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positionen, sei es dass sich dieselben als Postpositionen im engeren Sinne an das Ende eines abhängigen Nomens, sei es dass sie sich als Conjunctionen an das Ende einer abhängigen Verbalform heften. Diese kurzen tonlosen Wörtchen waren zur Zeit als der Umschwung der Wortstellung begann, schon so sehr Casus- oder Modusendungen geworden, dass sie der Neuordnung der selbständigen Worte nicht mehr folgen konnten und am alten Orte verharrten. Dahin gehören -ti, -i, -fi,-ni,-da, -to. Beispiele conjunctionellen Gebrauchs: maqmageti 'indem er Gleichnisse machte aus maqmaqê 'er machte Gleichnisse 7. conj. ti, godafi 'damit ich tue aus goda ‘ich tue + conj. fi.

Im Laufe der Zeit aber hat sich ein vollständiger Umschwung in der Rection des Nomens insofern vollzogen, als der abhängige Genetiv jetzt nachgestellt wird. Dementsprechend finden wir Präpositionen und vorgestellte regierende Conjunctionen.

Bei dem dichten Zusammenstoss des Kuschitischen und Semitischen dürfte es unter den ausgeführten Verhältnissen von vornherein kaum zweifelhaft sein, dass es Einwirkungen der semitischen Syntax sind, welche in der veränderten Wortstellung des Galla erscheinen. Diese Vermutung wird aber an Wahrscheinlichkeit noch ganz erheblich gewinnen, sobald wir die ziemlich zahlreichen aus dem Semitischen aufgenommenen Verhältnisswörtchen erkannt haben. Während das Galla sich sonst lexikalisch recht frei erhalten hat von semitischen Eindringlingen (wenn auch nicht in dem Grade, wie es auf den ersten Blick scheint), so finden wir grade unter den Präpositionen, namentlich aber unter den Conjunctionen der Sprache verhältnissmässig viele, welche dem Äthiop.-Amharischen und dem Arabischen entlehnt sind. Dieser Umstand scheint deutlich dafür zu sprechen, dass das Galla grade in Bezug auf die Syntax dem Semitischen weitgehenden Einfluss eingeräumt hat. Die Syntax des Amharischen* ist, wahrscheinlich zumeist durch die Agausprachen, kuschitisirt worden, aber im Galla und Somali zeigt sich die Sprachmischung iu umgekehrter Richtung; hier ist die Syntax semitisirt worden sowohl durch äthiopische und altamharische wie durch arabische Einflüsse.

Galla und Somali haben also den semitischen Status constructus angenommen, wenigstens den virtuellen. Denn (abgesehen von geringfügigen Einzelheiten bringt keine besondere formale Veränderung des übergeordneten Nomens sein Verhältniss zum untergeordneten zu lautlichem Ausdruck. Zugleich mit dem Status constructus ist auch die Unmittelbarkeit der Folge aus dem Semitischen herüberge

Auch wohl des Tigrē und Tigriña; vgl. Wiener ZKM IV 295 f., ZDMG XXXVIII 482.

Beiträge zur semit. Sprachwissenschaft. II.

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nommen.

Und wie früher das unmittelbare Voraufgehn, so genugt jetzt die unmittelbare Folge des abhängigen Nomens, um sein Verhältniss zu dem regierenden Nomen klar zu machen. Verschiedenheit des Accents wird dazukommen, um die Unterordnung von einer Gleichordnung hinreichend abzuheben. Man bildet also jetzt gewöhnlich wie qarre bisån 'Rand Wasser', d. i. 'der Rand des Wassers'. Einer der alten Exponenten kann aber dem abhängigen Nomen auch jetzt noch angehängt werden (qarre bisäniti).

Dementsprechend müssen alle Nomina, welche sich in der jüngeren Periode zu regierenden Verhältnisswörtchen abgeblasst haben, naturgemäss als Präpositionen und vorgestellte Conjunctionen auftreten. So sagt man nur ገረ፡አዳሚ zu Adam , ቆደ፡ተኤ 'weil ich geworden bin' (qodä eigentl. “Anteil'), $8.: hs'deswegen', maka diatef 'weil es sich genähert hat' (makä eigentl. 'Name') uam. Interessant ist, dass sich auch einige Postpositionen der alten Zeit, freilich mehr oder weniger zögernd, der neuen Wortfolge angeschlossen haben. Ihre nominale Natur wird vermutlich noch einigermassen kenntlich gewesen sein, als die syntaktische Umwälzung eintrat.

Von den semitischen Verhältnisswörtchen, in deren Gefolge die semitische Wortstellung eingedrungen, ist bei weitem das interessanteste das oben erörterte ቦዳ, በዴ, እምቦዳ , እምቦዴ nach. Es muss schon früh in die Sprache eingedrungen sein, wie sich aus seiner Stellung ergeben dürfte. Denn als semitische Verhältnisswörtchen zuerst ins Galla aufgenommen wurden, war die ursprüngliche vorbauende Wortstellung in der Sprache gewiss noch hinreichend fest, um die fremden Verhältnisswörtchen zu zwingen, ihre heimische nachbauende Weise in das Gegenteil zu wenden. Grade so wie im Bischari, Afar, Saho, Agau die eingedrungenen semitischen Präpositionen haben Postpositionen werden müssen, so wurde auch ne usw. zunächst als Postposition construirt, z. B. guya sadi boda 'nach drei Tagen', h9:10S ‘nach diesem’usf. Dann aber ist ( 9 usw. doch auch noch von dem neueren Zuge erfasst worden, so dass es auch möglich ist zu sagen: 09:‘nach jenem' u. ähnl.

Ausser & sind noch J, weg, pero uns und wahrscheinlich Po aus dem Semitischen ins Galla übergegangen. Alle diese Präpositionen und Conjunctionen haben durchaus und ausschliesslich die semitische Wortstellung ins Galla mitgebracht. J ist auch ins Afar, Saho und Bilin, wz, auch ins Afar und Saho eingedrungen; beide Wörtchen haben sich indess ihrerseits in diesen Sprachen der kuschitischen Wortstellung fügen müssen. Während man also im Galla z. B. sagt himê le-obolē sasa ‘er sagte zu seinem Bruder', heisst es im Bilin z. B. hazay-il ‘zum Kaiser’; während man im Galla z. B. sagt

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9:2.1: 902 'als er ihn sah', heisst es im Afar z. B. yobbä wak als er hörte'.

Le kommt im Galla nur dialektisch vor, und ich sehe keine Möglichkeit zu entscheiden, ob es aus dem Äthiop.-Amharischen oder aus dem Arabischen eingedrungen. Die anderen Verhältnisswörtchen sind aber sämmtlich allgemeinen und sehr häufigen Gebrauches. Namentlich nu hat im Galla wahrhaft gewuchert. Es liegt, teils in unverkürzter, meist aber in verkürzter Gestalt in einer ganzen Reihe von Adverbien und Conjunctionen vor. Ich nenne hier nur die einfache Zeitconjunction yomu, häufiger verkürzt yo, dialektisch auch ho als, wann'. Möglich, dass es aus dem Äthiop. eingedrungen; ; denn dass uns pogu im Äthiop. nur als Adverb erhalten, beweist natürlich nichts. ut lautet meist ganz unverändert hină, dialektisch henã. Aus mi, ist mit einem gewöhnlichen Lautwechsel yogga geworden, dialektisch auch hogga, hoggu. PC halte ich für nur lautlich verschieden von oc, und dieses setze ich = amhar. 067, dem in der allgemeinen Bedeutung ‘Zeit gebrauchten Plural von OC(9) Monat; nur dass sich an Stelle der semitischen Pluralendung -āt das im Galla entsprechende -o an oC gehängt hätte.

3) So wird es sicher auch semitischem Einfluss zuzuschreiben sein, wenn der kühne Periodenvorbau, den namentlich die Agausprachen noch zeigen und den diese auf das Amharische (Tigré, Tigriña) übertragen haben, dem heutigen Galla unbekannt ist. Die Anordnung von Haupt- und Nebensätzen im Galla macht im Ganzen einen semitischen Eindruck. Hin und wieder blickt aber die ursprüngliche kuschitische Satzstellung doch noch durch. Dahin rechne ich, wenn z. B. das Verbum dicendi der directen Rede folgen darf, wie nenči qotiyokotu dalegede 'der Löwe „mein Ochs hat geboren“ sagte'; weiter, wenn Relativsätze ihrem Substantiv noch vorangehen dürfen, wie lon kan tiksu namnikeña wörtlich ‘Vieh welcher hütet unser Mensch’; dahin rechne ich weiter gelegentliche Sätze wie malan si godafi nati duftare 'damit ich dir Was tue? kommst du zu mir'; dahin rechne ich nicht zuletzt die auffallende Unterordnung von Imperativen unter die alten enklitischen Postpositionen, wie daqätoi žarotā hunduma barsiså ‘gehet und lehret alle Völker!' wörtlich „Gehet!" + nach (Nach „Gehet!") - lehret alle Völker!', ani ati na wa godifindufne ich bin nicht gekommen, damit du mir etwas tuest, wörtlich 'ich, „Tue du mir etwas!" + in Rücksicht auf nicht bin ich gekommen.

Alle diese Constructionen tuen freilich dem modernen semitischartigen Gesammtcharakter der Satzstellung kaum Abbruch; sie weisen eben nur darauf hin, dass auch die heutige Satzstellung des Galla nicht ursprünglich ist.

Es wird auch nicht befremden, wenn in manchen anderen Dingen die Syntax des Galla von semitischem Einfluss noch ebenso frei erscheint, wie die Syntax der verwandten Sprachen. So ist das Verbum im Galla am Ende des Satzes stehen geblieben, während es im Amharischen durch kuschitischen Einfluss vom Satzanfange nach dem Ende zu gerückt worden ist.

Aus den soeben angestellten Erörterungen über den ursprünglichen Charakter der kuschitischen Syntax ersieht man, wie unrecht ich hatte, als ich ZDMG XLIII 319 behauptete, dass das Galla in unendlich viel geringerem Grade vom Äthiopischen beeinflusst worden sei, als die Agausprachen. Grade das Gegenteil ist richtig, mindestens wenn man den weiteren Begriff Semitisch für den engeren Äthiopisch einsetzt. Das allerdings dürfte bestehen bleiben, dass Galla und wohl auch Somali nicht in dem Grade, wie man im Verhältniss erwarten sollte, von semitischen Fremdwörtern durchsetzt sind. Was will aber diese äusserliche Freiheit bedeuten im Vergleiche zu der innerlichen Abhängigkeit vom semitischen Sprachgeist und zu der innerlichen Durchsetzung mit semitischen Präpositionen, Conjunctionen, Pronomina, vielleicht auch Bildungsendungen!

Es könnte leicht die Frage erhoben werden, ob denn nicht von vornherein die Möglichkeit abzuweisen sei, dass das im Norden Abessiniens heimische Äthiopische grade auf die beiden südlichsten der kuschitischen Sprachen nennenswerten Einfluss ausgeübt haben könne. Diesem gewiss nicht unberechtigten Zweifel gegenüber verweise ich zunächst auf die von LAGARDE, Mitteilungen IV 203 betonte Tatsache, dass die Tryosta der Noten zu KOSMAS' Adulisinschrift wo anders wohnten als später: μέχρι του νύν όλοι οι Τιγρήται τα παράλια oικoύσι μέρη απι 'Αδούλεως μέχρι τών της Βαρβαρίας τόπων. Wenn ich auch die Richtigkeit des 6 hou bezweifle, so scheint mir aus dieser Angabe doch soviel hervorzugehen, dass Tigrēleute teiiweise einst das jetzt vollständig von den Afar und Nordsomalis besetzte Land inne hatten. Oder sollte Tiyei tai ethnologisch und linguistisch einen anderen Inhalt gehabt haben, als heute Tigré hat? Ich möchte es weiter für sehr wahrscheinlich halten, dass das Äthiopische einst, als der Schwerpunkt noch in Axum lag, als Herrschersprache auch im Süden dieselbe oder noch grössere Geltung hatte, wie das Amharische jetzt im Norden. Und endlich wissen wir ja auch nicht, wie nahe das Altamharische vor 1200 Jahren dem Äthiopischen stand. Sodann aber verweise ich auf die unläugbaren Tatsachen, wie das oben im Galla nachgewiesene (XT") n., (29") 08, das nur aus dem Äthiopischen stammen kann; ferner auf eñu'wer?' = äth. khr, auf raf 'schlafen' äth. ()826., auf som. kale anderer

äth. ካልእ uam.

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Wenn wir aber einen tiefgehenden alten Einfluss des Äthiopischen (Tigre, Tigriña) auf das Galla und Somali anzunehmen haben, so können wir uns auch nicht wundern, wenn schon in alter Zeit Galla- und Somaliwörter umgekehrt auch ins Äthiopische gedrungen sind, und müssen das Argument räumlicher Entfernung auch dabei fallen lassen,

Im Obigen ist der Eindruck, den ich von den Verhältnissen der kuschitischen Sprachen empfangen habe, in groben Linien wiedergegeben, und ich will auch gleich sagen, dass es mir kaum möglich gewesen wäre, das Bild wesentlich feiner auszumalen. Ich bin vorläufig zufrieden, wenn sich diese Umrisse als richtig erweisen werden. Was nunmehr zu tun ist, ist schon oben gesagt: Es gilt, die ein: zelnen kusch. Sprachen nach Lexikon, Laut- und Formenlehre und den Grundzügen der Syntax vergleichend zu erforschen. Syntaktischen Feinheiten nachzuspüren dürfte für die Zwecke, zu denen zunächst Kuschitisch getrieben werden wird, nutzlos sein.

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