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ihm ab, als er seine Glieder rauben wollte'. Er setzte seinen Sohn Horus als seinen Thronerben ein. Und bei dem Feste des Horus in Abydos bespie derselbe König sein Auge, nachdem es von seinem Bezwinger geraubt worden war. Er gab ihm den Thron seines Vaters und sein Erbe im ganzen Lande. Er machte sein Wort wahr am Tage, wo man richtet. Er ließ ihn Ägypten und das rote Land durchziehen als den Vertreter des Har-achte. Bei einer anderen Feier, dem Feste der Aufrichtung des Osirispfeilers, das ursprünglich in Memphis gefeiert wurde, wurde ein solcher Pfeiler an Stricken in die Höhe gezogen, bis er aufrecht stand; es war der Osiris, den man so erhob, nachdem man an den Tagen vorher sein Begräbnis dargestellt hatte? Daran schlossen sich dann allerlei mimische Handlungen an. Ein Teil der Menge tanzte und sprang; andere gingen aufeinander los und der eine rief: ich habe den Horus ergriffen, wieder andere Haufen prügelten sich mit Stöcken und Fäusten, sie stellten Leute der beiden Städte Pe und Dep vor, aus denen die alte Hauptstadt Buto bestand. Und endlich wurden vier Herden von Ochsen und Eseln viermal um die Stadt getrieben. Diese Feier wird später auch mit einer andern verbunden, die sich auf die Thronbesteigung des irdischen Königs bezieht, mit seinen Jubiläen, dem berühmten Setfeste, das man das erste Mal dreißig Jahre nach der Erhebung zum Thronfolger feierte und dann aller drei Jahre wiederholte.

Auch an andrer Stelle entnehmen wir dem von Erman dargebotenen Stoff den Beweis dafür, daß die ägyptische Götterlehre in Kalenderfesten ihren Ausdruck fand und in dieser Gestalt Zug um Zug mit der „babylonischen“ Lehre identisch ist. Erman sagt S. 51:

„In der Regel gab es ein oder mehrere Hauptfeste, die an bestimmten Tagen gefeiert wurden, an denen wichtige Ereignisse der Göttersage stattgefunden hatten, etwa am Tage, wo der Gott geboren war, oder an dem Tage, wo er seinen Feind besiegt hatte. Daneben beging man noch die Anfänge der Zeitabschnittet, wie den Neujahrstag oder die Ersten der Monate.“

Auch hier ist der Sinn durchaus nicht dunkel. Die Sage des Gottes ist die populäre Lehre über sein Wesen, die sein himmlisches Tun wiederspiegelt. Der Neujahrstag ist der Tag, an dem der Jahrgott immer von neuem siegt. Die Ersten der Monate haben dieselbe Bedeutung für den Mondlauf (Hilal), s. S. 32 f.

Von den entsprechenden Feiern des Todes und des Sieges beim Kultus des Tammuz, Attis und Balder wird S. 89ff. u. S. 114 ff. die Rede sein.

1) Zerstückelungsmotiv, s. mein Babylonisches im Neuen Testament S. 121.

2) Kreuzigung des Osiris und Auferstehungsfest. Vgl. bei Julius Firmicus Die Kreuzigung des Attis.

3) Zu den Festen vgl. Herodot II, 59 ff. (dazu Wiedemanns Kommentierung). Herodot sagt, es stelle die Heimkehr des „Ares“ (wohl Horus) aus der Fremde dar, der mit seinen Dienern den Zugang zu seiner Mutter erkämpft, der er beiwohnen will. Dieser Inzest ist Motiv der Welterneuerung (S. 7) und im Kalenderfest Frühjahrsmotiv. Die Prügelszenen sind also auch hier Winteraustreibung.

4) Denkstein I-cher-nofrets 2. 14 (Schäfer 1. c. S. 17).

Die Mythen von dem Sieg über die 5, oder über den Riesen, bei dem geflissentlich die Zahl 5'/4 hervorgehoben wird', zeigen, daß man in den Mythen und Spielen die Epago menen (Ausgleich von 360 und 36514 Tag) als Repräsentanten der bösen Wintermacht ansah?; die OrionMotive der Tyrannenvertreibung beweisen dasselbe für die Anwendung auf den Auf- und Niedergang des Orion. Insbesondere aber gelten die Plejaden als Repräsentanten der Wintermacht. Die „40 Tage“, die dem Aufgang der Plejaden im Stier vorausgehen, sind die Zeiten der Äquinoktialstürme, s. S. 62. 101. Pantomimisch scheint das Fest dadurch gefeiert worden zu sein, daß die Priesterinnen des Nebo-Tempels bei Sommerbeginn feierlich in den Tempel Marduks zogen, wie umgekehrt bei Winterbeginn die Priesterinnen des Marduk-Tempels in den NeboTempel zogen, um den Wechsel der Jahreshälfte darzustellen, vgl. S. 26.

Insofern der Jahrgott stirbt und aufersteht, ist das Neujahrsfest das Fest der Auferstehung. Darum heißt es auch das Fest des Aufstehens (tabu) Marduks. Es bildet dann den Gegensatz zur Trauerfeier des sterbenden Jahrgottes. Vielleicht hängt damit die Bezeichnung Marduks zusammen: „Der das erhabene Haus des Todesschattens niederwirft“ 3.

Der Sieger über die Wintermacht erhält zum Lohn die Leitung der Weltgeschicke. Darum ist das Frühlingsfest zu Neujahr zugleich Fest der Schicksalsbestimmung! Marduk ist muším šîmâte. Am Neujahrsfeste ziehen die Götter nach Babylon und versammeln sich im Schicksalsgemach (Duazag im Ubšugina). Auch Nebo kommt herbei. Er, der ursprünglich Herr der Geschicke ist, dient im babylonischen Zeitalter als Schreiber. So bestimmen die Götter die Geschicke. Die stellvertretende entsprechende Handlung des Königs, der am Neujahrstag im Tempel Marduks erschien, um „die Hände Bels zu ergreifen“, ist durch das assyrische pûru akrur „ich warf

) Z. B. die Motive in den Erzählungen von Goliath, der vierzig Tage Israel höhnte (Plejadenzahl) i Sa 17, und 16 Ellen und eine Hand breit groß war (statt 5'4, wie aus der Variante i Chr 12 (11), 23 hervorgeht), und vom indischen Riesenkönig in der Alexanderlegende, der über fünf Ellen groß ist. Weitere Beispiele Ex or. lux II, 2, S. 62, Anm. 41.

2, Vgl. S. 40 und 59. Ägyptisch bezeugt in der Pyramide Pepi's II: „Als die Götter geboren wurden an den fünf Epagomenen“; vgl. S. 28 Anm. 2. Das Sakäenfest (Berosus bei Athenäus, Fragm. hist. gr. II, 495) ist Tammuz-Fest Sonnenwende, nicht Neujahrsfest im Frühling. Es dauert 5 Tage, also Epagomenenfest. Der Soyarns ist Narrenkönig.

3) şallutum K 3351 (BA V, 330).

* Eine Spur davon hat sich in den Zwölfnächten mit ihren Schicksalsträumen erhalten. Die 12 sind Epagomenen gleich den 5. wenn es gilt 354 und 366 auszugleichen. Zum Charakteristikum des Neujahrsfestes gilt das Trinken. Das Vorbild dazu liegt im Trinkgelage der Götter nach dem Siege über Tiâmat, wie es im Epos Enuma eliš geschildert ist. Ob dabei von „umhertaumeln“ die Rede ist (egù), ist nicht sicher.

das Los“ bezeugt, wobei wohl an das Auslosen der limuzu denken ist! Ein Hauptakt des Festes ist der Auszug Marduks. Auf der Prozessionsstraße, die auf beiden Seiten von Tiergestalten in Ziegelrelief geschmückt war (s. Abb. 39 und 58), wird das Götterschiff auf Rädern feierlich in Prozession gefahren. Auf diesen Auszug bezieht sich ? der folgende Hymnus:

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Abb. 28: Stier (rêmu) in Ziegelrelief. Von der Torlaibung des Ištar-Tores in Babylon.

Auf, zieh aus, o Bel, der König erwartet dich;

auf, zieh aus, unsre Belit, der König erwartet dich. Es zieht aus Bel von Babel, es beugen sich die Länder vor ihm;

es zieht aus Sarpanit, Kräuter zündet man an voller Duft ; es zieht aus. Tašmet, Räucherbecken zündet man an voll

Zypressen. Seite an Seite der Ištar von Babel

auf der Flöte, der Assinu-Priester und der Kurgaru-Priester,

spielen, ja spielen sie. Auf den Wiedereinzug bezieht sich der folgende Gesang 3: ( Herr, bei deinem Einzug in das Haus [freue] dein Haus [sich

deiner); ehrwürdiger Herr Marduk, bei deinem Einzug in das Haus

[freue] dein Haus [sich deiner) ... Ruhe, Herr, ruhe, Herr, dein Haus [freue, sich deiner];

ruhe, Herr von Babel, dein Haus (freue sich deiner) ... 1) Ursprung des Purim - Festes, s. Peiser KB IV, 106 und vgl. Winckler F II, 334f.

2) Nach Zimmern AO VII, 3, 9. K 9876 (Bezold Cat. III, 1046). 3) Ib. S. 10, Weißbach, Miszellen Nr. 13.

Endlich gilt das Fest Marduks als Hochzeitsfest! Von der Festfeier Marduks heißt es einmal: ihis ana hadaššûtu, ,,er eilte zur Brautschaft" 2. Schon zu Gudeas Zeit ist das Neujahrsfest Hochzeitsfest des Gottes Ningirsu mit Bau? Von der Hochzeit Marduks mit Sarpanîtut ist sonst nichts bekannt.

Dem Fest des Aufstehens Marduks entspricht die Feier des Todes des Jahrgotts, die Trauerfeier der sterbenden Natur. Daß eine solche Trauerfeier dem Neujahrsfest vorausgegangen sei in Babylonien, ist bisher nicht bezeugt, falls man nicht das Zeugnis Herodots vom „Grabe des Bel“ gelten lassen will, mit dem es die gleiche Bewandtnis hat wie mit dem „Grabe des Osiris" 5 und mit dem mit Grün bekleideten Grabe der Malkat-Ištar in Sippar 6. Nach der oben festgestellten Lehre konnte man das dem Frühjahrsfest entsprechende Totenfest im Herbst feiern (nach Sonnenrechnung), aber auch 3 Tage vor dem Auferstehungsfest nach Mondrechnung (vgl. S. 32 ff.).

Die Todes- und Auferstehungsfeier im Herbst und Frühling entspricht der Vierteilung des Jahres ?. Bei Zweiteilung feiert man

das Fest der Sonnenwenden. Die Wintersonnenwende ist dann der Geburtstag des Jahrgottes (dies solis invicti im römischen Kalender), die Sommersonnenwende das Fest des Todes des Tammuz. Der Tod des Tammuz wird mit dem Eber zusammengebracht, dem Tier des Ninib-Mars, dem der Sonnenpunkt des Sonnenkreislaufs gehört. Da das Eber-Motiv alt ist und das alljährliche Weinen der Ištar

:) Über den astralmythologischen Zusammenhang des HochzeitsMotivs mit der neuen Weltzeit vgl. S. 32 ff., s. BNT 45.

2) Reisner, Hymnen Nr. VIII, s. Zimmern KAT3 371.
3) Gudea C II, 1-7, s. Zimmern I. c.
*) Gemahlin Marduks, mit Ištar identisch, s. Dt 109, AB V, 375f.

5) Herod. I, 183, Herod. II, 1709.; Plutarch, Isis et Osiris 359, S. BNT 9, 19 und die dort zitierte Literatur. Zum Grab des Set s. Chwolsohn, Ssabier II, 617: nach der Nabatäerschrift El Asojûthî hielten die Kopten die beiden großen Pyramiden für Königsgräber, die Ssabier hielten sie für Gräber des Set und des Hermes und opferten dort.

6) Hamm. Cod. II, 26 ff. Der Mythus von der herabgesunkenen Venus hat aber mit Neujahr nichts zu tun, s. S. 110.

*) Plutarch, Isis et Osiris c. 69: die Phryger feiern ein Fest im Herbst, wenn Attis einschläft, ein zweites im Frühling, wenn er erwacht.

*) Stucken, Astralmythen 18 ff. Ninib gehört der Monat Tammuz (IV R 33, Nr. 2, 6) und ihm ist der Eber (humşiru) heilig. Nach einer syrischen Überlieferung ist Tammuz Jäger und Wildschütz, s. Stucken, Astralmythen S. 89. Varianten sind der Löwe (Tierkreisbild der Sommer

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Abb. 29: Griechischer Sarkophag, Abschied und Tod des Adonis und Adonis-Trauer

darstellend. Nach Roscher Lex. d. Myth. s. v. Adonis.

(Muttergöttin und zugleich verderbenbringende Gemahlin) um Tammuz schon in der VI. Tafel des Gilgameš-Epos bezeugt ist, so wird auch das Motiv bereits in alter Zeit verwertet worden sein.

Von der Trauerfeier selbst geben für Babylonien neben der hernach zu erwähnenden Höllenfahrt der Ištar einige Hymnen Zeugnis, die wohl bei den Festen rezitiert wurden: „Hirte, Herr, Tammuz, Gatte

der Ištar, Herr des Totenreichs, Herr

der Wasserwohnung, Eine Tamariske, die in der

Furche kein Wasser trank, Deren Zweig in der Steppe

Blüte nicht hervorbrachte, Ein Bäumchen, das man nicht

in seine Wasserrinne ge

pflanzt hat, Ein Bäumchen, dessen Wur

Abb. 30: Adonisgärtchen. Wandbild in Pompeji.

Nach Annales du Musée Guimet XVI (Vellay). zeln ausgerissen sind").

sonnenwende im Stierzeitalter, so bei Hygin, s. Winckler, Krit. Schriften III, 108, Landau, Beitr. IV, 24 f.) und der Bär (entsprechend dem Sternbild des Bären am Nordpunkt des Himmels, das von den Arabern als Bahre, nämlich als Totenlager des sterbenden Jahrgottes angesehen wird), vgl. Stucken I. c. 34f. und s. Abb. 31.

') IV R 27; vgl. mein Hölle und Paradies AO I, 3?, 10, s. jetzt Zimmern VII, 3, 10f. Vgl. die Adonisgärtchen xsaou Adóvidos, deren wurzellose oder in flache Erde gesäte und der Sonne ausgesetzte Blumen rasch welken. Abb. 30 stellt ein solches Adonisgärtchen nach einem pompejanischen Wandbilde dar. In den Anthosphorien wurde die Rückkehr der Persephone gefeiert durch Flötenspielen und Jungfrauen mit Blumenkörben.

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