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jetzt aus den Ausgrabungen der deutschen Orientgesellschaft in Babylon: es ist ein drachenartiges Ungeheuer mit zweigehörntem Schlangenkopf. Das Mischwesen verbindet also die Vorstellung von Schlange und Drache. Auf den Emaillereliefs der Prozessionsstraße ist das Ungeheuer schreitend dargestellt (Abb. 58), auf dem Mardukbilde, das den Verzierungen eines Thronsessels angehörte (Abb. 98), ist es, wie auf den ,,Grenzsteinen“ (Abb. 2—5), liegend dargestellt.

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Abb. 58: Der Drache (şîr ruššû) in Ziegelrelief vom Ištar - Tor in Babylon.

er

Agumkakrime berichtet, daß er im Marduk-Tempel in Babylon neben dem Marduk - Bilde auch den mušruššû aufgestellt habe;

ist ebenfalls das Chaosungetüm 1. Später haben die Assyrer den Mythus für ihren Hauptgott Ašur reklamiert. In einer Bauinschrift Sanheribs wird gesagt, daß am Tore eines assyrischen Tempels, der „Haus des Neujahrsfestes“ (bit akiti) heißt, der Kampf in Schmiedearbeit (,,Werk des Ea, des Schmiedegottes“) dargestellt wurde: Ašur fährt mit den Waffen, die im Epos Marduk trägt, auf dem Streitwagen gegen Tiâmat,

1) S. 138 Anm. 4.

von andern Göttern zu Fuße und zu Wagen begleitetAuch das bekannte vielbesprochene Relief aus Nimrud, das den Kampf mit einem geflügelten Ungeheuer darstellt (Abb. 59), wird wahrscheinlich auch auf Ašurs Kämpfe mit einem der Ungeheuer der altbabylonischen Astralmythologie sich beziehen.

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Abb. 59: Kampf mit dem Drachen. Relief aus Nimrud - Kelach.

Phönizien. Über die nach der Angabe des Philo von Byblos von Sanchuniathon überlieferte Kosmogonie der alten Phönizier berichtet Eusebius (im Sinne christlicher Polemik) in der Praeparatio evangelica cap. 103:

Als Urprinzip dieses Weltalls setzt er finstere, von Geist befruchtete Luft, oder den Hauch finsterer Luft und das schlammige, finstere Chaos. Dieses sei unermeßlich und grenzenlos durch lange Zeit. Als aber der Geist (Pneuma), so sagt er (Sanchuniathon), in Liebe zu seinem Urprinzip entbrannte und eine Vermischung entstand, wurde diese Um

1) S. Zimmern, Keilinschriften und Bibel S. 18, Anm. Gemeint ist der von Meißner und Rost, Die Bauinschriften Sanheribs, S. 101f., übersetzte, aber an dieser Stelle unrichtig interpretierte Text K 1356.

2) Vgl. Herder, Ideen zur Philosophie der Geschichte der Menschheit (Krit. Ausg. des Bibl. Instituts III), S. 315f.

3) Daß Philo von Byblos eine alte phönizische Quelle benutzt hat, und daß die Kosmogonie echt phönizisch ist (wenn auch nicht von dem als Zeitgenossen Davids geltenden Sanchuniathon), ist sicher trotz der sonstigen literarkritischen Schwierigkeiten, die man bei Lukas, Grundbegriffe der Kosmogonien, S. 139 ff. zusammengestellt findet. Zum Texte s. Sanchuniathonis fragmenta ed. Orellius, Leipzig, J. C. Hinrichs 1826.

+) Das dürfte dem babylonischen Mummu entsprechen.

armung Pothos (Geschlechtstrieb genannt. Dies ist das Prinzip der Schöpfung aller Dinge. Der Geist aber kennt seine Schöpfung nicht (d. h. er ist nicht geschaffen). Und aus dieser Umarmung des Geistes entstand Mot. Das ist nach den einen Schlamm, nach andern eine faulige, wässerige Mischung. Und aus dieser kam alles Erzeugnis der Schöpfung und die Entstehung des Weltalls. Es waren aber gewisse Lebewesen ohne Bewußtsein; aus ihnen gingen vernunftbegabte Wesen hervor, die den Namen Zophasemin (wohl zu lesen Zophesamim), das heißt Beschauer (Wächter) des Himmels', erhielten und die wie ein Ei gestaltet waren (die elliptische Gestalt des Tierfreijea ?)?. Und es leuchtete hervor Mot", Sonne und Mond, die Sterne und die großen Gestirne.

Dann wird erzählt, wie die Lebewesen entstehen:

„Als die Luft durchleuchtet war, entstanden durch Feuer, Wasser und Meer: Winde, Wolken und sehr große Ergüsse und Fluten himmlischer Wasser. Und nachdem sie geschieden und von ihrem ursprünglichen Orte losgerissen waren durch den Feuerbrand der Sonne, und alles sich wieder in der Luft begegnete und aneinander stieß, da entstanden Donner und Blitze und bei dem beschriebenen Donnerkrachen erwachten lebende Wesen, erschraken bei dem Lärm, und so rührte sich auf der Erde und im Meer Männliches und Weibliches. Das wurde in der Kosmogonie des Tautt und in seinen Kommentaren niedergeschrieben, wie es mit Gründen und Vermutungen sein Verstand durchschaut, ausgedacht und uns erläutert hat.“ Nachdem er dann (jo fügt Eusebius hinzu) die Namen des Notos und Boreas und der übrigen Winde

1) Vgl. Winckler, AO III, 2/3 ?, S: 26 f. Bei Diodor II, 30 sind es 36 Dekane, s. S. 11 Anm. 3. H. Zimmern vermißt KAT 3 S. 629 den inschriftlichen Beleg. Wir finden ihn in den Wächtern, die auf der IV. Tafel von Enuma eliš den parku bewachen, s. S. 136.

2) Für die Annahme eines Welteies in der phönizischen Kosmogonie darf man sich auf diese Stelle nicht berufen. Wohl aber redet eine von Philo abweichende Kosmogonie der „Sidonier“, die von Damascius, de prim. princ. c. 125 (Ausgabe von Kopp, S. 385) berichtet wird und auf Eudemos zurückgeht, von einem Ei, das aus der Urmaterie hervorging, als sich mit dem nebelhaften Urstoff (Ouiyan) das Verlangen (116905) verbunden hatte. Auch die von Damascius ib. erwähnte phönizische Kosmogonie nach Mochos spricht vom Weltei: Aus Aiung und’Ang ging Ulomos hervor, der intelligible vois; aus ihm ging Chusoros hervor, die intelligible dévas, hierauf das Ei, das zu Himmel und Erde sich spaltete. Das Ei begegnet uns ferner in der späten chinesischen und japanischen Kosmogonie, s. S. 153.

3) Wie i Mos i existiert also auch hier Licht vor der Schöpfung von Sonne und Mond. Die Auffassung scheint anzunehmen, daß schon durch die Erschaffung des Tierkreises Licht wird. Freilich bleibt dieses Mot ebenso wie das vorher erwähnte Mot dunkel.

* Dieser Taut wird später is. unten S. 143) als der Erfinder der Niederschrift der Cranfänge geschildert. Es heißt dort: die Ägypter nannten ihn Toot, die Alexandriner Toyt, die Griechen Hermes. Es ist Nebo. Die Nicderschriften der Uranfänge sind die Schicksalstafeln, die ja vor Marduk in Nebos Händen sind, s. oben S. 46. 125.

erklärt hat, fährt er fort: „diese aber haben zuerst die Keime der Erde gesegnet, haben an die Götter geglaubt und vor ihnen, durch die sie entstanden waren, die Knie gebeugt sowohl sie selbst, wie die Folgenden, wie die Vorhergegangenen und haben Speise- und Trankopfer dargebracht.“ Und er fügt hinzu: „Dieses (es muß vorher etwas ausgelassen sein) waren die Grundgedanken der Anbetung, wie sie ihrer Schwachheit und ihrem Kleinmut (wuris åropia) entsprachen. Dann (so heißt es) seien aus dem Kolpia-Winde und aus seinem Weibe Bau, was so viel heiße wie Nacht, Aion und Protogonos, die sterblichen Menschen entstanden, die so hießen. Aion habe die Nahrung von den Bäumen erfunden; die von ihnen Erzeugten seien Genos und Genea genannt worden. Diese hätten Phönizien bewohnt und als es sehr heiß wurde, hätten sie die Hände zum Himmel emporgehoben, zur Sonne. Diese hielten sie, so sagen sie, für den alleinigen Herrn des Himmels, nannten ihn Beelsamen', das ist bei den Phöniziern Herr des Himmels, bei den Griechen Zeus.“

In der folgenden Darstellung von Göttergenealogien ist hier noch eine Stelle von Interesse:

Von diesen (den Titanen!) stammen Amynos und Magos, welche den Gebrauch von Dörfern und Herden lehrten; von diesen Misor und Sydyk”, d. h. der Gerade und der Gerechte, die den Gebrauch des Salzes erfanden; von Misor: Taut, welcher die Niederschrift Abb. 60: Tonmodell eines phönizischen Tempels der Uranfänge erfand .

(Louvre).

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4) Aramäische Form für phönizisch Baal-Šamỉm, hebräisch 990 335.

2) Vgl. in den babylonischen Ritualtafeln und auch sonst die beiden Kinder des Šamaš: Kettu und Mešaru, Recht und Gradheit, die sich in der Psalmenpoesie wiederspiegeln als Säulen des Thrones Jahves (Ps 89, 15) und die symbolisiert erscheinen in den beiden Säulen rechts und links vom Tempeleingange in Jerusalem: Jachin und Boas (1 Kg 7, 21, vgl. die älteste Abbildung des Tempels bei Riehm, Handwörterb. S. 1650), mit denen man die zwei Obelisken am Eingange jedes ägyptischen Sonnentempels und an dem Abb. 60 wiedergegebenen phönizischen Tempelchen vergleiche. Der Aufgang zum Tempel stellt den Tierkreis dar. Die Säulen sind Ost- und Westpunkt (Marduk und Nebo), die beiden Sonnenwenden, oder Nord- und Südpunkt, nach der Orien ierung. Auch die beiden Wächter am Tore des Anu- Himmels in dem Adapa-Mythus, Tammuz und Giš-zida, gehören in diesen Vorstellungskreis, s. 114 Anm. 2,

3) S. oben S. 142 Anm. 4.

Ägypten. Von der Identität der ägyptischen Lehre mit dem altorientalischen System war bereits an verschiedenen Stellen die Rede, s. S. 4. 79. 84f. In der Lehre von On ist das dreigeteilte Weltbild bezeugt, s. Abb. 1, S. 7. Auch hier ist in der Theorie das Himmelsbild gleich dem Weltenbild. Das „Land“ ist ein Spiegelbild des Himmels. Darum wiederholen sich die geographischen Namen, die kosmischen Sinn haben, in Ober- und Unterägypten. Und um dieser Theorie willen hält man daran fest, daß der Nil bei Elephantine entspringt (Kultort des Chnum

Ea), auch in Zeiten, in denen man längst bis Chartum gekommen ist.

Daneben aber finden wir eine populäre Anschauung, die sowohl den Himmel wie die Unterwelt als ein Spiegelbild der Welt, d. h. Ägyptens ansieht 1:

1. Die Erde, d. h. ein Land mit Wasser, Inseln und Kanälen, nämlich Ägypten.

2. Der Himmel; er wird vorgestellt wie Ägypten als Land mit Wasser, Inseln, Kanälen. Es gibt keine bildlichen Darstellungen, aber die Pyramidentexte bezeugen es.

3. Die Totenwelt als Gegenbild der irdischen Welt.

In anderen Vorstellungen, die ursprünglich gewiß lokal getrennt waren, werden die Toten im Himmel, in andern wiederum auf Erden, im Westen, gelegentlich auch im Norden, weiter lebend gedacht.

Einen Text, der die Weltschöpfung im Zusammenhang schildert, gibt es nicht. Es finden sich nur verstreute Notizen.

Die Kosmogonie ist auch in Ägypten gleich Theogonie. In der Legende vom l'ntergange des Menschengeschlechts (dem sog. Kuhbuche) redet der Sonnengott das Urgewässer Nun an:

Du ältester Gott,

aus dem ich entstanden bin! Vorher hat er alle Götter aufgerufen, mit denen er in der Crzeit in dem Urgewässer Nun (!) zusammen war.

· Hingegen finden wir in Ägypten einen Mythus vom Schlangenkampf und Welten-Neubau, der nur mit anderen Worten dasselbe berichtet, was der babylonische Mythus von Marduk dem Drachenkämpfer und

1) Mitteilung des Prof. G. Steindorff. Vollständiges Material bei Wiedemann, Religion of Egypt in Hastings Dictionary, Suppl. Bd. 176 ff.

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