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weihrauch in die reine Flamme streute, braute die Here für Faust, der schon auch im Manuscript recht alt geworden war, unter absurden Sprüchen ihren Verjüngungstrank. Dieser, sowie die heitere , edle Gestalt Egmonts, die aus den Dichter nad Italien geleitet, knüpften noch den Nord an den Süd, die frühere Jugend an die reifere Männlichkeit, die Periode des genialen Naturalismus an die des idealen Runftstyle, der rubigen Classicität.

Die Thätigkeit Götbe's in Italien beschränkte sich größtenteils nur auf die formelle Durbildung älterer Dichtungen, die gleichsam die Luft des Südens zum völligen Ausreifen benöthigten. Hier bildete er den feinen Gliederbau seiner dichterischen Sprache aus ; hier fand er jene unvergleichliche Melodie seines Verses, der aber nicht gleich dem blancvers des Shafespeare oder dem Sdiller'schen Jambus die vorwärts drängende Bewegung, den dramatisch beschleunigten Schritt hat, sondern sich gleich den Wellen eines Sees rubig auf- und niederwiegt, und unwillfürlich don ein langsameres, fein abgewogenes Tempo des Vortrags ohne alle heftigeren, leidenschaftlichen Accente verlangt. In solche Verse schrieb nun Göthe feine „Iphigenia" um, obne sonst wesentlich an ihr zu ändern – er ließ nur die ohnehin rhythmisden Tonfälle ihrer poetisden Proja Zeile für Zeile, Periode für Periode regelmäßig erflingen; tiefer eindringend war die Umgestaltung des „Tarjo," der in Italien so eigentlich neu gedichtet wurde, in den Lust. uud Prachtgärten von Florenz seine sübliche Farbe, sein warmes Colorit erhielt, um dann

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wie in schmerzlich wehmüthigen Nachgenuß der italienis (den Eindrücke nach der Rüdkehr des Dichters vollends beendigt zu werden. Egmont ward in Rom, ein balbes Jahr nach der Iphigenie fertig; auch die beiden Singspiele: „Erwin und Elmire", und „Claudine von Villa Bella" erhielten in Italien ein neues rhythmisches Festkleid.

Die Würdigung der italienischen Kunststudien Göthe’s liegt außer unserer Aufgabe; jo viel fönnen wir aber behaupten: Alles, was der geistreiche Dilettant in der bildenden Kunst durchaus lernen wollte zeichnen, modelliren, einen reinen Umriß beschreiben, die Farben übereinstimmen - das sab auf's glüdlichste Der Dichter ab, und eignete fich plastisde Vollendung, Eurhythmie der Form, edle Contouren, Farbenbarmonie im besten Sinne an. Vor Allem aber befestigte sich sein Stylgefühl, der Sinn für das Abgeschlossene, Gesekmäßige, Kunstgemäße in der Dichtung durch jene Studien weit mehr, als es bei ihm, dessen Natur eine wesentlich ansdauende war, durd irgend eine abstracte Theorie bewirkt werden konnte. Auch hier drängt sich und wieder ein wesentlicher Gegensaß in dem Entwicklungsgang Göthe's und Schiller's auf. Was Jenem die lebendige Form der bildenden Kunst war, eine „Vermittlerin des Unaussprechlichen,“ das war diesem die transcendentale Form des philosopbisden Gedankens; ihn zog es aus der Poesie mächtig empor in die geistige Sphäre des Denkens, um Dort für seine Ideen den inneren Halt zu finden; Göthe'n dagegen drängte es ebenso nach der finnlideren Solidität, der Bayer ; Von Gottfthed bis Schiller. II.

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strengen materiellen Bedingtbeit der Künste bin, um da die Gelege des Stylo, in dauernde Formen verTenft, gleichsam mit den Händen zu tasten, mit den Augen ablesen zu fönnen. Kalt ist freilich zulegt Beides, der plastische Marmor wie die pbilosopbische Abftraction. Götbe's Dichtung gewann an Adel und Schönbeit, verlor aber ebenso an Wärme und Innigkeit in der Nachbarschaft der Bilder und Statuen; Spiller's Poesie gewann durch seine Vertiefung in die Speculation an Würde des Gedankenausbruces, büßte aber in gleidem Maße von dem Feuer und der binreißenden Kraft der Leidenschaft ein, die seine Jugendstüde durddringt.

Bei Göthe vollends ist das immer entschiedenere Streben, auch als Poet zu bilden und zu formen, die Harmonie eines Gemäldes, einer plastischen Gruppe ebenso in die dichterisde Composition zu bringen dem dramatisden Schaffen nichts weniger als günstig. Dieser Punkt ist es, der hier zunächst unser Interesse angeht.

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Wir haben don bei der allgemeinen Charafteristik unseres Dichters erkannt, daß seine dramatischen Dichs tungen die Poesie im Allgemeinen weit mehr bereichert baben, als speciell die Bühne. Für die legtere baben sie zu wenig und zu viel: zu wenig ber einschlagenden theatralischen, zu viel der feineren poetischen Wirkung. Während der Dichter mit verschwenderischem Pinsel Pocaltone, Luft und lidht auch mit in seine Stücke

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bineinmalt, Farben, die fein Lampenlicht vertragen fehlt es ihm gerade an dem Wesentlichsten, was auf dieser Bretterwelt wirft, an Rasdheit des Ganges, finnlicher Kraft, Affect und Pathos. Dieser Mangel steigert sich mit der fortschreitenden fünstlerischen Bildung Göthe’s. Bei der eigenthümlichen Richtung, welche diese nahm, mußte sie ihn den Aufgaben des Drama's von Sdritt zu Schritt mehr entfremden, ihn von der wirklichen Bühne immer entschiedener ablenken.

Jene dramatischen Dichtungen, in denen das Leben in Maffen heranrückt, eine große Weltsdau über die wechselnden Gestalten des Daseins gehalten wird, gebören durchaus der Jugend Göthe’s an: Göß, die Bürgerscenen in Egmont, die Hauptscenen des Faust. Jeßt sind wir auf einmal jenem bunten Lebensgewimmel entrüdt, wie es in der wechselnden Scenerie des Göß, auf dem Markt von Brüssel, in der Spaziergangsscene des Faust an uns beranwogt – still und stiller wird es uin uns, die geheiligte Umfriedung des Tempelhaines von Tauris, die stille Abgeschiebenheit der Palafträume und Gärten von Belriguardo hält das Weltgetriebe von sich fern, und läßt faum in fernem Nachhall die Brandung der Lebenswogen vernehmen. Je reiner, classischer, gefeilter die Form wird, desto mehr wird die sinnlicy faßbare Action, die Bewegung des äußeren Lebens aus ihr ausgeschieden; je einfacher das Sujet, je fnapper und enger der zu verarbeitende Stoff, desto breiter wird Anordnung und Ausführung Der Dialog zieht in geistreicher Redseligfeit immer weitere Kreise, über Nahes und Fernes

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fich verbreitend; die Bilder und Gleichnisse erhalten immer mehr den episden, den rubig schildernden Charafter, ftatt des beflügelten Drangs der dramatischen Bildersprache; der Eindruck des Ganzen ist zulegt mehr der eines Bildwerfes oder Gemäldes, das rubig beschaut, mit stillem Behagen ausgenossen werden will, als der eines Drama's, das uns im Innersten mächtig erfassen, in seine Bewegung mit bineinziehen sou.

Die Hofstellung in Weimar war für den Dichter ebenso wenig eine Scule des Drama's, als der Aufenthalt in den Museen und Bildersälen Italiens. Das Bild einer gesunden, mannigfach bewegten Volfseristenz, das früher. inmitten des reichsstädtischen Lebens von Frankfurt in so fräftigen Farben vor seiner Seele stand, tritt nun, allmälig verblassend, ihm mehr und mehr in den Hintergrund; was früber sein Interesse für das Charakteristische lebbaft angezogen, stößt jegt den vorneb meren, ästhetisch gebildeten Sinn mit verlegender Wirkung ab. Schon in der ersten Weimarer Zeit fand er sich bei einem Ausfluge nach Leipzig im Getreibe der Meßgeleitsceremonien an Ariostens Wort vom Pöbel gemahnt: „ werth des Todes vor der Geburt.“ An den älteren Theilen des ,,Egmont," wohl zunächst an den Volksscenen, stört ihn schon 1781 ,,das auzu Aufgeknüpfte, Studentenbafte der Manier“; wenn er das Stück noch zu schreis ben bätte, äußert er sich gegen die Frau von Stein, schriebe er es anders und vielleicht gar nicht. Im lande der Kunst, der Ruinen und der Monumente interessirt er sich für das Volfsleben nur insofern, als es die malerische Staffage für die Landschaft und die Denkmale

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