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den thätig, die ganze Natur um uns her hellt sich auf, Aussichten öffnen sich uns, die uns weit über die Erde hinausführen, und uns in jedem Betracht ein: ander werth und wichtig machen, sobald wir uns im Geist und Sinne Jesu einander beurtheilen. Wie könnten wir dieses Fest, das uns an eine höhere und unsichtbare Welt erinnert, besser fenern, M. Br., als wenn wir die Aufklärungen sammeln, die uns Gott über den Werth unsrer Natur in seinen Aua gen gegeben hat, und au. die uns das Christenthum überall hinweiset. Es wird sich zeigen, daß wir mehr find, als alles, was sich unsern Sinnen darstellt; daß das höhere Reich Gottes, daß die unsidtbaré Drdnung der Dinge, wo Vernunft und Frenheit herra schen, für uns nicht unzugänglich ist; daß wir in die Gesellschaft der erhabnern Wesen, die wir mit dem Namen der Engel Gottes bezeichnen, einst über: gehen sollen, sobald unser Geist der Erde entflohen jenn wird. Lasset uns unsre Gedanken sammeln, M. Br.; lasset uns mit Aufmerksamkeit und Ehreebietung vernehmen, wie sich Gott selbst über den Werth unsrer Natur erklärt hat; lasset uns bitten, daß er diese Stunde der Betrachtung segne.

Evangelium: Matth. XVIII. v. I-II.

Zu derselbigen Stunde traten die Jünger zu Jesu, und sprachen: Wer ist doch der Grøffeste im Himmelreich? Je. sus rief ein Kind zu fich und stellete es mitten unter Fie, und sprach: Wahrlich, ich sage euch: Es ren denn, daß iht euch umkehret, und werdet wie die Kinder, so werdet ihr nicht in das Himmelreich kommen. Wer sich nun selbst er: niedriget, wie dieß Kind, der ist der Grøffeste im Himmelreich. Und wer ein solches Kind aufnimmt in meinem Namen, der nimmt mich auf. Wer aber árgert dieser Geringsten einen, die an mich glauben, dem wåre besser, daß ein Mühlstein an reinen Hals gehånget wurde, unð er erfäufet wurde im Meer, da es am tiefsten ist. Webe der Welt der Hergerniß halben! Es muß ja Alergerniß kommen; doch wehe dem Renschen, durch welchen Aergerniß kommt! So aber deine Sand oder dein Fuß dich ärgert, so haue ihn ab, und wirf

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ihn von dir; e$ ift dir besser, daß du zum Leben lahm, oder als ein Krüppel eingebeft, denn daß du zwo Hånde oder gween Füffe habeft, und werdest in das ewige Feuer gewor, fen. ůnd ro' dich dein Auge årgert, reiß es aus, und wirf es von dir: es ist besser, daß du einäugig zum Leben eins gehest, denn daß du zwen Augen habeft, und werdest in das hodische Feuer geworfen. Sebet žu, daß ihr nicht Jemand von diesen Kleinen verachtet. Denn ich sage euch, ihre Ens gel im Himmel reben allezeit das Angesicht meines Vaters im Himmel. Denn des Nenschen Sohn ist tommen, relig 34 machen, das verloren ist.

Die Absicht fällt in die Augen, M. 3. , welche Jesus durch die Belehrungen erreichen woute, die er seinen Aposteln in dem vorgelesenen Evangelio erthei: let. Noch immer nährten sie die eitle Hoffnung, im Reiche des Messias, dessen Errichtung sie nun nächstens erwarteten, hohe Ehrenstellen, und eine ausge: breitete Herrschaft über die Völker der Erde zu er: halten. Daher rührte eben die Frage, welche sie Jesu am Anfange des Evangelii vorlegten: wer ist doch der Grösseste im Himmelreich? Aber wie weit entfernten sie sich durch solche Erwartungen von ihrer wahren Bestimmung! I nicht gewaltige Herra scher, nicht Bändiger und Unterdrücker ganzer Nas tionen sollten sie werden: nein, sanfte, menschenfreundliche Lehrer der Wahrheit und Tugend follten sie einst senn, die sich gütig herablassen könnten zu den Verachteten und Kleinen, zu der niedrigsten Klasse des Volks, welche der Stolz aufgeblasener Weisen bisher vernachlässigt hatte. Konnte Jesus seinen Apos steln diesen Beruf, der das gerade

Gegentheil ihrer bisherigen Hoffnungen war, ehrwürdiger und anges nehmer vorstellen, als wenn er ihnen zeigte, wie theuer jedes menschliche Geschöpf, auch das geringste, vor Gott sen, und wie sehr man sich Glück wünə schen könne, wenn man von ihm dazu gebraucht werde, Andre zu belehren, zu bessern und ihnen Gutes zu thun ? Recht absichtlich erinnert also Jesus seine Jünger an alles, wodurch Gott sein Urtheil

über unsre Natur, und die Huld, der er sie wür: digt, zu Tage gelegt hat; er sammelt die Merkmale des göttlichen Wohlgefallens an uns auf eine Art, die unsre angestrengteste Aufmerksamkeit verdient. Und wahrlich, wir bedürfen es, wenn wir in Zeiten, wie die unsrigen sind, nicht kleinmüthig werden, und an unserm Geschlechte gleichsam verzweifeln wollen, daß man uns zeige, was es vor Gott ist, und wie fein Schöpfer es ansieht.

Von den Aufklärungen, die uns Gott über den Werth unsrer Natur in seinen Augen gegeben hat, werde ich also dießmal reden. Lasset mich diefe Aufklärungen nachweisen; hernach wollen wir überlegen, wozu wir sie gebrauchen und anwenden sollen.

Was von unsrer Natur zu halten fers, und wel: chen Werth sie habe, darüber hat Gott selbst sich geäussert, M. 3., und es lassen sich die Aufe'lä: rungen, die er hierüber gegeben hat, sehr vouständig nachweisen, wenn wir den Belehrungen unsers Evangelii folgen. Auf eine drenfache Art hat nämlich Gott nach diesen Belehrungen den Werth be: stimmt, den unsre Natur in seinen Augen hat; er bat ihn durch die Kräfte, die sie besizt, durch die Regierung, die er über sie führt, und durch die Anstalten bezeichnet, die zu ihrem Besten in Christo getroffen sind; sehet da dren Arten eines sanften erquickenden Lichts, die sich über unser Wesen verbreiten, und uns über die Wür: de desselben die erwünschtesten Unfklärungen geben!

Schon durch die Kräfte, die unsre Natur besizt, hat Gott den Werth bezeichnet, den fie in feinen Augen hat; denn durch diese Kräfte sind wir vernünftiger selbstthätige Wesen, and geschickt, ihm selbst ähnlich zu werden.

Wir sind vernünftige, selbstthätige We: sen durch die Kräfte, die Gott unfrer Natur ge: chenkt hat. Denn es ist keine eitle, keine übertrie:

bene

bene Forderung, M. Z., wenn uns Jesus im Evans gelio gebietet, die Hand abzubauen, den Fuß von uns zu werfeni, das Auge auszureissen, oder, welches einerlen ist, die liebsten Neigungen uns sers Herzens einzuschränken, zu bezähmen, zu unter: drücken, sobald sie uns ärgern, sobald sie uns zu Handlungen verleiten, die unrecht und schändlich sind.

Frenlich fehlte es uns an Ueberlegung und Bewußt: senn, hätten wir von dem, was gut und recht ist, kein Gefühl und keine Begriffe: so wäre es vergebs lich, Unterwerfung unter sittliche Gefeße von uns zu perlangen. Uber wir besißen Verrunft, M. Br. und durch sie spricht ein ehrwürdiges heiliges Gesek in unsrer Seele, das uns nicht bloß anzeigt, mas gut und recht ist; sondern auch mit einer Augemein: heit und Strenge gebietet, die keine Ausnahme vers stattet. Noch mehr, wir sind auch der Gewalt finns licher Triebe nicht so unterworfen, wie die Thiere, die dem Zuge derselben blindlings folgen und folgen müssen; nein, wir fühlen uns fren; wir können wäh: len, bestimmen, und aus eigner Macht handeln; wir können den Forderungen unsrer Triebe widerstehen, und der Stinıme unsrer Vernunft gehorchen; es steht wirklich ben uns, die edle Selbstbeherrschung zu bes weisen, die Jesus im Evangelio verlangt.

Aber konnte Gott deutlicher erklären, welchen Werth una fre Natur in seinen Augen hat, als durch die Mits theilung solcher Kräfte? Erhebt uns unsre Ver: nunft nicht über alle Gegenstände der sichtbaren Schö: pfung?, Entreißt uns die frene Selbstthätigkeit, mit der wir handeln können, nicht auf einmal dem Zwange der Körperwelt? Sind wir durch solche Fähigkeiten nicht unläugbar Mitalieder

einer höhern und unsichts baren Ordnung der Dinge? Giebt es im Himmel und auf Erden etwas Bebres, etwas Edleres, etwas Erhabneres, als Vernunft und Frenheit?

Denn bemerket es wohl, durch diese Kräfte find wir geschickt, Gott selbst ähnlich zu web

D. Rang. touift. Predigtjamılg. 3. IH.

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den. Denn was heißt, Gottes Bild an sich tragen, und ihm ähnlich senn? Es heißt, die Wahrheit er: Pennen und lieben; es heißt, die Geseke der Ordnung empfinden und befolgen; es heißt, Heilig, gerecht und unsträflich senn; es heißt, unermüdet Sutes wirken, und alles um sich her beglücken; wer so denkt und handelt, ahmt dem Wesen nach, das laus ter Wahrheit, lauter Ordnung, lauter Heiligkeit und Güte ist. Ist es aber nicht offenbar, daß wir zu dieser Nachahmung alle fähig sind, wenn wir nur wollen? Ist die Wahrheit nicht auch uns erkenitbar, wenn wir unsre Vernunft gebrauchen? Reizt Drðnung und Uebereinstimmung nicht auch unser Herze wenn wir es nicht vorsäßlich dagegen verhärten? Können nicht auch wir thun, was recht ist, und der Sünde widerstehen, wenn wir unter dem Benstande Gottes uns anstrengen? Ist es nicht auch uns mögs lich, wohlthätige Wesen zu seyn, die in ihrem Kreise Gutes stiften, und jede Art des Wohlsenns und der Freude verbreiten? Höre die Stimme, die sich in deinem Innern erhebt, die oft lauter spricht, als alle deine Begierden; die dich unerbittlich verurtheilt, wenn du dich entehrest; ist es nicht die höchste Ver's nunft, ist es nicht das unendliche Muster aller Vollkommenheit, ist es nicht Gott, was sie dir zum Vor:

? , zu seinem Bilde verklärt zu werden? Heiliges Merk: mal unsrer Würde, Bestimmung zur Lehnlichkeit mit Gott, o du bist uns das sicherste Unterpfand, daß wir ihm werth und theuer sind; nein, er kann fie nicht verkennen, die Verwandtschaft, die unser Wesen mit dem Seinigen hat; er hat eben dadurch daß er gewollt hat, wir sollen seines Geschlechts seyn, deutlich genug erklärt, weichen Werth unsre Natur in seinen Augen habe.

Doch diesen Werth hat er auch durch die Regierung bezeichnet, die er über sie führt;

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