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Speere neben mir vorbeifliegen, nutzlos auf die Erde, so daß einer auf den andern traf. Da kam er auf mich los (?), und ich schoß ihn, daß mein Pfeil in seinem Nacken steckte. Er schrie und fiel auf seine Nase, und ich fällte ihn mit seiner Lanze. Mein Siegesgeschrei stieß ich auf seinem Rücken (!) aus, und alle Asiaten schrien. Ich pries den Gott Month, aber seine Leute trauerten um ihn. Dieser Fürst Amienschi schloß mich in seine Arme. Da führte ich seine Habe fort und erbeutete seine Herden, und was er mir zu tun gedacht hatte, tat ich ihm an. Ich raubte, was in seinem Zelte war und plünderte sein Lager. Davon ward ich groß und weit an Schätzen und reich an meinen Herden."

Später wurde Sinuhe am ägyptischen Hofe wieder in Gnaden angenommen. Nachdem er seine Habe seinen Kindern vermacht, so daß der älteste Sohn die Führung des Stammes erhielt und der Stamm und alle Habe ihm gehörte, seine Leute und alle seine Herden, seine Früchte und alle seine süßen (Dattelbäume, zog er gen Süden (heim nach Ägypten).

Die Beduinenstämme Palästinas stehen also in engster Verbindung mit dem Kulturlande Ägypten. Ihre Scheichs verkehren nach dem Zeugnis des Papyrus gelegentlich auch vorher ist von einem Beduinen die Rede, der in Ägypten war) am Hofe des Pharao und wissen Bescheid über die Vorgänge in Ägypten. Gesandte ziehen mit schriftlichen Botschaften zwischen dem Euphratland und Ägypten hin und her. Diese asiatischen Beduinen sind durchaus keine Barbaren, die barbarischen Völker, die der ägyptische König bekämpft, werden ausdrücklich im Gegensatz zu ihnen genannt. Die Beduinenscheichs schließen sich selber zu Kriegszügen zusammen gegen ,,die Fürsten der Völker“; in unserem Gedicht ist Sinuhe ihr Führer und Berater, wie Abraham Mos 14 im Kampfe gegen die Könige.

Nach der Vertreibung der Hyksos durch Amosis drangen die Ägypter nach Syrien vor. Nach bildlichen Darstellungen aus der Zeit seines Sohnes Amenophis I. nimmt man an, daß dieser König Feldzüge nach Asien geführt hat! In den L'rkunden seines Nachfolgers Thutmes I. ist bereits vom Euphrat die Rede und dem „verkehrten Wasser, auf dem man nach Norden fährt, wenn man stromauf fährt" 2. Thutmes III. (um 1600), unter dessen Herrschaft wohl die babylonische Vorherrschaft über Kanaan auf Ägypten übergegangen ist, hat an der Tempel

von Karnak in Theben eine Liste von ihm unter

mauer

1) S. Niebuhr in Helmolts Weltgeschichte III, 617.
2) Gegensatz zum Nil.

jochten kanaanäischen Städte hinterlassen (s. Abb. 103). Unter den Namen befinden sich die biblischen Ortschaften Akzib, Beroth, Beth - Anoth, Gibea, Hazor, Jibleam, Laisa, Megiddo, Ophra, die Hafenstädte Akko, Beirut, Joppe, ferner Damaskus und andere. Auch der Negeb, der später zu Juda gehörende

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Abb. 103: Thutmes - Liste an der Tempelmauer des Amonstempels in Karnak;

Außenwand des Allerheiligsten.

„Südgau“ wird erwähnt. Der merkwürdigste Name unter den eroberten Ortschaften ist Jakob-el? Wie die Babylonier und

1) Zuletzt besprochen von Maspero, Sur les noms de la liste de Thutmes III., vgl. Histoire ancienne S. 256; W. M. Müller, Asien und Europa 161f. 191. 196.

2) W. M. Müller, Asien und Europa, sucht den Ort in Mittelpalästina; Šanda in VAG 1902, goff. will ihn am Jabbok finden und als Variante von Penuel erklären. Die Identifizierung mit dem Jakob der Vätergeschichte ist schon deshalb unsicher, weil der Name Jakub-ilu bez. Ja'kub auch in babylonischen Kontrakten zu Hammurabis Zeit vorkommt. Der andere vielbesprochene Name ist Išpar, das Joseph-el zu lesen sein soll. Auch hier ist für alle Fälle zu notieren, daß Jašup-ilu in Hammurabi-Kontrakten vorkommt; vgl. Hommel, Altisr. Überlief. 95; un passim. Spiegelberg, Der Aufenthalt Israels in Ägypten, spricht von einem Hyksoskönig Jakob-el und von einem andren Namen eines Hyksosfürsten, der

Assyrer holten auch die Ägypter mit Vorliebe Holz von den syrischen Gebirgen (s. Abb. 104).

Sethi I. (um 1400), der Vater Ramses II., nennt unter seinen Eroberungen Beth-Anath (Jos 19, 38; Ri 1, 33) und Kirjath-Anab (,,die Weintraubenstadt“ Jos II, 21) und Jenu'am auf der Tempelmauer zu Karnak (Abb. 103) 1, auch die phönizische Stadt Tyrus. Ramses II. (um 1240), der neuerdings wieder als Pharao der

Unterdrückung angesehen wird, hat
uns in seinen Inschriften eine genaue
Schilderung seines Sieges über die
Hettiter in der Schlacht von Kadeš
hinterlassen? Wir erfahren hier, das
der Hettiterkönig unterjochte Scharen
„aus allen Ländern, die zum Gebiete
des Chetalandes, des Landes Naharena
und des ganzen Kedelandes gehören“,
um sich gesammelt hat und das sich
Ramses beklagt, daß „die Vorsteher
der Bauernschaft und die Großen,
denen das Land des Pharao unter-
geben ist“, ihm darüber nicht be-
richtet haben. Die Schlacht
ķadeš hat die Entscheidung nicht
gebracht. Der endgültige Friedens-

schluß, der die Kämpfe zwischen fällen Bäume für Sethi 1. (Ros. 46). Ägyptern und Hettitern auf kanaa

näischem Gebiete beendete, wurde durch einen auf Silbertafeln geschriebenen Staatsvertrag besiegelt. Näheres s. Kap. „Geschichte der Staaten Israel und Juda“.

In die Zeit Ramses II. gehört auch das satirische, in der Schule benutzte (!) Literaturstück des Papyrus Anastasi I.", in

von

Abb. 104: Die Fürsten vom Libanon

Simeon zu lesen sei. Er nimmt an, daß die in Abraham und Jakob verkörperten Wanderungen nach Ägypten zu den Hyksos-Wanderungen (um 1700 beginnend) gehören. (Zur semitischen Abkunft der Hyksos s. Spiegelberg OLZ 1904, 130 ff.)

1) Ist Janûn auch hier gemeint? Vgl. S. 305 Anm. 3.

2) S. Erman, Ägypten S. 696 ff. Eines der Denkmäler am Nahr el Kelb (S. 294) gehört ihm an, ebenso ein Denkmal im Ostjordanlande.

3) Be beitet von Chabas, Voyage d'un Egyptien en Palestine; Stücke übersetzt bei Erman, Ägypten S. 508 ff., wo der polemische Zweck des Schriftstückes erkannt wurde, s. auch W. M. Müller, Asien und Europa S. 57; 172 ff.; 394. Eine neue Kollation und vollständige Übersetzung des Textes ist m. W. in Vorbereitung.

dem die Reise eines Mahar (Bevollmächtigten) Ramses II., Namens Nechtsotep, durch Syrien erzählt wird. Er hat Denkmäler für den König transportiert, Obelisken in Syene gebrochen und mit 4000 Soldaten in den Brüchen von Hammamat einen Aufruhr niedergeschlagen. Der Mahar hat seinem Freunde, einem ,,Künstler der heiligen Schriften, einem Lehrer im Saale der Bücher“ seine Reise geschildert. Der Freund findet den Brief nicht stilgerecht und wiederholt ihn im rhetorischen Stil mit satirischen Seitenhieben auf die Abenteuer des Freundes. Wir geben ein Stück des Textes wieder und vergegenwärtigen uns dabei, daß die Erzählung uns Einblick in geographische und kulturelle Verhältnisse Kanaans um 1400 tun läßt.

Er begleitet seinen Freund in Gedanken durch alle Stationen der Reise:

„Ich bin ein Schreiber und Mahar, so sagst du wiederholt. Nun wohl, was du sagst, ist wahr. Komm heraus. Du siehst dein Gespann nach, die Pferde sind schnell wie die Schakale, einem Sturmwind gleich, wenn sie losgehen. Du faßt den Zügel, nimmst den Bogen – wir wollen nun sehen, was deine Hand tut. Ich werde dir schildern, wie es einem Mahar geht und werde dir erzählen, was er tut.

Kommst du nicht zum Chetalande und siehst du nicht das ’Eupaland? Haduma, kennst du nicht seine Gestalt? und ebenso Ygadży, wie ist es beschaffen? Das D’ar des Königs Sesostris — auf welcher Seite von ihm liegt denn die Stadt Charbu? und wie ist seine Furt beschaffen?

Ziehst du nicht nach Kadeš 1 und Tubache ?? Kamst du nicht zu den Beduinen mit Hilfstruppen und Soldaten? Betrittst du nicht den Weg nach dem Magar? wo der Himmel am Tage finster ist, denn er ist bewachsen mit himmelhohen Eichen und Zedern (?), wo die Löwen häufiger sind als Schakale und Hyänen, und wo die Beduinen den Weg umringen.

Steigst du nicht auf den Berg Schana"? ... Wenn du nachts zurückkehrst, so sind alle deine Glieder zermahlen und deine Knochen zerschlagen, und du schläfst ein. Wenn du aufwachst, ist es die Zeit der traurigen Nacht, und du bist ganz allein. Ist nicht ein Dieb gekommen, um dich zu bestehlen? ... Der Dieb hat sich in der Nacht davongemacht und hat deine Kleider gestohlen. Dein Stallknecht ist nachts aufgewacht, hat gemerkt, was geschehen war und hat mit sich genommen, was noch übrig war. Er ist dann unter die Bösen gegangen, hat sich unter die Stämme der Beduinen gemischt und hat sich zum Asiaten gemacht. ... Ich will dir auch von einer andern geheimnisvollen Stadt erzählen, die Kepuna (Gubna, Gebal) heißt. Wie ist sie ihre Göttin ein anderes Mal. Hast du sie nicht betreten?

1) Das syrische Kadeš, nicht das israelitische (Müller, l. c. 173), ist wohl gemeint.

2) Tubich der Amarna-Briefe (Dbhu der Thutmes-Liste?).
3) Sa’na in den Inschriften Tiglatpilesers III.?

Ich rufe: Komm nach Barut'e (Beirut), nach D’i(du)na (Sidon) und D’arput'e (Sarepta). Wo ist die Furt des Nat’ana? Wo ist 'Eutu?? Sie liegen über einer andern Stadt an dem Meere, D'ar (Tyrus) der Küste heißt sie; das Wasser wird ihr auf Schiffen zugeführt, sie ist reicher an Fischen als an Sand ..... Wohin führt der Weg von ‘Aksapu nach welcher Stadt?

Ich rufe: komm zum Berge User'. Wie ist sein Gipfel? wo ist der Berg von Sakama 5? Wer wird ihn besetzen? der Mahar. Wo marschiert er nach Hud' aru? Wie ist seine Furt: Zeige mir, wo man nach Hamat’e (Hamath) geht, nach Degar und Degar-'ear, dem Ort, wo sich der Mahar ergeht."

Weiter heißt es, nachdem in der üblichen Weise gefragt ist, wo die Furt des Jordan sei, wo Megiddo liege und ob es etwa noch einen ebenso tapferen Mahar gebe:

„Paß auf, auf die Schlucht mit dem Abgrund von zweitausend Ellen Tiefe, die voll ist von Blöcken und Geröll. Du machst einen Umweg. Greifst du nach dem Bogen .... und zeigst dich den guten Fürsten (d. h. den Verbündeten Ägyptens), so ermüdet ihr Auge an deiner Hand. ,,’Ebata kama 'ear mahar n'amu“ sagen sie und du erwirbst dir den Namen eines Mahar, des besten der Offiziere Ägyptens. Dein Name wird berühmt bei ihnen wie der des Qad’ardey, des Fürsten von ’Esaru, als ihn die Hyänen fanden innen im Dickicht, im Engpaß, der von den Beduinen versperrt war; sie waren unter den Büschen verborgen, und manche von ihnen maßen vier Ellen von der Nase bis zur Ferse, sie hatten wilde Augen, ihr Herz war unfreundlich, und auf Schmeicheleien hörten sie nicht. Du bist allein, kein Späher ist bei dir, kein Heer folgt dir, und du findest niemand, der die Wegrichtung zeige. Du mußt allein gehen und weißt doch den Weg nicht. Da faßt dich die Angst, dein Haar sträubte sich und deine Seele liegt dir auf der Hand. Dein Weg ist voll von Blöcken und Geröll, du kannst nicht auf ihm vorwärts kommen wegen der ’Esbururu- und Qad’apflanzen, wegen der Nahapflanzen und wegen des Wolfssohlenkrautes. Auf einer Seite hast du die Abgründe, auf der anderen die Bergwand, so gehst du bergab.“

Das Ende dieser bösen Fahrt it, daß die Pferde scheuen und ihre Stränge zerreißen; in der Sonnenglut muß der arme Mahar zu Fuße wandern, von Durst und Angst vor lauernden Feinden gequält. Überhaupt wird er vom Unglück auf seiner Reise verfolgt.

?) Nahr el Kasimije, der Leontes, heute im Oberlauf Litani.
2) Usu, Palätyrus, s. Winckler, Gesch. Isr. I, 201.
3) Akzib in der Thutmes-Liste S. 195; bei Eusebius Ekdippa.
4) Muß die Scala Tyriorum sein.
5) Sichem, also der Ebal oder Garizim? S. Müller, 1. c. 394.

6) Pas, „wo man nach Hamath geht“, die Grenze des hettitischen, dann des ägyptischen, dann des assyrischen Machtgebietes, der nördlichste Punkt des Reiches Israel.

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