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Ein wildes Tier hat ihn gefressen; ja ja, zerrissen ist Fosef.Die hervorgehobenen rhythmischen Worte entsprechen der Klage um Tammuz, den der Eber zerrissen hat' Josef ist terîpha, das ist der Ausdruck für das dem Tammuz heilige und darum (!) zur Nahrung verbotene Schwein.

5. Der schöne Jüngling Josef wird von Potiphars Weib verlockt (39, 6 ff. Ei. Sie behält das Gewand in der Hand, als Josef sich weigert, ihr zu Willen zu sein, und rächt sich für die verschmähte Liebe? Die Erzählung enthält Motive, die Josef als Tammuz charakterisieren: Die Schönheit des Helden (v. 7) und die Keuschheit. Tammuz wird von Ištar begehrt und sie „bereitet ihm Weinen“, weil er ihre Werbung verschmäht. Und den Helden Gilgameš, der ihre Liebe verschmäht, verklagt sie bei ihrem Vater Anu (Gilg.-Ep. Taf. VI). Ištar rächt sich für die ihr angetane Schmach.

6. In Ägypten vermählt sich Josef mit der Tochter des Sonnenpriesters von On-Heliopolis (41, 45 E). Dem Erzähler, der TammuzMotive in die Geschichte webt, wird das wie ein Siegel erschienen sein. Hochzeit des Tammuz mit der Sonnentochter als Lohn für seine Verdienste.

7. Das Stier- Marduk - Motiv im Segen über Josef i Mos 49, s. S. 399.

8. Josef und Benjamin verhalten sich wie Tammuz und Gišzida. Benjamin ist dem Namen nach der Mann „zur Rechten“, wie Gišzida, vgl. S. 114 Anm. 2; 143 Anm. 2. Die zwölf Söhne entsprechen den zwölf Tierkreisbildern, bez. den Monaten des Jahres", und Benjamin ist der 12. Ihm gehören also die fünf Epagomenen. Deshalb bekommt er fünf Ehrenkleider (45, 22) und bekommt fünfmal soviel zu essen als seine Brüder (43, 34).

9. Den Tammuz-Motiven der Josefsgestalt entspricht es, daß seine zwei Söhne mit den Motiven der beiden Hälften des Kreislaufs ausgestattet werden. Das zeigt sich in der Geschichte der Vertauschung beim Jahvisten. Jakob kreuzt die Arme und legt dem Jüngeren die rechte, dem Älteren die linke Hand auf i Mos 48, 17 ff. Was diese Symbolik bedeutet, zeigt die Vertauschung des Marduk- und Nebo-Punktes (Frühjahrs-Neujahr und Herbst-Neujahr) S. 24; 26.

1) Vgl. S. 88. 114f. 128. Es seien noch folgende Analogien notiert. Bei den Siamesen tötet ein Riese, in den Eber verwandelt, den Tagesgott. Die skandinavische Sage läßt Odin durch einen Eber verwunden; aus den Blutstropfen erblühen die Blumen im Frühjahr.

2) V.6 gehört zur Erzählung des Jahvisten. Potiphar ist auf Reisen (v. 16). Nur die nötigen Lebensbedürfnisse hat er mitgenommen. Das sagt der Vers. Während seiner Abwesenheit passiert die Geschichte. Zahlreiche Analogien aus 1001 Nacht ließen sich beibringen.

3) Die Reisen der Brüder nach Ägypten werden dargestellt als Hinabsteigen der Tierkreisbilder in die Unterwelt, vgl. S. 23 Anm. 1; 27; 385 ff. Jedesmal behält Josef einen bei sich. Wenn er den Jüngsten behält, ist der Kreislauf zu Ende, s. Winckler, Gesch. Isr. II, 62 f. Das würde also eine Weiterführung des Motivs, das der Traum Josefs ankündigt, bedeuten. Man beachte auch, daß Josef 72 Nachkommen hat, die von fünf Frauen abstammen sollen. Lea hat sieben Kinder, Bilha und Şilpa, die Nebenfrauen haben fünf Söhne. Jeremias, A. Test. 2. Aufl.

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Die Verbindung Josefs mit Tammuz-Motiven hat noch einen besonderen Sinn. Sie charakterisiert Josef als Repräsentanten der Erlösererwartung. Man beachte folgendes:

Die Heimat Josefs ist Sichem. Der Baal berît (El-berît) von Sichem (s. S. 348) ist eine Tammuz-Gestalt, also ein Repräsentant der orientalischen Erlösererwartung. Dazu stimmt der Name Šalem (=Sichem, s. S. 348. 350). Eine Verbindung zwischen der altorientalischen Erlösererwartung und der Erlösererwartung der Jahve-Religion hat zu allen Zeiten bestanden!. Die Tatsache, daß Gideon Ri 6, 24 den Altar Jahve-Šalem nennt (s. Winckler F. III, 441), gewinnt hierdurch ihre religionsgeschichtliche Beleuchtung. Und daß man mit Josefs Person TammuzGedanken im Sinne der Erlösererwartung verband, beweist sein Begräbnis. Man legt ihn in eine Lade 50, 26 ('arôn; man beachte, daß die „Bundeslade“ ebenso heißt; sie hat auch Tammuz-Osiris-Zusammenhänge!). Mose nimmt dann die Lade mit den Gebeinen Josefs mit 2 Mos 13, 19, damit sie im Lande der Verheißung bestattet werden kann. Jos 24, 32 erzählt das Begräbnis in Sichem. Josef ist eine israelitische Erlösergestalt -: ein Typus des Tammuz, altorientalisch geredet; ein Typus auf Christus, christlich geredet?. Die gleiche Erscheinung werden wir bei Josua finden, der ebenfalls als eine Errettergestalt erscheint und als solche noch in der jüdischen Theologie aufgefaßt wird. Jos 8, 30 ff. (5 Mos 11, 29, vgl. 27, 11 ff.) vollzieht er auf den Bergen Ebal und Garizim, zwischen denen Sichem liegt, eine symbolische Handlung, die dem charakteristischen Gedanken der Tammuz-Erscheinung entspricht: sechs Stämme stehen auf dem Garizim, sechs auf dem Ebal. Die eine Hälfte repräsentiert die lichte Hälfte des Weltkreislaufs (Segen), die andre die dunkle Hälfte (Fluch), wobei man sich daran erinnern muß, daß die zwölf Stämme bewußt mit den zwölf Tierkreiszeichen verbunden werden, s. zu 1 Mos 49, S. 395 ff. Der Elohist aber legt den Höhepunkt seiner Tätigkeit nach Sichem Jos 24. In Sichem stellt Josua alle Stämme „vor Gott auf“ und gibt ihnen in Sichem „Gesetz und Recht“. Dann richtet er zur Erinnerung einen Stein auf unter der Eiche, die sich im Heiligtume Jahve's" (in Sichem!) befindet. *

Der Hebräer Josef in Ägypten. Die Josefsgeschichten und die Geschichte vom Auszug zeigen echt ägyptisches Kolorit und beweisen, dass die Schriftsteller aus guten Traditionen geschöpft haben.

Georg Ebers, Ägypten und die Bücher Mosis (1868) sagt: „Die ganze Geschichte Josefs muß als durchaus entsprechend den wahren Verhältnissen im alten Ägypten bezeichnet werden.“ J. Marquart, Philologus VII S. 689 urteilt: „Die Josefsgeschichte in ihrer ursprünglichen Form ist für mich ein neuer glänzender

1) Auch in Ägypten, s. S. 406, Anm. 2; 407.

2) Hier liegt die Erklärung für den jüdischen Messias ben Josef im Gegensatz zum Messias, ben David. S. hierzu vorläufig BNT 39 ff. 92.

Beweis für die hohe Altertümlichkeit der Erzählung des älteren Elohisten.“

Josef heißt wie Abraham i Mos 14, 13 ,,der Hebräer" (40, 15; 41, 12). Das ist nicht ein „naiver Anachronismus", sondern es ist im Munde der Ägypter eine allgemeine Bezeichnung für den Ausländer, den asiatischen Beduinen, entsprechend den Habiri der Amarna - Briefe, s. S. 313.

I Mos 37, 28: „Es kamen aber midianitische Händler vorüber, die zogen Josef heraus und führten ihn nach Ägypten.So der Elohist. Die andere Quelle sagt: Ismaeliter von Gilead, d. h. allgemein Beduinen aus dem angrenzenden Ostjordanlande: Der Elohist nennt die Kaufleute Midianiter. Die Midianiter wohnten in der nördlichen Tihama und vermittelten in der Zeit ca. 2000—600 v. Chr. den nordarabischen Handel nach Palästina. Midianiter scheint ein allgemeiner Terminus für Kaufleute geworden zu sein. Wir wissen aber auch, daß Midian von dem angrenzenden Maon nicht scharf unterschieden wurde. Die Völker von Maon sind aus Handelskolonien des südarabischen Reiches Maon entstanden. Eine Verwechslung zwischen Midian und Maon liegt z. B. Ri 10, 12 vor, wo die Maʻoniter (Minäer) als eine der Israel bedrängenden Völkerschaften aufgezählt werden, wofür dann Sept. Madiam (Midian) liest ? Diese ,,Midianiter" brachten auf der über Gaza führenden Handelsstraße auf Kamelen nek’ót (Gummi? Aquila: otúgas) und zerî (Weihrauch?) und lot (Ladanum?) nach Ägypten 3.

Glossen zur Josefsgeschichte. 1 Mos 39, 6ff. Josef und Potiphars Weib, s. S. 385. Der Papyrus d'Orbiney aus der 19. Dynastie „von den zwei Brüdern“ erzählt eine ähnliche Geschichtet,

1) Büdinger, De coloniarum Phoeniciarum primordiis 1892, sieht in der Geschichte eine Erinnerung an eine Kriegsgefangenschaft der Josefstämme, die mit Hilfe der Midianiter, die als Ägyptens Verbündete nachgewiesen werden, zustande kam.

2) S. Hommel, Altisr. Überl. 271; Weber in MVAG 1901, 28; Grimme, Muhammed, S. 14.

3) Glaser erklärt Ladanum als Myrrhe. Vgl. zu den Waren Plinius 12, 54.

4) Übersetzt z. B. bei Erman, Ägypten und ägyptisches Leben im Altertum, S. 505 f.; vgl. Stucken, Astralmythen 128, 159 ff. Man achte auf den mythologischen Schluß, der gewiß den Schlüssel zum Ganzen bildet, und der nicht als abstruser Einfall abgetan werden darf, wie es bei Erman geschieht. Es wird hier erzählt (nach einer von G. Steindorff erbetenen

i Mos 39, 20. Josef in Gefangenschaft. Er kommt in das bêt-hasor, ins Gefangenenhaus des Königs. Da er nicht in flagranti ertappt worden ist, bleibt er am Leben, wird aber Königssklave (arad šarri)?. So bei J. Die andre Quelle (E) hat die Verführungsgeschichte nicht?. Hier ist Josef Diener im Hause des sar-tabbahîm und hat dort die Staatsgefangenen zu versorgen.

i Mos 40. Josef wird berühmt durch Traumdeutungen. Er ist ja bereits nach 37, 19 der ba'al halomôt. Traumdeutungen sind in Babylonien (Gudea, Nabonid!) wie in Ägypten von hoher Bedeutung 3. Im Altertum sind die Chaldäer und die Ägypter die Traumdeuter (Astrologen). Tacitus sagt, daß die ägyptischen Priester Traumdeuter waren, Herodot erzählt von einem Traume des Priesters Ptah, der das Weltreich Ramses II. vorausverkündigt hat. Eine Inschrift von Karnak berichtet, Merneptah I. habe einen Traum gehabt, in dem er eine Statue des Ptah gesehen hat. Die habe sich vor ihn hingestellt und ihn gehindert, mit seinem Heere gegen die Feinde zu ziehen, die vom Mittelmeere in Ägypten eindrangen.

Die Traumbücher auf unseren Messen und Märkten bezeugen bis heute, daß Traumdeuten speziell als „ägyptische Weisheit“ gilt. Lane, Sitten und Gebräuche der heutigen Ägypter ? II, S. 818. sagt: „Die Ägypter setzen großes Vertrauen auf Träume und lassen sich oft in den wichtigsten Angelegenheiten des Lebens von denselben leiten Sie besitzen zwei große und berühmte Werke über Traumauslegung. Diese Bücher werden selbst von manchen Gelehrten mit unbedingtem Vertrauen zu Rate gezogen.“ Der „Hofphilosoph“, den der Khedive aus Höflichkeit gegen den deutschen Kaiser samt seiner Waffensammlung 1896 zur Industrieausstellung nach Berlin geschickt hatte, war vor allem, ich mich selbst überzeugte, Traumdeuter.

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Übersetzungi, daß der Flüchtling den Göttern begegnete, die Mitleid mit ihm hatten. „Der Sonnengott sagte zu Chnum: ,Schaffe doch eine Frau für Bata, damit er nicht allein sei. Chnum machte ihm eine Genossin, die an ihrem Leibe schöner war, als alle Frauen im ganzen Lande; jeder Gott war in ihr. Die sieben Hathorgöttinnen (vgl. zu diesen Erman, Äg. Rel. S. 82) kamen, um sie zu besehen. Sie sagten aus einem Munde: Sie stirbt eines gewaltsamen Todes.' Er verliebte sich ganz in sie, sie wohnte in seinem Hause usu.“ Die Flucht-Erzählung enthält die Motive der drei Hindernisse, die den Verfolger aufhalten und die Stucken an allen Ecken der Welt nachgewiesen hat.

1) Vgl. Cod. Hamm. 129–132. Winckler 1. c. weist auf § 129: wenn der Ehemann sein Weib verschont, soll der König auch den Sklaven leben lassen; aber er ist fortan Königssklave. Vgl. S. 425.

2) J hat die Anekdote um der Motive willen angehängt.
3) S. Ebers, Ägypten und die Bücher Mosis S. 321f.

Die Färbung der Traumerzählung ist ägyptisch. dhu ,,Gras" i Mos +1, 2 ist ägyptisches Lehnwort'. Wenn der Nil (bezeichnet als jeôr, Fluß assyr. ja’uru, die semitische Bezeichnung ist wohl gewählt, weil sie einem der ägyptischen Namen des Nil ähnlich klang) 2 der Schauplatz des ersten Traumes ist, so wird vorausgesetzt, daß die Leser wissen, daß in dem fast regenlosen Lande der Nil mit seinen Überschwemmungen gleichsam der Träger der Fruchtbarkeit ist. „O daß der Nil mir Speise verschaffen möge, Nahrung, jedes Gewächs zu seiner Zeit“, sagt ein alter Text. „Der Nil ist es, der alle Menschen durch Nahrung und Speise erhält“ (Erman, Ägypten S. 566). Die „sieben Kühe“ gehören der Mythologie an. Nach Diodorus Siculus 1, 51 ist das männliche Rind Symbol des Nil und dem Osiris, dem Erfinder des Ackerbaues (vgl. ib. 1, 21), heilig, vgl. Abb. zu 2 Mos 32 f. Der Osiris-Stier erscheint oft in Begleitung von sieben Kühen, z. B. auf den Vignetten des 110. Kapitels des alten und neuen Totenbuchs. Die zugehörige Textstelle bittet Osiris, daß entweder er, oder die sieben Kühe mit dem Stier, dessen Namen er weiß, ihn im Tode mit Nahrung versorgen möchten. Osiris aber entspricht Marduk! Sieben Ähren, die auf einem Halme wachsen, sind bei dem ägyptischen Weizen (triticum compositum) vorstellbar. Der Ostwind, der die Ähren versengen soll, stimmt zu dem gefürchteten Chamsin, der aus den südöstlichen Wüstengegenden kommt und noch heute Februar bis Juni die Vegetation bedroht.

„Mundschenk und oberster Bäcker" erscheinen als hohe Beamte. Die ägyptische Literatur nennt unter den höheren Beamten des königlichen Hof haltes wiederholt den ,,Schenktischschreiber" und den ,,Süßigkeitenbereiter". Im Grabe Ramses III. fand man an den Wänden die Darstellung einer vollständigen königlichen Bäckerei 3, auch bei den Grabungen der Deutschen Orientgesellschaft (s. die Bäckerei im Museum der Leipziger Universität). Der irdische Hofstaat entspricht dem himmlischen Hofstaat. Die beiden entsprechen dem himmlischen Bäcker und Mundschenk, s. S. 54. 168. Von dem mythologischen Symbolismus, der hier in die Geschichte hineinspielt, war S. 384 die Rede.

1 Mos 41, 14. Josef ließ sich scheren, wechselte seine Kleider und begab sich hinein cum Pharao. Das Scheren, bez. Rasieren des Kopfes, ist ägyptische Etikette, aber durch die Köpfe aus Telloh (s. Abb. 84) auch für Alt-Babylonien bezeugt. Vielleicht sind auch die assyrischen Haartrachten nur Perrücken. Auch der heutige Orientale rasiert den Kopft. Die Erzählung

1) S. Ebers, Ägypten und die Bücher Mosis, 338f.
2) S. Frdr. Delitzsch, Hebrew Language, S. 25, Anm.
3) Wiedergegeben z. B. bei Erman 1. c. S. 269.

*) Die ägyptischen Denkmäler zeigen Darstellungen des sehr gesuchten Barbierhandwerkes. Ein sehr altes Gedicht nennt den Barbier,

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