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und Behemot, wie sie oft in den poetischen Stücken auftauchen, zu denken, vgl. S. 166. Derartige mythische Meerungeheuer waren im Tempel zu Jerusalem bildlich aufgestellt, wie Ezechiel verrät, s. zu Ez 8, i ff. Daß gerade in 2 Mos 20 die „wissenschaftliche“ Vorstellung durchscheint, erklärt sich durch die Polemik.

Vgl. auch Ps 135, 6: Alles, was ihm bclicbt, hat Fahve getan, im Himmel und auf Erden, im Meer und in allen Tehomot.

Verblaste Vorstellungen vom Weltbild finden wir auch Ps 148.

v. 1, rühmet vom Himmel her",

v. 7, rühmet von der Erde heps. Die „Himmel“ sind näher erklärt als meromîm; dort sind es die Sterne, die wie Jes 24, 21 ff. (s. S. 179) zur Heerschar Jahves geworden sind (die Priesterschrift würde sie ganz ausgetilgt haben). V. 4 redet dann noch besonders von den Gewässern des Himmels, denen ein Pa (Grenze) gegeben ist, den sie nicht überschreiten dürfen, s. S. 136, Anm. 4.

Zur Erde, d. h. zum irdischen Bereich im Gegensatz zum himmlischen gehören das Meer v. 7 mit den tanninîm und allen tehomôt (tiâmat! oder ist behemot zu lesen?), alle mythischen Seeungeheuer, dann alle irdischen Kreaturen und Bewohner.

Das „Meer“ im mythologischen Sinne ist im Babylonischen apsû als Sitz der „Weisheit“. Ea, der im apsû wohnt, ist bel nimeki ,,Herr der Weisheit" (s. oben S. 96). Ps 36, 6 sind die Satzungen Gottes mit der großen tehom“ verglichen. Und in den Proverbien ist die Weisheit in der tehom sitzend gedacht'. Also auch hier biblische Spuren des altorientalischen Weltbildes.

Wenn die Erde Ps 24, 2 „aufs Meer (029) gegründet und auf Fluten (172“ aufgestellt ist, so entspricht das auch dem babylonischen Weltbild (s. oben S. 130). Ursprünglich war alles Meer; die Erde ist darauf aufgebaut; darum ist der Ozean nicht nur rings um die Erde, sondern auch unter der Erde. So öffnen sich i Mos 7, II bei der Flut die Quellen der großen tehom (s. Kap. X) und 1 Mos 49, 25 kommt Segensfülle aus der tehom, „die darunter lagert“, wie vom Himmel droben.

!) S. 173. Zur „Erlösung“, die aus dem „Meere“ durch Marduk gebracht wird, vgl. S. 97 Anm. 5.

Was sind die Fenster des Himmels (:3-8), i Mos 7, 11; 2 Kg 7, 2; Jes 24, 18; Mal 3, 10? Ist es nur poetische Vorstellung von Himmelsschleusen beim Regen? Oder hängt die Vorstellung mit dem Weltbild und seinen noch immer rätselhaften „oberen Wassern“ zusammen, die durch den hoş (Riegel) abgeschlossen werd S. oben S. 136?

Wie im Babylonischen finden wir auch in der biblischen Weltvorstellung neben der Dreiteilung: Himmel, Erde und Wasser eine volkstümliche Teilung, die über der Erde den Himmel, unter der Erde die Unterwelt sieht. Der Himmel ist Gottes Wohnung, die Erde der Menschen, die Unterwelt der Toten Wohnplatz.

Der Himmel ist Himmel Jahves; die Erde hat er den Menschen gegeben; die in die Stille hinabgefahren sind, rühmen Jahve nicht (Ps 115, 16 f.).

Erbitte dir ein Zeichen, tief unten aus der Unterwelt oder hoch oben aus den Höhen (Jes 7, u).

Himmlisch ist seine Weisheit, tiefer als die Unteruelt (Hi 11, 8).

Daß der Himmel ein kugelförmiges Gewölbe ist, mußte man an der Drehung der Milchstraße sehen. Für die griechische Zeit ist es in der biblischen Literatur bezeugt durch Koh 1, 5: Die Sonne geht auf und geht unter und cilt an ihren Ort, an dem sie aufgeht." Die Griechen reden von Antipoden (Macrobius I, 21, s. S. 116, auch Aristarch bereits, 3. Jahrh. v. Chr.), wissen also, dass die Erde eine Kugel ist.

Von den Spuren eines „wissenschaftlichen“ Weltbildes ist ganz zu trennen die poetische Weltschilderung, die sich besonders in den Psalmen findet und die die Welt als ein kunstvolles Haus vor Augen malt, bei dem die Erde das untere Stockwerk und der Himmel das obere Stockwerk ist, wo Gott mit den höheren Wesen wohnt und die Vorräte aufspeichert, während das Meer (einn bez. 1x "SEX", entspr. bab. apsû) die Quellen speist. So Ps 36. Auch der Verfasser von Ps 104 mag nichts mit kosmologischen Schilderungen zu tun haben. Er schildert, wie Gottes Herrlichkeit die ganze Natur durchwaltet, und schafft sich eigne Bilder. Aber in einzelnen Ausdrücken (raķia', Leviathan) verrät er, daß ihm die Mythologie bekannt ist.

B. Duhm hat im Psalmenkommentar (zu Ps 36 und 104) das biblische Weltbild grade nach den poetischen Schilderungen aufgebaut, die mit einem System nichts zu tun haben. Daneben unterschätzt er die kosmologischen Kenntnisse der Israeliten. „Obwohl die Juden über die ganze Welt verstreut waren, kannten sie gleichwohl die wirkliche

1) Das Wort wäre dann etymologisch von âpês „alle sein“ zu trennen.

Welt (gemeint ist das Weltbild) viel weniger als die Griechen, weil sie von wissenschaftlicher Sammlung und Bearbeitung des zerstreuten Wissens keine Ahnung hatten“ (S. XXVI). Das dürfte man keinesfalls aus der Bibel allein schließen. Die gelehrten Juden von Babylon werden das Wissen ihrer Zeit ebensogut beherrscht haben wie die übrigen orientalischen Gelehrten ihrer Zeit, wie die Juden des Hellenismus das ihrer Zeit und die mittelalterlichen das islamische. Duhms Erklärung des Weltbildes liegen offenbar auch sonst die Vorstellungen der Griechen zugrunde. Auch in dem Buche von Schiaparelli, Die Astronomie im Alten Testament, sind leider die auf „Wissenschaft“ beruhenden Vorstellungen von den poetischen Bildern nicht getrennt.

Der Kampf Jahve's mit dem Drachen. In einigen poetischen Stücken des Alten Testaments, in denen Jahve's Kampf und Sieg über drachengestaltige Wesen oder wider das personifizierte Crmeer Tehom geschildert wird, spiegelt sich orientalische Mythologie wieder 1 H. Gunkel hat in seinem Buche: „Schöpfung und Chaos“ dieses Problem eingehend behandelt. Aber nur ein Teil der von Gunkel behandelten Stellen trägt in der Form wirklich mythologischen Charakter. Zimmern hat mit Gunkel angesichts der Stellen, die direkt hinter dem Kampfe von der Schöpfung der Welt durch Jahve sprechen, den Schluß gezogen, daß hier deutliche Spuren einer älteren Rezension der Schöpfungserzählung sich zeigen, die dem im Epos ,,Enuma elis“ vorliegenden babylonischen Mythus näher ständen, als i Mos i in seiner jetzigen Gestalt, und daß der in Israel ursprünglich bekannt gewesene Kampf des Schöpfergottes in i Mos i absichtlich unterdrückt worden sei und in der Nennung der Tehom als Crwasser noch eine dunkle Spur zurückgelassen habe. Daß der Jahve - TehomDrachenkampf und der Marduk - Tiâmat-Kampf ein und demselben Vorstellungskreise angehören, unterliegt keinem Zweifel. Aber wie wir der literarischen Entlehnung widersprechen und behaupten, daß es sich vielmehr um eine gemeinsame mythologisierte Weltanschauung handele, so lehnen wir auch die Ansicht ab, die in den alttestamentlichen Anklängen ein Residuum altisraelitischer Religion im Gegensatz zu geläuterten religiösen Vorstellungen der späteren Zeit sieht. Es handelt sich an den betreffenden Stellen bei Hiob, Jesaias, in den Psalmen um Bilderrede in gehobener Sprache, die ihre Züge und Farben der auch in Kanaan bekannten altorientalischen Mythologie ent

1) Vgl. BNT 36 ff. Jeremias, A. Test. 2. Aufl.

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nimmt, genau so, wie es die gehobene christliche Rede tut, insbesondere die Kanzelrede, nur daß uns außer dem Gebiete der orientalischen Mythologie noch die germanische reiche Anregung bietet!. Wenn der Israelit den Kampf Jahves wider böse Mächte schildern will, so kleidet er das in die Bilder vom Kampfe mit Rahab oder Leviathan, den Ungeheuern der orientalischen Mythologie, ebenso wie er bei Schilderung der Todesschrecken an den altorientalischen Totenfluß (Bäche Belials schreckten michPs 18,5) denkt ? Wenn der Verfasser der Priesterschrift derartige poetische Anspielungen vermeidet, so liegt das an seiner besonders strengen Richtung, die auch den Schein mythologischer, heidnischer Vorstellungen vermeiden will3.

Die wichtigsten Stellen, die hier in Betracht kommen, sind die folgenden: Hi 26, 12f.: In seiner kraft schlug er das Vleer,

und in seiner Klugheit zerschmiß er Rahah (mascul.),
durch seinen Wind ..... der Himmel,
seine Hand durchbohrt die nahaš (Schlange) bariali.

Vgl. die ,,Helfer Rahabs, die sich unter Jahce krümmten“ Hi 9, 13 mit den Heltern der Tiâmat" S. 133. Hi 3, 8 stehen die Tagoerfluchert (Zauberersekte?), also die Widersacher des Lichtes, bez. Lichtgottes, (wozu man beachte, daß Enuma elis I, 109 die Marduk feindlichon Götter den Tag verfluchen 5 und

an Tiamats Seite treten) im Bunde mit Leviathan und Rahab. Ps 89, u ff.: Du hast zerschmettert . . . . Rahab (v. 10 vgl. Þi 9, 13 parallel

„Mcer“) mit starkem Arm deine Feinde verstreut; dein ist der Himmel, dein die Erde, tebel (Erde im Gegensaß zu raķia“) und was sie füllt, hast du

gegründet. Jes 51, 9f.: Auf auf, wappne dich mit Kraft, Jahres Arm!

Auf wie in den Tagen der Vorzeit, den Geschlechtern der Urzeit!

") Man vergleiche Luthers Schmalkaldische Artikel mit ihrem Kampf wider den Drachenschwanz in Rom, die Bilder im Heliand, im Titurel. Manche Gesangbuchlieder sind voll von mythologischen Anspielungen, z. B. die alten Osterlieder, die Christi Sieg besingen.

2) Auf alte Elemente der israelitischen Religion hieraus zu schließen, wäre ebenso verkehrt, wie wenn man Schillers Zeit für die griechische Religion reklamieren wollte, weil er in der Glocke die teure Gattin vom schwarzen Fürsten der Schatten wegführen läßt.

3) Vgl. S. 160. Ein anderes Beispiel: Der Elohist redet oft von den Engeln. Der Jahvist setzt dafür Jahve (1 Mos 28). Er mag wissen, dass von einer einwandfreien Engelvorstellung bis zur heidnischen, wie sie sich in der Tat im späteren Judentum ausgebildet hat, kein weiter Schritt ist.

So vermeidet er die Engel ganz.

*) Es liegt die Vorstellung vom Sternbilde des gekrümmten Drachen am Nordhimmel und vorher der Schlange am Südhimmel zugrunde.

5) Übersetzung allerdings unsicher.

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Bist du's nicht, der Rahab zerschmetterte,

den tannin' Ps 74, 13f.: Du hast gespalten machtvoll das Veer;

hast zerbrochen die Häupter der tannînîm im Wasser;

du hast zerschlagen die Häupter Leviathans 3
Es folgt der Lobpreis des Schöpfers, der Mond und Sonne, Tages- und

Jahreszeiten geschaffen hat.
Jes 27, 1: An diesem Tage wird Fahve zu seinem Sichelschwertet greifen

gegen den Lev'jatan, den nahaš bariah und gegen Lev'jatan,

den gekrümmten nahaš, und den tannîn im Vleeres wird er töten. Für die formelle Verwandtschaft der babylonischen und biblischen Vorstellungen vom Kampf und Sieg Marduks bez. Jahve's kommt aber vor allem eine bisher nicht genügend beachtete Stelle in Betracht, die den Kampf Jahve's wider eine feindliche Weltordnung in den gleichen Formen schildert, wie man sich den Kampf Marduks gegen Tiâmat und die Götter einer feindlichen Welt vorzustellen hatá: Jes 24, 21 ff. Jahve besiegt hier die heidnischen Könige und die ,,Heere der Höhe“, das sind die Sterne samt Mond und Sonne (vgl. v. 23, also die den alten Orient beherrschende Götterwelt). Das Ende wird sein, das Jahve ihre Herrschaft stürzt, sie einsperrt, wie Ea den Mummu und Marduk die Helfer Tiâmats, um dann von Zion dem Welt mittelpunkte aus die Königsherrschaft über die Welt anzutreten?.

") Zu tannînu Erde, eig. Drache s. S. 136, Anm. 7.

2) Man hat, wie z. B. die Fortsetzung dieser Stelle zeigt, bei der Schilderung gelegentlich insbesondere an den Sieg über Ägypten in der Urzeit und an die Durchschreitung des roten Meeres gedacht, s. zu 2 Mos 14, 23 ff. und vgl. S. 180. Aber daraus folgt nicht, daß speziell an ägyptische mythologische Elemente (Rahab kann als Emblem des Krokodils gelten) zu denken ist, s. S. 180.

3) Hrozný denkt an einen Zusammenhang mit dem labbu - Drachenungeheuer der babylonischen Mythologie S. 138f., s. MVAG 1903, S. 264 ff. Zu Leviathan als mehrköpfige Schlange vgl. S. 138, Anm. 4.

*) Marduks Waffe, s. Winckler F. III, 220f. Vgl. oben S. 101. Sichelschwert ist Mondmotiv, s. Abb. 15.

5) Zu tannîn s. oben zu Jes 51, 9 f. und S. 136, Anm. 7. Kautzsch: „Das Krokodil im Nil“, s. die Anm. 2.

6; Bousset, Jüdische Apokalyptik, hält die Stelle für persisch beeinflußt. Aber (abgesehen von der Gemeinsamkeit der Lehre) – sie ist ganz besonders „echt“.

?) V. 23b ist ein nachträglich hinzugefügtes Liederzitat; die vorhergehenden Sätze reden mit alten Worten und Begriffen.

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