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senn, durch wechselseitiges, frenmüthiges und wohl: wollendes Ermahnen, Warnen und Erinnern in Guten zu wachsen, und immer neue Fortschritte zu mia: chen. Habt ihr über Jemand Aufsicht zu führen, und sind euch Andre empfohlen, nicht umsonst hat Gott alles so gelenkt; er wird euch einst zur Ver: antwortung ziehen, wenn ihr die Gelegenheit, die zu bessern, die euch so nahe waren, ungenüzt lasset. Urtheilet felbst, welches Gericht dem Unglücklichen bevorsteht, wider welchen einst die auftreten werden, die ihin auf Erden die nächsten waren, den sie vor dem Richterstuhle Gottes beschuldigen werden, daß er zu ihrer Besserung nichts gethan, oder wohl gar durch seine Laster sie ins Verderben gestürzt habe!

Doch dieß erinnert mich eben an das Lezte, was ich euch bey der Wahrheit, daß die Bemühung, Andre zu bessern, unter allen unsern Beschäftigungen die wärdigste sen, noch zu Gemüthe zu führen habe; bedenket es nämlich wohl, daß fie unter allen unsern Geschäften die reinste, selbst unsern Tod verfüßende Zufriedenheit schenkt. 'Ihr fehet, wie nachdrücklich Jesus im Evangelio von dieser Freude redet, und wisset, wie lebhaft er fie felbst empfand, mit welcher himmlischen Ruhe er am Ende seines Lebens sagen konnte: ich habe dich perkläret auf Erden, o Vater, und vollendet das Werk, das du mir gegeben hast, daß ich & thun sollte. Sie mögen uns jezt wichtig scheinen, M. 3., die Bemühungen, mit denen wir nach Reichthum, Vergnügen und Ehre streben, es mag ins zu einer grossen Genugthuung gereichen, wenn diese Geschäfte glücklich von Stat: ten gehen, und mit erwünschtem Erfolg verknüpft sind: aber es wird eine Zeit kommen, wo sie ihren Werth vor unsern Augen verlieren, wo sie uns in ihrer ganzen Eitelkeit erscheinen, wo wir einsehen werden, daß nichts, nichts von uns geschehen ist,

wenn wir bloß sie betrieben haben. Aber nach ganz andern Dingen wird unser brechendes Auge sich um sehen, ganz andere Dinge werden wir vollendet zu haben* wünschen, wenn wir einst scheiden sollen. Soll wahre Zufriedenheit, und reiner Genuß euch zu Theil werden, wollet ihr einst mit der Ueber: žeugung die Erde verlassen, daß auch ihr euer Werk glücklich vollendet habt, und eine frohe Aufnahme in der bessern Welt finden werdet: so müsset ihr wissen, daß ihr euch und Andre gebessert, daß ihr für den würdigsten Endzweck gearbeitet, daß ihr an der Sache Gottes und Christi Theil genommen habt. Wenn Freude vor den Engeln Gottes im Himmel ist über einen Sünder, der Buße thut, mit welcher Freude werden die Bewohner der bessern Welt euch einst empfangen, wenn ihr hier für sie gelebt, hier für sie gewirkt habt, wenn ihr die Lehrer und Retter vieler geworden send, die schon vor euch hergegangen sind, oder euch noch folgen werden. O das Labsal, der Wahrheit und der Zugend einen Sieg verschafft, und etwas bengetragen zu haben zur Besserung eurer Brüder, erquicke euch noch im Tode; dann werdet ihr ruhen, M. Br., von eurer Arbeit, und eare Werke werden zu ewig dauernden Belohnungen euch folgen; Amen.

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40. Am fo bann istage.

Ich kenne kein Schauspiel, M. 3., das für den aufmerksamen Beobachter, das infonderheit für den Christen, welcher wahren Eifer für alles Gute empfindet, lehrreicher und herzerhebender wäre, als der Unblick eines grossen, tugendhaften Mannes uns ter einem lasterhaften Volk und in einem verderbs ten Zeitalter. Die Geschichte aller Völker enthält traurige Zeitpuncte eines allgemeinen Verfalls, die dem Äuge des Betrachtenden nichts weiter darstel: ten, als herrschende Laster; wo es überall auf em: pörende Beweise einer ausgearteten Religion, einer entweder schwachen und ohnmächtigen, oder grausamen und tyrannischen Regierung, und eines nieder: trächtigen, mit allen Ausschweifungen

befleckten Pö: bels fält; wo sich die menschliche Natur in einer Entstellung, in einer Versunkenheit zeigt, die nothwendig Unwillen und Abscheu erwecken muß. In einem solchen Zeitalter, mitten unter Elenden, die man ohne Verachtung unmöglich sehen kann, einen Weisen zu finden, der fren ist von dem allgemeinen Verderben, der, umgeben mit allen Arten der Ver: führung, der Tugend treu bleibt, der durch den Adel seiner Gesinnung, durch die Reinigkeit seiner Sitten, durch die Würde seines Verhaltens, und durch die Grösse seiner Verdienste über alle seine Zeitgenossen hervorragt, und den miloen Glanz eines höhern We: sens in menschlicher Gestalt um sich her verbreitet, einen, solchen Heiligen mitten unter verworfnen Sün: dern anzutreffen: welch ein Anblick ist das; wie fühlt das gefränkte, durch ) ganzen verkehrten Geschlechts so tief verwundete Herz sich angezogeu und erquickt; zu welcher Bes wunderung wird der betrachtende Geist hingerissen, und mit welcher Rührung verweilt er ben dem Edeln, der das Lafter so mächtig beschämt und be: siegt, und die Ehre der menschlichen Natur so glücklich rettet!

Dieses angenehme grosse Schauspiel bietet uns der heutige Tag dar, M. 3." Denn er ist dem Andenken eines Mannes gewidmet, der in einem der verderbtesten Zeitalter, und unter einem der elende: sten und versunkensten Völker.. das Benspiel einer Tugend aufstellte, welche der Gegenstand einer allgemeinen Aufmerksamkeit und Bewunderung wurde. Die Religion kann nicht leicht ausgearteter und unwirksamer, die Sitteu eines Volks können nicht leicht ausschweifender und rober, der Zustand einer bür: gerlichen Gesellschaft kann nicht leicht bedenklicher, und in allen seinen Theilen verworrener seyn, als dieß alles im jüdischen Lande war, da Johannes, der Herold und Vorbote des allgemeinen Retters der Menschen, aus seiner Wüste hervortrat, und seine lasterhaften Mitbürger zur Besserung aufforderte. Welch eine Erscheinung war der junge Männ, der mit dem Ernst eines Propheten, mit dem Feuereifer des strengen Elias, und weit erhoben über die Laster seines weichlichen Zeitalters, auf einmal die Einsamkeit, verließ, in der er seine Jünglingsjahre mit stillen Betrachtungen und unter barten Uebún: gen zugebracht hatte! Er that kein Wunder, kein ausserordentlicher Erfolg kündigte ihn an, die' Neu: gierde fand nichts ben ihm, was sie befriediger konn: te; aber fein Ernst, feine Tugend, seine Strenge,

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die das Laster angriff, demüthigte, bestrafte, er mochte es finden, wo er wollte, es mochte in Purpur gekleidet seyn, und auf dem Throne fißen, oder im Staube leben, dieses seltne, in feiner Art einzige Benspiel fittlicher Reinigkeit und Grösse wirkte mit einer Kraft, welche die ganze Nation ergriff, welche von Hohen und Niedrigen empfunden wurde, welche die Vorstellung erweckte, er ser vielleicht selbst der grosse, von Gott gesandte Retter, den man schon so lang erwartet hatte.

Ninmt man den aus, M.Z., dessen Vorläu: fer Johannes war, und von dem er selbst sagte, er ten nicht werth, ihm die Schuhriemen aufzulösen: so hat die Tugend wohl nie einen schönern Sieg er: halten, als hier; so ist es wohl nie deutlicher gewor: den, wie viel sie durch sich selbst vermag, wie gewaltig sie die Herzen der Menschen an sich reißt, welche Uchtung und Ehrfurcht sie selbst einem vers dorbenen Zeitalter abnöthigt, als durch den grossen Mann, dem das heutige Fest heilig ist, die ausser: ordentliche Kraft des guten Benspiels ist nirgends sichtbarer und in die Zugen fallender, als in der Geschichte : Johannis. Sit es Leichtsinn, M. 3., oder trauriger Mangel an Männern, wie Johannes war, oder schädliches Mißtrauen gegen die Hechtheit der menschlichen Tugend überhaupt, was 'uns hin: dert, die Kraft des guten Benspiels so aufmerksain zu betrachten, und uns durch dieselbe so rühren zu lassen, wie es geschehen sollte? Ist es nicht offen: bar, daß es Vielen gar nicht beyfält, darüber nach: zudenken, was und wie viel fich durch ein gutes Benspiel ausrichten lasse; daß Andre, wenn sie auch die Kraft desselben im Augemeinen einräumen, doch nicht anzugeben wissen, worin fie eigentlich bestehe; daß endlich der Gedanke, durch ein solches Benspiel felbst auf Andre wirken zur wollen, nur von Wenia gen gefaßt, und von noch weit wenigern ausgeführt

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