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Viele werden diese Gedanken für ganz überflüssig Halten, weil sie glauben, daß kein vernünftiger Mensch jemals an der Wahrheit meines Schlusses gezweifelt Habe

. Allein diese sind nur von der geringen Anzahl der edlen obwol unerfahrnen Gemühter, welche sich nicht einbilden, daß ein Mensch anders als menschlich denken könne. Die Geschichte, die tågliche Erfahrung lehret es, wie sehr das Gegenteil entweder mit einfáltigem Ernst, oder aus scheinheiliger Verstellung, geglaubet und behauptet werde. Wie seufzet, wie eifert man nicht zuweilen über die eingebildete Blinds heit der armen Heiden? Wieerbårmlich wird nicht öfters der natürliche Mensch auch in dieser Absicht vorgestellet? Und sollten wol nicht viele, bey ihrer wässerigten Catechismusmilch, ohne Empfindung der lebendigen Tugend, ohne Verstand der eingeblåueten Gesektafeln, vol von dummer Eigenliebe, den Zustand der ehrbarsten und klugsten Heiden als viehisch bedauren? Man gehe bei sich selbst auf die kindische Zeiten derUnwissenheit zurükk, oder sehe nur auf diejenigen, welche noch håufig vor unsern Augen im stolzen Aberglauben vondummen Lehrern erzogen werden; so wird man, leider! meine Vermuhtung mehr, als man bei diesen aufgeklärten Zeiten glauben sollte, bestätiget finden.

"Jedoch dergleichen schwache Brüder verdienen, ihrer einfáltigen Vorurteile wegen, mehr beklaget als getadelt zu werden. Sie können mit ihren Seufjern der guten Sache nicht leichtlich schaden, oder wenn es ja geschiehet, so ist es doch nur bey denen, wel

chen der gute Geschmakf eben so sehr, als ihnen felbft, unnatürlich ist. Es wåre aber sehr zu wünschen, daß Leute von Gelehrsamkeit, welche den Grund und die Grenzen der Wissenschaften, der Natur und Gnade fattsam kennen, in ihren Urteilen über die Heiden etwas Billiger verführen. Ihre Aussprüche überreden andere dfters mehr, als sie selbst davon überzeu: get sind, und der gute Geschmakk wird dadurch bei vielen erstikket, welche sonst dazu von Natur nicht unfähig wåren.

Wem ist es unbekannt, wie hart verschiedene Ges 1 lehrte mit den klúgsten Sittenlehrern der alten Gries chen und Römer verfahren? Wie verächtlich haben viele von ihren ruhmwürdigsten Thaten, und wie geringschårig von ihren auserlesensten Tugendsprůchen geschrieben? Ist jemand so unglükklich, daß er nicht mit eigenen Augen sehen kann; so muß er wahrlich denken, daß diese feltenen Tugendbilder lauter teuflische Larven gewesen seyen, und daß es weit besser måre, die wenigen Ueberbleibfel ihrer zierlichen Denk: mahle mit muhammedischem Eifer ganz und gar zu verbannen, als das geringste von denselben zur tóds lichen Vergiftung der Nachwelt aufzubehalten.

IInter vielen andern kóñen uns die Schifffahleder Stoifer zum Beweise dienen. Es ist keinesweges meine Absicht, denselben in allen Stükken das Wort zu reden. Ich will es zugestehen, daß vielleicht die mehresten unter ihnen strenger gelehret , als gelebet haben. Ich will auch ihre Lehren selbst nicht von allen Irrthümern und Fehlern freisprechen. Horaz,

Plus ? in der 3 Sat. des a B.

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vorlångst die lächerliche Seite derselben nicht ohne Nachdrukk vorgestellet; und eine sorgfältige Prů: fung ihres Lehrgebäudes hat mir allerdings, meinem Gesichtenach, hier und da ganz merkliche Lúkken entdekket. Nichtsdestoweniger mögte ich doch wol mit aller Bescheidenheit sagen, daß vielen unter ihnen, und ihrer Sittenlehre hauptsächlich, in vielen Stükken zu nahe geschehen sey. Wenigstens glaube ich, daß man nach der Art, wie man zum Teil mit ihnen verfahren, fast alle Sittenlehrer der Heiden, ja viele von den Schülern Jesu felbft, verdächtig machen könne.

Die Stoiker waren schon unter den ersten Christer nicht sonderlich beliebt. Unterdessen haben sich nicht nur Clemens Aterandrinus", Drigenes

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und 2 in f. 206banflung περι σωικων εναντιωματων, νέldbe

nach der Frankf. Ausg. von 1620 im andern B. f. Berke, von der 1033 S.an, zu finden ist. S. desselben Hermotimus, im i 5. F. Werte, nach der Hemsterh. Ausgabe. Sextus Empiricus clare afferit, fuo, i.e. M. Antonini xvo, plures fuisse, qui stoicam sectam fectarentur, quam qui aliam quamcunque. Neque interiorem ego causam arbitrer, quam hanc copiain, cur nostri Christiani jam invalescentes, ininus æqui in iftos fuisse videantur aut inclinati: quare? quia & multitudine urgebant: quare etiam quia auctoritate & vita premebant, quæ apud alias sectas foluta aut & impro, ba conspiciebantur. Lipfius in P. Manud. ad stoicam philof. auf der 56 Seite. 5. Biblioth. univers. X. B. 193 S. Sttigs sel. ecclef. S. II. auf der 232 Seite.

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cap. Hift.

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lassen; sondern der gelehrte Hieronymus ' urteilet so gar von denselben: Daß sie mit der christs lichen Lehre in den meisten Stükken übereins ftiminen.

Vielleicht hat Dineise diesen Aussprüch, in Antsehung der Sittenlehre, gut erläutert. Meine Sache ist es nicht, denselbigen zu rechtfertigen. Ich weiß, mit welcher Behutsamkeit man in dergleichen Umstånden verfahren müsse? Es kommt mir aber doch bedenklich vor, daß zum Teil dieselben Såße, welche man den Stoikern besonders übel ausgebeu: tet hat, bei unsern geheiligten Schriftstellern zu finden seyen.

1° Es soll unrechtu. gefährlich seyn, daß sienur die Tugend allein gut genennet haben, weil unter andern

daraus

S.J. Thomasius dissertat, ad stoicæ philos. Hist. fa

cientes, auf der 239 u.f. S.

in s. Auslegung über das XI Cap. Efaias. S. unten ". ! M.D. Omeifii disp.qua stoicorum philosophiain mo

ralem sobriam, eoruinque placita cum christianismo convenientia oftendit. Altorf, 1699.4. Š.g. Brukkers Abb. de comparatione philosophiz gentilis cum fcriptura S. & religionis christianæ dogaj inatibus caute instituenda. Sie stebet in desf. otio vindel. von der Seite an.

Es verdienet auch das 2 mele die tema Berselb. Saml. in der Absicht nachgeseben zu werden. Wegen der angeführten Vorwürfe beziehe ich mich auf Buddeus diff

. 4. de erroribus ftoicorum in philosophia morali, wie sie in deff. analectis hift. philos. von der 89-204 S. fteben'; Rossals disquis. de Epicteto philos.

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stoico,

Worauf aber dringet doch Christus mit feineri ách. ten Schülern mehr, als auf die Tugend ? Wie sfters werden ung von eben demselben die Güter dieser Welt geringschåkig vorgestellet ? Warum achtet doch Paulus alles für Schaden und Stoht? Und ist es nicht merkwürdig,daß eben dieser Sag unsern heiligen Hieronymus hauptsächlich zu dem obigen Lobspruche veranlasset hat? "

Noch eins. Es wird für irrig, ja gar für gottlos gehalten, daß die Stoiker ihren Weisen, oder nach unserer Sprache, ihren vollkommenen Menschen,

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Gott stoico, qua probatur eum non fuisse christianum; Sluiters Ideam theologiæ stoicæ , ubi oftenditur, stoicos ex ratione & philosophia naturali , nec verum Deum cognovisse, nec veram coluisse vir.' tuteni &c. Ich will die Worte dest. bersegen, wie ich sie in der Ausg. seiner Werke von Martianay im IIIB. auf der for S. fins de. --- audiant a nobis, fagt er, nihil effe bonum nifi virtutem, & nihil malum nisi vitium, dicente Psalmista: "quis est homo qui vult vitam, & diligit dies vi“dere bonos? compesce linguam tuam a malo, & la.. "bia tua ne loquantur dolun. Declina a malo & fac "bonum.,, Pf. 33, 13. 14.36,27. Divitiæ autem & fanitas corporis & rerum omnium abundantia ; & his contraria paupertas, infirmitas & inopia, etiam apud philosophos sæculi, nec inter bona reputantur, neo inter mala, sed appellantur indifferentia. Unde & ftoici qui noftro dogmati in plerisque concordant, nihil appellant bonum, nifi folam honestatem atque vir. cutem, nihil malum, nisi turpitudinem.

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