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Demiurgen sagt. Amon von Theben entspricht hiernach in seinem Wesen und Wirken genau Marduk von Babylon.

Nach Vertreibung der Hyksos wurde Theben Metropole eines einheitlichen ägyptischen Reiches. Wie die Priester von Babylon das Recht der Stadt auf die Weltherrschaft mit dem Nachweis begründeten, daß Marduk Drachenbesieger und Weltschöpfer sei, so scheinen die Priester von Theben das Recht auf die Weltherrschaft mit dem Siege Amons zu begründen. Alles, was kürzlich1 aus den Texten von Amon mitgeteilt wurde, ist identisch mit der Marduk-Lehre. Wie Marduk der Götterkönig von Babylonien, so ist Amon ,,von freundlichem Herzen, wenn man zu ihin ruft“. Abb. 34 zeigt die Ohren Amons auf dem Denkstein, Marduk ist „großohrig“ (s. Abb. 33); denn er hört alle Bitten. Amon-Re ist „die lebende Lampe, die aus dem Himmelsozean aufgeht". Von Marduk heißt es: „Erstgeborner Eas (d. i. der Ozean), wie der Sonnengott erleuchtest du das Dunkel der Menschen.“ Amon-Re ist der „Stier von Heliopolis“, wie Marduk „der Stier zu Babylon“. „Er bekämpft den Apophis“, wie Marduk Tiamat, und wie bei Re „ist es sein Auge, das die Feinde fällt" die Sonne verschlingt die Gestirne! „Seine Mannschaft jauchzt, wenn sie sehen, wie der Feind (die Schlange Apophis) gefällt ist, wie seine Glieder mit dem Messer zerfleischt sind, wie das Feuer ihn gefressen hat

die Götter jauchzen, die Mannschaft des Re ist zufrieden.“ Als sieghafter Sonnengott ist er nun Schöpfer, Erhalter und Ernährer aller Wesen. Er baut die Welt auf wie der Demiurg Marduk nach dem Sieg über Tiâmat. ,,Er befahl, und die Götter entstanden, er ist der Vater der Götter, der die Menschen machte und die Tiere schuf ..... Er ist der, der das Kraut macht für die Herden und den Fruchtbaum für die Menschen; der schafft, wovon die Fische im Strome leben und die Vögel unter dem Himmel usw."

Im Amon - Hymnus von Kairo, der aus der 20. Dynastie überliefert ist, aber sicher älteres Material verwertet, heißt es: I, 5f.: „Oberster aller Götter, Herr der Menschheit, Vater der Götter, der

die Menschen machte und die Tiere schuf, der Herr dessen, was da ist, der den Leber aum schafft, das Kraut ht und Fruchtbäume, der das Vieh ernährt."

1) Erman, Religion der Ägypter :62f., vgl. oben 83 ff.

Jeremias, A. Test. 2. Aufl.

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II, 7: „Preis dir, der den Himmel erhob, und die Erde (gründete?)"" ?
IV, 7: „Atum, der die Menschen schuf, welcher ihre Art (?) erhebt und ihr

Leben macht, der ihre Farbe unterscheidet, einen vom andern.“ VI, 3: „Die Menschen kamen aus seinen Augen und die Götter entstanden

aus seinem Munde.“

Immer wird die Gottheit als Schöpfer und Erhalter der Welt bis ins kleinste gepriesen (bis zu Ungeziefer und Mäusen).

Was hier von Amon gesagt ist, wird anderswo von Chnum oder von Thaut gesagt. Die Anschauungen variieren in Theben, Heliopolis, Memphis.

Die große Neunheit von On? geht aus dem Ur meer hervor, wie in allen Theogonien und Kosmogonien des Orients. Erdgott Keb und Himmelsgöttin Nut liegen zur Zeugung verschlungen im Urmeer (vgl. Mummu und Tiâmat S. 6 f.), bis Schu die Himmelsgöttin emporhebt, s. unten Anm. I.

Sonnengott
Schu Tefnet

Keb Nut
Dazu kommen Osiris mit

Isis und sein feindlicher Bruder
Abb. 61: Der ägyptische Gott Chnum
modelliert den Menschen auf der Töpferscheibe. Set mit Nephtys. Der großen
Aus dem Tempel von Luxor.

Neunheit entspricht eine kleine

Neunheit:
Horos, Sohn der Isis, mit Osiris identisch 3

8 Götter, die ihn gegen seine Feinde verteidigen. Zur Trias Sonne, Mond, Hathor-Isis s. S. 82.

1) Die kosmogonische Vorstellung wird so abgebildet (s. Abb. 1): Der Erdgott liegt auf dem Rücken, die Himmelsgöttin, auf deren Leibe die Sterne abgebildet sind, liegt über ihm und wird durch den Luftgott Schu emporgehoben, so daß sie mit Fußspitzen und Fingerspitzen den Erdgott einschließt (Horizont) und mit ihrem sternenbedeckten Leibe sich über dem Erdgott wölbt. Auf einigen Darstellungen schwimmt die Sonnenbarke auf dem Rücken der Himmelsgöttin.

2) Vgl. Erman 1. c. S. 30. Sie entsprechen einer Neunerwoche. Zur 9 s. S. 60.

3) Gemahl und Sohn zugleich. In der babylonischen Mythologie erzeugen Mutter und Sohn die neue Welt, s. S. 7 und S. 82 Anm. 1.

Die Menschenschöpfung wird als Töpferarbeit dargestellt. Der Mensch wird auf der Töpferscheibe modelliert 1

Eranier und Perser. Die Theologie Zarathustras, dessen Auftreten von den Neueren ins 6. Jahrhundert v. Chr. verlegt wird, knüpft an eine ältere Religion an. Auch diese ältere Religion, soweit sie aus der avestischen Literatur rekonstruiert werden kann, kennt die Lehre von der Weltentwickelung, die sich im Kampf wider die finsteren Mächte vollzieht. Zarathustra hebt das Feuer hervor, wir dürfen deshalb vielleicht annehmen, dass sein Weltbild die Nord-Ķibla betont, den Feuerpunkt?, umgekehrt als in Babylon, wo der Südpunkt, der apsû, als Ausgangspunkt der Weltentwickelung betont wird 3 (S. 30).

Die altpersische Kosmogonie + läßt sich aus der Schriftensammlung Avesta rekonstruieren. Avesta ist der Name der eranischen heiligen Schrift und bedeutet nach der auch sonst mehrfach angenommenen Erklärung von Haug „das Wissen“ (V vid). Zend ist die Übersetzung ins Mittelpersische aus der Sassanidenzeit und ist identisch mit Gnosis. Schon in diesen Namen begegnet uns der Grundgedanke altorientalischer Lehre; alles Wissen liegt in den Uranfängen, ist göttlichen Ursprungs, Religion ruht auf Überlieferung und Reinhaltung dieses Wissens.

Daß schon die alte Religion auf astraler Grundlage ruhte, glauben wir annehmen zu dürfen auch auf Grund von Stellen, wie Yasna, Hymnus I: „Ich verehre die Sterne, die Geschöpfe des heiligen Geistes, den Tištrya (Sirius), den glänzenden, herrlichen Stern, den Mond, der den Samen des Stiers besitzt, und die strahlende Sonne mit den eilenden Rossen, das Auge des Ahuramazda (zur Trias Sonne, Mond, Sirius s. S. 79); ich verehre

1) S. Abb. 61. Eusebius, praep. ev. I, 12 erwähnt ein solches Bild.

2) S. 21. 28. Daß die avestische Lehre den mit dem Tierkreis zusammenhängenden Weltkreislauf kennt, beweist die Lehre vom Weltbrand, s. S. 149.

3) Das gibt vielleicht einen Wink für die Entstehungsgeschichte der Religion Zarathustras. Nach Analogie anderer religiöser Bewegungen wird sie einen reformatorischen Gegensatz zur bestehenden Lehre bedeuten. War diese Lehre die babylonische? Beachte die gehässige Rolle, die Babylon im Epos spielt, s. S. 150.

4) Zum Folgenden vgl. Lehmann bei Chantepie de la Saussaye : und Jackson im Handbuch der eranischen Philologie. Der Zusammenhang mit der altorientalischen Lehre wurde von beiden nicht erkannt. Jackson trennt nicht genügend alte Lehre und spätere Strömungen.

5) Nach freundlicher Mitteilung von Prof. Dr. Lindner. Die übliche Erklärung Zend - Avesta „Tradition des Wissens“ ist nicht richtig. Die Angaben über avestische Lehren verdanke ich der Belehrung Br. Lindners. die Schutzgeister der Gerechten in dir, dem Feuer, samt jedem andern Feuer, das gute Wasser und jedes andere Wasser, wie auch jedes geschaffene Kraut.“ Also neben Feuer das Wasser (Lebenswasser) und die heilige Pflanze (Haoma). Die heilige Kuh und der „Hund“ Tištrya sind nicht Ackerbau - Ideal, wie noch Jackson im Handbuch der eranischen Philologie annimmt, die Kuh ist die göttliche Mutter (s. S. 108 u. 157); „die Kuh gewinnen“ ist Seligkeit; der „Hund“ ist der Sirius. Herodot I, 131 sagt: „Die Perser verehrten die Sonne, Mond, Sterne, Erde, Wasser, Feuer.“

Vom Urchaos sagt die Kosmogonie des Avesta, soweit wir sie kennen, nichts. Die Lichtwelt, die Ahuramazda geschaffen hat, wird von der finstern Welt, deren Repräsentant Ahriman ist, bedroht, wie in der babylonischen Kosmogonie die Welt Anšars durch Tiâmat und Kingu. Der Welt des Lichts tritt als Gegenschöpfung eine Welt der Finsternis gegenüber. Zwischen beiden ist eine Leere (im Avesta vayu, in den Pahlavi-Texten vāē), die den Schauplatz der Begegnung und des Kampfes bildet.

Nach dem bedeutendsten Werk der Pahlaviliteratur, dem spätüberlieferten Bundeheš (d. h. C'rschöpfung), dessen Lehre aber auf alten verloren gegangenen avestischen Traditionen beruht, vollzieht sich der Kampf in einer Reihe von Weltzeitaltern. Auf die grenzenlose Zeit“ folgt ,, die herrschende Zeit der langen Periode“, 12000 Jahre, die Ahuramazda für das Walten der feindlichen Macht bestimmt hat, 4 X 3000 Jahre. Jedem der Millennien steht ein Tierkreiszeichen vor. Diese ZeitalterDisposition ist in der vorhandenen Avesta-Literatur nicht zu belegen. Aber bereits Plutarch, Is. et Osir. c. 47 (nach Theopomp?) bezeugt sie für die Perser.

1. 3000 Jahre geistiger Schöpfung. Während dieser Zeit werden die reinen Geister geschaffen?.

2. Im zweiten Dreijahrtausend schafft Ahuramazda die sechs Amšaspands, je drei zu seiner Seite; jeder von den sieben ist von der Trias Sonne, Mond und Tištrya begleitet. Sie sitzen auf goldenen Thronen, jedem ist im priesterlichen Kalender ein Monat (Doppelmonat?) heilig, je ein Monatstag (nach Plutarch kommen zu den sechs noch 24 „,andre“, also 30 Monatsgeister). Wenn Tagesname und Monatsname zusammenfallen, ist Festtag. Ihnen stehen in der Gegenschöpfung die sechs daēva entgegen", je drei zur Seite Ahrimans. Weiter schafft Ahuramazda 1. den Himmel, 2. Wasser, 3. Erde, 4. Pflanzen, 5. Tiere, 6. den

1) Nach Jackson „die himmlischen Urbilder“. Ein vorläufiges Auftreten Ahrimans wird durch Ahuramazdas heiliges Wort zurückgeschlagen.

2) Asmodäus im Buche Tobias, d. h. av. aēsma daēva, Dämon der Wut.

Menschen. Dabei helfen die Fravašis, die zur ursprünglichen Geisterschöpfung gehören, wie sie bei Regierung der Welt beteiligt sind.

3. Im dritten Dreijahrtausend tritt Ahriman auf. Er vernichtet alles, tötet den Urstier, der vor der Erschaffung des Menschen allein auf der Erde war, und den Urmenschen. Aus ihrem Samen, der durch die Bewegung des Lichtes der Sonne gereinigt wird, entsteht nach ihrem Tode Tierleben und Menschenleben. Die höllische Rotte, die Ahriman begleitet, wird von den himmlischen Geistern geschlagen. Es ist das goldene Zeitalter. Ahuramazda beauftragt Yima”, er solle die heilige Lehre bewahren und verkünden. Er lehnt es ab, da er untüchtig sei. Dann bekommt er den Auftrag, die Geschöpfe zu hüten?. Es ist die Zeit des unentschiedenen Kampfes. In diese Periode wird auch der Sintflutbericht eingefügt. Yima bekommt den Auftrag, zu retten, was zu retten ist. Er birgt die Geretteten nicht im Schiff, sondern in einem umwallten Ort +

4. Im vierten Dreijahrtausend tritt Zarathustra auf und bringt die göttliche Lehre. Nun wird der Erretter erwartet, alle tausend Jahre soll ein neuer Prophet kommen. Am Ende der Dinge werden alle Toten auferstehen, Ahuramazda wird Ahriman besiegen, aus dem Weltbrand wird eine neue, reine Welt hervorgehen. Die Metalle in der Erde schmelzen. Die Hölle wird durch Feuer zerstört. Von Ahriman bleibt nichts übrig, auch nicht die Sünde, die er verursacht hat. Auch die Bösen sind gerettet in der Apokatastasis.

Die Kosmogonie und Weltzeitalterlehre entspricht also der Lehre vom Weltkreislauf. Wenn der Weltkreislauf in der Feuerregion angekommen ist, tritt die Welterneuerung ein (vgl. S. 63 f.).

1) Der Stier des Minos, den Theseus tötet, bekommt hierdurch seine Erklärung. Zum Urmenschen und Urstier und ihren Mythen vgl. Hüsing bei Göll, Mythologie, 8. Aufl., S. 310 f.: Der Urmensch lebt auf dem Götterberge (später Damāvand), der im Meere liegt und auf dem der Weltbaum steht, s. S. 194.

2) Yima Herr des Paradieses, s. S. 191. Nach Hüsing 1. c. 313 entspricht er dem Monde, der nach dem Sterben nicht tot ist.

*) Vendidad II, s. die Übersetzung von Geldner, Ztschr. f. vergl. Sprachforschung XXV, 181f. Vendidad ist ein Teil des Avesta. Ritual aus alter Zeit, mit kosmogonischen Bemerkungen beginnend und mit eschatologischen Betrachtungen schließend.

*) S. Lindner im Festgruß für Roth 213 ff. Oldenberg, Rel. der Veda 276 führt auch diese Überlieferung (gegen Lindner) auf Babylon zurück.

5) Er entspricht dem Urmenschen, ist also der neue Adam. Darum wird der Mythus von der Verfolgung auf ihn übertragen, s. Hüsing 1. c. 311.

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