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welt, um den von der Unterweltsgöttin zurückgehaltenen Tammuz zu holen. Der Schluß des Textes bezeugt die Todesund Auferstehungsfeier des Tammuz.

Eine euhemeristische Wendung des Tammuz-Mythus findet sich in dem Nabatäerbuche El-Maqrîsi (Chwolsohn II, 604 ff.): Tammuz sei der erste gewesen, welcher einen König zur göttlichen Verehrung der sieben Planeten und der zwölf Zeichen des Tierkreises aufgefordert hätte. Dieser König habe ihn getötet, er sei aber nach seiner Hinrichtung wieder lebendig geworden. Dann habe ihn jener König dreimal hintereinander auf eine grausame Weise hingerichtet, er sei aber nach jeder Hinrichtung wieder lebendig geworden, bis er nach der letzten Hinrichtung tot blieb 1 ..... Die babylonischen und harranischen Ssabier klagen und weinen? insgesamt über Tammuz bis auf unsre Tage (d. h. 10. Jahrh. n. Chr.) in dem gleichnamigen Monat, an einem ihrer Feste, das auf Tammuz Bezug hat, und feiern ein großes Fest, welches vorzugsweise von den Frauen gefeiert wird; denn diese versammeln sich insgesamt, klagen und weinen über Tammuz.

Die Betonung und eigenartige Ausprägung seines Kultus, die zu einer Art volkstümlicher Auferstehungsfeier geführt hat, ist ,,kanaanäisch“. Da er im Hochsommer stirbt, ist sein kritischer Punkt ebenfalls der Nordpunkt, der Ninib-Punkt.

Dem Tammuz entspricht Attar bei den vorislamischen Arabern, Dusares im Kult von Petra 3, Tammuz-Adonis bei den Phöniziern und Griechen“, Attis bei den Phrygierno.

Wir wollen im folgenden zur Ergänzung des früher Gesagten noch einiges aus diesen Mythenkreisen mitteilen.

Über den phönizischen Tammuz-Kult sind wir durch Lucian, De dea syra und durch Monumente an der Quelle des AdonisFlusses im Libanon genauer unterrichtet. Abb. 31 (S. 90) haben wir das Felsenrelief an der Quelle des jährlich sich rötenden Adonis-Flusses (Nahr Ibrahim) wiedergegeben, das auch Ma

*) Es wurde also mit oder ohne Auferstehung gefeiert.

) Am 1. Tage des Tammuz, sagt der Schluß des Textes. Dort heißt es auch, man verstünde den Sinn nicht, beriefe sich nur auf die gleiche Feier der Vorfahren.

3) Zu Attar und Dusares s. S. 81, Anm. 1.

*) In der hellenistischen Adonis-Mythologie werden die Klage-Instrumente personifiziert: ABópas hat seinen Namen von der Trauerflöte abûb; Kivvoas, der Vater des Adonis, von kinnûr. Die Höllenfahrt des Aeneas enthält wie die Sage von Orpheus und Eurydice die Motive der orientalischen Hölle hrt.

5) Macrobius, Saturnal. I, 21 hat die Identität von Adonis, Attis, Osiris, Horus als Repräsentanten des Kreislaufs noch gekannt.

6) Die Araber kennen die Tammuz- Motive in der Abrahams-Überlieferung!

crobius Saturn. I, 21 beschrieben. Renan, der in der Expédition en Phénicie Pl. XXXVI das Relief nach einer ungenauen Zeichnung wiedergibt, teilt noch ein anderes daneben befindliches Felsenrelief mit, das den Jäger Adonis - Tammuz mit zwei Hunden darstellt.

Macrobius Sat. I, 21: „Bei den Assyrern oder Phöniziern wird die Göttin Venus (so nennen sie die obere Hemisphäre, während die untere Proserpina heißt) als trauernde Göttin eingeführt, weil die Sonne im jährlichen Laufe durch die zwölf Tierkreiszeichen auch in den Bereich der untern Hemisphäre kommt; denn sechs von den Tierkreiszeichen halten sie für unterirdisch, sechs für oberirdisch. Wenn die Sonne in den untern Zeichen steht und deshalb die Tage kürzer macht, dann sagt man, die Göttin trauere, als sei die Sonne durch zeitweiligen Tod entrissen und werde von Proserpina zurückgehalten", welche die Gottheit des untern Erdkreises und der Antipoden darstellt?. Dann glauben sie, daß Adonis der Venus zurückgegeben sei, wenn die Sonne nach Besiegung der sechs untern Zeichen anfängt, unsre Hemisphäre zu durchlaufen unter Zunahme von Licht und Tagen. Sie sagen aber, Adonis sei vom Eber getötet worden, indem sie in diesem Tiere das Bild des Winters abbilden .... Das Bild der (trauernden) Göttin ist im Libanon mit verhülltem Haupte und mit dem Ausdruck der Trauer abgebildet; die linke Hand stützt das Haupt mit dem Obergewand, so daß die Betrachtenden glauben, sie weine."

Lucian, De dea Syra 9: „Ein Fluß, der vom Berge Libanon kommt, mündet in das Meer: er heißt Adonis. Er wird alljährlich blutrot, färbt durch sein Wasser das Meer weithin rot und gibt den Bybliern das Zeichen zur Trauer. Sie erzählen, daß in diesen Tagen Adonis auf dem Libanon verwundet wird, und daß sein Blut das Wasser des Flusses verändert, von dem er den Namen bekommt.“ ib. 6: „Ich sah in Byblos ein großes Heiligtum der Aphrodite, in dem die Mysterien zu Ehren des Adonis gefeiert werden, mit denen ich mich bekannt gemacht habe. Sie erzählen, daß die Geschichte mit dem Schwein in ihrer Gegend dem Adonis zugestoßen sei, und zur Erinnerung an den Vorfall wird einmal in jedem Jahre eine große Landestrauer angelegt, und sie begehen die Mysterien unter Wehklagen und indem sie sich an die Brust schlagen. Haben sie beides zur Genüge getan, so bringen sie zuerst dem Adonis als Leiche Totenopfer dar, darauf tragen sie am andern Tage die Sage vor, er lebe, und geleiten ihn an die Luft und verschleiern sich den Kopf . . . Unter den Bewohnern von Byblos befinden sich einige, die sagen, der ägyptische Osiris sei bei ihnen begraben, und die Trauer und die Mysterien geschähen nicht zu Ehren des Adonis, sondern alles zu Ehren des Osiris“s.

Abb. 47 und 48 stellen den Tod des Adonis-Tammuz und die Klage der Ištar - Aphrodite um Tammuz dar. Vellay hat in seinem zitierten Werke die Bilder als Zeugen für den antiken Kultus herangezogen. Die Bilder stammen aus Montfaucon, Antiquité illustrée, und Vellay hat sie

1) Vgl. oben Höllenfahrt der Ištar S. 34. 110.
2) Man beachte, daß Macrobius die Kugelgestalt der Erde kennt.
3) Vgl. v. Landau, Beiträge IV, 18 ff.

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einfach auf Treu und Glauben als antike Bilder wiedergegeben! Montfaucon, der sie wiederum aus Beger, Thesaurus Brandenburgicus (1696) I, S. 202 entnommen hat, bemerkt zu Abb. 47, das Original sei im Cabinet de Brandebourg. Die Generalverwaltungder Königlichen Museen hat mir auf Anfrage mitgeteilt, daß bei den Museen über den Verbleib beider Stücke nichts bekannt ist. Un- Abb. 48: Beweinung des Tammuz - Adonis (nicht antik, s. Text). zweifelhaft seien aber beide nicht antik. Wir geben die Bilder trotzdem wieder, weil der Künstler in sehr feiner Weise die Momente des Mythus wiedergegeben hat, ebenso wie der Künstler des spätgriechischen Sarkophags Abb. 29 S. 89. - Abb. 49 gibt einen etruskischen Spiegel wieder; die zweite Gestalt links stellt laut Beischrift „Atunis“ dar, neben ihm Aphrodite.

Der phrygische und lydische Attis ist die kleinasiatische Variation des Tammuz. Seine Ergänzung bildet hierdie große Mutter" (Kybele, yeyáin umo). Zeus, der unter hellenistischem Einfluß an die Stelle des Mars-Ninib tritt (s. Abb. 13 S. 25), sendet nach ly dischem Mythus den Eber, der Attis

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! Das Buch Vellays ist mit großer Vorsicht zu benutzen, aber es bietet eine gute Sammlung des klassischen Materials.

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Abb. 49: Etruskischer Spiegel. Aphrodite und Adonis. Nach Vellay S. 68.

tötet, weil er die Lyder in die Orgien der großen Mutter einweihte (so berichtet euhemeristisch Pausanias VII, 17, 9). ,,Daher rühren die pessinuntischen Galater die Schweine nicht an.“ Die große Mutter beweint und bestattet ihn. In Pessinus wurde ein Grab des Attis gezeigt (vgl. die Göttergräber S. 88). Die „Orgien“ verraten, daß in Phrygien die Neubelebung der Natur und dementsprechend die Auferstehung des Attis gefeiert wird, wie im Ištar-Tammuz-Kult. In Phrygien wurde im Kultus das Hinsterben der Natur geflissentlich betont. Das ist der Sinn der Kastration, die hier mit der Attisfeier verbunden ist; das Gegenstück bildet wohl die Abschneidung der Brüste bei den Amazonen, den Begleiterinnen der großen Mutter. Festbräuche des Attis-Kult erwähnt Herodot IV, 76; Plutarch, de Is. et Osir. 69, ferner der Astronom Julius Firmicus Maternus, de errore profan. relig. (vgl. BNT 19). – Der Kultus wanderte zu den Griechen, wie Inschriften aus den Anfang des 2. vorchristl. Jahrh. zeigen, s. Hepding 1. c. 134, in Rom wurde der Kult auf den Rat der sibyllinischen Bücher (!) i. J. 204 v. Chr. auf dem Palatin eingeführt; seit Claudius wurde das Fest in der zweiten Hälfte des März öffentlich begangen. In der Trauerzeit wurde castus (Kasteiung!) gefordert. Am dritten Tage rasten die Gallen, ritzten sich mit Messern. Dann kam die Parusie (Epiphanie) des Gottes. Der Oberpriester meldet am 25. März ,,des Gottes voll": Attis ist wiedergekehrt, freuet euch seiner Parusia. Firmicus schildert die Zeremonie näher. Der Priester murmelt mit leiser Stimme:

θαρρείτε μύσται του θεού σεσωσμένου
έσται γάρ υμίν εκ πόνων σωτηρία.
„Tröstet euch, ihr Eingeweihten, der Rettung des Gottes,
denn es wird sein für euch eine Rettung von der Mühsal ?."

Nachdem wir bereits wiederholt die Ansicht ausgesprochen haben, daß die ,,altorientalische" Lehre auch den germanischen Mythen zugrunde liege, und da wir beabsichtigen, in Kap. III auch die nordischen bez. germanischen Kosmogonien heranzuziehen, sei es gestattet, in diesem Zusammenhange auch auf den Mythus von Balder zu weisen. Fr. Kauffmann, Balder in Mythus und Sage, Straßburg 1902, hat den Baldermythus als Wiederspiegelung eines himmlischen Vorganges hingestellt : Leben und Sterben im Jahreslauf und im Kreislauf der Weltzeiten. ,,Die Alten sprechen von einem Weltenjahr oder Großjahr (mahāyngam; annus maximus; annus mundanus), nach dessen Ablauf die

die Sterne wieder die Konstellation einnehmen werden, die sie im Anfang der Zeiten innehatten. Dieses Großjahr beginnt mit einer Sintflut und schließt mit einem Weltbrand 3." In Form einer Prophezeiung habe diese kosmische Spekulation früh auch in Skandinavien Eingang gefunden. Der Baldermythus sei in den Mittelpunkt dieser Prophetie gestellt worden. Kauffmann knüpft daran religionsgeschichtliche Spekulationen. „Balder sei das Opfer, das den Verfall der bestehenden Weltordnung aufhalte. Das Opfer Balders aber erschöpfe sich. Einst werde das Leben im großen

1) Hepding zweifelt, ob es sich um Attis oder Osiris handelt. Beide sind wesensgleich. Daß die Auferstehung gefeiert wird, zeigt die Erzählung von Damaskios in der vita Isidori, wo vom Hilarienfest der Göttermutter erzählt wird: όπερ έδήλου την έξ "Αιδου γεγονυίαν ημών σωτηρίαν.

2) Wer würde nicht an den Ausdruck der Erlösererwartung i Mos 5, 29 erinnert, s. 2. St.

3) Vgl. das Zeugnis des Berosus S. 63 f.

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