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Ehren war nicht die Rede. Darum legte man dem Toten auch keine Waffen bei.

Erst vom 5. Jhd. an bis in die Wikingerzeit hinein gab man ihm seine ganze Waffenrüstung mit ins Grab. Die Gebräuche, die im Walhallglauben ihre Verklärung gefunden haben, gehen also anscheinend nicht über das Jahr 500 hinaus, reichen aber weit über das Jahr 840 zurück, wo zuerst nähere Berührungen zwischen den heidnischen Nordleuten und den Christen in England und Irland stattfanden. Das kriegerische Leben der großen Wanderungen der Nordgermanen, die Heerkönige, die Schildmädchen und ihre Gefolgschaft können darum nicht das Vorbild des Walhallmythus sein. Es ist die bedeutungsvolle Übergangszeit, wo der Norden von den Deutschen die Runenschrift, die Nibelungensage und die Wodansverehrung übernahm, wo der nordische Götterglaube hauptsächlich in Norwegen ausgebildet wurde. Sein kriegerisches Gepräge war ihm durch die Kämpfe mit den Finnen und Lappen aufgedrückt, nicht erst durch die Wikingerzüge: Thors Fahrten nach dem Osten und seine Kämpfe mit den dort hausenden Riesen spiegeln diese Zeiten wieder, nicht die Wikingerfahrten nach dem westlichen Europa im 9. Jhd. Die Sitte, den Toten mit Speise und Trank zu bestatten, ist allerdings vom Walballglauben verschieden, darf aber, da es sich bei diesen neuen Bestattungsgebräuchen nicht um einheimische Bildungen handelt, gegen das Alter von Walhall nicht angezogen werden. Um dieselbe Zeit, spätestens im 7. bis 8. Jhd., ward auch der Seelenwanderungsglaube aus der Fremde im Norden eingeführt.

In der Wikingerzeit traten Speise- und Traukgeräte in der Grabausstattung ganz zurück. Außer dem Streithengst und Pferdegeschirr zum Fahren hat auch der Hund und Falke bisweilen seinen Herrn auf der Reise ins Jenseits begleitet. Wie das kriegerische Leben des Wikings durch den Tod keine Unterbrechung erlitt, so folgte dem kühnen Seehelden auch sein gutes Schiff. Zu der Reise ins Land der Hel mußte der Tote über das Wasser fahren. Von den Schiffsbestattungsfunden ist der von Gokstad nahe am Sandefjord im südl. Nor

wegen am berühmtesten, etwa vom Jahre 900. In einer Grabkammer unmittelbar hinter dem Maste ist der tote Häuptling mit seinen Waffen niedergelegt; mit ihm zusammen waren zwölf Pferde, sechs Hunde und ein Pfau begraben. In dem Grabhügel bei Tune nahe Frederiksstad ist ein Mann mit seinen Waffen und zwei Pferden in seinem Schiffe beigesetzt. Nur in Dänemark sind solche von Hügeln bedeckte Schiffsgräber nicht nachgewiesen.

Zum Gedächtnis und zu Ehren des Toten wurden oft Bautasteine (d. h. lange, spitze Steine zum „Stoßen“ oder Steine zum Andenken eines ,,Getöteten“) und Runensteine errichtet; sie vertreten die Leichen- oder Re-bretter Deutschlands, die Namen, Geburts- und Todestag des Verstorbenen enthalten. Schon die Bronzezeit kannte unbehauene Bautasteine auf dem Gipfel eines Grabhügels. Die Steine mit Runeninschriften scheinen von 500 an aufgekommen zu sein; gegen Ende der heidnischen Zeit begegnen sie zahlreich und sind ausschließlich auf oder bei Gräbern sichtbar aufgestellt.

Seelenwanderung und Wiedergeburt. Die Runeninschriften mit den älteren Runen und die vordischen Königsnamen im Beowulf zeigen, daß vor dem Jahre 500 bei der Namengebung das Variationsprinzip geherrscht hat, d. h. das Bestreben, innerhalb der Familie bereits vorhandene Namen durch Kombination mit andern, ebenfalls schon vorhandenen, und allenfalls auch mit Benutzung der Alliteration zu individualisieren. Aber mit dem Glauben an die Seelenwanderung kam die. Sitte auf, dem Neugeborenen den vollen unveränderten Namen eines verstorbenen Angehörigen und zumal des Vaters beizulegen, wenn dieser bereits gestorben war: mit dem Namen sollte dieser in dem Neugeborenen weiterleben.

Dieser Glaube an die Wiedergeburt eines Menschen nach dem Tode in einer neuen Menschengestalt wird deutlich von dem Sammler der Eddalieder ausgesprochen: Von Helgi und Swawa heißt es, daß sie wiedergeboren seien (H. Hj. 43), nach Helgi, Hjörwards Sohn, war Helgi der Hundingstöter benannt. „Das war in alter Zeit Glaube, daß Menschen wiedergeboren werden könnten, jetzt aber heißt das alter Weiber Wahn. Von Helgi und Sigrun erzählt man, daß sie wiedergeboren seien: er hieß da Helgi, der Haddingenheld, und sie Kara, Halfdans Tochter“ (H. H. II 30). Der Glaube an die Wiedergeburt war der Grund, daß der Redaktor der Liedersammlung das Gedicht von Helgi Hjörwardssohn zwischen die Lieder des Wölsungenkreises einschob, wohin eigentlich nur die Lieder von dem zweiten Helgi (Hundingstöter) gehören. Als nach Sigurds Ermordung Brynhild sich selbst töten will, versucht ihr Gatte Gunnar sie davon abzuhalten und bittet auch seinen Bruder Högni, sie zu überreden, am Leben zu bleiben. Aber Högni weigert sich: „verleide ihr keiner den langen Weg, und verwehrt sei ihr ewig die Wiedergeburt, sie war zum Unglück geboren und hat nur Böses im Leben getan“ (Sig. 11I45). Der Wunsch, daf Brynhild nicht möge wiedergeboren werden, zeigt, daß man an die Möglichkeit einer solchen glaubte, aber hoffte, daß der Böse nicht wiedergeboren würde.

Starkad der Alte erzählt in einem Verse, daß seine Zeitgenossen von ihm glaubten, daß er ein wiedergeborener Riese“ wäre, nämlich sein Großvater Starkad (FAS III 38). Kolbein schien wiedergekommen und wiedergeboren, nach dem man sich immer sehnte (Sturl. IV, IX.). Von Olaf dem Heiligen glaubte man bei dessen Lebzeiten, dass er der wiedergeborene Olaf Geirstada-alf wäre. Ein Lehnsmann seines Vaters wurde durch eine Traumerscheinung des längstverstorbenen Olaf Geirstada-alf aufgefordert, dessen Grabhügel zu erbrechen und Schwert, Mantel, Ring und Messer herauszunehmen: mit dem Gürtel sollte er die Königin umspannen und ihr damit die Geburt erleichtern, dafür aber die Wahl des dem Kinde beizulegenden Namens verlangen. Der Knabe wird nach heidnischer Sitte mit Wasser begossen und Olaf genannt (FMS IV K 16; Flt. II6–9). Olaf der Heilige kam später einmal nach Geirstad zu dem Hügel, in dem der alte Olaf beigesetzt war. Da fragte ihn einer seiner Freunde: sag mir, ob du hier begraben gewesen bist? Olaf antwortete: nie hatte meine Seele zwei Leichname, und sie wird sie nicht haben. Derselbe Mann sprach wiederum zum Könige: man sagt, König, daß du früher, als du an diese Stätte gekommen seiest, gesagt habest: es war eine Zeit, da wir hier waren, und von hier weg kamen. König Olaf antwortete: das habe ich nicht gesprochen, und das werde ich nie sprechen, und wenn ich ein anderes sage, wie ich soeben gesprochen habe, so ist mein Glaube falsch; und damit gab er seinem Pferde die Sporen und ritt davon (Flt. II 135).

Noch deutlicher erhellt der Zusammenhang zwischen Namenübertragung und Seelen überführung aus der Erzählung von Thorstein Ochsenfuß.

Ein riesischer Erdhügelbewohner verkündet ihm im Traume, daß er Christ werden würde und bittet ihn, dann seinen Sohn nach dem Erdriesen zu benennen: er soll „seinen Namen unter die Taufe bringen" (d. h. ihn in seinem Sohne wiedergeboren werden lassen) und ihm durch diese List den Weg zum ewigen Leben der Christen öffnen, das ihm als Riesen sonst verschlossen war (Fit. I 255).

So wird der oft bezeugte Glaube verständlich, daß man es als ein Glück ansah, wenn jemand nach einem Verstorbenen benannt wurde.

Jökul läßt sich von Thorstein, der ihn tödlich verwundet hat, als Lohn für das ihm geschenkte Leben versprechen: wenn du einen Sohn bekommst, so lasse du meinen Namen nicht untergehen, und ich verspreche mir davon Glück“ (Vatnsd. 3. 6.). Der sterbende Finnbogi sagt: „Ich will dir zum Dank für die mir geleistete Hilfe meinen Namen schenken; ich bin zwar kein Weissager, glaube aber doch, daß dein Name fortleben wird, solange die Welt bewobnt ist; es mag das mir und meinen Verwandten die größte Ehre sein, daß ein so trefflicher Mann, wie ich glaube, daß du werden wirst, nach mir den Namen wählt.“ (Finnboga S. 9, 36; Svarfd. 5, 26).

Noch jetzt ist in Norwegen die Meinung, wenn eine schwangere Frau von einem Verstorbenen träumt, daß dieser „nach dem Namen gehe", d. h. sich einen Namensvetter suche. Das Kind wird dann nach ihm genannt, weil es Glück bringt; wenn es ein Mädchen ist und der Tote, von dem sie geträumt hat, ein Mann, so wird der Name verändert: Lars wird Larine, Iver wird Ivrine. - Erst seit dem Übertritte zum Christentum fing man an, dem Kinde allenfalls auch den Namen eines noch lebenden Angehörigen zu geben.

Vorstellungen vom Jenseits nach literarischen Zeugnissen.

Totenteil Wichtige und reiche Auskünfte über die Begräbnisgebräuche und die damit verbundenen Vorstellungen der letzten Zeit des Heidentums geben die schriftlich überlieferten Zeugnisse. Den ältesten historischen Bericht verdanken sie dem Araber Ibn Dustah (912).

Stirbt ein hervorragender Mann, so machen sie ihm ein Grab in Gestalt eines großen Hauses, legen ihn hinein, und mit ihm zusammen legen sie in dasselbe Grab seine Kleider, sowie die goldenen Armbänder, die er getragen, ferner einen Vorrat Lebensmittel und Gefäße mit Getränken und Geld. Endlich legen sie das Lieblingsweib des Verstorbenen lebendig ins Grab, schließen den Zugang, und die Frau stirbt so darin.

Ibn Fadhlan erzählt:
Ist ein armer Mann gestorben, so bauen sie für ihn ein kleines Schiff,

legen ihn hinein und verbrennen es. Beim Tode eines Reichen aber sammeln sie seine Habe und teilen sie in drei Teile. Das eine Drittel ist für seine Familie, für das zweite schneiden sie ihm Kleider zu, für das dritte kaufen sie berauschend Getränk, um es an dem Tage zu trinken, wo die Sklavin sich dem Tode preisgibt und mit ihrem Herrn verbrannt wird. Ibn Fadhlan beschreibt aus eigener Anschauung die Bestattung eines Häuptlings: Sie brachten eine Ruhebank, stellten sie auf das Schiff und bedeckten sie mit wattierten, gesteppten Tüchern, mit griechischem Goldstoff und mit Kopfkissen von demselben Stoffe. Dann zogen sie den Toten in dem Leichentuche, in dem er gestorben war, aus dem Grabe heraus, wo er bisher gelegen, bekleideten ihn mit Unterbeinkleidern, Oberhosen, Stiefeln, einem Kurtak und Kaftan von Goldstoff mit goldenen Knöpfen und setzten ihm eine goldstoffne Mütze auf, mit Zobel besetzt. Darauf trugen sie ihn in das auf dem Schiffe befindliche Gezelt, setzten ihn auf die mit Watte gesteppte Decke, unterstützten ihn mit Kopfkissen (vgl. 33), brachten berauschend Getränk, Früchte und Basilienkraut und legten das alles neben ihn. Auch Brot, Fleisch und Zwiebeln legten sie vor ihm hin. Hierauf brachten sie einen Hund, schnitten ihn in zwei Teile und warfen die ins Schiff, legten des Toten Waffen ihm zur Seite. führten zwei Pferde herbei, die sie so lange jagten, bis sie von Schweiß troffen, zerhieben sie mit ihren Schwertern und warfen das Fleisch ins Schiff. Alsdann wurden zwei Ochsen herbeigeführt, zerhauen und ins Schiff geworfen. Endlich brachten sie einen Hahn und ein Huhn, schlachteten auch die und warfen sie ebenfalls da hinein (vgl. Thietmar v. Merseburg Ig; Sig. III 67). Nachdem dann das Mädchen getötet war, das sich dazu erboten hatte, zündete der nächste Anverwandte des Verstorbenen Holz an, ging rückwärts zum Schiff und steckte das ins Schiff gelegte Holz in Brand. Auch alle übrigen schleuderten Holz in die Flammen, bis das Schiff hell loderte. Da blies ein fürchterlicher Sturm, wodurch die Flamme verstärkt und die Lohe noch mehr angefacht wurde (vgl. unten Baldrs Bestattung). Während die Araber den, der ihnen der geliebteste und geehrteste ist, in die Erde werfen, wo ihn die kriechenden Tiere und Würmer fressen, verbrennen sie ihn in einem Nu, so daß er unverzüglich und sonder Aufenthalt ins Paradies eingeht. Nachdem das Schiff, Holz und Mädchen verbrannt war, führten sie einen runden Hügel auf, errichteten in dessen Mitte ein großes Holz und schrieben den Namen des Verstorbenen darauf.

Die an. Literatur unterscheidet das Brennzeitalter und Hügelzeitalter. Das Brandalter war das älteste, da wurden die Toten verbrannt, und man feierte sie durch Errichtung von Bautasteinen. Das Hügelalter sollte in Dänemark entstanden sein und sich namentlich dort verbreitet haben, während beide Bräuche nebeneinander in Norwegen und Schweden bestanden (Yngl. S. Prol.).

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