Ҿ˹˹ѧ
PDF
ePub

1. in der Quelle 2, 6, sofern er ursprünglich zur Schilderung des Gartens gehört,

2. im Paradiesesstrom 2, 10.

Ez 47, iff. zeigt, daß die Israeliten ein Paradies mit Lebensbaum und Lebenswasser kennen. Dort ist von Quellen die Rede, die vom Tempel, dem Abbild des Gottessitzes (S. 51 f.), ausgehen und durch deren Fluten das tote Meer genesen soll:

„An den Ufern sollen allerlei Bäume mit genießbaren Früchten wachsen; das Laub soll nicht welken und die Früchte sollen kein Ende nehmen; alle Monate sollen sie frische Früchte tragen, denn ihr Wasser geht vom Heiligtume aus; und ihre Früchte werden als Speise dienen und ihr Laub als Heilmittel.“

Auch auf Sach 14, 8 ist hinzuweisen, wo in paradiesischer Zeit sich „, lebendige Wasser" von Jerusalem ergießen werden.

Vgl. ferner Apk 22, 1:

„Er zeigte mir einen Strom von Lebenswasser, hervorkommend aus dem Throne Gottes . . . . hüben und drüben am Strom der Baum des Lebens“.

Auch ohne unmittelbare Verbindung mit dem Gottessitz ist oft vom Lebenswasser die Rede. In den babylonischen Texten erscheint es besonders im Kultus des Ea. Eridu, der Kultort Eas an der Mündung der Ströme, entspricht ja dem kosmischen Paradies im Ozeana. Vgl. Maqlu VII, 115 f. oben S. 198. Ferner IV R 25, col. IV 3.

Reines Wasser brachte er hinein;
Nin-zadim, der große Juwelier des Anu,
hat dich mit seinen reinen Händen zubereitet;
Ea nahm dich weg an den Ort der Reinigung,
an den Ort der Reinigung nahm er dich,
mit seinen reinen Händen nahm er dich,
in (?) Milch und Honig nahm er dich,
Wasser der Beschwörung schüttete er dir an deinen Mund,

deinen Mund öffnete er mittels Beschwörungskunst: , wie der Himmel sei rein, wie die Erde sei rein, wie das Innere des Himmels leuchte'.

Bei der „Höllenfahrt der Ištar“ finden wir einen Lebenswasser-Quell in der L’nterwelt und im Gilgameš - Epos ist ein Waschort, der Reinigung vom Aussatz gibt, auf der Seligeninsel jenseits des Totenflusses

1) S. 172 „Strom"; besser wohl mit Holzinger, Genesis S. 24 7 nach Sept. etc. als „Quelle“ zu fassen. 2) S. 198.

3) Nach Zimmern, Beiträge, 139 bezieht sich der Text auf die Zeremonien (Mundöffnung und Mundwaschung, bei Einweihung eines Götterbildes, s. jetzt Zimmern in Orient. Studien (Festschrift für Noeldeke) S. 962.

+) S. mein Hölle und Paradies AO I, 32.

Die jüdische Theologie und die neutestamentliche Sprechweise kennen ebenfalls das „Wasser des Lebens“. In einem apokr. Evangeliumfragment1 sagt Jesus, er und seine Jünger seien mit „Wasser des Lebens“ gereinigt; auch wird hier ein Hagneuterion (Reinigungsort) als Teil des Tempels genannt. Die Rabbiner reden von „Wasser des Lebens“ und „Quellen des Heils" (, 791097 990). Das Wasserschöpfen am Laubhüttenfest im Teiche Siloah (Tractat Succa IV, 7, unter Hinweis auf Jes 12, 3 in der bab. Gemara Succa 48b) schreibt dem Wasser magische Kraft zu? Jo 4, 10ff.; 7, 37f. knüpft an die Vorstellung vom Lebenswasser an und Apk 7, 17; 21, 6; 22, 17 führt der erhöhte Christus die Überwinder zum Lebenswasser 3.

Die Paradiesesströme.
i Mos 2, 10: Und ein Strom geht von Eden aus,

den Garten zu bewässern, alsdann teilt er sich in vier Flußläufe(eig. Quellen 4). Das Paradies als kosmischer Ort ist vom Ozean umspült. Der Strom ist das himmlische Wasserreich. Aus dem kosmischen Paradies entspringen vier Quellen, die dann beim Eintritt in die irdische Welt als Flüsse erscheinen. Das irdische ,,Paradies“ der vorisraelitischen Ära (denn die Erzähler der Urgeschichten sprechen von einer Ära jenseits der israelitischen, später tritt Kanaan als ein der himmlischen Welt entsprechender Mikrokosmos in den Vordergrund) wird durch vier Länder bezeichnet, die von den vier Strömen umflossen werden:

1. Pišon, der die ganze Havila um fließt, woselbst sich das Gold findet

und Bedolachharz (Gummi) und Šohamsteine. Damit ist jedenfalls Arabien gemeint, bez. ein Teil Arabiens". 2. Gihon, welcher ganz Kľuš umfließt.

Es ist das Niltal oberhalb Ägyptens. Der Gihon ist der Nil in seinem Oberlauf. Ägypten

Ägypten ist mit eingeschlossen, vielleicht absichtlich unterdrückt.

1) Gefunden von Grenfell und Hunt in Oxyrhynchus in Südägypten; noch nicht veröffentlicht.

2) Auch der Jordan hat Heilkraft. 2 Kg 5 wird Naeman durch siebenmaliges Untertauchen im Jordan vom Aussatz geheilt, und er wundert sich, daß der Jordan besser sein soll als die Flüsse von Damaskus Abana und Parphar, die ebenfalls als Paradiesesflüsse gelten. Vgl. Boissier, Documents 33 als Mittel gegen den Skorpionstich: „Zum Flusse (Euphrat?) soll er hinabgehen, siebenmal untertauchen.“ 3) Vgl. mein BNT 73ff.

*) roš kann nicht „Flußarm“ heißen, es ist vielmehr Flußkopf, Quelle, s. hierzu und zum Folgenden Winckler F. III, 313.

5) S. Siegfried bei Guthe, Bibelwörterbuch s. v. Havila.

3. Hiddeķel ", der südwärts? von Assur fließt.

4. Perat, ohne Zusatz, d. i. der Euphrat?, der Fluß von Babylonien.

Die beiden erstgenannten Länder mit ihren Flüssen entsprechen der unterirdischen Welthälfte; die beiden letztgenannten entsprechen der oberirdischen Welthälfte.

Man hat sich vielfach bemüht, das biblische Paradies nach der alten Landkarte zu lokalisieren 4. Dabei können sich verschiedene Lösungen ergeben, von denen jede relativ richtig sein kann. Denn in jedem Lande wird das kosmische Paradies lokalisiert. Der biblische Erzähler denkt an die Euphrat- und Tigrisgegend, das kosmische kedem (Süden, himmlische Wassergegend") verwandelt sich ihm in das „östlich“ gelegene Babylonien. Es liegt darin m. E. ein starkes Zeugnis für das Bewußtsein Israels von der babylonischen Urheimat. Nach Si 24, 34 scheint die spätere Zeit den Pišon als einen Hauptstrom neben Euphrat und Tigris gedacht zu haben 6.

1) Nur noch Da 10, 4. Daß die Israeliten den Tigris meinten, zeigt Si 24, 34-36 (Tigris mit Pišon und Euphrat zusammengenannt in Erinnerung an unsre Stelle). Assyr. Idiklat II R 50, 7 c d; nach der Behistuninschrift heißt der Fluß Assyriens Diklat (vgl. targumisch-talmudisch Diglat). Unser Tigris gibt die persische Aussprache wieder.

2) „ķidmat aššûr, d. h. vor südlich von Assur, nicht ,östlich', denn östlich von Assyrien ist der Tigris nie geflossen, er bildet die Südgrenze des Landes“, Winckler F III, 314.

3) Babyl. purattu, altpersisch ufrâtus, arabisch furât. Jes 8, 7; 1 Mos 15, 18 „der Strom", wie die Babylonier ihn selbst ideographisch als das „Wasser“ bezeichnen.

4) Vgl. vor allem Delitzsch, Wo lag das Paradies? 5) S. 188 f.

6) In der Identifizierung der vier Paradiesesströme mit den vier Strömen, die in der Urzeit getrennt in den Persischen Meerbusen strömten (Jensen, Kosmol. 507 ff.), so daß der Ulai (jetzt Karun) Pišon, und der Uknu (jetzt Kercha) Gihon wäre, liegt m. E. keine Lösung der Frage: Wo lag das Paradies? Daß auch die Babylonier eine irdische Lokalisierung von vier heiligen Flüssen kannten, soll nach Hommel, Aufsätze und Abhandlungen 326 ff. Grundriß 272. 289 f., die Aufzählung von vier göttlichen Flüssen (da das „Weib“ und der „Sohn“ des Flußgottes folgt, handelt es sich hier allerdings nicht nur um vier Namen des ilu Naru, des Flußgottes (so Jensen]) II R 56, 26–29 c d. vgl. V R 22, 27 ff. zeigen. Hommel hat darauf hingewiesen und glaubt nachweisen zu können, das in den südarabischen Inschriften die gleichen Vorstellungen von vier heiligen Flüssen begegnen, s. Aufs. u. Abh. 273 ff. und Grundriß der G. u. G. 145 u. 298 Anm. 1. Wenn das richtig ist, so ist damit eine Paradies-Lokalisierung für das betreffende arabische Ländergebiet konstatiert; für die biblische Paradiesesfrage hat es für Hommel insofern Bedeutung, als er annimmt, daß es sich in der babylonischen und arabischen Liste, wie auch in i Mos 2, um das gleiche Gebiet südwestlich von Eridu handelt.

Sechstes Kapitel.

Der Sündenfall.

I Mos 3. Ein der Sündenfall-Erzählung entsprechender babylonischer Text ist bisher nicht aufgefunden worden. Der vielbesprochene Siegelzylinder Abb. 691 ist nicht sicher deutbar. Der Baum mit seinen zwei Früchten ist sicher der Lebensbaum. Aber die beiden bekleideten (!) sitzenden Gestalten greifen nicht nach den Früchten. Eine derselben trägt die gehörnte Kopfbe

Abb. 69: Lebensbaum mit göttlichen Wesen deckung, die bei den Babylo- und Schlange. Bab. Siegelzylinder. Brit. Museum. niern ausschließlich göttliches Abzeichen ist. Die Linie hinter der links sitzenden Gestalt ist bestimmt eine Schlange? Aber ihre Stellung spricht nicht für eine Rolle, die der Sündenfall-Situation entsprechen würde.

[graphic]
[graphic]

Abb. 70: Siegelzylinder. Original im Privatbesitz des Verfassers.

Hingegen erinnert das Bild an eine Szene am Schluß der 11. Tafel des Gilgameš-Epos. Der babylonische Noah und sein

1) Brit. Mus. Nr. 89, 326.

2) Die von Oppert, Halévy u. a. geäußerte Ansicht, es handle sich vielleicht nur um ein Ornament, ist unberechtigt. Unsere Wiedergabe des Bildes läßt keinen Zweifel: es ist eine Schlange.

Weib (vergöttlichte Gestalten) verfügen über das Lebenskraut. Gilgameš nimmt einen Büschel davon mit, aber eine Schlange am Brunnen (Unterwelt!) raubt ihm das kostbare Gut. Unser Bild stellt den Lebensbaum dar und im Hintergrunde die Schlange als Hüterin. Es ist demnach eine Verwandtschaft der Sage mit der biblischen Erzählung im weiteren Sinne möglich?.

Spuren der Bekanntschaft mit einzelnen Elementen der Sündenfallgeschichte sind nachweisbar. Der Flußname an-mustin-tir-dub II R 51, 44a kann übersetzt werden: „Fluß des Schlangengottes, der die Wohnung des Lebens zerstört“; aber der Name steht in einer Aufzählung, deren Zusammenhang nichts besagt. – Daß das Weib Verführerin von Anfang ist, scheint der Text DT 672 vorauszusetzen, der von einer Magd, der Mutter der Sünde" spricht, die in Weinen ausbricht und später nach dem im einzelnen noch dunklen, fragmentarischen und schwierigen Texte im Staube liegt, von dem tödlichen Blick der Gottheit getroffen.

Die Voraussetzung eines Sündenfalles ist ein bestimmtes göttliches Gebot an die Menschen. Dafür giebt es keine babylonische Parallele. Daß die Gebote von der Gottheit stammen, entspricht allerdings der babylonischen Gedankenwelt. So bringt Hammurabi seine Gesetzgebung mit dem Sonnengott in Verbindung, ja er geberdet sich selbst als Gesetze vorschreibender Sonnengott. Der in Susa gefundene Stein der Gesetzgebung 3 stellt dar, wie Hammurabi die göttliche Unterweisung empfängt. Auf der Schlußtafel des Epos Enuma eliš aber heißt es ausdrücklich, daß Marduk die Gebote des Ea + den Menschen bringen soll:

„Sie mögen festgehalten werden und der „Erste“ möge sie lehren”, der Weise und der Kundige mögen sie zusammen überdenken!

1) Abb. 70 zeigt einen babylonischen Siegelzylinder aus dem Besitze des Verfassers, auf dem zwischen der sitzenden Gottheit und dem herzutretenden Beter eine Schlange emporzusteigen scheint (vgl. hierzu die Schlange Abb. 27). Die Echtheit des Siegelzylinders ist zweifelhaft. Wir geben ihn trotzdem wieder, weil es sich um antike Imitation handeln kann.

2) S. Delitzsch BB I', 70.
3) S. zu 2 Mos 20.

*) Vgl. oben S. 46 f., wo von Büchern und Tafeln die Rede ist, auf denen den Menschen göttliche Weisheit und göttliche Vorschrift vermittelt wird.

5) Das ist Marduk und in weiterem Sinne dann der Urmensch oder der erste der Weisen der Heroenzeit.

« ͹˹Թõ
 »