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beiden Hauptstädte erheben ihn. Es preisen ihn die Paviane: » Preis dir«, sagen alle Tiere zusammen. Deine Schlange fällt deine Feinde. Du jauchzst in deinem Schiffe, deine Mannschaft ist zufrieden . . und du freust dich, Herr der Götter, über das, was du geschaffen hast. Sie freuen sich; die Himmelsflut blaut neben dir und der Ozean flimmert von deinem Glanze.«1)

An Stätten der Verehrung wird es diesem Gotte von alters her nicht gefehlt haben, aber eine von ihnen hat frühzeitig so hohen Ruhm erlangt, daß die andern daneben in Schatten getreten sind. Das ist On, oder, wie wir es gewöhnlich nach griechischem Vorgang nennen, Heliopolis, die uralte Stadt, die unweit des heutigen Kairo bei Matarije belegen war. Noch heute glauben wir zu sehen, daß einst in uralter Zeit die ägyptische Religion von ihr aus einen tiefen Einfluß erfahren hat und noch bis in die späteste Epoche hinein bewahrten sich ihre Priester den Ruhm besonderer Weisheit.

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9. Der Sonnengott von Edfu.

Eine andere wichtige Stätte, wo man den Sonnengott verehrte, war das heutige Edfu in Oberägypten, in dem noch jetzt sein großer Tempel völlig erhalten steht. Von hier stammte das merkwürdige Bild des Gottes, das die Sonne darstellt, wie sie mit buntem Gefieder, ihre Feinde vernichtend, über den Himmel fliegt; dieses Bild des Horus von Edfu (oder wie man gewöhnlich nur sagte des von Edfu) pflegte man über den Türen der Tempel anzubringen, damit es auch von diesen alles Böse abhalte.

Zahlreich waren die Namen des Sonnengottes. Der allgemeinste, Re, bezeichnete das Gestirn selbst. Horus oder Har-achte galt ursprünglich dem Gotte, der als Raubvogel mit leuchtenden Augen gedacht war, während Chepre den käfergestaltigen bezeichnete. Atum endlich war eigentlich die als Greis gedachte Abendsonne. Die Bilder zeigen den Sonnengott gewöhnlich mit einem Sperberkopfe, auf dem er die Sonne trägt. Um diese ringelt sich dann seine

1) Totb. ed. Nav. 15 A.

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furchtbare Dienerin, die flammenspeiende Schlange, die seine Feinde vernichtet. Denn an feindlichen Wesen, die sich seiner Fahrt widersetzen wollen, fehlt es nicht und eines derselben, die Wolken- und Gewitterschlange Apophis, gilt als der Inbegriff alles Scheußlichen. Aber sie können dem Gotte nichts anhaben, vollendet glücklich seine Fahrt über den Himmel und gelangt zur Abendzeit an die westliche Bergwand, wo ihn die Göttin des Westens empfängt. Hier verläßt er seine Morgenbarke, in der er am Tage gefahren ist und besteigt die Abendbarke, um seine nächtliche Fahrt durch die Unterwelt zu beginnen. Dort leuchtet er für den großen Gott Osiris, den ewigen Herrscher. Die Toten aber, die Bewohner der Höhlen, begrüßen ihn freudig; sie heben ihre Arme und preisen ihn, und sagen ihm ihre Wünsche... Ihre Augen öffnen sich wieder bei seinem Anblick und ihr Herz ist voll Freude, wenn sie ihn sehen. Er hört die Gebete derer, die in den Särgen liegen und vertreibt ihr Leid und verjagt ihr Böses. Er gibt ihren Nasen wieder Atem. Und da die frischen Winde der Oberwelt keinen Zugang in diesen Hades finden, so fassen die Toten den Strick am Vorderteil des Schiffes und ziehen es fort, so wie man auf Erden die Nilschiffe bei schlechtem Winde zieht. 1)

10. Der Sonnengott.

Geringer ist die Rolle, die bei den Ägyptern der Mondgott spielt, der nächtliche Vertreter des Re. Er ist der ibisköpfige Gott Thoth, der Stier unter den Sternen, der Mond am Himmel, wie ihn eine Inschrift unserer Sammlung 2) nennt Gleichzeitig ist er aber auch der Schreiber der Götter und der Richter am Himmel, der die Sprache und Schrift gab und

1) Totb. ed. Nav. 15B II. Wie diese Vorstellungen dann weiter ausgebildet sind, werden wir in Kap. 4 besprechen.

2) Berlin 2293.

durch seine Rechenkunst Götter und Menschen wissen ließ, was ihnen zusteht. Er ist der Gott aller Weisheit und Gelehrsamkeit und er hat die Gottesworte, d. h. die Schriftzeichen, erfunden. Wie der Mondgott zu dieser Rolle gekommen ist, ist übrigens leicht zu erraten; er regelte ja die Zeit und konnte somit auch der Vertreter alles Rechnens und Notierens werden. Der Hauptsitz seiner Verehrung war Schmun in Mittelägypten, die Stadt, die in griechischer Zeit Hermopolis hieß. Unter einem anderen Namen: Chonsu (der Durchfahrer des Himmels) verehrte man den Mond in Theben, doch scheint dieser rein menschlich als Kind gebildete Gott in alter Zeit außerhalb seiner Heimat wenig bekannt gewesen zu sein; erst im neuen Reiche schoben ihn äußere Verhältnisse zeitweise in den Vordergrund.

Auch die Himmelsgöttin treffen wir unter mehreren Namen an, die einer Entwicklung nach verschiedenen Richtungen hin ent

sprechen. Als Nut war sie geblieben, was sie gewesen war, die Vertreterin des Himmels, die Gattin des Erdgottes Keb, und so wenig wie dieser kam sie ernstlich für die eigentliche Religion in Betracht; sie hat kaum in historischer Zeit wirkliche Verehrung genossen. Desto volkstümlicher war sie unter einem anderen Namen, als Hathor Obgleich dieser Name Haus des Horus d. h. Wohnsitz des Sonnengottes, sie gerade ausdrücklich als Himmel bezeichnete, so war doch bei ihr früh fast ein Wechsel der Rolle eingetreten; wie sie ihrer Natur gemäß die oberste der Göttinnen war, so war sie auch die göttliche Vertreterin der Frauen, der diese vor allem dienten, und damit wurde

II. Thoth.

sie denn auch die heitere Göttin der Freude und der Liebe. Anderes an ihr muß von ihrem himmlischen Charakter herstam

men, wenn es uns auch unverständlich bleibt. Sie heißt das Auge des Re und sie gilt als die Göttin des Westens; als solche steht sie dann an der westlichen Bergwand und empfängt die zur Rüste gehende Sonne oder die Toten. Daß die Göttin der Frauen zahllose Heiligtümer besaß, versteht sich von selbst; einer ihrer Hauptsitze war Dendera in Oberägypten, wo

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12. Hathorkopf.

(Nach einem Kapitell aus Bubastis.)

ihr Tempel uns noch heute in voller Pracht erfreut.

Die Kuhgestalt der Himmelsgöttin, von der wir oben gesprochen haben, scheint ursprünglich gerade der Hathor geeignet zu haben. Aber es ist begreiflich, daß man sie bei dieser Göttin nicht gern verwendete und auch wenn man ihr nur den Kopf der Kuh aufsetzte, mochte das nicht recht zu ihrem späteren Charakter passen wollen. Da hat man denn in sehr früher Zeit einen merkwürdigen Kopf für sie erdacht, der menschlich ist und doch zugleich tierisch, ein breites, freundliches Frauengesicht, von großen Flechten umrahmt, das von der Kuh nur die Ohren beibehalten hat, das aber doch in seinem Ausdruck das Tier nicht ganz verleugnet. Oder man gibt ihr auch einen einfachen Frauenkopf, an dem nur noch

der Kopfschmuck, zwei Hörner, zwischen denen die Sonne erscheint, an die alte Himmelskuh erinnert.

Ebenfalls die Himmelsgöttin finden wir in der großen Neith von Sais wieder, der Mutter, die die Sonne gebar, die zuerst gebar, ehe denn geboren wurde.1) Auch sie ist eine Frauengöttin wie die Hathor; daneben mag sie einst als

13. Hathor.

15. Sechmet.

Nationalgöttin der Unterägypter gegolten haben, denn sie trägt di rote Krone die Landesteiles ind hält Pfeile in der Hand, als sei sie kriegerisch. Und auch bei einer anderen großen Göttin des Delta möchte man gern einen gleichen Ursprung annehmen wie bei jener; die Bastet oder wie die Griechen sie nennen, die Bubastis, ist ein Seitenstück zu der heiteren Hathor, und Tanz und Musik sind ihre

1) Statue Naophore des Vatikan (Brugsch, Thes. 637).

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