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schinen herunterhingen. Diese Mensden hatten gleiche Arbeit und gleichen Erwerb mit den vorigen, waren aber arm, elend, schmußig und zerlumpt, während jene munter, lustig, rein und anständig gekleidet waren. Die der ersten Spinnerei lebten in Familien, die der andern meistens auf Schlafstelle.

Besonders merkwürdig war mir England, wo man auf einer Seite Reichthum und lupus und auf der andern Armuth, Elend, und Niedrigkeit sieht. Dort war man schon damals aufmerksam auf dies Verhältniß geworden, und wie es fich immer weiter entwickelte, und behandelte diese Frage auch in Schriften, von denen ich einige kaufte. Im Jahre 1832 kam ich nach Breslau, und bald darauf kam das Elend der Weber im Gebirge zur Sprache, das meine Aufmerksamkeit besonders auf sich 309, weil ich unter Webern aufgewachsen bin und mein Großvater Weber war, und weil ich das Elend in seiner Entwicklung gesehen habe; sie war folgende: Bei meinem Großvater gehörte der Weberbursche fowie das Webermädchen zur Familie, fie lebten mit den Kindern wie Geschwister; fie aßen und tranken alle an einem Tische in der Familie, in der Vater und Mutter ihre Menschenpflichten meistens treu erfüllten, dafür aber auch Ehre und Gehorsam hatten. Die Bezeichnung von Meister und Geselle kam nicht vor, ich will fie aber der Deutlichkeit wegen benußen. Der Meister hatte seine Stube voll Webestühle stehen, er kaufte das Garn und trug die fer: tige Leinwand auf den Markt, und wenn seine Stube voll war, trachtete er nicht darnach, mehr Stühle auszustellen, denn er und seine Frau hatten vollständig genug im Hauswesen zu thun, wenn sie etwa 4 bis 6 Weber hatten. Alle befanden sich wohl und waren versorgt, wie der leßte Geselle meines Großvater$ noch bei meiner Mutter war, und wie ihr Bruder bis zu seinem Tode erhalten und gepflegt wurde. Almälig fing man an, den Webern die Butter abzutheilen und gab jedem wöchentlich fein halbes Pfund, dann ging man einen Schritt weiter, und die Weber mußten fich das Brot selbst kaufen, durften aber noch mit aus der Schüssel effen; das dauerte nicht lange, da sagte man: du beschafft dir die Kost selbst, ich werde es dir aber mit kochen. Die Dausfrau hatte nun einen größern Topf für Mann, Frau und Kinder, und mehrere kleine am Feuer, für jeden Weber einen, und beim Effen waren die ersteren am Tische, die Wes ber aber blieben auf ihrer Bank am Stuhle fißen, oder nahmen sonst jedes einen Plaß für sich ein. Bei dieser Einrichtung ging das Tisdygebet bei den meisten verloren, das früher allgemein war.

Diese Art war noch unangenehmer, darum sagte der Meister: ich werde dir Garn und Stuhl nad Sause geben, und dir die Arbeit im Ganzen bezahlen. Den jungen Leuten war das ganz angenehm, denn sie hatten nicht mehr nothwendig, etwas zu erwerben, um einen eigenen Hausstand zu begründen, sondern jeder bildete bald eine Familie. Solange der junge Mensch in der Familie des Meisters lebte, hatte er eine Heimath und konnte keine Frau brauchen; als er hinausgethan war, mußte er eine haben. Die Zahl der Weber vermehrte fich daher viel mehr als der Absaß der Haare. Früher konnte der Meister nur soviel Weber annehmen, als er in seiner Stube beschäftigen konnte, in dem neuen Verhältnisse aber war er durch nichts beschränkt, als durch sein Geld, und wer viel Geld hatte, konnte viele Weber für fich arbeiten lassen. Durch die vermehrte Anzahl der Weber wurde der Markt mehr gefüllt und dadurdy das Lohn der Ar: beit herabgedrückt, daher der Gewinn am einzelnen Stück immer kleiner wurde; daher konnten diejenigen, die nicht viel Geld hatten, nicht mehr als Meister bestehen, sondern mußten fich als Gefelle bei den reicheren anbieten. Er wurde zwar nicht sein Geselle, denn er arbeitete in der eigenen, meistens für fich gemietheten Stube, aber er hatte kein Eigenthum an den Gegen: standen, die er machte, war mithin gestellt wie der Geselle, der beim Meister aufs Stück arbeitete. Nach nur wenig Jahren bestanden nur noch reiche Fabrikanten und Kaufleute, die das Garn zum Weben ausgaben und die Arbeit bezahlten, und arme Lohnweber, die niemals in eine bessere Lage kommen können, so lange das Verhältniß besteht, das sie hervorgebracht hat. Im alten Verhältniß blieben die Arbeiter nur in den Familien, in welchen Ordnung war; wo aber keine Ordnung und Sittlichkeit war, war kein Wohlsein, und da blieben die jungen Leute nicht, daher stand die gute Familie beffer, als die schlechte, und von ihr kam eine gute und fittliche Erziehung der jüngern Generation, der Mensch kam als Mensdy zur Gel: tung. In den Weberstuben hörte man oft ein Lied fingen, sowohl lustigen als ernsten Inhalts, und der Sonntag wurde durch Lesen einer Predigt, eines Liedes 2c. geheiligt, und es waren alles muntere, heitere, zufriedene, fittliche Leute, nicht gerade reich, aber auch nicht Mangel leidend. Im neuen Verhältniß dagegen kommt der am weitesten, der am meisten drücken und Geld zusammenbringen kann. Der Mensch als solcher kommt gar nicht mehr zur Geltung, daher die Pflicht der Erziehung vernachläßigt wer: den mußte.

Im alten Verhältniß waren die Arbeiter die treuesten Beschüßer des Hauses, denn sie waren Theilnehmer, Glieder desselben; im neuen bleiben fie dem Hause fremd und kommen immer mehr dahin, seine Feinde zu werden, und was sie als einzelne Menschen nicht erzwingen können, das wollen fie durch Soalition oder Verbindung bewirken, und diese Koalitionen zwingen auch die Arbeitgeber zur Roalition, um dem größern Drucke eine größere Kraft entgegenzuseßen. Die Absonderung erzeugt Entfremdung, aus der Entfremdung entsteht Neid und Feindschaft, und Feindschaft erzeugt zuleßt Vernichtungskampf.

Hätte die Hausfrau als Mutter ihre Pflicht gethan und den Webern auf liebevolle Art gesagt, daß fie sparsamer mit der Butter sein sollten, so wäre die Auflösung nicht gekommen. Diese Pflicht war aber idywer, barum schlug sie den scheinbar leichteren Weg ein, und sagte: ich gebe nur ein halbes Pfund. Sie holte den Apfel der Eva, und Adam aß mit, und nun find fie aus dem Paradiefe und müssen im Schweiße des Angesichts ihr Brot effen, in Kummer und Noth.

Es ist der Fluch der bösen That, daß fie fortwährend Böses muß gebären.

Hier in Breslau fand ich, daß die hiesigen Meister auf denselben Weg kamen, wie die Weber, und daß fie fich der Pflicht der Erziehung entzogen und die jungen Leute aus dem Hause trieben, und sie dadurch nöthigten, eine Familie zu bilden und sich eine Heimath zu verschaffen, ohne die Mittel zur Erhaltung derselben zu haben. Das Kirchenblatt, wel: ches alle Wochen ausgegeben wird, wies nach, daß in den Jahren 1832 bis 1834 noch nicht der vierte Theil aller Ehen, die geschlossen wurden, befißlose Klasse war, d. i. Gesellen aller Art, Haushälter, Tagearbeiter 2c., kurz alles Leute, die mit zehn Finger-Arbeit eine ganze Familie erhalten wollen. Die Familien wollten sich mit der Erziehung der Jugend nicht mehr befassen, darum schickte der Meister seine Gesellen, der Kaufmann feine Gehilfen, und beide bald auch die Lehrlinge aus dem Hause, und fie müssen sich auf Schlafstelle begeben. Auch die weiblichen Gehilfinnen wur: den aus dem Hause, oder wenigstens aus der Stube entfernt, und dies Verhältniß geht immer weiter, so daß wir jeßt schon 5% aller Ehen, die geschlossen werden, besißlose Klasse haben, und beinahe bei dieser Hoch: zeiten hat oder verdient die Braut keinen Kranz

Alle diese Familien können nun nicht mehr kaufen und verbrauchen, als was der Mann mit seiner Arbeit verdient, wenn nicht die Frau auch noch mit auf Arbeit gehen muß; alle bemühen sich zu produciren, aber schneiden einander die Kraft ab, zu consumiren, darum haben wir überall Ueberfluß und Ent: werthung der Waare, und daraus wieder Druck des Arbeitslobnes.

Da die Frau des Meisters nun nicht mehr für die Gesellen und Lehrlinge zu kochen und zu sorgen hat, so hat sie im Hauswesen wenig oder nichts zu thun, und der Meister kann Abends ausgehen, denn er hat nichts mehr zu beaufsichtigen. Die Stube wird nun feiner eingerichtet, das Dienstmädchen ebenso wie die Gesellen vom Tische entfernt und aus der Familie ausgestoßen. Und die Frau und Tochter haben Zeit, Bälle, Concerte u. zu besuchen, und die Tochter muß schön fingen, spielen, tanzen 2c. lernen, die Arbeit gehört dem Dienstpersonal. Hat nun eine Frau es so schön, so will die Nachbarin es noch schöner haben, und so erzeugt diese Concur: renz einen immer wadysenden Lurus und Entfittlichung. Als sie ihre Menschenpflichten erfüllten, fiel es ihnen gar nicht ein, so schöne Zimmer zu machen, in dem wohl der Sund, aber nicht der Lehrling oder Geselle Aufenthalt nehmen darf.

In meiner Werkstatt machte ich allerhand trübe Erfahrungen. Die Lehrlinge, welche ich annahm und wie in jeder Fabrik nur bezahlte, wur: den meistens unordentlich und liederlich, heiratheten bald und machten dann Weib und Rind und sich selbst elend. Manchen talentvollen Anaben habe ich zu Grunde gehen sehen, der, wenn er in einer Familie aufgewachsen und erzogen worden wäre, fich und der Welt zum Glück geworden sein würde. Ferner fand ich, daß es in dem Fabrikverhältnisse, d. h. in der Auflösung der Familie, oder wie man es lieber nennen sollte, in der Schlafstellenwirthschaft, nicht möglich ist, dem Kinde und dem Alten die nöthige Pflege zu geben, wenn wir nicht etwa für beide Rasernen bauen und Jung und Alt fabrikmäßig verpflegen, oder vielmehr füttern wollen; denn solange der Mensch als Mensch fühlt, braucht er nicht nur Speise, Trank, Wohnung und Kleidung, sondern liebevolle Theilnahme und Pflege auch seines Geistes. Bei dieser Schlafstellenwirthschaft ist das Alter eine übrige Last und das sind eine Plage. Nur in der Familie ist der Mensch durch sein ganzes Leben nüblich und nothwendig, und nur in der Familie kann der Mensch in jedem lebensalter für das fünftige ausgebildet und erzogen wer: den; ohne Familienleben ist keine Erziehung möglich und der Mensch wird einseitig, unpraktisch, verdreht und unfittlich.

Der junge Mensch von etwa 18-25 Jahren hat sein volles lohn, sage 4 Thlr. pro Woche, und wenn derselbe Mensch 10 Jahre später noch eine Frau mit 6 Kindern erhalten und dabei eine größere Wohnung, Schulgeld u. bezahlen soll, dann kommt Mangel und Noth zur Thüre herein, und die Liebe fliehet zum Fenster hinaus, nad dem Sprichworte. Denn das Lohn wächst nicht mit der Zahl der Kinder, sondern bleibt.

Zu dem Vielen nur noch eing. Heute kam die Frau eines Schmie: degesellen und verlangte Geld, das ihr Mann für eine Accordarbeit erhalten sollte. Er hatte mit einigen andern zusammen eine Arbeit übernom: men, diese war aber noch nicht fertig, mithin auch noch nicht ganz bezahlt worden. Er hatte fich bei der Arbeit betrunken, und der Werkmeister hatte

ihn fortgeschickt, seinen Rauld auszuschlafen. Nad mehreren Tagen aber kam er erst wieder, und fand natürlich seine Stelle beseßt, denn die andern konnten ohne ihn nicht fortarbeiten. Der Gefelle, welcher diese Arbeit leitete, wurde gerufen, und sagte: der kann nichts bekommen, denn er ist den andern und für Branntwein zusammen mehr schuldig, als sein Antheil am Accord noch ausmacht. Die Frau ging ichimpfend fort, weil sie nun mit ihren 4 Kindern hungern müsse. Das Saufen wird haupsächlich durch die Schlafstellenwirthschaft erzeugt. Der junge Mensch steht früh auf und geht meist ohne Frühstück zur Arbeit, denn die Schlafwirthin steht nicht so früh auf, und es bleibt ihm nichts anders übrig, als der Schnaps, der immer fertig zu haben ist

, und es dauert gar nicht lange, so ist der Brannt: wein Bedürfniß. Lebt der Geselle in einer Familie, wo er die Kost be: kommt, so hat er keine Veranlassung, fich Branntwein zu kaufen, und er bleibt nüchtern. Abends hat der Schlafftellenbursche meist nur das Sauf-, Spiel- und, Hurenhaus zu seiner Gesellschaft, und aus diesen gehen solche Familienpäter hervor, wie der eben angeführte Schmiedegefelle, der nun fich und der Welt zum Elende wird, und seine Kinder werden meistens schlechter als er selbst, und viele von ihnen schwachsinnig; sie tragen die Sünden ihrer Väter.

Einzelne junge Leute wollen Geld sparen und leben von Brot, Wasser, Wurst z., ganz unregelmäßig, und da ist die Schwindsucht bald da. Wäre der Geselle am Tische einer Familie, so hätte er seine geregelte Kost und Ordnung, und würde zu einem an Leib und Seele gesunden Menschen entwickelt, während die jeßige Wirthschaft ein an leib und Seele verkrüp: peltes Geschlecht erziehen muß, und ein entsittlichtes Volf hat sein Beste: hen verwirkt.

In einer solchen Familie, wo nicht hinreichend Brot für die Kinder ist, ist kein Plaß für einen alten Großvater oder Großmutter, sie haben zwar Kinder gezeugt, haben aber keine im Alter, sondern sind elend und verlassen. Da die Mutter noch etwas zu verdienen suchen muß, so muß fie oft das Haus ver: lassen und kann ihre Pflichten an den Kindern nicht erfüllen. Wenn der: felbe Arbeiter 15 Jahre später seine Körperkraft verbraucht hat, so muß er der Armenpflege oder dem Mangel anheimfallen. Weil man eines Man: nes Arbeit nur als solche bezahlen und keine Rücficht darauf nehmen kann, ob er eine Familie hat oder nicht, so hat der einzelne junge Mann für seine Person allein eben soviel zu verzehren, als dann eine ganze Familie, und dies ist doch ein Mißverhältniß, das beseitigt werden muß. Lange sann ich darüber nach, wie den armen Fabrikarbeiter : Familien zu helfen sei, und dachte das Lohn der Verheirateten zu erhöhen; das nüßt aber auch

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