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Körper zerstören; nicht die lezte Angst der Sters benden; nicht die blutenden Wunden der Traurens den, die er verläßt; nicht die Zerstörungen des Gras bes und der Verwesung will ich euch heute zeigen: alle diese Schrecken, vor denen die schwache Sinnlichkeit bebt, verschwinden, wenn wir gestärkt durch die Kraft der Vernunft, und geleitet von dem Glanze des Evangelü Jesu eindringen in den Rath des Aů: mächtigen, und die grossen Endzwecke erblicken, die Gottes Weisheit auch hier befördert und erreicht. Ueberwinder des Todes, Geber des Lebens und der Unsterblichkeit, Herr Jesu, du hast sie uns enthüllt die Gesinnungen der Erbarmung und Vaterliebe, die unser Schöpfer auch dann gegen uns hat, wenn er uns sterben läßt, durch dich kennen wir die weisen und wohlthätigen Absichten, die auch in dieser Einrichtung verborgen liegen! Laß uns Muth fasz sen, laß unsern Uugen die heilsamen Folgen sichtbar werden, die aus dieser Quelle entsprungen find, und noch täglich entspringen; laß Dankbarkeit, und Zus friedenheit, und Hoffnung in uns erwachen, und fegne diese Stunde! Wir fleben um diese Gnade in stil ler Andacht.

Evangelium : Luc. VII. v. 11-17.

Und es begab sich darnach, daß er in eine Stadt, mit Namen Nain, gieng; und seiner Jünger giengeri viel mit ihm, und viel Golfs. Als er aber nabe an das Stadtthor fam, fiebe, da trug man einen Todten heraus, der ein einiger Sohn war seiner Mutter, und sie war eine Wittwe, und viel Volt aus der Stadt gieng mit ihr. Und da fie der Herr sahe, jammerte ihn derselbigen, und sprach zu ihr: Weine nicht. Únd trat hinzu, und rührete den Sarg an, und die Träger stunden. Und er sprach: Jungling, ich sage dir, stehe auf, und der Todte richtete sich auf, und fieng an zu reden. Und er gab ihn seiner Mutter. Und es fam fie alle eine Furcht an, und preifeten Gott, und spraden: Es ist ein grosser Prophet unter uns aufgestanden, und Gott hat fein Volt Heimgesuchet. Und diese vede von ihm erscholl'int das ganze jüdische fand, und in alle umliegende länder.

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Ein Gemisch von Traurigkeit und Freude, vor Wehmuth und Vergnügen bringt die Betrachtung des merkwürdigen Auftritts hervor, der in dem vor: gelesenen Evangelio beschrieben ist. Der Anblick eis nes Leichenzugs, die traurige Stille einer Menge von Begleitern, die Leiche eines blühenden Jünglings, die Thränen einer trostlosen Mutter, alle diese Dinge müssen den, der nicht alles Gefühl verloren hat, rüh: ren und niederschlagen. Aber müssen die Gesinnun: gen der Zärtlichkeit, die hier so sichtbar sind; müs sen die Beweise einer menschenfreundlichen Theilnehmung, welche die Beivohner Nains ben dieser Geles genheit geben; miuß nicht insonderheit das Verhalten Jesu, die rührende Freundlichkeit, mit der er die jammernde Mutter tröstet, und die Macht, mit der er den Verstorbenen ins Leben zurückruft; müssen diese Dinge dem Herzen des Betrachtenden nicht wohl thun, es erquicken, es erheben und mit Muth erfüllen; müssen sie nicht die Vorstcilung in ihm erwe: chen, auch der Tod habe eine erfreuliche Seite, und diene dazu, Gutes auf Erden zu wirken? Sehet da den Gesichtspunct, welchen wir heute fassen, durch welchen wir uns ben der Nothwendigkeit, die Unsri gen verlieren, und einst selbst scheiden zu müssen, aufrichten und trösten wollen! Ich werde euch nämlich dießmal den Tod als einen Beförderer unsrer sittlichen Vollkommenheit zeigen; nur wollen wir uns, ehe ich ihn so darstelle, ehe ich den Beweis führe, daß er dieß wirklich sen, über einige Puncte mit einander veceinigen, welche dabey vorausgesezt werden.

Als entschieden nehme ich also an, daß die Ein: richtung der Natur, nach der unserirdisches Leben nur eine Zeit lang daueru, und unser Körper durch tausend Ursachen aufgelöset und zerstört werden kann,

nicht das Werk einer blinden Nothwendigkeit, nicht " das Spiel des Ungefährs, sondern die Anstalt einer

unendlichen Weisheit ist, die wichtige Endzwecke das durch erreichen will. Ist närulich gewiß, was Ver:

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nunft und Schrift so deutlich und einstimmig lehren, daß Gott die Schicksale der Menschen regiert: so muß vornämlich der Tod, mit allen seinen Ursachen, Umständen und Folgen unter Gottes Leitung stehen, so kamu absichtsloser Zufall nirgends weniger herr: schen, als hier, wo von dem Leben oder Tod eines Einzigen oft das Glück oder Unglück vieler Tausenden abhängt. — Daber räume ich gern ein, daß die äußre Gewalt des Todes sehr abschreckend ist. Kann junser natürliches Gefühl mehr erschüttert, und stärker ergriffen werden, als durch die Verfassung eines Sters benden, als durch die traurige Hilflosigkeit dessen, demt kein Glied seines entstellten Körpers mehr gehorcht, dessen Sinne sich verschliessen, der die Klage der Freundschaft nicht mehr vernimmt, den keine Macht der Liebe niehr retten kann, vor dem der Himmel und die Erde versdwinden, dessen Geist in eine Nacht ver: finkt, wo ihm kein menschliches Auge weiter verfolgen kann, der nichts zurückläßt, als einen fühlosen, in den Staub zurückeilenden Leichnam ? Unter allen Ver: änderungen, die

sich mit uns zutragen können, ist diese, ich gestehe es, für unsre Empfindung die traurigste, und die tieffte Stufe unsers irdischen Elends. — Und doch behaupte ich, genauer betrachtet, sen der Tod ein grosser Wohlthäter für uns, er sen ein Beförde: rer unsrer sittlichen Vodkommenheit. Auch hier febe ich näinlich als ausgernacht voraus, die wahre Vou: kommenheit solcher Wesen, wie wir sind, könne keine andre senn, als die sittliche; sie könne nichts anders senn, als ein Inbegriff solcher Eigenschaften, die eines zur Unsterblichkeit bestimmten Geistes würdig find; sie könne in nichts anderm bestehen, als in wahrer Weisheit, in edlen Gesinnungen, und in reiner Tugend; sie sey die glückliche Verfassung, wo man voli Glauben an Gott und Jefum unablässig be: müht ist, zu thun, was recht ist, und dem Höchsten Urbild aller Vollkommenheit und Heiligkeit mit jedem Tage ähnlicher zu werden.

Es läßt fich sehr deutlich zeigen, M.3., daß der Tod ein Beförderer dieser Vollkommenheit ist. Denn er hat einen grossen Theil uusrer wich: tigsten Kenntnisse; unsrer edelsten Gefühle; unsrer schönsten Handlungen und einer Stärke des Geistes veranlaßt, die uns weit über den Staub der Erde erhebt; jeden dieser vier Puncte wollen wir genauer erwägen.

Der Tod ist schon darum ein Beförderer un: srer sittlichen Vollkommenheit, weil er einen grofy seni heilunsrer wichtigsten Kenntnisse ver: anlaßt hat.' Zwar sind die Ursachen · unzählig, durch die unsre Wißbegierde getrieben wird, alles zu erforschen, was da ist, und sich Einsichten aller Art zu verschaffen. Aber daß der Tod, daß die Nothwendigkeit zu sterben, eine von den 'wirksamsten Trieb: federn ist, durch die Gott unsern Verstand in Thä: tigkeit sezt, und in einer immerwährenden Anstrengung erhält, ist unläugbar. Denn dieser Einrichtung sind wir nicht nur eine Menge nützlicher Entdeckun: gen, sondern auch gerade die lieberzeugungen schuldig, die der Grund unsrer Zufriedenheit sind.

Dem Tode, der Nothwendigkeit zu sterben, find wir eine Menge nüßlicher Entdeckungen schuldig. Denn ist in unsern Künsten, in unsern Kennt: nissen von der Natur der Dinge, in unsern meisten Wissenschaften der Wunsch, das Bestreben, die Un: strengung nicht sehr sichtbar, mit der die Menschen aller Zeiteu darauf bedacht gewesen sind, den schrece: lichen Augenblick des Todes fo lang, als möglich, zu entfernen, und das Ziel ihres Dasenng auf Er: den hinauszusetzen, so weit sie konnten? So viele Künste, welche der menschliche Geist nach und nach erfunden hat, und durch die der Umfang seines Wissens so sehr erweitert worden ist, haben keinen andern Endzweck, als diesen schwachen Körper, der auf allen Seiten mit Ursachen der Zerstörung um: ringt ist, zu schütén, zu bedecken, zu erhalten, zu

stärken, und ihm sichre Zufluchtsörter, ihm kräftige Rettungsmittel zu verschaffen. Aber würde unser Geist die Beschaffenheit und den Bau unsers Körs pers so eifrig erforscht; würde er alles, was det Erdkreis enthält, sich bekannt gemacht; würde er Mittel der Ernährung und Bedeckung aus allen Reichen der Natur gesammelt; würde er in allen Tiefen und Erzeugungen derselben Arznenen aufge: sucht, und auf diesem Wege tausend heilsame Beleha rungen gefunden haben: wenn die Furcht, ein frü' her Raub des Todes zu werden, wenn die Hoffnung, diesen Feind eine Zeit lang abzuhalten, ihn nicht zur lebhaftesten Thätigkeit erweckt hätte? Welche un: besorgte, gleichgültige, schläfrige Geschöpfe würden wir seyn, wenn wir nichts zu fürchten hätten, wenn uns unser Lebensende eben so verborgen wäre, als den Thieren, wenn die Hinfälligkeit und Gebrechlich: keit unsers Körpers uns nicht nachdenkend und era finderisch machte! Wir sind dem Tode eine Menge nüßlicher Entdeckungen sduldig.

Áber noch mehr; wir haben ihm auch gerade die Ueberzeugungen zu verdanken, die der Grund unsrer Zufriedenheit sind. Dieß klingt sonderbar und unglaublich; aber höret midi, und urtheilet dann selber. Dringen sich dem Menschen, der einen seiner Mitmenschen nach dem andern sterben, und von seiner Seite verschwinden sieht; der nach wenig Jahren fein eignes Ende erwartet, und es weiß, es stehe ihm der Uebergang in einen Zustand bevor, den eine undurchdringliche Finsterniß bedeckt, und aus welchem Niemand zurückzukommen pflegt; dringen sich dem, der dieß alles wahrnimmt und überlegt, nicht von selbst die Fragen auf: wer bin ich? Wozu bin ich hier ? Was soll einst aus mir werden? Wer waltet über mein Schicksal ? Jst der Tod Vernichtung und Untergang für mich, oder erwartet mich ein neues Leben? Wie nahe liegen uns diese Fragen, M. Br.! Mit welcher Gewalt

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