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der Unterwelt rettende Göttin (= Ceres) - Sommer und Winter, Tag und Nacht. Hammurabi sagt Cod. II, 26 ff., daß er „die Grabstätte der Malkat“ (d. i. Ištar von Sippar als Gemahlin des Sonnengottes) ,,mit Grün bekleidet habe", der Farbe der Auferstehung (s. S. 88. 100). Ištar im Grabe ist identisch mit Tammuz in der Unterwelt, mit Marduk im Grabe. Überall handelt es sich um den Kreislauf von Tod und Leben. Die „Höllenfahrt der Ištar" schildert ihre Hinabfahrt in die Unterwelt (Winter), bei der aber alles Leben erstirbt. Sie bringt den hinabgesunkenen Gatten-Jahrgott herauf, wie im umgekehrten Mythus die hinabgesunkene Ištar vom Gatten, z. B. Eriškigal von Nergal, Euridice von Orpheus heraufgeholt wird. Der eine Teil stellt die Natur, der andre die Sonne dar, oder umgekehrt. Als Leben bringende Göttin ist sie verschleiert (s. Abb. 40), die entschleierte Ištar bringt den Tod !.

Auch in ihrer Doppeleigenschaft als Morgen- und Abendstern offenbart übrigens Ištar die Zwiespältigkeit des Naturlebens. Als ilat šêrêti verkündet sie das neue Leben (Morgenstern, griechisch Phosphoros), als Abendstern stürzt sie (Helal ben Šahar Jes 14, 12 ff., Luzifer) vom Himmel hinab in die Unterwelt, wie die Sonne (Tammuz) im Winter und wie der Mond in der letzten Phase. Auf diesen Venus-Mythus bezieht sich das S. 88 erwähnte „grünende Grab“. Šamaš bringt den Morgenstern herauf. Aber es kann auch Jahresmythus sein.

Sicherlich hat sich frühzeitig mit dieser Vorstellung ein Kultus verknüpft, der mit Prostitution verbunden ist. Schon in der sog. Dibarra - Legende (KB VI, 56 ff.) ist sie von den Šamhâti und Harimati umgeben, „deren Händen Ištar den Mann erstattet und zu eigen gibt“ 2. Die Namen šamhâti und harimâti

1) S. Winckler in MVAG 1901, 304 ff. und s. zu i Mos 38, 14. Das Schleiermotiv wird uns öfter begegnen. Eine verschleierte Ištar stellt Abb. 41 dar; über den Fund s. M. Oppenheim, Zeitschr. der Berl. Gesellsch. f. Erdk. Bd. XXVI; eine andere sieht Friedrich auf dem Siegel Clercq II, 229 BA V, 476. Auch in dem oben S. 107 angeführten Text ist der Schleier der Ištar erwähnt, die Meerjungfrau im Gilgameš-Epos ist verschleiert. Auch in Taannek wurde von Sellin eine verschleierte Ištar gefunden. Das verschleierte Bild zu Sais! Demeter „mit glänzendem Schleier“, s. hierzu Maaß, Orpheus, ein Buch, das äußerst wertvolles Material beibringt, aber den orientalischen Charakter der Mysterien verkennt.

2) Weder die kulturgeschichtlichen (das Weib löst sich vom Familienverbande durch die Ehe und durch die Weihe an die Gottheit), noch die religionsgeschichtlichen Wurzeln dieses Astarte - Kultes lassen sich mit den heutigen Mitteln bloßlegen. Zu betonen ist, daß neben sind zugleich die gewöhnlichen Bezeichnungen für die „Dirnen" der babylonischen und assyrischen Städte.

4. Die jungfräuliche Ištar ist auch

Kriegsgöttin oder Jagd göttin (Diana, Mondgöttin).

Abb. 42: Ištar als Göttin der Jagd. Brit. Museum. So schon in altbabylonischer Zeit, wie Abb. 42 zeigt. Bei Hammurabi, aber besonders bei den Assyrern, ist sie ,,Herrin des Kampfes und der Schlacht"1 und bei Nabonid ist Ištar (Anunit) Schlachtgöttin

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Abb. 43: Ištar neben Šamaš (aufgehende Sonne? s. Abb. 11 S. 21)

und andern Göttern. Brit. Museum.

mit Köcher und Bogen? „In Flammen gekleidet, mit Köcher und Bogen, auf dem Leoparden stehend wird sie dargestellt (s. Abb. 42). ,,In der Schlacht fliege ich wie eine Schwalbe dahin", heißt es in einem Hymnus + die altorientalische Walküre!

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dem Kult der Unzucht, der vielleicht eine Dekadence ist, die sexuellen Dinge (insbesondere der Phalluskult) auch unter rein religiösen Gesichtspunkten gestanden haben müssen. Der Phallus, den Bacchus am Tore des Hades pflegt, ist Auferstehungssymbol. Bei den Sexualgliedern wird im A. T. geschworen. Vgl. Jakob Grimm, Myth. II, 1200: „Der Phallusdienst muß aus schuldloser Verehrung des zeugenden Prinzips hergeleitet werden, die eine spätere, ihrer Schande bewußte Zeit ängstlich mied.“

1) Ein altbab. Monument mit Ištar als Schlachtengöttin s. zu 2 Mos 14, 24.
2) KB III, 1, 113; 2, 105. 3) Vgl. Abb. 54.
4) Reisner Hymn. 108, 44 s. Zimmern KAT 3 431 5.

Bei dem mannweiblichen Charakter jeder Gottheit und insbesondere (s. oben S. 81. 110f.) der Ištar kann es nicht verwundern, daß wir auch eine bärtige Ištar in den Urkunden finden, z. B. Craig, Relig. Texts I, 7: „Wie Assur ist sie mit einem Barte versehen“ (vgl. die Venus mit dem Bart bei den Römern, die

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bärtige Aphrodite auf Kypros 1). Sie ist dann nichts anderes, als eine Erscheinung des Tammuz, ihres Gegenparts, arabisch Attara.

Die Kultorte der Ištar sind in Südbabylonien Uruk, in Nordbabylonien Akkad, in Assyrien Niniveh und Arbela.

1) S. Preller - Robert I, 509. Vgl. ferner die mannweibliche Kybele als Agdestis; ihre Priester in Weiber ern. Andererseits dient Adonis Apollo als Weib.

2) S. oben S. 81. Er ist Abend- und Morgenstern (PhosphorosLuzifer), s. S. uo.

Ramman-Adad.

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Ramman, der in der kanaanäischen Aussprache des Ideogramms Adad (Hadad) heißt, ist identisch mit dem alten Wettergott IM, der in dem aus der Zeit Ammizadugas stammenden AtarhasisMythus und in Eigennamen von Telloh auftaucht. Die Betonung des Ramman, der häufig in der zweiten Göttertrias (Sin, Šamaš, Ištar) an die Stelle der Ištar tritt, scheint ebenfalls ,,kanaanäischen" Ursprungs zu sein. Salmanassar opfert dem Adad in Aleppo?. Seinen Doppelcharakter (Zwiespältigkeit der Natur) konnte man bisher nur aus Sach 12, TI (Hadad-Rimmon-Tammuz, s. S. 91) belegen. Er ist Sturm-, Gewitter- und Regengott (Addu S. 78) und sein Symbol Blitzbündel und Axt3. Als der Gott, der den Regen zurückhält (und Verheerung anrichtet) und vor allem als Gewittergott ist er der Verderben bringende; als der Gott, der den Regen herbeibringt, ist er der Segen spendende.

Abb. 46: Der Gott Adad, Ein Hymnus auf Adad-Ramman sagt*: in Babylon gefunden.

Der Herr, wenn er zürnt, zittern die Himmel vor ihm,
Adad, wenn er grollt, bebt die Erde vor ihm ;

große Berge werden vor ihm niedergeworfen.

1) Auf einer von Belck-Lehmann gefundenen präarmenischen 11'schrift ist A-da-di-nirari geschrieben (Ramman-nirari). Als die im Assyrischen gewöhnlichste Lesung war sie bereits vorher wahrscheinlich gemacht.

:) Bei den Hethitern heißt der Gott Tešub, s. Abb. 44 und 45. Der Jupiter Dolichenus, der dieselben Embleme hat, verrät hier den Übergang vom Orient zum Okzident. Auf europäischem Boden begegnet er uns als Thor mit dem Doppelbeil; nach Sofus Müller, Urgeschichte Europas 59 ist die Vorstellung vom vormykenischen Kreta, wo das Doppelbeil des Zeus erscheint, nach Europa gewandert.

3) Andre Adadbilder bespricht Friedrich BA V, 458 ff., doch s. S. 125 Anm. 4. Entsprechende Tešub-Bilder aus Syrien s. zu Josua i ff.

+) IV R 28, Nr. 2, s. Zimmern AO VII, 3, 12. In den poetischen Schilderungen der Gerichte Jahves erinnern viele Züge an Adad: 1 Sa 7, 10 vgl. 12, 17ff.; Jes 29, 6; Jer 23, 19; Ez 13, 13; vgl. Friedrich BA V, 466. Jeremias, A. Test. 2. Aufl.

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Vor seinem Zürnen, vor seinem Grollen,

vor seinem Brüllen, vor seinem Donnern
steigen die Götter des Himmels zum Himmel hinauf,

gehen die Götter der Unterwelt in die Unterwelt hinein,
geht die Sonne in des Himmels Grund hinein,

verschwindet der Mond in des Himmels Höhe.

Adad-Ramman ist (besonders neben Šamaš) auch Orakelgott, s. 2. B. die von H. Zimmern, Beiträge 190 ff. veröffentlichten Gebete an Šamaš und Adad. Das mag sich daraus erklären, daß sein kritischer Punkt als tellurischer Gott (s. unten Anm. 2) der alles beherrschende Nordpunkt ist, der Punkt des Sin, der ja bel purûssê Herr der Orakel ist; aus demselben Grunde ist auch Ninib Asurn. I, 3 „der große Entscheider“. Als Herr des Nordpunkts, der Feuerregion, ist er in den Mythen der hinkende Schmied, s. S. 28 (warum hinkend?) und als solcher identisch mit Ninib-Mars, dem andern Herrn des Nordpunktes.

Tammuz. Die Gestalt des Tammuz1 wurde bereits in früheren Kapiteln behandelt. Er repräsentiert den in die Unterwelt sinkenden und zu neuem Leben emporsteigenden Kreislauf und kann als solcher Sonnen- oder Mond- oder Venus- (Attar, Luzifer, Phosphoros) - Charakter tragen, auch verbindet er die Erscheinungen von Marduk (lichte Hälfte) und Nebo (dunkle Hälfte), bez. von Ninib und Nergal, s. S. 32 ff. und Abb. 14f., S. 8of. Von den Kalenderfesten, die den Tod und die Auferstehung des Tammuz darstellen, war S. 88 ff. die Rede. S. 89f. wurden auch TamınuzHymnen mitgeteilt.

Tammuz, dem wir als einer Repräsentation für das doppelte Naturleben (Marduk + Nebo) im System bereits wiederholt begegneten, erscheint schon bei Gudea und im Adapa-Mythus . In mythologischer Ausgestaltung ist die Lehre von Tammuz keilinschriftlich vor allem in dem Beschwörungstext IV R 31 von der Höllenfahrt der Ištar bezeugt? Ištar fährt zur Unter

1) Zur Charakteristik des Tammuz vgl. mein Hölle und Paradies AO I, 3°, 9f. 32; Vellay, Le culte d’Adonis-Tammouz; vgl. unten S. 117 Anm. 1.

2) Hier Tammuz und Gišzida am Tore Anus, wie IV R ? 30, Nr. 2, wo allerdings von Tammuz als Sohn des Ningišzida die Rede ist, im entgegengesetzten Gebiete, in der Unterwelt. Sie repräsentieren die beiden Hälften des Jahres am Nord- und Südpunkt, vgl. S. 21 Anm. 4; S. 143, wie Jachin und Boas den Ost- und Westpunkt; der Nordpunkt ist als Sommersonnenwende der kritische Punkt für alle tellurischen Erscheinungen.

3) S. die Übersetzung in meinen Bab.-assyr. Vorstellungen vom Leben nach dem Tode S. 1 ff., verbessert Artikel Nergal bei Roscher, Lex. der Mythologie, Jensen KB VI, 8off.

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