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Das eranische Weltbild 1 versetzt den Urmenschen an einen Ort, der später als Gottesberg erscheint (Haraburzati, irdisch lokalisiert in Damāvand). Haraburzati (,,hoher Berg") liegt im Meere Worukascham, und auf ihm steht der Weltbaum, Homa genannt nach seinen goldenen Blüten. Seine Wurzeln saugen an der Quelle, von der aus die Ströme über die Erde fließen.

Für den babylonischen ,,Lebensbaum", bez. für den ,,Weltenbaum" kommt noch folgendes Material in Betracht:

1. Der stilisierte heilige Baum auf den babylonischen Siegelzylindern und auf den assyrischen Palastreliefs, der eine Art

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Dattelpalme mit einer Koniferenart verquickt. Er trägt eine Frucht?, nach der häufig die adler- oder menschenköpfigen Genien greifen. Auch der sog. „Sündenfall“-Zylinder zeigt am Baume die Früchte (s. Abb. 69 und vgl. Abb. 65-67). Dieselbe Frucht tragen dann auf anderen Darstellungen die Genien in der einen Hand (also wohl, um sie den Menschen zu bringen), während die andere ein korbartiges Gefäß hält, auf dessen Vorderseite die

1) Das Folgende nach G. Hüsing 1. c. 312.

2) Vgl. Eb. Schrader, Berl. Ak. der Wiss. Monatsbericht 1881, 413 ff. Die Frucht ist wohl die Dattelrispe. Sie findet sich auch als Verzierung auf den stilisierten Zeichnungen der Ziegel-Emaille-Reliefs in Babylon. Verwandt ist wohl auch die riesige Rispe auf dem Damasus-Hofe im Vatikan. gesamte Darstellung wiederholt erscheint. Da die Früchte doch sicher von dem Lebensbaume stammen, so vermuten wir, daß das Gefäß „Lebenswasser“ (s. unten S. 200 f.) enthalten soll, ähnlich dem karpat egubbû ,,Weihwassergefäß“, aus dem nach IV R 57, 16b Marduk Gnade spendet und mit dem man nach IV R 60, 21 a Wasser aus dem Brunnen des Marduk-Tempels (!) schöpft. Eine Schilderung solcher Lebensbäume findet sich in der verstümmelten Stelle Ez 41, 17f. (Ez 23, 14 zeigt, dass die Phantasie des Propheten mit Bildern aus babylonischen Palästen erfüllt ist):

„Und es waren (rings an der Wand) Kerube und Palmen angebracht und zwar je ein Palmbaum zwischen zwei Keruben"?,

Auch das Schnitzwerk der Wände beim Tempelbau i Kg 6, 29, „Keruben, Palmen und Blumengehänge“ darstellend, ferner die „Löwen, Rinder und Kerube“ 1 Kg 7, 29 wird man sich nach babylonischem Muster vorzustellen haben.

2. Die heilige Zeder in dem Zedernwald bez, auf dem Zedernberg im Heiligtum der Irnini.

Die beiden Gefährten Gilgameš und Eabani wandern nach dem Zedernwald, wo Humbaba die heilige Zeder bewacht?:

Um unversehrt zu erhalten (šullumu) die Zeder,
hat ihn Bel zum Fürchten für die Menschen bestimmt;
und wer seinen Wald betritt, den packt Ohnmacht.

Als sie in die Nähe gekommen sind, heißt es (Tafel V, col. I des Epos):

Sie standen, den Wald betrachtend, schauen an die Höhe der Zeder, schauen an den Eingang des Waldes, wo Humbaba zu wandeln pflegt erhabenen Schrittes. Wege sind angelegt, gutgemacht ist der Pfad, Sie schauen an den Zedernberg, den Wohnsitz der Götter, das Aller

heiligste der Irnini. Vor dem Berge erhebt eine Zeder ihre Pracht, Gut ist ihr Schatten, mit Jubel erfüllend

Nach dem Vorhergehenden scheint ein Fluß in der Nähe dieses Paradieses (heiliger Baum und heiliges Wasser!) zu entspringen, bez. zu fließen. Zu einer elamitischen Lokalisierung am Choaspes, dem Fluß von Susa, aus dem nach Herodot I, 108 die persischen Könige ausschließlich tranken, könnte der elami

1) Der Vergleich mit den Abbildungen zeigt, daß hebr. Kerub die verschiedenartigen Gestalten am Lebensbaum bezeichnet. 2 Mos 36, 8 sind sie in die Teppiche gestickt, 2 Mos 36, 35 in die Vorhänge. i Kg 6, 23 ff. Kerube im Tempel.

2) KB VI, 156 ff., vorher mein Izdubar -Nimrod S. 23.

tische Name Humbaba verleiten?. Aber es ist immer zu beachten, daß kosmische Vorstellungen zugrunde liegen, die schließlich überall lokalisiert werden können.

Von Ezechiels mythischem ,,Garten Gottes“ auf dem Libanon, der ebenfalls eine wundervolle Zeder als Hauptschmuck aufweist, war S. 194 f. die Rede.

3. Der Garten am Meere mit den Wunderbäumen auf der IX. Tafel des Gilgames-Epos.

Gilgameš kommt dahin, wo die Jungfrau Siduri Sabitu auf dem ,,Throne des Meeres" wohnt? Am Meere stehen ,,Bäume der Götter“. Dabei heißt es:

samtu-Steine trägt er als Frucht,
die Äste sind damit behangen, prächtig anzuschauen,
Lasursteine trägt die Krone (),

Früchte trägt er, köstlich anzuschauen'.
Wie die Zeder im Heilig-
tum der Irnini an die Zeder
im „Garten Gottes“ Ez 31,
3 ff. erinnert, so erinnert
dieser Park der Götter-
bäume" an Ez 28, 13 (An-
rede an den König von
Tyrus):

„In Eden', dem Gottesgarten, warst du; lauter Edel- Abb, 68: Lebensbaum mit Genien. Phönizischer (?), steine waren deine Decke:

sicher nicht babylonischer Zylinder. Brit. Museum ?

Nach einem Gipsabdruck im Besitz Karneol, Topas, Jaspis, Chry

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des Verfassers. solith, Schoham, Onyx, Saphir, Rubin, „und aus Gold“ waren deine

gearbeitet; am, Tage, da du geschaffen wurdest, wurden sie bereitet. Zum

hatte

1) S. Jensen, KB VI, 437. 441 f.

2) Jensen KB VI, 469 erinnert an die diamantenreiche Königin von Saba, gibt aber 575 ff. den Vergleich wieder auf. In welchem Sinne Siduri als Sabäerin gelten kann, dafür s. Winckler, Kritische Schriften II, 110.

3) Siehe mein Izdubar-Nimrod, S. 30; abweichend Jensen KB VI, 208 f. In der Geschichte von Abu Muhammed, dem Faulpelz, (1001 Nacht, Reclam III, 1, S. 19ff.) hat der Held Bäumchen mit Smaragden als Blättern und Perlen als Früchten; die stammen aus der kupfernen Stadt, wo ein Mädchen auf goldenem Stuhle sitzt, mitten im Garten von goldenen Bäumen, deren Früchte aus kostbaren Edelsteinen, Perlen und Korallen bestanden. Man sieht, wie die Sagenstoffe wandern und sich spalten, ohne daß man ohne weiteres von literarischer Entlehnung sprechen darf.

) Man möchte fast vermuten, daß Eridu gemeint ist.

5) Nach Sept. grade zwölf Edelsteine, vgl. Zimmern KAT 3 629 unten. Die Krone Apollos hat auf Gemmen gelegentlich zwölf Edelsteine.

ich dich bestellt; auf dem heiligen Gottesberge warst du, mitten unter feurigen Steinen wandeltest du umher."

4. In Eridu, dem Heiligtum Eas, also dort, wo Adapa geschaffen wurde (s. S. 168), ist ein paradiesisches Baumheiligtum.

Am Schlusse einer der Beschwörungen von Eridu (IV R 15*

Cun. Texts XVI, 42 ff.), in der der Feuergott durch Marduk, den Sohn von Eridu, Ea um Vermittlung bittet, heißt es: In Eridu wächst eine dunkle Palme, an einem reinen Ort ist sie ent

sprossen, ihr Aussehen ist glänzend wie uknû-Stein, sie überschattet den Ozean, der Wandel Eas ist in Eridu, voll von Überflus; seine Wohnung ist der Ort der unteren Welt; sein Wohnplatz ist das Lager der Gur (Bau:); in das Innere des glänzenden Hauses, das schattig ist wie der Wald,

darf niemand eintreten; drinnen (wohnen) Šamaš (und) Tammuz zwischen der Mündung der beiden Ströme haben die Götter ....., die Kerube (ilu gud-dub) von Eridu, diesen

kiškanû-Baum verpflanzt und auf den kranken

Menschen die Beschwörung des apsû gelegt, und auf das Haupt des umherirrenden Menschen gebracht 1.

Daß in diesem Paradies von Eridu auch Lebenswasser sich befindet, würde an sich schon der vielerwähnte Wasserkult von Eridu beweisen. Die assyrischen Beschwörungen der MaşlûSerie (VII, 115 f.) bezeugen es ausdrücklich:

„Ich habe meine Hände gewaschen, meinen Leib gereinigt ina mê naḥbi ellûtim ša ina al Eridu ibbanû, „in dem Wasser des reinen Quellorts, der in Eridu geschaffen ist“.

5. Das Zauberkraut šíbu issahir amelu ,,obwohl Greis wird der Mensch wieder jung“ beim Aufenthaltsort des babylonischen Noah (s. oben S. 189 Anm. 2). Gilgameš will es nach Erech bringen, davon essen und in den Zustand seiner Jugend zurückkehren. Auf der Heimfahrt nimmt ihm eine Schlange an einer Zisterne das Zauberkraut fort.

6. Mit diesem „Zauberkraut“ der Seligeninsel ist die Vorstellung von dem ,,Lebenskraut“ verwandt, das die Götter geben können. In einem Marduk-Hymnus (Craig, Rel. Texts I, 59) wird Marduk als Besitzer des ,,Lebenskrautes“ angesehen. In einem Hymnus 2 heißt er selbst sammu balâti „Lebenskraut". Assyrische Könige vergleichen gern ihre Herrschaft mit der

2) Hommel, Grundriß der G. u. G. 276: „Die Paradieseswächter haben vom Baum in Eridu einen Zweig gepflückt und den kranken Menschen geheilt." S. Thompson, The Devils and Evil Spirits of Babylonia I, p. LIII ff. (The Garden of Eden).

2) K 8961, Z 5 Hehn (BAV 360 f.).

heilbringenden Wirkung dieses Krautes. So sagt Adad - nirâri, sein „Hirtenamt“ habe Gott den Assyrern wohltuend gemacht wie „Lebenskraut“. Und Asarhaddon wünscht, daß seine Herrschaft den Menschen wie „Lebenskraut“ zuträglich sei. Aus einem der assyrischen Briefel geht übrigens, worauf Zimmern aufmerksam macht, hervor, daß beim Lebenskraut nicht nur das Essen, sondern auch das Riechen in Betracht kommt: „wir waren tote Hunde, da hat der Herr König uns, wieder lebendig gemacht (d. h. begnadigt), indem er das Lebenskraut an unsre Nase legte“2.

7. Endlich ist die babylonische Ambrosia zu erwähnen, die die Götter besitzen. Es gibt einen altbabylonischen Namen Lugal-kurum-zigum, ,,der König ist Himmelsspeise". Im AdapaMythus wird im Himmel des Anu „Brot“ dargereicht 3 (im irdischen Heiligtum von Eridu bäckt Adapa das Brot von Eridu und bereitet das „Wasser" von Eridu), und ,,Wasser des Lebens“. Beim Gastmahl der Götter im Epos Enuma eliš 4 essen die Götter Weizen(brot) (ašnan) und trinken Wein. Auch das „Wasser", das Adapa ,,bereitet“, und das Lebenswasser, das ihm im Himmel vorgesetzt ist, dürfte als besonderer Göttertrank zu denken sein. Der Wein, der auch im Alten Testament eine Gottesgabe ist, die ,,des Menschen Herz erfreut", wird im Babylonischen ideographisch als „Lebenstrank“ oder ,,Lebensholz" bezeichnet.

Wasser des Lebens und Paradiesesströme. Vom ,,Wasser des Lebens“ ist in der biblischen Paradiesesschilderung scheinbar keine Rede. Aber die Vorstellung verbirgt sich

') Harper, Assyrian Letters 771.

2) Joma 72 b ist die Thora ein T D (ass. sammât, Wohlgeruch) „Lebenskraut“ für die Würdigen, ein ann do „Todeskraut“ für die Unwürdigen. Auch hier ist an Riechen zu denken. Vgl. 2 Ko 2, 16: ein Geruch des Todes, ein Geruch des Lebens. Im Targum zu Cant 7, 8 duftet der Ruf Daniels und seiner Freunde lieblich wie Paradiesesfrüchte. Weiteres zu 1 Mos 8, 21 („Gott roch den Duft“) S. 246 und BNT S. 73.

3) Die übrigen Gastgeschenke des Himmels sind Lebenswasser (-Wein? s. unten), Kleid, Öl. Vgl. hierzu die Züge in den Bildern des 23. Psalm („du salbest mein Haupt mit Öl“) und in der Gleichnisrede vom „hochzeitlichen Kleid“ Mt 22, uf.

4) KT 115.

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