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ägyptische Götterbilder (darunter Isis mit Kind), Vasen und Räucherschalen

Besonders erfolgreich sind in den letzten Jahren die deutschen Arbeiten gewesen.

In dem nordpalästinensischen Ta'annek, an der Stelle des biblischen Taanah in der Ebene Jesreel unweit Megiddo, hat E. Sellin in den Jahren 1902 bis 1904 eine erfolgreiche Ausgrabung veranstaltet? Er legte dort eine Stadt bloß, die etwa 2000—600 v. Chr. existiert haben muß und an vier Stellen durch Burgen befestigt war. In einem der Bauwerke, aus unbehauenen, polygonalen, harten Kalksteinen gebaut, das vor allem auf Grund der stockwerkartigen Aufführung der Umfassungsmauern als altkanaanäisch erkannt wurde, fand Sellin eine Bibliothekskiste (vgl. Jer 32, 14) des Fürsten von Ta'annek, die leider nur noch zwei Tontafeln enthielt, Listen von Einwohnern enthaltend; in der Nähe fanden sich zwei Briefe und dann noch sechs Tontafeln, sämtlich in babylonischer Keilschrift geschrieben. Die eine der Listen zählt Familienväter auf, die einen, zwei oder drei Mann zu stellen haben. Der Zweck der andern ist fraglich. Da bei der Summierung einmal steht ,,20 Männer des Adad", ein andres Mal, wie es scheint, ,,20 Männer des Amon“, ist eine Priesterliste denken oder an eine Liste von Bürgern bez. Bauern, die von dem Tempel abhängig sind. Die beiden zuerst gefundenen Briefe lauten folgendermaßen 3:

SO

an

zu

Nr. 1.

An Ištarwašur: Guli-Addi. Lebe glücklich! Die Götter mögen begrüßen Dich, Dein Haus und Deine Söhne! Du hast mir betreffs des Geldes geschrieben, und siehe, ich will 50 Geldstücke geben, damit man es nicht tue. Warum hast Du von neuem Deinen Gruß hierher geschickt? Alles, was Du gehört hattest, habe ich von dort durch Belram erfahren. Wenn sich der Finger der Aširat zeigen wird, so möge man es sich einprägen und es befolgen! Und das Zeichen und die Sache berichte mir. Was Deine Tochter betrifft, so kennen wir diejenige, die in Rubute ist, Šalmiša. Wenn sie groß geworden, dann gib sie zur Königsherrschaft: sie soll dem Herrn gehören!

1) Blis and Macalister, I. c. Pl. 24 ff., vgl. Bliß, A mound of many cities passim.

2) Sellin, Tell Ta'annek 1904; Nachlese auf dem Tell Ta‘annek 1906; vgl. Sellin, Ertrag der Ausgrabungen im Orient, Leipzig 1905.

3) Die erste Übersetzung gab der Assyriologe Hrozný bei Sellin I. c. 4) Rabbith Jos 19, 20?

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SO

Nr. 21. An Ištarwaður: Ahi-Jawi. Der Herr der Götter möge dein Leben behüten, denn ein Bruder bist Du, und die Liebe ist am Orte Deiner Eingeweide und in Deinem Herzen. Als ich in Gurra? im Hinterhalte lag, da hat mir ein Werkmeister zwei Messer, eine Lanze und zwei Keulen umsonst gegeben. Und wenn schadhaft geworden ist die Lanze, so wird er sie ausbessern und durch Buritpi schicken. Gibt es noch Weinen für Deine Städte, oder hast Du Dich wieder in den Besitz derselben gesetzt? Über meinem Haupte ist jemand, der da ist über die Städte. Jetzt siehe doch, ob er Dir Gutes erweisen will. Wenn er das Angesicht zeigt, werden sie zuschanden werden, und der Sieg wird gewaltig sein. Es möge hineingehn Ilurabi in Rahab

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Abb. 112: Siegelzylinder und entweder meinen Vogt zu Dir

gefunden in Ta annek. schicken oder ihn beschützen.

Die Schrift und Sprache der Urkunden, die von verschiedenen Schreibern verfaßt sind, ist babylonisch und bezeugt, daß die Kanaanäer des 15. Jahrhunderts (denn um diese Zeit wird es sich wie bei den Amarna-Funden handeln) nicht nur im diplomatischen Verkehr mit Ägypten, sondern auch untereinander babylonisch redeten und schrieben. Das setzt aber eine durch Jahrhunderte vorhergegangene Beeinflussung durch babylonische Kultur

Kultur und Geisteswelt voraus. Der angesichts der Amarna-Briefe geltend gemachte Einwand, die Stadttyrannen würden sich wohl nur aus Ehrgeiz Schreiber zugelegt haben, die die babylonische Sprache wohl oder übel verstanden und zu schreiben wußten, kann nach der Auffindung dieser Privaturkunden von Ta'annek nicht mehr aufrechterhalten werden.

Auf religiösem Gebiete sind noch folAbb. 113: Ištar von5Ta annek. gende Ta'annek-Funde zu nennen:

2, Gur 2 Kg 9, 27.

1) S. zu diesem Brief S. 323 f.
3) Rechob Ri 1, 31.

1. Ein Steinaltar bei einem Kinderfriedhof aus altkanaanäischer Zeit (Sellin, Tell Ta‘annek S. 34). Es ist eine Stufe hineingehauen (vgl. dagegen das Verbot 2 Mos 20, 25f.).

2. Zwei Säulen auf der Hauptstraße, die sich durch Schalenlöcher als Opfersäulen ausweisen.

3. Säulenreihen unter der Nordburg (zwei Reihen zu je fünf), Säulen an Hauseingängen, die wohl mit Öl oder Blut bestrichen wurden.

4. Ištar - Bilder, und zwar 19 in bestimmtem sonst nicht nachweisbaren Typus (s. Abb. 113)', vier in abweichendem Typus. Näheres S. 321.

5. Ein Siegelzylinder trägt in altbabylonischer Keilschrift im Charakter der HammurabiZeit die Inschrift: „Atanabili, Sohn des Habsi, Knecht des Gottes Nergal“ und daneben ägyptische Hieroglyphen, die einen Segenswunsch ausdrücken (s. Abb. 112). Das entspricht ganz der Erwartung: Babylonien und Ägypten beherrschten geistig gemeinsam das alte Kanaan.

6. Ein Räucheraltar aus Ton, der als Altar

Abb. 114: Lebensbaum mit Steinböcken horn ein Widderhorn

am Räucheraltar von Ta'annek. (nicht Stierhorn) hat. Er zeigt auf jeder Seite drei Gestalten mit bartlosem Gesicht, Tierleib und Flügeln, die gleichsam auf den dem Altar Stehenden zuschreiten. Zwischen ihnen liegen Löwen (im ganzen vier), deren Vordertatzen auf den Kopf des nächsten Mischwesens treten. Auf der linken Seite ist in die Körper hinein das Bild eines Knaben geschoben, der eine Schlange würgt, die sich mit offenem Rachen vor ihm aufgerichtet hat. Ein Relief bild auf der Vorderwand zeigt den Lebensbaum mit zwei Steinböcken. Nach Sellin mag der Altar, dessen Maße zum Teil mit den 2 Mos 30, 2 vorgeschriebenen stimmen, und dessen Form sich nach oben eigenartig verjüngt, aus der klassisch-israelitischen Zeit, etwa aus dem 8. Jahrhundert, stammen, aber sein künstlerisches Vorbild ist gewiß älter und wird von dem Auslande stammen, gleich dem Altar 2 Kg 16, II, den Ahas nach damaszenischem Muster bauen ließ. Der Altar ist tragbar gewesen und

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vor

1) Diese und die folgenden Abbildungen nach Sellin, Tell Ta'annek.

diente gleich einem anderen in Fragmenten gefundenen Altar offenbar dem Räucheropfer des Privatkultus. S. Abb. 114 und 115 und 116.

Neben der babylonischen und ägyptischen Kultur will Sellin auch eine originell kanaanitische Kultur konstatieren, vor allem an gewissen Erzeugnissen der Keramik, die durch Schraffierungen, eigenartig gewölbte Handgriffe und bestimmte Dekorationen sich kennzeichnen. Was sich aus der israelitischen

Ära (also etwa seit 1200) als originell erweist, ist ungeschickt und plump und entspricht der Erwartung: Israel war in allen kulturellen Dingen abhängig

Sellin glaubt beobachtet zu haben, daß in der israelitischen Ära der babylonische Einfluß aufhört. Wir können das kaum für möglich halten. Gewiß, die babylonische Macht sank damals, aber die assyrische war in kultureller Beziehung mit der babylonischen identisch. Übrigens sind der babylonische Löwe auf dem Siegel von Me

giddo, ferner der in Abb. 115: Räucheraltar von Ta'annek.

Gezer gefundene KeilOriginal im Museum zu Konstantinopel.

schrift - Kontrakt und die in Sebaste gefundenen assyrisch-babylonischen Siegelzylinder Zeugen für das Gegenteil. Wir werden auch biblische Spuren finden, nach denen das Babylonische noch später seinen Einfluß geltend machte, auch in Sprache und Schrift.

Die Ausgrabungen in Palästina haben übrigens neben dem babylonischen und ägyptischen noch einen dritten Kulturfaktor für das Bibelland erwiesen, der seit dem 14. Jahrhundert sich geltend macht, nämlich den sog. mykenischen? Wir haben

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) Palest. Explor. Fund 1904, 229 ff., vgl. Sellin l. c. S. 28.

2) Ein solcher Einfluß erklärte sich auch mit der Einwanderung der Seevölker, zu denen die Philister Kreta-Keft-Kaphtor) gehörten.

S. 290f. an einem Beispiel gezeigt, welche nahe Verwandtschaft auch hier mit Babylonien sich zeigt. Wenn übrigens eine gewisse Emanzipation von Babylonien und Ägypten zutage tritt, so entspricht das der Tatsache, daß in dieser Zeit (seit dem 13. Jahrhundert) die Palästinensischen Staaten für eine freiere Entfaltung Raum hatten. Es ist ja zugleich die Zeit, in der die hebräische Buchstabenschrift eingedrungen sein muß 1, die die Keilschrift in Kanaan verdrängt hat. Kenntlich ist diese Kultur an Krugscherben mit sog. Leiterdekoration, geometrischer Dekoration, Fischen, Vögeln, Tieren, besonders Steinböcken (s. Abb. 117 und 118). Solche Krüge wurden auch auf Cypern und in Ägypten gefunden und

(Abb. 116: Räucheraltar von Taʻannek. als phönizische bezeich- Original im Museum von Konstantinopel. net; sie ähneln aber Scherben von Mykenä und Rhodus, die als hier fabrizierte Ware angesehen werden dürfen 2.

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Abb. 117 und 118: Siegelzylinder aus Tell Hesy (Blib, A Mound of many cities S. 79).

Die Grabungen des Deutschen Palästinavereins in Mutesellim (Megiddo) haben ebenfalls wichtige mächtige altkanaanäische Burganlagen und wichtige Einzelfunde zutage ge

1) Zu ihrer Entstehung in viel älterer Zeit s. Hommel, Grundriß S. 28. 2) Nach Sellin, Ertrag der Ausgrabungen S. 26 f.

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