Bemühungen vorzubeugen, und unsrer Thäs tigkeit eine weise, fruchtbare, noch für eine andre Welt wichtige Einrichtung zu geben! Höret den, der vom Hiinmel auf die Erde gekommen ist, das größte Geschäft zu vollenden, das man jemals un ternommen hat; höret den Sohn Gottes im heutis gei Evangelio über menschliches Thun und Wirken urtheilen: und ihr werdet die Ursachen kennen ler: nen, warum unsre Bemühungen so ost thöricht und eitel sind; ihr werdet aber auch überzeugt werden, daß es möglich sen, Absicht und Zujammenhang in unsre Bestrebungen zu bringen, und Früchte zu schaf: fen, die noch in der Ewigkeit genossen werden kön: nen. Olaß es uns gelingen, Herr Jesu, dir nach: zuahmen! Laß uns gleichgültig gegen alles, was eines vernünftigen, zu ewigdaurenden Endzwecken be: stimmten Wesens unwürdig ist, alle unsre Kräfte, alle unsre Bestrebungen auf das allein richten, was du uns als das rechte Ziel augewiesen hast! Auf dich fod unser Blick gerichtet senn; dir, der das Wert des Vaters so herrlich vplendet hat, dir, dem Führer zur Tugend und zur Unsterblichkeit, wollen wir folgen. Wir fleben um deinen Segen in stillen Gebeten.

Evangelium: Matth. VI. v. 24-34.

Niemand kann zwepen Herren dienen, entweder er wirb einen hassen, und den andern lieben; oder wird einem anhans gen, und den andern verachten. Ihr könnet nicht Gott dies nen und dem Mammon. Darum sage ich euch: Sorget nicht für euer Leben, was ihr essen und trinken werdet, auch nicht für euren Leib, was ihr anziehen werdet. Ist nicht das Res ben mehr, denn die Speise? Und der Leib mehr, denn die Kleidung? Sehet die Dögel unter dem Himmel an, fie fåer nicht, fie erndten nicht, sie rammlen nicht in die Scheimen; und eiter himmlischer Vater ernähret fie doch. Send the denn nicht viel mehr denn fie? Wer ist unter euch, der seiner Långe eine Elle jureßen moge, ob er gleid darum forget? Und warum forget ihr für die Kleidung ? Schauet die Lilien auf dem Felde, wie sie tachren: fie arbeiten nicht, auch spinnen sie nicht. Ich sage euch, daß auch Salomo in aller seiner Herrlichkeit nicht bekleidet gewesen ist, als dere selben eins. So denn Gott das Gras auf dem Felde also kleidet, das doch heute stebet, und morgen in den Ofen gee worfen wird: sollte er das nicht vielmehr euch thun? D ihr Kleingläubigen! Darum fout ihr nicht sorgen und ram gen: Was werden wir essen? Was werden wir trinken? Womit werden wir uns kleiden? Nach solchem allen trad). ten die Heiden: denn euer himmlischer Vater weiß, daß ihr deß alles bedürfet. Trachtet am ersten nach dem Reicbe Gottes, und nach seiner Gerechtigkeit, so wird euch solches alles zufallen. Darum sorget nicht für den andern morgen, denn der morgende Tag wird für das feine sorgen. Es if genug, daß ein jeglicher Tag seine eigene Plage babe.

Voll von treffenden Bemerkungen über das Thörichte, Zwecklose und Eitle in der Thätigkeit und den Bestrebungen der Menschen ist das vorgelesene Evangelium, M. Z. Wir dürfen die Erinnerungen

Jeju in demselben nur sammeln, um dadurch auf al: les geführt zu werden, was zu dieser Eitelkeit ges hört. Aber noch mehr. Jesus läßt es nicht daben bewenden, zu zeigen, wie vergeblich und widersinnig die menschlichen Sorgen und Bemühungen zu sena pflegen: er giebt auch eine Anweisung, wie aties besa ser einzurichten fen, und welches Ziel unser Streben haben müssen

, wenn es nüßlich und weise fenn soll. Lasset uns diesen wichtigen Inhalt des Evangelii auch zum Inhalt unsrer heutigen Betrachtungen wählen; lasset uns untersuchen: wozu uns das Eitle antreiben soll, das in der gewöhnlia chen Geschäftigkeit der Menschen herrscht. Wir wollen vor allen Dingen dieses Eitler nach Anleitung des Evangelii, genauer kennen lernen; hernach aber sehen, wozu es uns antreiben soll.

Unsre Geschäftigkeit ist eitel, M. 3., wenn fle entweder gar keine Übsicht hat, sondern ein unvedo

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