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S. 44 ff.), zeigten im Gegensatz zu den später neubeschafften die Form der altbabylonischen Omina: „wenn dies geschieht usw.“ (vgl. Kautzsch, Pseudepigr. II, S. 178, Abs. 2). Sie sind auf etruskischen Ursprung zurückzuführen. Ebenso entspricht die systematische Hervorhebung der Zwölfzahl (und die von den Römern übernommene sescenties) dem altorientalischen System. Die römische Kriegsgeschichte spricht von zwölf Staaten, in die Etrurien eingeteilt gewesen sei; ebenso im Paduslande und im etruskischen Kampanien. Aber die Geschichtsforschung bemüht sich vergeblich, zwölf Bundesglieder auszuzählen, jedenfalls waren es mehr, s. Müller-Deecke I, 320. Auch der Gründer der Zwölfstädte, sowohl im eigentlichen Etrurien als im Padus

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lande, namens Tarchon, Sohn und Bruder des Tyrrhenos, der Heros eponymos der ,,urbs florentissima". Tarquinii ist eine mythische Gestalt nach orientalischer Art. Endlich ist hier die etruskische Wahrsagung aus der Schafsleber zu nennen, die mit der babylonischen verwandt ist 1.

Die hier für die Etrusker bezeugte Kenntnis der altorientalischen Lehre erstreckt sich natürlich auch auf die übrigen Völker der Mittelmeerkulturen. Es sei hier nur auf die Funde aus Knossos und Ilion hingewiesen, von denen Abb. 21 (Nabel der Welt) und Abb. 62 u. 63 Proben geben mögen, auf die wir an anderer Stelle zurückkommen werden. Der „babylonische“ Charakter dieser Darstellungen ist von Milani, Bibbia prebabelica (Studi religiosi vol. VI, 1906) behandelt worden.

) Vgl. Abb. zu Ez 21, 26; cf. Zimmern, Beitr. 84, KAT 3 605; zu den etruskischen Lebern s. Boissier, Note sur un document babyl., Genève 1901; nach Boissier soll sogar der erste Bestandteil des Wortes haruspex auf babyl. HAR Leber zurückgehen.

Nordische Kosmogonie. Aus der Lieder-Edda und der aus ihr schöpfenden Edda des Snorre Sturluson ergibt sich folgende Darstellung:

In Völuspa erzählt die Völve den Menschen, Heimdalls heiligem Geschlecht, von der Urzeit: Im Anfang war weder Sand noch See noch kalte Woge, nicht Erde noch Himmel, nur Ginnungagap (,,die gähnende Kluft“, das Crchaos), doch nirgends Gras, bis die Söhne Burs die Menschenwelt schufen. Sie hoben die Erdscheibe aus dem Meer und schufen Midgard, die von den Menschen bewohnte Welt 1.

Ich heische Gehör von den heil'gen Geschlechtern,
von Heimdalls Kindern, den hohen und niedern;
Walvater Odin wünscht es, so will ich erzählen
der Vorzeit Geschichten aus frühster Erinn'rung.
Zu der Riesen Ahnherrn reicht mein Gedächtnis,
die vor Zeiten erzeugt mich haben;
neun Welten kenn' ich, neun Räume des Weltbaums,
der tief im Innern der Erde wurzelt.
In der Vorzeit war's, als Ymir lebte 2:
Da war nicht Kies noch Meer noch kalte Woge;
nicht Erde gab es, noch Oberhimmel,
nur gähnende Kluft, doch Gras nirgends.
Da lüpften Burs Söhne die Lande empor
und erschufen den schönen Midgard,
von Süden beschien die Sonne den Boden,
da wuchs auf dem Grunde grünendes Kraut.
Die Sonne von Süden, gesellt dem Monde,
rührte mit der Rechten den Rand des Himmels;
nicht wußte die Sonne, wo sie Wohnung hatte,
der Mond wußte nicht, welche Macht er hatte,
die Sterne wußten nicht, welche Stätte sie hatten.
Da gingen zu Sitze die Götter alle,
die heiligen Herrscher, und hielten Rat:
sie benannten die Nacht, Neumond und Vollmond,
Morgen und Abend, Mittag und Vesper,

die Zeiten all zur Zählung der Jahre. Im Norden von Ginnungagap war es eisig kalt, im Süden heiß. Im Norden Niflheim und drinnen der Brunnen Hvergelmir, aus dem sich 12 Flüsse von Wasser und Nebel ergießen. Im Süden war Muspellsheim, die helle, heiße Gegend. Durch Ver

1. Die folgende Übersetzung aus Hugo Gering, Die Edda. 2, Ältere Variante: „als eitel nichts war“.

mischung beider entstand der Riese Ymir. Von Ymir kommt das Riesengeschlecht (die der Sintflut vorangehende Heroenzeit!). Unter seinem linken Arm entsteht aus dem Schweiß ein Riesenpaar, die Füße erzeugen den sechsköpfigen Riesen Thrudgelmir. Aus dem tropfenden Reife entsteht auch die Kuh Audumla 1. Die vier Milchströme ihrer Zitzen ernähren Ymir. Sie selbst nährt sich durch Belecken des salzigen Reifsteins? Als sie leckte, kam eines Mannes Haar zum Vorschein, am zweiten Tage der Kopf, am dritten der ganze Mensch. Sein Name war Buri. Er war der Vater des Bur, der Bestla, die Riesentochter, zur Frau nahm und mit ihr drei Söhne zeugte: Odin, Wili und We.

Diese Trias der Söhne Burs tötet Ymir, und sie ertränkten in seinem Blute die Reifriesen. Nur Bergelmir entkam, der Sohn jenes sechshäuptigen Thrudgelmir. Er wurde bei der blutigen Sintflut3 in ein Boot gelegt.

Aus Ymirs Fleisch erschaffen die Söhne Burs die Welt:

Aus Ymirs Fleisch ward die Erde geschaffen,
aus dem Blute das brausende Meer,
die Berge aus dem Gebein, die Bäume aus den Haaren,
aus dem Schädel das schimmernde Himmelsdach.
Doch aus seinen Wimpern schufen weise Götter
Midgard dem Menschengeschlecht;
aus dem Hirne endlich sind all die hartgesinnten Wetterwolken

gemacht. Wir haben in dieser Kosmogonie und der mit ihr zusammenhängenden Lehre von dem Weltzeitalter, Drachenkampf, Welterneuung Zug um Zug die altorientalische Lehre in höchst eigenartiger, nationaler Ausprägung. E. H. Meyer, 434 ff., nimmt Beeinflussung durch antike Gelehrsamkeit an; in der Wala findet er die Sophia des alexandrinischen Judentums; der Riese Thrudgelmir soll aus der Orphitenlehre stammen; Platos Timaeus soll seine Einflüsse ausgeübt haben. Mogk, Germanische Mythologie 147 ff. lehnt dies mit Recht ab. Es wäre ja auch zu bedenken, daß die genannten Quellen auf die gleiche altorientalische Lehre zurückgehen. Golther, S. 518, zieht selbständige, unabhängige Entstehung vor, aber er fällt in die alte Theorie zurück, wenn er 531 den Weltbaum Yggdrasil für eine Nachahmung des christlichen Kreuzesbaumes ausgibt. An anderer Stelle ist Golther auf richtiger Fährte, wenn er zur Annahme

1) Vgl. zu dieser Repräsentation der Muttergöttin (die übliche Erklärung als Naß und Fruchtbarkeit spendende Wolke mag späterer poetischer Ausdeutung entsprechen, der ursprüngliche Sinn des Mythus ist ein anderer) S. 108.

2) Das Salz ist nach nordischer Auffassung der Urquell alles geistigen Lebens.

3) Vgl. den Hathor-Mythus im ägyptischen „Kuhbuch“ Kap. IX.

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von ,,Entlehnung" neigt (richtiger: Wanderung der Lehre). Er sagt 502: „Wenn sich Gleichungen in einer zusammenhängenden, stufenreichen und sinnvollen Reihenfolge von Schöpfungsakten einstellen, wenn Einzelheiten, die einem kunstvollen, willkürlichen Gedankengang entspringen, zusammenstimmen, so liegt die Annahme der Entlehnung nahe.“ Aus der sehr instruktiven Einleitung Golthers kann man lernen, daß die germanische Mythologie jenseits Jakob Grimm, ihn selbst teilweise mit eingeschlossen, auf der richtigen Fährte war, ehe das altorientalische Material vorlag. Mit noch viel größerer Vorsicht ist die Behauptung biblischer Beeinflussung aufzunehmen. Nur für Einzelzüge könnte das gelten. Nach Meyer 434 ff. ist die gesamte Kosmogonie eine Umdichtung der biblischen Schöpfungsgeschichtet. Auch in der fränkisch-germanischen Mythologie finden wir die altorientalische Lehre. Wir haben das S. 79f. für die Göttertrias gezeigt, bei der Caesar und Tacitus nicht in Widerspruch stehen, und werden weitere Nachweise bei der Menschenschöpfung, beim Weltbaum bringen (s. das Register).

Das Wessobrunner Gebet (8. oder 9. Jahrh. n. Chr.) beginnt im Tone der Sibylle mit dem Fragment einer Kosmogonie:

„Dies erfuhr ich als höchstes Wissen von den Lebenden. Als weder die Erde, noch der Himmel darüber, als weder Baum noch Berg war, die Sonne nicht schien, der Mond nicht leuchtete, als der vielberühmte See, als nichts der Enden und Grenzen vorhanden war, da war schon der eine allmächtige Gott, der Männer wildester, da waren mit ihm schon die Menge der göttlichen Geister.“

Man wird nach dem hier beigebrachten Material, das eine durch die Welt gewanderte Lehre von der Weltentstehung bezeugt, kaum mehr geneigt sein, Wackernagel zuzustimmen, der das Gebet für den Anfang einer Übersetzung von 1 Mos 1 hielt, wenn es auch sicher im Sinne des Glaubens an den einen allmächtigen Gott und durch Vergleichung mit der biblischen Geschichte christianisiert ist. Auch ist es nicht ausgeschlossen, daß mittelalterliche Ausmalungen der Schöpfungsgeschichte, die wiederum vom Orient beeinflußt sein können, Stoff geliefert haben. Lucas 1. c. stellt das Gebet jedenfalls mit Recht mit den Kosmogonien der Edda zusammen, und Müllenhoff, Deutsche Altertumskunde S. 68 wird mit seiner Vermutung recht haben, nach der das Gedicht in seiner verloren gegangenen Fortsetzung auch den Weltuntergang geschildert haben dürfte.

) Zu den Quellen und zur Übersetzung s. Golther, Handb. der germ. Myth. 517. Es ist das also die nachsintflutliche Welt. Daß die Sintflut parallel ist zum Urchaos und aus ihr eine neue Welt entsteht, entspricht der Lehre. Näheres darüber im Kapitel Sintflut. In der oben nach Völuspa geschilderten Weltschöpfung sind die Äonen vermischt.

Viertes Kapitel.

Der biblische Schöpfungsbericht.

i Mos 1-2, 3.

Die aus der sog. Priesterschrift stammende Schöpfungsgeschichte des Himmels und der Erde umfaßt die folgenden Stücke :

1. Im Urzustand ist die Welt Tehom (Tohu und Bohu), d. i. das trwasser.

2. Über Tehom war Finsternis, über majim „brütet“ der Geist Gottes.

3. Die Schöpfung geht aus dem Urwasser hervor durch das Wort Gottes.

4. Die Schöpfung vollzieht sich nun nicht als Resultat dieses ,,Brütens", sondern in sieben bez. acht durch das Wort Gottes hervorgerufenen Schöpferakten, die sich auf sechs Tagewerke verteilen. Siebenmal sagt Gott dabei, daß es gut war, dreimal heißt es: ,,er segnete":

a) Es wird Licht.

b) Es wird eine Raķia geschaffen, die das Urwasser" (Tehom) in ,,obere Wasser“ und „untere Wasser“ scheidet;

c) aus dem unteren Wasser“ tritt das Festland hervor und wird mit Gras, Pflanzen und Bäumen bekleidet;

d) an der Raķi'a des Himmels werden Sonne, Mond und Sterne angebracht, die als Merkzeichen dienen und nach denen Zeiträume und Tage und Jahre bestimmt werden sollen.

e) Wasser und Luft werden mit Tieren belebt.

f) Das Festland wird mit Haustieren, Gewürm und wilden Tieren bevölkert.

g) Die Menschen werden geschaffen nach Gottes Bild als Mann und Weib.

5. Gott ruht am siebenten Tage und heiligt den siebenten Tag.

Der Verfasser von i Mos i ist ein religiöser Reformatori. Er kennt das altorientalische Weltbild.

1) Über die Veranlassung zu den Urgeschichten und über das Verhältnis von Mythologie und Geschichte s. bereits S. 74.

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