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„Und die Kaphtorîm“ ist eine aus Am 9, 7 entnommene, durch die Erwähnung der Philister veranlaßte Glosse 1.

10, 15 ff.: Die kanaanäischen Stämme. Unter Kanaan ist hier das gesamte Gebiet vom Libanon bis zum nahal Musri gemeint. Sidon bezeichnet Phönizien (die Phönizier nennen sich selbst Sidonier), Hettiter (Hittîm, die bald nach der Amarna-Zeit nach Syrien und Phönizien vordringen s. S. 312; Syrien heißt deshalb assyrisch Hatti-Land. Sie dringen bis an die Nordgrenze des spätern Israel vor (der Hermon bildet die Grenze]), Jebusiter (im Gebiet Jerusalems), Amoriter (Reste der Amurrî). Die Arkiter sind das Irkata der Amarna-Texte; das Ar-ka-(a) Tiglatpilesers III., das III R 9 u. 10 zweimal neben Şimirra genannt ist, ist eine nordphönizische, noch in der römischen Kaiserzeit blühende Stadt? Siniter – Siannu, das Tiglatpileser III. (KB II, 26f.) in der in Betracht kommenden Gegend erwähnt. Die Angaben v. 19 „bis Gerar“ und „bis Gaza“ sind identisch es ist das Grenzgebiet am nahal Mușri.

Die Arvaditer (v. 18) sind Leute des ,,Staates" Arvad. Arvad lag auf einer Insel im nördlichen Phönizien, keilinschriftlich A-ru-a-di-(a), (Sanherib: kabal tâmti, mitten im Meer gelegen). Ez 27, 8. 11 schildert sie als Schiffer und tapfere Krieger. Das Gebiet war nach dem sogleich zu erwähnenden Feldzug Tiglatpilesers III. selbständig geblieben.

Die Șemariter sind die Șimirra der assyrischen Inschriften, ihr Sitz ist noch nicht bestimmt. Tiglatpileser III ? nennt Şimirra unter den 19 eingezogenen Städten von Hamath. Es wurde Sitz des assyrischen Statthalters über die neue Provinz, und der erste Präfekt war der spätere König Salmanassar. Wahrscheinlich ist die Stadt identisch mit der in den Amarnabriefen (Briefe Rib-Addis von Gebal) häufig genannten Stadt Sumur (Sumur = Simir wie Musur = Misir), die Rib- Addi von Gebal durch den vordringenden Aziru streitig gemacht wird. Nachdem Aziru von Norden kommend Irkata (= Arka) genommen hat, hindert ihn Sumur am Vordringen gegen Gebal. Es liegt also zwischen Arkâ und Gebal. Tiglatpileser nennt übrigens neben Simirra eine andere nordphönizische Stadt Zimarra; das ist das südlich von Arvad gelegene Simyra, darf also nicht mit dem nördlich gelegenen Simirra verwechselt werden!

1) Das scheint mir näher zu liegen als die früher vorgetragene Ansicht, daß die Bemerkung, „woher die Philister auszogen“, als Glosse hinter Kaphtorim gehört.

2) IV R 34, Nr. 2, 58 mat I-ri-ķa-at-ta, Hommel, Ass, notes $ 9 PBAS 1895, 202.

3) Kl. Inschriften I, 2.

Die Hamathiter vertreten das syrische Hamath. Die beiden obengenannten Provinzen Arvad und Şimirra beteiligten sich samt Damaskus und Samarien 720 an dem Aufstand Jâ'ubidi's von Hamat gegen Sargon.

Die Aufzählung der Reiche Siniter (Siannu), Arvaditer (Aruad), Semariter (Șimirra) und Hemathiter (Hamath) entspricht also der politischen Situation der syrischphönizischen Kleinstaaten zur Zeit Tiglatpilesers III. (2. Hälfte des 8. Jahrhunderts) und seiner Nachfolger; der Schreiber von i Mos 10, 15 ff. muß um diese Zeit gelebt haben. Der Zusatz von 18b gehört dann einer späteren Redaktion an.

10, 22: Die Söhne Sems sind Elam, Assur, Arpakšad, Lud und Aram. Daß Elam unter den Söhnen Sems genannt wird, hat guten Grund und verrät gute politisch-geographische Kenntnisse. Das semitische Babylonien hat stets Anspruch auf Elam erhoben, und es hat von jeher zum babylonischen Kulturkreis gehört. In Arpakšad (Arpakešad?) steckt wohl kaum Arrapha (+ Kesed = Kasdim?), der Name des Gebietes zwischen Medien und Assyrien, das in vorassyrischer Zeit ein besonderes Reich gebildet hat, dann unter Sargon als Provinz Arpaha erscheint, aber auf der Nabonid-Stele wieder als selbständige Provinz auftaucht. Man erwartet in dem Zusammenhange eine Bezeichnung für das eigentliche Babylonien ?.

Lud ist das Lubdi der Keilinschriften (eventuell leicht zu erklärender Schreibfehler), die Landschaft zwischen dem oberen Tigris und Euphrat, nördlich vom mons Masius oder dessen westlicher Fortsetzung. Adadnirai I. sagt, er habe seine Eroberungen von Lubdi bis Rapiķu ausgedehnt. Samsi-Adad I. nennt es unter den abtrünnigen assyrischen Provinzen. Zu trennen aber sind von diesem Lud die Luditer in v. 14.

Von 10, 24 an (dazu gehört 21) setzt eine andre Quelle ein, die nicht mehr Völker, sondern Heroen nennt. Als Söhne Joktans werden jedoch einige arabische Landschaftsnamen ein

1) 10, 5 ist eine kuriose Auswahl von „Sklavenvölkern“, bei der wohl der Verfasser nicht systematisch verfahren ist.

2) Vgl. Jensen, ZA 15, 226 (= arb-kišadi, „Vieruferland“) und ähnlich schon Delitzsch, Paradies 255 f.

3) Jensen, D. Lit. Ztg. 1899, S. 936; zu Lubdi s. Winckler F. II, 47 und Streck, ZA 14 167f.

gestreut? Daß Hazarmaveth == Hadramaut der südarabischen Inschriften nach v. 26 versprengt ist, wurde schon oben bemerkt S. 264. Vielleicht sind auch Seba v. 28 (s. oben S. 265) und Ophir (Goldland in Südarabien, mit Hüsing in Elam, oder in Indien zu suchen?), Hevila (s. oben S. 264), Jobab v. 29 versprengt. Wir können die Vermutung nicht unterdrücken, daß in Jobab der längst gesuchte arabische Landschaftsname Jareb? stecken dürfte. Halévy dachte an den Namen Juhaibib auf sabäischen Inschriften.

Die Grenzorte Meša und Sephar v. 30 sind nicht sicher zu bestimmen. Dillmann liest Massa (in Nordarabien), Sephar ist vielleicht das Saprapha des Ptolemäus und Plinius, das heutige Safar in der Mitte der Südküste von Arabien 3.

Zwölftes Kapitel.

Der Turmbau zu Babel.

i Mos II, 2: Und es geschah, da sie aufbrachen von ķedem*, kamen sie in eine Ebene (bike'a) im Lande Sinear und ließen sich dort (šâm) nieder.“ Hiermit beginnt das nachsintflutliche Zeitalter. Die Verbindung mit der Weltzeitalterlehre ist nicht mehr zu erkennen. Im kabbalistischen Jalkut Rubeni 32 b wird spintisiert, man habe nach der Sintflut den Turm gebaut, um sich vor der nun zu erwartenden Feuerflut (2x bu baa) zu retten. Kosmische Motive liegen in kedem und šâm.

I Mos 11, 4f.: ,,Wohlan, wir wollen uns eine Stadt bauen und wollen daselbst einen Migdal errichten", dessen Spitze bis

1) Nach Hommel, Aufs. u. Abh. 316 Anm. 6 zwölf Söhne.
2) Ho 5, 13 „König (von] Jareb“, s. KAT 3 150f.

3) Hommel, Aufs. u. Abh. 293f. sucht den Berg (= 15W 4 Mos 33, 23f.) zwischen Aķaba und Kadeš.

*) Über den Sinn dieser Angabeder Richtung s. S. 188. Ebenso i Mos 25, 6. 5) S. Winckler F. III, 312, xsa, nicht „fanden sie“.

6) šâm ist Stichwort, vgl. v. 7. 8. 9, s. Winckler F. III, 405, auch 35, 15. Als Gegensatz von ķedem Süden (S. 274) ist šâm Norden, wie die Araber nach vorislamischer Bezeichnung die nördliche Gegend (Syrien) mit šâm bezeichnen (im Gegensatz zum südlichen Jemen). Der übliche Zusatz maghrib und mašriķ zeigt, daß die babylonische Kibla nach Osten zu Grunde liegt.

7) Hinter 5 setzen wir mit Winckler 1. c. das an falsche Stelle gerückte D' nes ein; bw nicht „Name" sondern šâm, Stichwort s. Anm. 6.

an den Himmel reicht, damit wir uns nicht über die ganze Erde zerstreuen." Sie wollen eine feste Organisation bilden. Hammurabi Cod. II, 42 ff. „machte hoch die Spitze (des Tempelturms) von An-na (in Uruk) und häufte Vorräte auf für Anu und Ištar (die Göttin von Uruk); er war der Schirm seines Landes, der wieder zusammenbrachte die zerstreuten Einwohner (mupahhir niši šaphâtim) von Isin usw." Hier sind die beiden Gegensätze bei einander. Turmbau (bez, migdal, d. i. Burg mit Tempelturm) als Symbolum der staatlichen Organisation; Gegensatz dazu die „Zerstreuung“ der Einwohner!. Darum gehört auch das ,,Sammeln der Zerstreuten“ (mupahhir šaphậti) zu den Motiven des erwarteten Erretters. Merodachbaladan II. läßt sich auf dem im Berliner Museum aufgestellten Grenzstein als den von der Gottheit berufenen Erretter verherrlichen, von dem das Orakel verkündet: ,, dieser sei der Hirte, der die Versprengten zusammenbringt“ (mupahhiru šaphậti). heißt es auch von dem Jes 44, 24ff. als Erlöser begrüßten Cyrus: „er werde die Städte Judas wieder aufbauen, er werde der Hirte sein, der von Jerusalem spricht: es werde wieder aufgebaut! und vom Tempel: er werde neu gegründet!", und Ez II, 17 u. Ö. ist das ,,Sammeln der Zerstreuten" Motiv der erwarteten Erlösunga. Migdal, dessen Spitze bis an den Himmel reicht.Ein echt babylonischer Bauplan. Im Tempelbezirk jeder Stadt bildete der Tempelturm den Mittelpunkts. Vom Turm von Babylon heißt es wiederholt bei Renovationen:

1) S. Winckler 1. c. 404f.

2) Wie im Babylonischen: Sammeln und Zerstreuen in dem Bilde des Hirten Ez 12, 15; Mt 26, 31 u. Ö. Zum Zerstreuen (Motivwort pro bez. 7'5:) vgl. noch Jes 33, 3, vielleicht auch Ze 3, 10. Zum Sammeln vgl. den Namen še’ar jašûb, „der Rest wird gesammelt" (die passivische Bedeutung halten wir mit Erbt, Ebraer 133 für sekundär); und den Namen Josep-el, „Sammler ist El“ (ib. 37).

3) Der dreistufige oder siebenstufige Tempelturm (s. S. 16) gehört zu den charakteristischen Stücken der ältesten uns bekannten vorderasiatischen Kultur. Die ägyptische Pyramide scheint im Stufenturm ihren Ursprung zu haben (s. Hommel, Geschichte, S. 17, Aufs. u. Abh. 391 ff., Grundriß 126 f.). Die aus Backsteinen erbaute Stufenpyramide von Sakkara (Pharao Zoser von der 3. Dynastie s. Abb. 81) ist ursprünglich siebenstufig, ebenso wie die Medum - Pyramide des Snofru (4. Dynastie). Daneben gab es dreistufige Pyramiden, wie in Babylonien, vgl. das Vasenbild bei de Morgan, Recherches sur les origines de l'Egypte II, 236. Die Ägypter bauten seit Cheops Zeiten Pyramiden an Stelle der früheren Mastabas.

seine Spitze soll bis an den Himmel reichen? Nebukadnezar erhöht die Spitze des Stufenturms Etemenanki, ,,daß sie mit dem Himmel wetteifere“. Der Verfasser schildert babylonische Bauart. Wir wollen Ziegel streichen(vgl. 2 Mos 1, 14, assyrisch dieselben Worte labânu libittu, vgl. Na 3, 14 malbên, Ziegelform). Nebukadnezar sagt ausdrücklich, daß er den Turm von Babylon mit Ziegeln und Erdpech erneuern ließ; ein andermal berichtet er, er habe ihn mit emaillierten Ziegeln überzogen und die Spitze von uknû-Stein (KB III, 2, S. 15. 31) gemacht. Die ältesten Baureste des Turmes in Nippur aus roh bearbeiteten, rechteckigen Backsteinen zeigen noch heute die Reste des Erdpechs

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(1 Mos II, 3 hemar, ,,Asphalt", assyrisch kupru wie bei der Arche i Mos 6, 14 kopher, aram. kuphrâ), das als Bindemittel benutzt wurde.

Herodot beschreibt I, 179 die Bauart ganz richtig bei der Schilderung des Mauerbaues von Babylon. Er schildert die Mauer, die bereits abgetragen war, irrt sich aber in den Größenverhältnissen, s. Billerbeck, AO I, 4, S. 7 Anm.:

„Sie fertigten Ziegel aus der Erde, die aus dem Graben geworfen wurde; und nachdem sie eine hinreichende Zahl von Ziegeln gestrichen hatten, brannten sie dieselben in Öfen. Nachher aber nahmen sie als Mörtel heißes Erdpech und stopften zwischen je dreißig Schichten von Ziegeln eine Lage von Rohrgetlecht.“

Die Beschreibung ist genau. Die Zwischenlagen von Rohr hat man in den Bautrümmern von Babylon gefunden.

1) Nabopolassar I, 36 f. (KB III, 1, 5) und Neb. Hilpr. (Tonzylinder) II, 5, s. BA III, 548.

2) MVAG 1904, 191.

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