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Gott gleich machen wollen. Allein, will nicht Chris ftus feine Schüler gleichfalls so vollkommen haben, als Gott? Schuf nicht Gott den ersten Menschen nach seinem Bilde? Und soll nicht der neue Mensch wiederum nach Gott erschaffen seyn, in rechtschaffes ner Gerechtigkeit und Heiligkeit?

Man verzeihe es mir, wenn ich etwa in diesen Ge: danken zu weit gehen sollte. Ich will nicht zanken, sondern besänftigen. Nach der Gemühtsart, welche mir Gott verliehen hat,wünsche ich jederzeit von Herzen, daß alle mit mir, auf alle Art und Weise, so in der Liebe als in nůklicher Erkenntniß wachsen mögten. Ich weiß aber nicht, ob es liebreich gehandelt fey,wenn man mit allen Kräften etwas zum Bdsen kehren will, was sich doch mit andernuntadelhaften Wahrheiten füglich vergleichen låsset.

Und laß es seyn, daß einige Såge der stoischent Sittenlehre, nach einer strengen Prüfung, nicht bestehen können. Laß es seyn, daß besonders der allges meine Grund ihrer Gedanken, id) meyne die Metaphyfit, nicht die größte Richtigkeit habe. Hat man deswegen Ursache genug, alles mit einander zu verwerfen? Kann nicht viel gutes Korn unter einem Haufen von Unkraut feyn? Kann nicht ein Arzt'ofters die schönsten Regeln geben, wenn er gleich nicht das beste Lehrgebäude hat? Beziehen sich denn alle Sittenlehren platterdings auf die Metaphysik? Konnen wir nicht ohne diefelbe aus den Folgen der freien Handlungen vernünftig schliessen, wie weit sie gut oder böse find? lluð können wir sagen, daß unsere Metaphysik, welche jederfeit die fruchtbarste Mutter

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der größten Zånkereien gewesen ist, bereits über alle Schwierigkeiten hingeseket, und vollkommen richtig fey? Wowird doch ißo der Weltweise gemeiniglich mit prachtigen Bereisen mehr als hier berükket? Aber sollten auch wol viele von unsern besten Lehrbüchern die Probe halten, wenn man dieselben wie die stoischen richten wollte? Und hier deuten wir al:

les zum besten; hier übersehen wir zuweilen ohne alle 1

Erinnerung ziemlich grobe Fehler, bloß weil sie mit uns irren.

Genug, daß die Stoiker bey ihren Schwachheiten dennoch reich von schönen Lehren sind. Wie genau haben nicht einige von ihnen das Innerste des menschlichen Herzens gekannt? Wie lebhaft, wie natürlich sind nicht die Farben, womit sie es abgeschildert ha

ben? Wer hatunter den Weltweisen den Ausbruch i der Affekten mehr als sie bestritten? und wer kann ihre

Lehren jemahle mit Aufmerksamkeit lesen, ohne von der Thorheit der Ausschweifungen im Glükke, und der Ungeduld in Ungiúkksfällen gerühret zu werden? Wer hat die allgemeine Menschenliebe jemahls eifriger und höher getrieben? die Güte ohne Wucher, die Gerechtigkeit ohne Einschränkung, und die Des muht ohne Niederträchtigkeit besser auszuüben gelehret ? Wo findet man das Eitele der Kunst ohne Tugend, und die Raferei des Wißes ohne Redlichkeit ftárker, als bey ihnen vorgestellet? Wer wird nicht begierig gemacht, zu dem Tempel der wahren Weisheit zu eilen,wenn er ihn im stoischenGlanze erblikket? Und ist auch jemahls eine Sekte gewesen, welche die Menschen mehr, als die stoische, in allen Stånden

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und Veränderungen fittlich anzuführen gesuchet

håtte. 12

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Ich übergehe andere dergleichen Vorzüge mehr, welche auch ihren Veråchtern groß scheinen müssen. Nur muß man bei diesen Lobsprüchen nicht so wola auf die rauhen Lehrfåte eines Zeno und Chrysippus, als die gesäuberten Werke des Seneta, Epiktetus und Antoninys sehen. 13

In Ansehung der beiden erstern mogen igo die Zeugnisse angesehener Månner mein Urteil unter

stůßen; 12 S. Barbayraks Vorr. jur. franz. Ueberí. des Puf. auf

der 108 Seite. Nur Aristo ist hierinn ohne gnugsamen Grund von seinen Vorgängern abgegangen. S. Sert. Empir. adverf. Matth. VII. B. 12 9. G. Buchners Arist. chium vita & doctrina notum Jenz 1725. X $. 30. Seite. Diese haben das Raube der alten Stoiker, nach aller Geftåndniß sehr gemildert. Ich weiß aber nicht, ob man mit so vieler Gewißheit sagen könne, daß sie ihre Berbesserungen von den Christen entlehnet haben, wie der berühmte Bruk. Ker inf. Ath. de ftoicis fubdolis christianoruin imitatoribus, welche in dem III B. der tempe helvet. von der 260 S. an befindlich ist, behaupten wollen. Mögte man doch zeigen, daß sie einige Achtung für die Christen gebeget

bätten. Die bloße Xehnlichkeit der Worte und Gedanken - fcheinet mir von der Mennung keinen dringenden Beweis

zu geben. : Haben nicht die Stoiker zum Teil schon vor dem Unfange des Christenthums dieselbe Sprache gehabt? Und lassen sich nicht die Gäße, welche sie von den Christen haben sollen, ohne Mühe aus ihren eigenthümlichen Lehren begreifen? Wie gerne machen wir die Heiden armseeliger an Gedanken, als sie wirklich und !

seyn. Sein vorgelegtes Werk kann von ihm selbst am allerbesten zeugen. Und ich glaube, daß man nicht leicht ein Blatt von demselbigen aufschlagen werde, wo man nicht einige Spuhren von dem Grunde meimer Hochachtung gegen ihn finden sollte.

Ich habe daher die Bemühung des berühmten Uebersekers jederzeit für sehr ldblich gehalten. Mich dünket auch, daß der gute Abgang des teutschen Antoninus ein wahrscheinlicher Beweis von dem Beis fallevieler andernsey. Es tritt derselbe nunmehro, in einem Bezirkvon wenigen Jahren, zum viertenmahl andas Licht. Anfangs hatte der Hr. Hofmann die Uebersekung zu seinem Vergnügen gemacht. Die französis. des Hn. Dacier war ihm so angenehm vorgekommen, daß er versuchen wollte, ob das an sich dunkele und kurzgefaßte Griechische sich mit gleichem Erfolg in unsre teutsche Sprache schikken würde. Nachgehends hatte er sich seiner Arbeit in dem beliebten Werke von der Zufriedenheit an vielen Orten mit gutem Nachdrukke bedienet. Dieses erwekkte die Begierde der Teutschen, den Antoninus ganz zu lesen. Und so ließ er sich überreden, seine Ueberserung mit einigen Anmerkungen in den Drukk zu geben, ob ei gleich dazumahl keine Musse hatte, dieselbe wiederum mit Fleiß zu übersehen.

Int Siebe die 18 und 19 Dill. in Lipsius man. ad phil. Noicam; des so gelehrten als redlichen Stolle Hist. der beidn. Mor. auf der 454.512.525 S. Epiktetus bat auch das Glúte gebabt, dem großen Brukker besonders zu gefallen, in des II B, seiner hist. philof. 570 S.

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In dieser Gestalt ist sie bis bato unverändert geblieben. Nunmehro aber hat der ør. Verleger dieselbe aus Liebe zum guten Geschmake, durch einen sehr geschikkten und berühmten Mann mit aller Sorgfalt durchsehen, und, so gut als möglich, verbera fern lassen. Die alte Schreibart ist mit der neueni verwechselt

, die unteutschen oder dunklen Wörter sind gånzlich ausgemerzet, und der Verstand selbst ift nach dem Griechischen, wo es die Noht erfodert hat, besser ausgedrukket worden. Kurz, es ist weit mehreres geschehen, als man von dergleis chen Bemühungen gemeiniglich zu vermuhten pfleget.

Geehrter Leser! fiche diese wohlgemeynte Arbeit mit geneigten Augen an, und bediene dich dersels bigen zu deinem Nußen. Würdige das kluge und tugendhafte Leben eines grossen Kaisers und Welt: weisen deiner Aufmerksamkeit, und laß dich burch seine Lehren zur unermüdeten Nachfolge ermuns tern. Du wirst es schon sehr weit in der wahren Glükkfeeligkeit gebracht haben, wenn du dich dem Antoninus gleichschågen kannst

. Unterdessen will ich dir von Herzen wünschen, daß du ihn durch Höhere Gaben übertreffen mögest. Lebe wol! und deute meine Erinnerungen zum Besten.

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