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Auf Grund der Voraussetzungen, die in der Überlieferung aus der mosaischen Zeit liegen, müßten wir z. B. lebhaftere Beziehungen zu Arabien erwarten, vor allem würden wir Berichte über eine Kultstätte des ,,Gottes der Hebräer“ erwarten? Daß Beziehungen zur arabischen Steppe vorhanden waren, zeigt die Geschichte Lots und die Wanderung Abrahams mit Sarah in Notzeiten. Der Schauplatz der Opferung Isaaks i Mos 22, 2 war wohl nach dem ursprünglichen Text auf einem Berge im Lande Musri" (der mas. Text schreibt Morijah, s. S. 368!), auf dem Sinai-Horeb. Aber die Tradition ist verwischt. Auch von dem Blutritus, den die Passah-Feier 2 Mos 12, 7 doch wohl als bekannt voraussetzt, wissen die Vätergeschichten nichts; er ist aber für die vorisraelitische Zeit Kanaans bezeugt durch die Auffindung der Masseben an den Häusern (S. 317), die an Stelle der Türpfosten mit Blut bestrichen wurden.

Sodann trägt die Vätergeschichte die Spuren der Idealisierung. So wird bei P die Beschneidung in die Vätergeschichte eingetragen, um dieser Vorschrift eine besondere Weihe zu geben, während ja von Moses und seinen Söhnen ausdrücklich bezeugt ist, daß sie unbeschnitten waren? Aber grade der Umstand, daß die Idealisierung nicht Selbstzweck ist, spricht für geschichtlichen Kern der Erzählung. Eine idealisierende Legende ohne tatsächlichen Hintergrund würde gewiß die Väter nicht als Fremdlinge im Lande haben wohnen lassen, die mit den Barbaren um einen Begräbnisplatz handeln müssen. Sie würde ferner die Zweischwestern - Heirat des Jakob, die 3 Mos 18, 18 widerspricht, unterdrückt haben. Auch mancher stark menschliche Zug, der arge Flecken an den sonnenhaften Volksheroen zeigt, würde bei Sagenbildung über Idealgestalten des Volkes unerklärlich sein. Vor allem aber bezeugt die Echtheit des Milieus, dass es sich um Überlieferung, nicht um Dichtung handelt. Der zeitgeschichtliche Hintergrund und die Einzelheiten der Sitten und Gebräuche stimmen zu dem, was uns die Denkmäler aus jener Zeit berichten.

Man wendet ein, es sei unmöglich, daß sich eine solche Vätergeschichtsüberlieferung durch Jahrhunderte fortgepflanzt habe. Zum

1) S. 2 Mos 3, 18; 10, 3, 9, vgl. 1 Kg 19, 8, wo die 40 Tage nicht nach der Landkarte zu messen sind (s. S. 86); 5 32, 2; Ri 5, 4.

2) 2 Mos 4, 24 ff. Diesen Widerspruch zwischen Tradition und Gesetz benutzt einmal Jesus in den Streitgesprächen mit den Pharisäern auf eigenartige Weise, s. Jo 7, 22.

* Vgl. S. 358.

Beweis hat man Versuche angestellt, wie weit etwa in Bauernfamilien eine mündliche Überlieferung über Kriegsereignisse u. dgl. zurückverfolgt werden könne. Weder Einwand noch Beweis sind stichhaltig. Man kann das Einzelgedächtnis der Gegenwart nicht mit dem Volksgedächtnis für entscheidende religiöse oder vermeintlich religiöse Ereignisse vergleichen. Der Odenwald z. B. steckt noch heute voll von altgermanischen Erinnerungen. Aber es muß einer (etwa als alter Pfarrer) jahrzehntelang das Vertrauen der alten Odenwaldbauern, die ihre Söhne gern Siegfried nennen, gewonnen haben, ehe sie heimlich erzählen, was sich von den Urvätern her vererbt hat. Und in der Wendei oder in Ostpreußen kann man noch heute „unheimliche" Weiber finden, die in der Hexensabbathnacht oder in der Sonnenwendenacht die alten heidnischen Opfer darbringen und die Geheimnisse bewahren, die sie von den Müttern der Vorzeit geerbt haben. Man bedenke, daß immer drei Generationen zugleich leben und daß bei zähen Völkern nicht allzuviel Generationen zu einem Jahrtausend gehören. Und dazu andelt es sich hier um orientalisches Gedächtnis. Wer als Kenner des alten Orients 1001 Nacht liest, sieht mit Staunen, welche Zähigkeit die Tradition im Orient besitzt. Übrigens dürfen wir annehmen, daß den Quellschriften des Elohisten und Jahvisten nicht nur mündliche, sondern auch schriftliche Überlieferung zugrunde lag, wie ja auch die babylonischen Erzählungen, die in neubabylonischer Zeit von den Helden aus Hammurabis Zeit berichteten, sich als Abschriften oder Umdichtungen alter Urkunden darbieten, vgl. S. 215 ff. ?

) Vgl. jetzt Erbt, Die Ebräer S. 61 ff.: „Abraham erscheint als eine Gestalt von Fleisch und Blut aus der Zeit Hammurabis.“ Erbt glaubt, daß geschichtliche Urkunden aus kanaanäischer Zeit vorgelegen haben. Die Heiligtümer von Penuel - Mahanaim und Sichem können Archive gehabt haben mit Urkunden aus der Hammurabi- Zeit. Auch Jerusalem kann Traditionen schriftlich aufbewahrt haben (vgl. Malkisedek in Ps 110, s. S. 351).

2) Nach den Gesetzen der ethnographischen Forschung kann Familiengeschichte nicht Ausgangspunkt einer Völkergeschichte sein. Völker und Stämme entstehen durch Verschmelzung von Familien und Geschlechtern, nicht durch Vermehrung und Spaltung von Familien. Aber auch die Familien sind nicht vom Himmel gefallen" Nikel, Genesis u. KF 211). Die meisten israelitischen Stammnamen sind ursprünglich Personennamen (Hommel, Grundriß, S. 185f.). In Arabien leiten sich noch heute viele Stämme von einem Stammvater ab (vgl. Cornill, Geschichte des V. I. 37f., wo auf türkische Statistiken über Beduinenstämme des Dscholan und Hauran gewiesen wird, und ZDPV XXIII, 58). Die Gesetze der Ethnographie würden uns übrigens keinesfalls abhalten, die Herkunft Israels von einem Stamme anzunehmen, wenn nicht andre Gründe dagegen sprechen würden. Dieselben Gesetze schließen ja auch die Abstammung des Menschengeschlechts von einem Paare aus, die wir vom Standpunkte der christlichen Weltanschauung aus festhalten. Gesetze sind Kategorien des menschlichen Denkens. In der Geschichte Israels ist vicles in Religion und Geschichte ohne Analogie. Man könnte für den Volksanfang der Israeliten schr wohl eine Ausnahme zugestehen, wenn man die besondere Rolle anerkennt, die Israel in der Geschichte der Erziehung des Abraham erscheint in der vorliegenden Darstellung als ,,Stammvater". Es ist ein Charakteristikum aller semitischen Geschichtsdarstellung, daß das Volk gleich dem Stamm als eine Familie erscheint, die ihren Ursprung auf einen Stammvater zurückführt. Aber die Überlieferung läßt selbst durchblicken, daß die Familiengeschichte nicht im Sinne einer ethnologischen Spaltung verstanden sein will. Es will nur insofern geschichtlich sein, als das Familienschema Traditionen von hervorragenden Häuptern der Kinder Israel in ihren Anfängen aufbewahrt, unter denen es auch einen Jakob mit ca. zwölf Söhnen gab. Die Stammbäume sind später künstlich gemacht. Jeder wollte vom Adel der Urzeit stammen. Weiteres hierzu s. S. 363 ff.

Abraham ist nicht Stammvater im ethnologischen, sondern im religiösen Sinne, „Vater der Gläubigen“. Wenn er ,,zum großen Volke gemacht werden soll", so ist das von der religiösen Gemeinde zu verstehen, wie 4 Mos 14, 12, wo Moses Stammvater eines neuen Volkes werden soll, wenn etwa das alte ausgerottet werden muss. Das ethnographische Mißverständnis, e lumbis Abrahae, ist das Unglück der Juden geworden. Johannis der Täufer und Jesus haben damit zu kämpfen gehabt. Um so nachdrücklicher betonen wir die religiöse Bedeutung der Abstammung von Abraham. Die Religion Israels, die sich später um den Namen na schart, beginnt nicht erst mit Moses. Sie ruht auf Offenbarung. Moses ist im besonderen Sinne Träger der Offenbarung. Aber die Offenbarung hat Vorstufen in der vormosaischen Zeit. Und auch hier kann sie nur auf Persönlichkeiten gewirkt haben. Die führenden religiösen Persönlichkeiten und Offenbarungsträger der l'rzeit Israels sind die Erzväter.

Die biblische Überlieferung läßt durchblicken, daß die Anfänge der religiösen Gemeinschaft, die später „Kinder Israels“ heißt, aus einer Wanderung hervorgegangen sind, die aus

Menschengeschlechts zukommt. Auf Grund von Axiomen, nach denen die Urprobleme der Menschheit als unlösbar gelten, pflegt man freilich dergleichen Deduktionen von vornherein als unwissenschaftlich zu brandmarken. Vielleicht ändert sich das einmal. Aber wie gesagt, die Behauptung einer autochthonen Herkunft der „Kinder Israel" stimmt gar nicht zum Sinne der Überlieferung.

) Daß Klostermann, Gesch. Isr. 31, eine ähnliche Auffassung von der Wanderung Abrahams als einer historischen Volkswanderung hat, sah ich nachträglich, durch eine Zuschrift D. Klostermanns aufmerksam

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Babylonien kam, also eine Art Hedschra aus religiösen Motiven. An der Spitze stand Abraham, gleichsam ein Mahdi. „Die Leute, die sie in Harran gewonnen hatten“, können sehr wohl im Sinne von Anhängerschaft verstanden werden? Wir sehen sodann, daß er 318 Leute ausrüsten kann, auch die Erzählung über die Trennung von Lot (1 Mos 13, 6 ff.) zeigt, daß es sich um größere Scharen handelt. Später wird uns von Zuzügen aus Ägypten bez. Musri (12, 15 f. u. 20) und aus Gerar? (20, 14) berichtet. Wenn das auch zunächst Sklaven waren (Hagar 16, ! und Ismaels Weib gehörten dazu 21, 21), so konnten sie doch zur Kultusgemeinschaft und später zu der Volksgemeinschaft gehören, die dann ,, Kinder Israels" heißen. Auch wird i Mos 32, 8 ausdrücklich ein neuer Zuzug aus Harran angenommen.

Nach dem Vorbild ähnlicher orientalischer Erscheinungen (Muhammed), werden wir uns den Zug Abrahams als Eroberungszug, wenn auch in der mildesten Form, zu denken haben. Wenn es die biblische Erzählung verhüllt, so gehört das zur Idealisierung des Berichtes. Die außerbiblische orientalische Tradition, nach der „, Abraham (dessen Vater babylonischer Feldherr war) Nimrods Heere überwältigt und das Land Kanaan an sich ris“, ist gewiß nicht rein erfunden 3. i Mos 21, 22 setzt voraus, daß Abraham kriegerische Fähigkeit hatte und die Episode i Mos 14 schildert ihn direkt als Führer im Kampfe, genau wie den ägyptischen Flüchtling Sinuhe, der

macht. Wir sind auf verschiedenen Wegen zu ähnlichen Resultaten gekommen. Klostermann hat sich große Verdienste um eine neue kritische Untersuchung der Vätergeschichten erworben. S. 363 ff. folge ich seinen Spuren.

") 12, 5 steht hannepheš Kautzsch übersetzt wie Luther: Seelen). Nepheš kann nach Ez 27, 13 „Sklave“ heißen i hier steht aber nephes-adam), und ist dann babylonisch napištu, worauf m. W. nicht geachtet worden ist. Die Übersetzung: „Sklaven, die sie gekauft hatten“ (pet) ist sehr fraglich. Und warum steht hier nepheš, das den Menschen als geistiges Wesen (speziell im Gegensatz zu Tieren) bezeichnet? Der Sklave heißt sonst ‘ebed. Warum wird nicht nephes, wenn es Sklave heißen soll, vor der Habe aufgezählt, oder, wie sonst, als dinglicher Besitz (vgl. S. 243 Anm. 3i in die Habe (rekuš) mit eingerechnet? Für den Sinn „Anhängerschaft“ sprechen überdies die mystischen hanikîm 14, 14, s. S. 348.

? Daß dies „Philister“ waren (i Mos 26, i, beruht auf späterem Mißverständnis. Die Philister Reste der Seevölker) waren damals noch nicht eingewandert. Zur Berechtigung der Heranziehung solcher jüdischen Sagen s. S. 324 Anm. 1; 333 Anm. 1; BNT 65 Anm. 2 und 67, auch Boeklen, Archiv f. Rel. Wiss. VI, S. 6.

3) S. Beer, Leben Mosis nach Auffassung der jüdischen Sage S. 40 und Leben Abrahams S. I.

in Syrien (um 2000) ein Führer der Stämme im Kampfe gegen die Völker wird. In Sichem ist er Genosse eines Stammesbundes (sie heißen ba'ale-berît s. S. 348). Vielleicht ist die Namensänderung Abraham „Vater des Getümmels“ (= Sin karid ilâni, Kriegsheld der Götter) in diesem Sinne zu deuten!

Die Wanderung der Abrahamsleute. i Mos 11, 28 l'r Kasdim (Ur der Chaldäer) wird bei P2 als der ursprüngliche Ausgangspunkt der Wanderung genannt 3. Die Sibyllinen reden vom Lande Ur der Chaldäer (Kautzsch, Pseudepigr. 189). Es ist das Cru der Keilinschriften; der Name umfasst die zugehörige Stadt und Landschaft.

„Könige von Ur“ haben in Babylonien die Hegemonie in der ersten Hälfte des 3. Jahrtausends nach den Patesi von Lagaš, deren bekanntester Gudea ist. Sie nennen sich auch Könige von Kingi und Urțut. Der älteste uns bekannte König eines Reiches mit dem Sitz in Ur ist Ur-Gur. Er baute und erneuerte viele Tempel. Obwohl von ihm bisher nur Inschriften aus Südbabylonien bekannt sind, umfaßte seine Herrschaft gewiß auch Nordbabylonien. Sein Sohn Dungi, der mehr als 50 Jahre regierte, nennt sich „König der vier Weltgegenden“. Seine Nachfolger (die sog. ,,2. Dynastie von Ur“ ist aufzugeben) haben semitische Namen. Nach der Dynastie von Ur folgt eine Dynastie von Isin (zu ihr gehört Išme-Dagan mit dem kanaanäischen Namen), dann eine solche von Larsa, die unter Rim -Sin durch Hammurabi gestürzt wird. Hammurabi sagt auf seiner Gesetzes-Stele von sich: „den Sin schuf, der reich machte Ur, der Reichtum nach Giš-šir- gal (Mondtempel in Ur) bringt“.

1) Hommel, Altisr. Überl. 277 hält ennas für eine ältere orthographische Form. Aber der Doppelname der beiden Stammväter AbramAbraham und Jakob-Israel wird wohl seinen besondern Sinn haben; er könnte einem Mond-Motiv (Janus-Mond mit Doppelgesicht) entsprechen.

2) 11, 28 wird als Glosse aus P angesehen. Die Herkunft nach der eloh. Quelle ist verloren gegangen. Nach spätern Spuren ist der Ausgangspunkt bei E in der Gegend rechts vom Euphrat gewesen. Der Jahvist läßt die Wanderung von Harran ausgehen. Alle drei Ausgangspunkte liegen auf der Straße, die von Babylonien nach Kanaan führt. Das die Überlieferung einheitlich ist, zeigt die Zusammengehörigkeit von Ur und Harran als der beiden Mond-Kultorte, s. S. 331f

3) Auch an Ursa knüpfen sich viele Abrahamslegenden. Das darf natürlich nicht dazu verleiten, hier die Stätte von Ur zu suchen (Rassam, Joh. Lepsius). Eine andere Abrahams - Tradition nennt Arpakšad als Urheimat. Das wären die Konsonanten von Urfa Kasdim; aber Ursa ist doch wohl nur ein moderner Name (nach Hommel, Grundriß 193 Anm. 3 von Orrhoe, syr. Urhoi, 7793, arab. Ruhâ Edessa, formell zu trennen; Ursa

“) Das ist geographisch-politisch dasselbe wie Sumer und Akkad, Süd- und Nordbabylonien. Nach den Vokabularen ist speziell Kingi Sumer und Urtu Akkad.

.(Landrucken ערפה

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