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historisches Recht hat, wie die an ältere Verhältnisse erinnernde Bezeichnung Amoriter durch den Elohisten.

Einige der Briefe stammen vom Fürsten und Statthalter Abdhiba aus Urusalim, d. i. aus Jerusalem. Im übrigen lassen die in den Amarna-Tafeln erwähnten Städte den Schluß zu, daß gerade das Gebiet des späteren Israel verhältnismäßig wenig bewohnt war. Die rot gedruckten Namen auf unsrer

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Karte Nr. Il geben eine Übersicht der in den Amarna-Tafeln erwähnten Namen, soweit sie zu identifizieren sind.

Man sieht, daß vor allem die Küsten- und Hafenstädte genannt werden, die bereits damals Ausgangspunkte blühenden Handels gewesen sind.

Dieses begehrenswerte Land stand also in jener Zeit politisch unter der ägyptischen Herrschaft.

Aber es

war und blieb

1) In der israelitischen Volksetymologie ist der Name als „Friedensstadt“ gedeutet, vgl. Šalem Psalm 110; man beachte aber, daß Šalem ursprünglich Sichem ist, s. S. 348 und 350.

2) Links oben die Eroberung von Jenu'am verherrlicht, vgl. S. 305

Anm. 3.

auch während der ägyptischen Hegemonie unter babylonischer Kultur, denn sämtliche Briefe aus Kanaan sind in babylonischer Sprache und Keilschrift geschrieben, einige der Urkunden zeigen noch die Tintenpunkte der ägyptischen Leser, durch die sich der ägyptische Empfänger das Lesen zu erleichtern suchte, da der Keilschrift die Worttrennungen fehlen. Babylonische Sprache und Keilschrift beherrschten den öffentlichen Verkehr in Syrien

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Abb. 110: Sethi führt die hettitischen Gefangenen vor die Trias von Theben.

und Palästina. Selbst der ägyptische König schreibt nach Kanaan babylonisch in Briefen, die mit ägyptisierenden Sprachfehlern durchsetzt sind 1. Wenn aber „babylonisch“ Verkehrssprache war, so muß das Land vorher durch Jahrhunderte unter dem Einfluß babylonischer Bildung gestanden haben, auch politisch von Babylonien abhängig gewesen sein. Das stimmt ja auch zu den S. 287 ff. mitgeteilten Nachrichten aus altbabylonischer Zeit.

') Auch der König der Mitanni, Tušratta, zwingt seine barbarische hettitische (?) Muttersprache in die babylonische Wort- und Silbenschrift. Er schreibt übrigens bezeichnenderweise im ,,assyrischen Duktus“; Mesopotamien hat die babylonische Kultur nach Assyrien vermittelt.

Zur Zeit der Abfassung der Tell Amarna - Briefe, also um 1450 v. Chr., haben nach dem Zeugnis dieser Urkunden besonders zwei innere Feinde den Städtebewohnern von Syrien und Palästina zu schaffen gemacht. Die einen sind die Hatti, die Hettiter, die andern heißen amelu Habiri, die Habiri-Leute. Beide Gruppen stellen Beduinenstämme dar, die im Begriffe sind, sich ansässig zu machen.

Der Zug der Hettiter ist uns ohne weiteres verständlich. Es sind die Cheta der ägyptischen Inschriften (s. Abb. III und vgl. Abb. 45), die damals von Kappadozien her nach Syrien und Palästina vordringen, im Laufe der nächsten Jahrhunderte Syrien bis zum Hermon sich unterworfen haben und noch im

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13. Jahrhundert wiederholt den Ägyptern zu schaffen machen. Ein Rest dieser Chatti hat sich um Karkenisch am Euphrat bis zum Jahre 717 n. Chr. erhalten!

Wenn beim Begräbnis Sarahs nach dem Bericht 1 Mos 23 der Totenacker von Hettitern gekauft werden muß, die Land und Stadt besitzen, und wenn es Ez 16, 3 (s. oben S. 309) heißt: „Dein Vater war Amoriter und deine Mutter war Hettiterin“, und wenn Esau hettitische Weiber nimmt i Mos 26, 34 f., so entspricht das den Zuständen, die uns

1) Vgl. meinen Artikel Karkemisch in Haucks RPrThy. Dieser Stamm der Hatti gehört einer Völkergruppe an, die weder semitisch noch indogermanisch ist, deren Gesamtnamen wir nicht kennen, die wir aber gewöhnlich Hettiter nennen. Diese Bezeichnung „Hettiter“ im weiteren Sinne wird häufig mit den eigentlichen Hatti verwechselt. Eine der ersten Gruppen dieser Hatti im weiteren Sinne, die nach Syrien vordringen, sind die Mitanni, die ebenfalls in den Amarna- Briefen eine große Rolle spielen. Sie haben die babylonische Macht im Westland gebrochen und sind jedenfalls die Bahnbrecher der ägyptischen Oberherrschaft in Kanaan geworden. S. hierzu Messerschmidt AO IV 1.

die Amarna-Briefe bezeugen. Es ist gar nicht zu bezweifeln, daß sich damals die Hettiter auch in Palästina als Eroberer Besitzrechte geltend gemacht haben. Man sollte hier nicht einen künstlichen „Archaismus“ annehmen', sondern anerkennen, daß die zugrundeliegende Quellenschrift historisch gut unterrichtet war?

Wer sind die Habiri-Leute? Von Anfang an haben die Entzifferer der Briefe von Tell Amarna darauf hingewiesen, daß sich der Name lautlich mit dem der Hebräer deckt. Die Namen sind sicher identisch. Eine ganz andere Frage ist, in welchem Verhältnis die Habiri der Amarna-Briefe zu den biblischen „Hebräern“ stehen. Sie bezeichnen hier die nichtansässige Bevölkerung, die den Stadtbewohnern gefährlich schien. In demselben Sinne heißt Abraham in Kanaan i Mos 14, 13 ,,Hebräer“, womit man in der Abimelech-Geschichte das Verhältnis zu den Stadtbewohnern vergleiche, und Joseph heißt in Ägypten „Hebräer“ 3.

Die „Sprache Kanaans" in den Amarna-Briefen ist, wie gesagt, die babylonische als offizielle Amtssprache. Aber es ist nicht die eigentliche Landessprache. Als Landessprache findet man vielmehr eine lingua franca, babylonisch mit einheimischem Sprachgut vermischt. Aus Glossen, die hier und da dem babylonischen Texte zugefügt werden, kann man sich eine Vorstellung von der Beschaffenheit dieser Landessprache machen. Sie zeigt sich, wie zu erwarten ist, als so gut wie identisch mit dem Dialekt, den Jesaias 19, 18 die „Sprache Kanaans“ nennt und den wir hebräisch nennen +

) So Holzinger in Martis Handkommentar z. St. mit Stade, Geschichte Israels I S. 143 Anm. 1, weil „die Hettiter zur Zeit der biblischen Kodifizierung des sog. Priesterkodex verschollen gewesen seien."

2) Der Verfasser von Ri 1, 10 nennt Kanaaniter als Besitzer Hebrons. Das ist kein Widerspruch, sondern es entspricht eben späteren Verhältnissen. Die Erzählung von der hettitischen Höhle Makpela (nach Sept. eine Doppelhöhle, von deren Durchforschung, die bisher verhindert wurde, wir viel erwarten dürfen; vgl. Gautier, Souvenirs de terre sainte 1898), hat übrigens der Priesterkodex allein. Der Priesterkodex verrät auch sonst alte Weisheit und alte Erinnerungen. Es mag bis zu einem gewissen Grade wahr sein, daß sein Abraham als eine Idealgestalt ohne Fleisch und Blut erscheint, der Abraham seiner uns verloren gegangenen Quellenvorlage wird schon Fleisch und Blut gehabt haben.

3) 1 Mos 40, 15; 41, 12, s. S. 387. Zu den Habiri in den AmarnaBriefen vgl. Winckler F. III, 90 ff. Zu den mit Habiri identischen SA-GAŠ

= „Räuber“ Gad (vgl. das Wortspiel i Mos 49, 19 ’iš gedûdîm, Ho 6, 9 ins Babylonische übertragen:) Erbt, Hebräer 4if.

*) Das Nähere s. bei Zimmern KAT 3 6311.

In neuster Zeit hat der Boden Kanaans selbst Zeugnisse aus vorisraelitischer Zeit zutage gefördert'.

Bei einer Ausgrabung des englischen Palästinavereins in Tell Hesy?, an der Ruinenstätte der Stadt Lakiš (s. zu Kg 18, 14. 17), fand 1891 der Amerikaner Bliß eine Keilschrifttafel, die den Amarna-Tafeln gleicht und von einem Fürsten von Lakiš, namens Zimrida, spricht, der bereits aus den AmarnaTafeln bekannt war.

Der Briefschreiber berichtet an den „Großen“, d. i. an den ägyptischen Machthaber und Kornkammerverwalter Janhamu, dessen Stellung merkwürdig an die Josefs in Ägypten erinnert (S. 390 ff.), daß ein gewisser Šipti-Addi den Zimrida von Lakiš zum Abfall gebracht und in gleichem Sinne an ihn geschrieben; s. zuletzt KAT”, 202 f.

Im Südwesten Palästinas entdeckten 1899 und 1900 Bliß und Macalister in vier Trümmerhügeln (Tell es Safi = Gath?, Tell Zakarrijja = Azekah?, Tell Sandahannah = Mareschah, Tell el Judeideh) Reste alter Burgen und Städte teilweise aus alter kanaanäischer Zeit? Und seit 1902 gräbt Macalister im Auftrage des englischen Palästinavereins auf dem Tell Abuschuscha, drei Stunden östlich von Jaffa, an der Stelle des biblischen Gezer, das Salomo vom Pharao als Mitgift erhielt i Kg 9, 16+ Den wichtigsten Fund für unsre Frage bilden hier drei Siegel mit mythologischen Darstellungen, von denen die eine sicher babylonisch ist (Sternanbetung), und eine assyrische Stele in Tell es-Safi, je eine ägyptische StelenInschrift in Tell es-Safi6 und in Gezer", und ebenfalls in Gezer

1) Die teilweise Bloßlegung der davidisch-salomonischen Mauern durch die englische Grabung unter Warren (The recovery of Jerusalem 1871) und die Fortsetzung dieser Grabung durch den deutschen Palästinaverein unter H. Guthes Leitung (ZDPV V), ebenso die Fortsetzung der Arbeiten durch Bliß 1894-97 (Blis and Dickie, Excavations at Jerusalem 1898), hauptsächlich die vorbyzantinische Mauer betreffend, übergehen wir hier.

2) Die Trümmer von sieben Städten wurden hier aufgeschichtet gefunden, vgl. Flinders Petrie, Tell el Hesy 1891; Bliß, A mound of many cities 1898. Abb. 117f. stammen aus Tell Hesy.

3) Blis and Macalister, Excavations in Palestine, London 1902.

+) Berichte in den Statements des Palestine Explor. Fund 1902 ff. Für den Fortgang vgl. künftig auch die Altertums - Berichte aus dem Kulturkreis des Mittelmeers, die OLZ seit Mai 1906 in jeder Nummer bringt. Zur folgenden Zusammenstellung vgl. Sellin, Der Ertrag der Ausgrabungen.

5) S. Bliss and Macalister, 1. c. 41 vgl. zu den Siegeln 153.
6; 1. c. S. 43.

Pal. Explor. Fund 1903, S. 37.

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