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Zum Charakter Bileams als eines Repräsentanten der Unterweltsmacht und der dunklen Hälfte des Kreislaufes stimmt es, daß er zugleich Verkünder der neuen Zeit ist?

Es liegt im Wesen dieser mythologischen Erlösergestalten, die ja eine Hälfte des Kreislaufs repräsentieren, daß sie zugleich Verkünder der neuen Zeit sind. Nach der zitierten Targum-Stelle, die den Bericht über die Bileams-Sprüche weiter ausführt, hat er alle Schicksale des erwarteten Erlösers vorausverkündigt. Die Embleme des von Bileam verkündig

ten Erretters 4 Mos 24, 17 (Stern u. Zepter) bezeichnen ihn als eine königliche Himmelserscheinung, die das goldene

Zeitalter bringen

wird, in ähnlichem Sinne and

wie der „Löwe aus Juda,

der den Herrscherstab Abb. 155: Sekel des Bar - Kochba.

zwischen den Füßen hat“,

S.S 37 Anm. 2 und 397 und beachte das Sternbild des Löwen, der den Regulus Königsstern) zwischen den Füßen hat?. Es erscheint mir nicht ausgeschlossen, daß der berühmte Bileamsspruch dem erwarteten Erlöser im voraus das Horoskop des aufgehenden Regulus stellt. Auf alle Fälle ist an eine Gestirnerscheinung im Osten zu denken. Im Osten kündigt sich das Erscheinen des Erretters an liv dvaroi, Mt. 2, 2, s. BNT 50 ff.). Als Sternenkönig im Sinne des Bileam - Spruches gab sich unter Hadrian, eine Zeitlang geschützt durch den großen Akiba, Bar Kochba (d. h. Scernensohn) aus, S. Abb. 155, ganz im Sinne der jüdischen Erlösererwartung. 4 Mos 22, 4 (Moabiter statt

Abb. 156: Spätägyptisches Kalenderbild Midianiter?), s. S. 366 Anm. 1.

nach Richter, Phantasien des Altertums, Taf. I. 4 Mos 24, 22 da wird Assyrien dich gefangen führen. Es sind nicht Syrer gemeint. Die Ausführungen KAT? 156f. sind hinfällig. Es handelt sich um eine späte Stelle und um eine Drohung, die für jede beliebige Zeit gelten konnte.

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1) Nach einem der Hauptaxiome der orientalischen Weltanschauung: Umkehr ins Gegenteil auf den Höhepunkten der Entwickelung, vgl. S.24.26.

2) Die Gegner (finstre Macht) sind 24, 18 historisch determiniert als Moabiter und benê - šet. Vielleicht sind mit letzteren die S. 569 besprochenen Suti gemeint.

3) S. Klostermann in R Pr Th.

4 Mos 24, 23 – 5 Mos 32,11 Bileams Spruch. Spuren des Etana-Mythus. 461

4 Mos 25, 4 (Aufhängen vor Jahve im Angesicht der Sonne), s. S. 470 Anm. I. 4 Mos 25, 43 zu Jos 8, 29.

5 Mos 3, 9 Senîr (Ez 27, 5 Zypressen vom Senîr neben Zedern vom Libanon) ist Name für den Hermon, assyr. Saniru.

5 Mos 4, 19 s. S. 166. 5 Mos 6, 4-9 s. S. 419.

5 Mos 7, 14f. (Motive der Segenszeit) s. S. 342 Anm. 6; 377 Anm. 2. 5 Mos 17, 3 s. zu 2 Kg 23, 5.

5 Mos II, 29; 27, uff. vgl. Jos 8, 30 ff. (die kultische Handlung von Ebal und Garizim), s. S. 23; 386. 5 Mos II, 30, S. S. 416.

Abb. 157: Etana's Auffahrt. 5 Mos 17, 8 (Tor als Ort

Zylinder 89767 des Brit. Museums 1. des Gerichts) s. Abb. 136.

5 Mos 19, 15, s. S. 425. 5 Mos 20, 19 (Verbot des Bäumefällens) s. S. 515 Anm. 2 und Abb. 104. 5 Mos 21, 18f., s. S. 425.

5 Mos 22, 5 (Männer in Frauentracht Frauen in Männertracht) deutet auf Kultgebräuche im Dienste der mann-weiblichen Astarte, s. S. 112. Die moslemischen Knaben tragen bei der Beschneidung Mädchenkleider.

5 Mos 25, 12 s. S. 425 Anm. 5. 5 Mos 27, 24 s. S. 426 Anm. 2.

5 Mos 30, 12 setzt Bekanntschaft von Mythen voraus, die von der Erlangung eines ersehnten Gutes im Himmel (Etana,

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Adapa) oder jenseits des Meeres (Gilgameš) erzählen, s. 5 Mos 32, II; so Zimmern KAT 3 565 f.

5 Mos 32, II vgl. 2 Mos 19, 4 zeigt das Motiv des EtanaMythus? In der Assumptio Mosis 10, 8 heißt es: ,,du wirst glücklich sein, Israel, und auf den Flügeln des Adlers (zum Sternenhimmel) emporsteigen“, s. Abb. 157 f. und Abb. 159, die Apotheose des Titus in der Wölbung des Titusbogens dar

1) Vgl. OLZ 1906, 479 f.
2) S. Stucken, 1. c. 7; Winckler OLZ 1901, Sp. 287

Krit. Schr. II, 64.

stellend (vgl. Abb. 160); vgl. ferner die S. 221 Anm. 7 wiedergegebene Stelle der MithrasLiturgie, und zu Jes 14, 12–15.

5 Mos 32, 17 vgl. Ps 106,37, und S. 351. Šêdîm sind Dämonen (Sept. datuóvia). Hier, wie Ps 106, 37 (,, sie haben ihre Söhne den šêdîm geopfert" vgl. v. 38 ,,den Göttern Kanaans“) ist das Wort im allgemeinen Sinne für „Götter der Heiden“ gebraucht, vgl. Sept. zu Ps 96, 15: ,,Alle Götter der

Heiden sind Dämonen.“ Das Abb. 159: Apotheose des Titus in der Wölbung des Rundbogens am Triumphtor in Rom. sehr häufig erwähnte Dämonen

paar šêdu lemnu und šêdu damku (der böse und der gute šĉdu) hat also nicht den Ausgangspunkt für die biblischen šêdîm gebildet". Wie Paulus i Kor 10, sind gewiß schon in Israel die Wissenden geneigt, hinter den heidnischen Göttern dämonische Gewalten zu suchen.

5 Mos 32, 49; 34, 1. Der Name des Berges, auf dem Moses starb, ist nach 5 Mos 34, I der Pisga auf dem AbarimGebirge. Einem kosmischmythologischen Motiv zuliebe nennt eine andere Hand 32, 49 den Berg Abb. 160: Ganymed, vom Adler getragen. Nebo 2. Nebo bedeutet

Griechische Gemme nach Richter, Phantasien

des Altertums, Taf. VII.

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^) Wenn übrigens den babylonischen šêdîm Opfer gebracht wurden, so folgt daraus nicht, daß es Totengeister sind, wie Zimmern KAT3 461 f. annimmt. Die Anbetung ist vielmehr wie die der heutigen „Teufelsanbeter“ in Armenien zu beurteilen: man opfert ihnen, um ihren bösen Einfluß zu brechen.

2) S. bereits S. 410.

im Kreislauf den Todespunkt des Tammuz im Gegensatz zu dem Marduk-Punkt, s. S. 83. Auch bei dem Namen Abarim soll das Motiv anklingen. Bei Zweiteilung des Kreislaufs ist Nibiru (Abarim der kritische Punkt, wie Nebo bei Vierteilung (vgl. S. 67). Für die mythische Geographie der Erlösererwartung entspricht Ägypten und die Wüste der dunklen Welt (entsprechend der winterlichen Jahreshälfte), Moses schaut von hier in das Land, „Wo Milch und Honig fließt“, d. i. die lichte Welt (entsprechend der sommerlichen Jahreshälfte) 1.

5 Mos 33, 2 s. S. 415. 5 Mos 33, 8 (Moses kämpft um die Urim und Tum mim), s. S. 378; 421, Anm. 3. 5 Mos 33, 9 (das Motiv der wunderbaren Geburt bei Moses), s. S. 408. 33, 16, s. S. 416, 5 Mos 34, 7 und 34, 8, s. S. 410.

5 Mos

Zweiundzwanzigstes Kapitel.

Glossen zum Buche Josua.

Wie ist die Ansiedelung der Kinder Israels" in Kanaan nach altorientalischen Verhältnissen zu denken? Das Land besaß bereits vorher Kultstätten, die zugleich Kulturmittelpunkte waren. Einige dieser Stätten, wie Hebron, Sichem, Beerseba, Pniel, Mahanaim, stellten den Zusammenhang mit der Urzeit der Kinder Israels her. Die Eroberer werden sich diese Kultstätten angeeignet und ihren Kultus an den Stätten eingeführt haben?, etwa wie christliche Kirchen auf vorchristlichen keltischen, germanischen, slavischen Kultstätten erbaut worden sind. Bei dieser Ansiedelung sind die alten Gaue von den Geschlechtsverbänden der israelitischen Stämme besetzt worden. Die alte Bevölkerung, soweit sie nicht vertrieben und ausgerottet wurde, ist leibeigen geworden und wird allmählich aufgesaugt. Aber unter den neuen Geschlechtsverbänden machte das Land seine Kulturwirkungen geltend. Die Geschlechtsverbände werden Gau verbände. Bisher waren die einzelnen Clane durch Blutsverwandtschaft zusammengehalten.

1) Vgl. S. 31 ff. 352 u. a. Bei der Reise des Äneas von Troja nach Etrurien spielt das gleiche Motiv an.

?) Vgl. auch die „Altäre Isaaks“ Am 7, 9. 16.

SO

Die Autorität der ,, Ältesten" beruhte einfach auf familiärer Anerkennung. Jetzt wirken andere Kräfte mit. Es gilt die näher und ferner wohnenden Glieder des Gauverbandes durch politische Autorität zusammenzuhalten. Sind die im Gau Ansässigen Bauern, so tritt an ihre Spitze der Rôš, der Gaugraf. Wenn aber eine Stadt den Mittelpunkt des Gaues bildet, so entsteht städtische Verwaltung; die Führer des Adels bez. der Vollbürger und der Handwerker bildeten das Kollegium der ,, Ältesten", Zekenim.

Man vergleiche die Namensnennungen, etwa die Zeugennamen in den neubabylonischen Kontrakten. Es heißt entweder

A Sohn des X, Sohn des Y (der Großvater wird genannt; häufig

ist es der Stammvater, nicht der leibliche Großvater)
nennt sich der Adlige, bez. der Vollbürger,

oder:
A Sohn des X, Sohn des ul idi (d. h. Sohn des „Ungenannt“) oder

lâ manman so nennt sich der aus irgendeinem Grunde nachträglich anerkannte Vollbürger; vielleicht ist das der muškênu (im Gegensatz zum rubû vgl. S. 352. 453),

oder: A Sohn des X, Sohn des nappahu (,,Schmied“ oder irgendein

anderer Handwerker) so nennt sich der Zunft-Angehörige !. War die Stadt vor der Eroberung Sitz eines Königs, so ist der Übergang zur nächsten Stufe gegeben: es entsteht ein Königtum. Das Richterbuch spiegelt diese Verhältnisse wieder. Jephta Ri 11 zeigt den primitiveren Zustand: er ist Roš; Abimelech Ri 9 ist bereits König in dem angegebenen Sinne?

An sich könnte man sich die Besitzergreifung des Landes Kanaan durch die „Kinder Israels" als allmähliche Einwanderung oder als Eroberung vorstellen. Nimmt man allmähliche Einwanderung an, so würde sie ruckweise zu denken sein, bis es allmählich unter dem Einfluß der neuen Verhältnisse zu einer politischen bez. religiösen Einigung gekommen wäre 3. Aber

?) Daß es genau so bei den Israeliten war, sieht man bei den Exilierungen: Fortgeführt werden die Reichen und die, welche eine Kunst verstehen (die Handwerker). Zu dem „Ungenannt“ vgl. Palțiel von Gallien, Sohn des La-iš (d. h. des Niemand) i Sa 25, 44, und die alten Namen von Dan, Ri 18, 27 f. und Josua 19, 47: La-iš und La-šem (so mit Winckler statt - zu lesen), d. h. „namenlos“ = „existenzlos“ (Namen haben existieren, s. S. 132 und 571).

2) Ein Gegensatz von ;sna ist sobom tyrannus Pr 10, 5.

3) So die herrschende Anschauung, die vor allem von Stade vertreten wird, und die von der Prämisse ausgeht, daß Juda ursprünglich nicht zu Israel gehört. Wir halten die Prämisse für irrig. H. Winckler

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