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durch Tirhakas Auftreten gekennzeichnet, der erst 691 zur Regierung kam. Von diesem Feldzug haben wir keine assyrischen Nachrichten. Sanherib wurde kurz darauf ermordet 1. Das letzte, was die Annalen von seinen Taten berichten, ist die Zerstörung Babylons. Die Tafelschreiber hatten um so weniger Veranlassung, den Zug zu schildern, als er kläglich verlaufen war. Die Keilschriftforscher und Geschichtsschreiber haben sich also vergeblich bemüht, den biblischen Bericht von dem unglücklichen Ausgang mit den Annalen Sanheribs in Einklang zu bringen. G. Rawlinson aber hatte bereits vor 40 Jahren erkannt, daß der biblische Bericht einem Feldzuge angehört, von dem Sanheribs Annalen gar nichts berichten.

Sanherib sah sich auf einem Zuge im Westlande (nach 691) plötzlich von Tirhaka, dem 3. der äthiopischen Könige (seit 691 nach ägyptischen Nachrichten), bedroht. Er schickte Boten nach Jerusalem und verlangte Übergabe der Stadt.

In diese Situation fällt das zweite hochbedeutsame Auftreten des Jesaias. Hiskia sendet zu dem Propheten und fragt an, wie er sich der Forderung der Assyrer gegenüber, die das Vertrauen auf Jahve verlachen, verhalten soll. Der König gehorcht der Stimme des Propheten und antwortet ablehnend.

Jesaias' Voraussage 2 Kg 19, 32-34, Sanherib solle in die Tore Jerusalems nicht einziehen, ja es solle nicht einmal zur Belagerung kommen, ging in besonderer Weise in Erfüllung (2 Kg 19, 35f. vgl. 2 Chr 32, 21):

„In derselbigen Nacht aber ging der Engel Jahves aus (allegorischer Ausdruck für die Pest) und schlug im Lager der Assyrer 185 000 Mann; da brach Sanherib auf und zog ab, kehrte um und blieb in Niniveh."

Dieses Ereignis, das als ein besonderes Eingreifen Gottes empfunden werden musste, brachte Jesaias in hohes Ansehen.

Wenn 2 Chr 32, 9 nicht einen Irrtum enthält, der aus der Verwirrung in dem Verbindungsverse 2 Kg 18, 9 herrühren könnte, waren auch diesmal die Verhandlungen mit Jerusalem von Lakiš aus eingeleitet worden. Die Bibel verbindet mit dem Berichte die Mitteilung von der Ermordung Sanheribs (681).

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1) Gegen die Annahme zweier Feldzüge sprechen sich aus Nagel, Der Zug des Sanherib (1902), Wilken, Jesaia und Asur. Tirhaka soll 701, achtzehn Jahre vor seiner Thronbesteigung in Ägypten, als König von Kuš (hier = Äthiopien) aufgetreten sein. Das ist geschichtlich unmöglich. Wenn es sich um einen Feldzug handelt, so wäre Tirhaka irrtümliche Glosse. Aber dann ist die direkte Verbindung der Erzählung mit Sanheribs Tod unerklärlich. Zwischen 701 und dem Tode S. liegt die stolzeste Tat seines Lebens: die Eroberung und Zerstörung Babylons.

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Ende 682 wurde Sanherib von einem seiner Söhne ermordet. Die babylonische Chronik erzählt:

„Am 20. Tebet tötete den Sanherib, den König von Assyrien, sein Sohn in einem Aufruhr.“

Der Ort der Ermordung wird Babylon gewesen sein. Denn Asurbanipal erzählt, er habe bei der Eroberung Babylons bei den Bildern der Schutzgottheiten (also am Tempeleingang), bei denen Sanherib ermordet wurde, Leute als Totenopfer hingeschlachtet. Man wird aber kaum annehmen wollen, daß sie zu dem Zwecke nach Niniveh geschleppt wurden. Der spezielle Tatort wird der Marduk-Tempel gewesen sein. Der biblische Bericht widerspricht dem nicht (2 Kg 19, 37): Er kehrte zurück und blieb in Niniveh. Und als er anbetete im Tempel Nisroks, seines Gottes, da erschlugen ihn ... Zwischen den beiden Sätzen wird eine Lücke zu denken sein. Der Name Nisrok ist in der üblichen Weise aus Marduk verstümmelt. Die zwei Söhne des biblischen Berichts beruhen auf Mißverständnis; die Bibel hat wahrscheinlich zwei Namen derselben Person überliefert.

Sanherib muß es kurz vor seinem Tode noch (nach dem Tode Hiskias :) gelungen sein, Jerusalem zum Gehorsam zu bringen. Denn Hiskias Nachfolger Manasse hat wieder Tribut nach Niniveh geschickt. Unter den Vasallenfürsten, die Asarhaddon (s. Abb. 181), Sanheribs Sohn und Nachfolger (681 bis 668), Tribut bringen, erscheint Me-na-si-e šar (König) Ja-u-di (Asurbanipal nennt ihn Mi-in-si-e). Nach 2 Chr 33, II mußte er in Babylon erscheinen, um sich zu rechtfertigen. Es wird ihm leicht geworden sein, seine „Unschuld“ zu beweisen, da Asarhaddons Politik im Widerspruch zu der seines Vorgängers stand. Er ist Asarhaddon treu geblieben. Wenn er nach 2 Kg 21, 16 „Jerusalem mit unschuldigem Blut erfüllte“, so bedeutet das wohl die Ausrottung der anti-assyrischen Partei. Das wird in diesem Falle die Jahve-Partei gewesen sein. Im Gegensatz zu ihr und zu Hiskias Politik führt Manasse assyrische Kulte ein. Insbesondere stellt er das Ašera-Bild wieder auf (21, 7), das Hiskia (18, 4) beseitigt hatte.

Als dann Asarhaddon gegen Ägypten zog (671 wurde Tirhaka geschlagen und Memphis erobert), hat Manasse gleich den übrigen Palästinensern Hilfstruppen stellen müssen. Der Zug ging durch sagenumwobene Länderstrecken Arabiens, die die Phantasie mit Fabelwesen bevölkerte. Asarhaddons Inschrift erzählt von zweiköpfigen Schlangen und anderen merkwürdigen geflügelten Tierarten, die Tod und Entsetzen in sein Heer

^) Die babylonische Chronik nennt nur einen Sohn, ebenso Berosus, nach Polyhistor: Ardumuzanus, nach Abydenus: Adramelus, s. KAT84. Die armenische Heldensage feiert die beiden biblischen Mörder wegen 2 Kg 19, 37 als Nationalhelden, s. S. 253, Anm. 3.

brachten, bis Marduk, der große Herr, zu Hilfe kam und die Truppen neu belebte. Jes 30, 6 scheint eine judäische Erinnerung an die Schrecken eines solchen Feldzuges wiederzugeben:

„Durch ein Land der Not und Angst, wie (sie) dort Löwe und Löwin, Ottern und fliegende Drachen (bringen), schleppen sie ihre

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Abb. 177: König Asurbanipal und Gemahlin in weinumrankter Laube.

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Reichtümer auf dem Rücken von Eseln und ihre Schätze auf den
Höckern von Kamelen zu einem Volke, das nichts nützt! Ägyptens
Hilfe ist ja eitel und nichtig."

Bei einem neuen ägyptischen Feldzuge
gegen Tirhaka ist Asarhaddon gestorben i. J.
668. Sein Sohn Asurbanipal (s. Abb. 177)
setzte die Kämpfe gegen Tirhakas Neffen
Tanut - Ammon fort und eroberte Theben.
Auch ihm mußte Manasse Heeresfolge
leisten. Bald aber machten Schwierigkeiten
in der Heimat es Asurbanipal unmöglich,
seinen Siegen im Süden Nachdruck

zu Abb. 178: Cameo Nebukad

Bild unecht, griechi- geben. Es begannen die Vernichtungsscher Charakter 1.

kämpfe gegen Assyrien, die mit dem Falle Berl. Museum.

Ninivehs endigten (s. oben S. 272 f.). 1) Umschrift: Merodach, seinem Herrn, hat N., König von B., zu seinem Leben dies geschenkt. Im Haager Museum ein ähnlicher Stein ohne Kopf. Man hält beide für die Augen einer von Nebukadnezar geweihten Marduk-Statue; in spätgriechischer Zeit wurde dann in das eine Exemplar der Kopf eingesetzt.

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nezars.

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Die judäischen Patrioten haben mit glühendem Eifer diesen Ausgang erwartet. Manasse war ihnen verhaft gewesen, weil er assyrisch gesinnt war. Sein Sohn Amon wurde aus der gleichen Ursache 638 ermordet 1. Auf ihn folgte Josia, der im 18. Jahre seiner Regierung seine große religiöse Reform begann. Seine Einsetzung muß mit Genehmigung Assyriens erfolgt sein, noch unter Asurbanipal. Den Judäern galt er bis über den Tod hinaus als eine „Retter“-Gestalt, wie bereits S. 91 besprochen wurde. i Kg 13, 2 erzählt, sein kommen als Erretter sei im voraus angekündigt worden. Die große Reform sollte wohl wie unter Hiskia die Wiederherstellung des alten Reiches inaugurieren. Er fand sein tragisches Ende, als er (im Dienste Assyriens?) Necho bei seinem Zuge durch Syrien aufhalten wollte (Megiddo statt Migdal Aštoret? s. S. 505).

Inzwischen hatte in der Person Nabopolassars eine chaldäische Dynastie in Babylon die Herrschaft mit Erfolg erstrebt und das zweite babylonische Reich inauguriert. Seinem Sohne Nebukadnezar (vgl. Abb. 178) huldigte 605 Jojakim, nachdem jener nach Ninivehs Fall den Pharao Necho bei Karkemisch geschlagen und bei der Verfolgung des Feindes Palästina bis zur Südgrenze besetzt hatte. 2 Kg 24, I erzählt:

„Zu seiner (Jojakimsi Zeit zog Nebukadnezar, der König von Babel, heran, und Jojakim ward ihm untertan drei Jahre lang; dann aber fiel er wieder von ihm ab.“

Ein keilinschriftlich bezeugter? Zug Nebukadnezars gegen Ammananu (Antilibanon) ist also wohl gegen ihn und andere paläst. Staaten, die den Tribut aufgekündigt hatten, gerichtet. Die Strafe hat erst seinen Sohn Jojakin betroffen. Er wurde gefangen genommen (Da I, i f., der auch sonst die Ereignisse verwirrt, sagt irrtümlich Jojakim), die Bewohner Jerusalems wurden teilweise fortgeführt und der Jahve-Kult wurde durch Wegnahme der Geräte aufgehoben'. Die rechtliche Stellung Zedekias, den Nebukadnezar als König anerkannte, ist un

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1) Die Partei, die ihn rächte, heißt ;37 ,

Bauern", Es ist derselbe Sprachgebrauch, wie bei den Römern pagani Heiden!

2, S. Winckler KAT? 107 ff., wo die Bedeutung der längst bekannten Inschrift bestimmt ist; Text KT58.

3) S. 2 kg 24, 13 und vgl. 2 Chr 36, 10; dieser Akt tritt hier an die Stelle der sonst nach orientalischer Gepflogenheit nötigen Wegführung der Götterstatue, s. H. Winckler, Krit. Schr. I, 120 ff.; KAT 3 279 f. Vgl. S. 586 f.

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klar. Als seine Hoffnungen, für Judäa eine freie Stellung beim babylonischen Hofe durchzusetzen, fehlschlugen, ließ er sich durch Ägypten zum Aufruhr verleiten. Dafür traf ihn die grausame Strafe.

Er wurde geblendet Stadt und Tempel wurden zerstört, das Stadtgebiet zu Ödland erklärt. Das übrige Land blieb davon unberührt. Mispa wurde Verwaltungssitz (2 Kg 25, 23), Gedalja wurde als ihr Oberhaupt anerkannt, und das Land wurde unter Aufsicht chaldäischer Beamten gestellt.

Die nach Babylon weggeführten Judäer haben im Euphratlande eine angesehene Rolle gespielt, nicht nur in wirtschaftlicher Beziehung, wie u. a. die Handelskontrakte der Nippur

Ausgrabungen zeigen, sondern es mußte auch politisch mit ihnen gerechnet werden. AmelMarduk (Evilmerodach hat in seinem i. Regierungsjahre (2 Kg 25, 27) den gefangenen Jojakin als Fürsten

von Juda bestäAbb. 179: Ein assyrischer König (Sargon II.) sticht einem Gefangenen tigt und damit die Augen aus.

theoretisch die

Berechtigung eines jüdischen Staates auf Existenz wieder anerkannt. Seitdem hofften die Führer der Exilierten auf die Rückkehr. Nach Zeiten schwerer Enttäuschung unter der Herrschaft der Chaldäer-Zeit haben sie mit der babylonischen Hierarchie Cyrus begrüßt als den, der ihre Hoffnungen erfüllen und die vereitelte Maßregel Amel-Marduks verwirklichen würde. Jes 45, I wird Cyrus als der Gottgesandte, „den Jahve bei der rechten Hand ergreift"3, von dem er sagt, ,, der ist mein Hirte und soll all meinen Willen vollenden", begrüßt. Dazu stimmt die Cyrus-Inschrift, in der es heißt:

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1) Vgl. Jer 26, 16; 28, 1- -7; 29, 3.
2) Vgl. Abb. 179.
3) Zur Vorstellung vom Handergreifen vgl. z. B. Abb. 36, S. 101.

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