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Baals ein und zerschlägt die daneben stehende Ašera (s. unten), baut Jahve einen Altar Jahve's, und opfert darauf einen siebenjährigen Stier. Die Wut des Volkes beschwichtigt Gideons Vater: ,,Ist Baal ein Gott, so streite er für sich.“ Der Vorgang ist religionsgeschichtlich zu vergleichen mit dem Umhauen der Wotan -Eiche bei Geismar durch Winfried - Bonifatius. Die Heiden warten auf das Eingreifen Wotans. Aus dem Holze der Eiche wird eine Petrikapelle gebaut. Das Verhalten des Volkes bei Gideons Tat illustriert übrigens die Tatsache, das die Volksreligion durchaus heidnisch war.1 Reine Jahve-Religion im Sinne der mosaischen Zeit fand sich wohl bei führenden Geistern in kleinen Kreisen, aus denen der nebi' stammt, der 6,8 Gideon ermutigt. Die Jahvereligion Gideons, von der die eine Quelle zu berichten weiß, zeigt robuste Formen; sie bietet ein Beispiel für die Jahve-Volksreligion (S. 338). Das Opfer (minha) bedeutet ihm ein reales Speisen der Gottheit 6, 18ff.; das Anschauen des Engels Jahve's, dessen Zauberstab die Opfergabe in Flammen setzt, und der in der Opferflamme emporzusteigen scheint, hat tötliche Wirkung; Jahve erscheint als zorniger Gott (6, 39). Den Jahve- Altar nennt Gideon synkretistisch Jahve-Salem (vgl. hierzu S. 348 ff. 386); die Orakelbefragung, für die 6, 36 ff. ein merkwürdiges Beispiel gibt (auch 6, 32 ist wohl Orakel vorausgesetzt) legt Wert auf Mirakel ?.

Ri 6, 28. Die von Gideon gefällte (gespaltene) Ašera ist als Holzbild gleich dem Abb. 41 wiedergegebenen Marmorbild zu denken: ein Pfahl, dessen oberes Ende in den Kopf der Göttin ausläuft.

Ri 7, 2 ff. wird die Würdigkeit zur Heeresfolge (6,35) durch eine eigentümliche Handlung festgestellt. Die Geschichte spielt in Sichem, wie der Auszug Abrahams. Wie bei Abrahams hanikîm (S. 348) handelt es sich hier um eine auserlesene Schar (şerûfîm Ri 7,4). Das ,,Wasserlecken gleich Hunden“ ent

1) Die Anfertigung eines „Ephod“ durch Jerubbaʻal gehört wohl einer andern Person an. Es wird sich um ein rein heidnisches Bild handeln (ba'al im Namen des Helden); der jetzige Text scheint die Sache abzumildern, als handle es sich um ein Bild Jahve's.

2) Die Geschichte ist innerhalb der Religion Israels zu beurteilen, etwa wie jene römische Legende von Liberius und Johannes, die nach einem gleichzeitigen Traumgesicht die Kirche S. Maria Maggiore dort bauen sollten, wo sie am Morgen des 4. Aug. 352 frisch gefallenen Schnee fanden.

3) So mit Erbt, Die Hebräer 76; vgl. bereits Stucken, Astralmythen 137. spricht einer nicht näher bekannten kultischen Handlung am heiligen Wasser von Sichem, einem Geheimkult, an dem die erkannt werden, die würdige Kampfgenossen des Retters und Drachenkämpfers Gideon sein werden.

* Motive des Mythus, der die Kämpfe als Erscheinungen des Kreislaufs auffaßt, liegen 8, 14 vor, wo 77, d. i. 72 + 5 (Kreislauf

72, dazu 5 Epagomenen) Leute von Sukkoth zur Vernichtung proskribiert werden. Die gleiche Bedeutung hat die Zahl der Söhne Gideons: 70 (8, 30) + 2 (Abimelech und Jotam); vgl. dazu die 70 Söhne Ahabs 2 Kg 10, I u. 7.

Das Teilen des Heeres in drei Haufen Ri 7, 16, vgl. 3, 13 bei Abimelech wurde S. 348 als Motiv des Mondkampfes besprochen. MondMotive zeigt ferner der Traum von dem ins Lager der Feinde rollenden Gerstenbrot (gedeutet als „das Schwert Gideons"). Es stellt den Mond dar. Monderscheinungen bringen in Kriegslegenden oft das Heerlager in Verwirrung (Beispiele aus der orientalischen Legende bei Mücke, Vom Euphrat zum Tiber, S. 96). Das Blasen der Posaunen und der Lärm mit den zerschlagenen Krügen 7, 16 ff. sollen den Traum in der nächsten Nacht verwirklichen. Auch das ist Motiv des Mondkampfes (s. Winckler, Gesch. Isr. II, 139). Das Lärmen und Blasen ist zu beurteilen wie das Umblasen der Mauern von Jericho, s. S. 468 f. Der Sinn ist: der Drache, der in der Mondfinsternis oder im dreitägigen Schwarzmond gesehen wird, wird durch Lärmen und Posaunenblasen vertrieben. In der Kriegsgeschichte ist der Feind der Monddrache. Das Schwert Gideons ist wie die Sichel Jahve's (Jes 27, 1, S. 179) der siegende Neumond. *

Ri 7, 19 (Nachtwachen) s. S. 420.

Ri 8, 18--21 vgl. 2 Sa 21, 1-14. Hier ist Blutrache vorausgesetzt, die erst dort überwunden ist, wo die staatliche Gewalt die Rechtsgüter sichert, wobei es sich also weniger um einen ethischen als um einen sozialen Fortschritt handelt 1. Das Rechtsleben der Israeliten ist religiös normiert unter dem Grundsatz, daß Gott der höchste Bluträcher ist (Ps 9, 13, vgl. 1 Mos 9, 5f.; 3 Mos 24, 17; 4 Mos 35, 18 ff.). Darum finden wir hier keine eigentliche Blutrache. Jedenfalls ist sie eingeschränkt durch das Asylrecht, S. oben S. 426. Daß i Mos 27, 45 Blutrache vorausgesetzt sein soll, leuchtet mir nicht ein. In den „Gesetzen Hammurabis“ ist die Strafvollstreckung unter schärfster Anwendung des ius talionis staatlich geordnet. Als Rest der Blutrache erscheinen hier die merkwürdigen Bestimmungen, nach denen unter Umständen ein möglichst gleichwertiges Familienglied (Sohn oder Tochter) für die Tat haftet, vgl. hierzu S. 426.

Die Blutrache kommt, wie die Kabbala unter Berufung auf 1 Mos 4, 10 sagt, aus der Vorstellung, daß das Blut des Gemordeten in Aufwallung ist, solange er nicht unter der Erde ruht, besonders wenn der Mörder in die Nähe kommt; vgl. die Volksanschauung, nach der dann die Wunden wieder bluten (Hagen an Siegfrieds Leiche) und nach der der Geist des Gemordeten nicht zur Ruhe kommt, solange nicht der Mörder durch den Bluträcher (Goël) gerichtet ist. Deshalb wird er auch nach dem Talmud am Orte der Tat mit seinen Kleidern und mit dem anhaftenden Blutschmutz „der Rache wegen“ begraben.

1) S. S. 426, Anm. 2.

Ri 8, 21. Mond-Amulette an den Hälsen der Kamele, s. zu 2 Kg 23, 5 und Abb. 37. Auch in Kanaan ist eine auffällige Neigung zu Schmucksachen in alter Zeit nachzuweisen. Sellin fand in einem dürftigen Hause bei der Leiche einer Frau zehn Schmuckstücke.

Ri 9, 5. Abimelech dingt für 70 Sekel aus dem Tempel des Baal-berit in Sichem eine Schar und ermordet die 70 Söhne Jerubbaʻals auf einem (Opfer-)stein. Die Hinschlachtung soll rituellen Charakter tragen, aber sie ist nicht als Menschenopfer anzusehen, sondern zu beurteilen, wie etwa der S. 454 erwähnte Bericht Asurbanipals, nach dem Leute als Totenopfer hingeschlachtet wurden.

Ri 9, 7 ff. erzählt der entronnene Jotham den Sichemiten die Fabel von den Bäumen, die sich einen König wählten. Abimelech ist König (s. S. 464), nicht „Richter“. Die Fabel stammt aus dem Volksmunde! Als Literaturgattung ist die Fabel natürlich auch Gemeingut des gesamten Orients. In den epischen Dichtungen der Babylonier vom Helden Ninib? K 1333 wird erzählt:

„Er bestieg einen Berg und säete Samen weithin aus. Einstimmig beriefen die Pflanzen seinen Namen zur Königsherr

schaft über sich, in ihrer Mitte wie ein großer Wildochs erhebt er seine Hörnert."

Ri 9, 13. „Wein, der Götter und Menschen fröhlich macht.“ Nicht an Trankopfer ist zu denken (Budde z. St.), sondern an mythologische Vorstellungen von Göttermahlzeiten, wie im Epos Enuma eliš,

S. S. 199.

Ri 9, 45. Die Stadt zerstörte er und streute Salz Schwefel?) darauf, s. S. 362. Ri 9, 46 (El-berît), s. S. 350.

zu dem

1) S. Budde, Richter z. St. Eine andre Fabel

Kg 14, 9. 2) Er heißt „Sproß, “Meinen Vater kenne ich nicht'", S. Motiv S. 349; 408 ff.

Hrozný in MVAG 1903, 198 ff.

4) Wie es scheint, sollen auch hier die Pflanzen als Menschen verstanden werden. Der Zusammenhang ist dunkel.

Ri 11, 30 ff. Die Opferung der Tochter Jephta's. Der gegenwärtige Text verhüllt den Tatbestand der Überlieferung, nach dem es sich um Opferung der Jungfrau handelt. Die rabbinische Erklärung scheut sich nicht, die Tatsache anzuerkennen. Sie stellt die Opferung mit der Opferung Isaaks zusammen, vergleicht sogar die Opferung des Sohnes des heidnischen Königs 2 kg 3, 272.

* Die Opferung ist in den Formen des Tammuz-Ištar-Kultus zu denken. Zwei Monate betrauert Jephta's Tochter auf den Bergen mit ihren Gefährtinnen „ihr Sterben im Jungfrauenalter“. Das ist ein Doppelmonat, entsprechend einer der sechs Jahreszeiten im vorislamischen Kalender.' Die kultische Sitte, die alljährlich viertägige Feier zum Gedächtnis an Jephta's Tochter fordert (11, 39 f.), sieht in der Geopferten die himmlische Virgo selbst, die ins Totenreich sinkt (oder täglich als Abendstern, vgl. S. 110), aber auch wieder emporsteigt (s. S. 110). Für die Samaritaner bezeugt ausdrücklich den Kultus der Tochter Jephta's als Kore (= Ištar), Epiphanius adv. haeres. III, 2, 1055 (ed. Patavius): „In Sichem, dem jetzigen Neapolis, opfern die Einwohner auf den Namen der Kore, offenbar unter Beziehung auf die Tochter Jephta's, die einst der Gottheit zum Opfer geweiht worden ist.“ Die vier Tage werden sich als 3+1 erklären: 3 Tage Totenklage und am 4. Tage Freudenfeier der „Auferstehung“ (s. S. 33 Abb. 15 und S. 86 ff.). *

Ri 12, 5 f. Šibboleth als Erkennungszeichen. Es handelt sich zunächst um die Aussprache des Zischlautes als Erkennungszeichen. Aber vielleicht ist die Parole nicht zufällig gewählt, sondern zu erklären aus der Jahve-Volksreligion, die heidnischen Aberglauben mit dem Jahve-Kult vermengte. Mit Sibboleth, „die Ähre“ kann Ištar bezeichnet sein, die himmlische Virgo mit der Ähre, deren volkstümlicher Kult durch die voraufgehende Erzählung von der Feier der Opferung von Jephta's Tochter bezeugt ist.

Ri 12, 9 (dreißig Söhne und dreißig Töchter) s. S. 479.

Ri 13 ff. Simson. Auch den Geschichten von Simson liegt gewiß die israelitische Überlieferung über eine besonders reckenhafte Gestalt der vorköniglichen Periode der Geschichte Israels zugrunde. Die Geschichten von diesem Erretter aus der Philisternot sind besonders reich mit den Motiven der orientalischen Erlösererwartung ausgestattet.

1. Der Vater heißt Manoah (Erlöser-Motivname, s. S. 244. 250). Die Frau war unfruchtbar (17777, Motivwort, das nur im Zusammenhang mit der Errettererwartung gebraucht wird, s. S. 342 Anm. 6 und 370 Anm. 5).

?) Vgl. Thaannit 3".

2) Aus Jer 19, 5 wird dann geschlossen, daß Gott die Opferung nicht gebilligt habe.

3) S. 59, vgl. die sechs Altersstufen unsrer Kalendersymbolik.

2. Die wunderbare Geburt durch die unfruchtbare Mutter wird durch göttliche Botschaft verkündigt. Der Neugeborne soll von Mutterleibe an ein Naziräer sein und als solcher wird er ein Erretter (Motivwort) Israels sein.

3. Die astralmythologischen Motive, die den Erretter kennzeichnen, können vom Sonnen- oder Mondlauf genommen sein oder sie können Tammuz- Ištar-Motive (Kreislauf) sein, s. S. 79. Hier sind Sonnenmotive hervorgehoben. Šimšon ist Kosewort und heißt „Sönnchen“).

4. Simson heiratet eine Philisterin, cp. 14. Bei der Hochzeit?, die 7 Tage währte (wie die Hochzeit bei Jakob und Lea, s. Mos 29, 27), hat Simson 30 Brautgesellen und verspricht denen, die das Rätsel lösen, 30 Unterkleider und 30 Festgewänder: 30 Mann in Askalon erschlägt er und nimmt ihre Kleider als Beute zur Einlösung des Versprechens. Im Kreislauf, den das Leben des Helden wiederspiegelt, ist der Hochzeits

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punkt der Punkt der Sommersonnenwende. Dazu gehört das Motiv, des Rätselratens. Das Hochzeitsrätsel Simsons (14, 14) lautet:

„Speise ging aus von dem Fresser,

Und Süßigkeit ging aus von dem Starken.“ Die Pointe paßt ebensowenig, wie die Fabel Ri 9, 7 ff. Es ist um der Motive willen aus dem Vorrat der Volksanekdoten herausgeholt und eingefügt. Die Angabe, daß sie drei Tage vergeblich raten und am vierten Tage die Lösung haben (3 + 1 s. S. 88), deutet darauf, daß es sich um ein Motiv des Sonne- Mondkampfs handelt bei der Geschichte, die nach

1) Der Ort Şor'a, der als Geburtsort angegeben wird, liegt in der Nähe von Bet-Šemeš. Dort waren Sonnen-Mythen wohlbekannt. Nach Winckler KB V, 298 ist es das Şarha der Amarnabriefe. 2) In Thimnat, wo auch die Juda-Thamar-Geschichte spielt,

Mos 38, 13 ff. Ištar-Motiv auch hier.

3) Rätsel der Sphinx, Rätsel beim Adoniskult.

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