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man

Da man sich das Reich der Toten als im Westen belegen oder doch vom Westen aus zugänglich denkt (S. 89), so

wendet man sich
auch bei allem,
was man für die
Toten tut, nach
dieser Himmels-
gegend. Man legt
die Gräber, wo
es irgend angeht,
auf der westlichen
Bergwand an, da-
mit man die Lei-
che bei der Be-
stattung nach
Westen hinträgt;
und man legt die
Stelle, wo
dem Verstorbenen
opfert, vor die
Ostwand der Ma-
stabą, damit, wer
zu dem Toten re-
det, nach Westen
gewendet

sei. Diese Opferstätte an der Mastaba pflegt man durch die sogenannte Scheintür zu bezeichnen, das konventionelle Bild einer Tür. Sie ist gleichsam der Eingang in das Innere des Grabes, die Tür, aus der der Tote heraustritt, um die Darbringungen der Hinterblie

benen entgegen78. Scheintür, mit Fortlassung der Inschriften.

zunehmen. Bei (Berlin 1108.)

größeren Gräbern vertieft man dann gern diese Stätte zu einer Kammer, auf deren Rückwand die Scheintür steht. Anfangs hat diese Kammer noch kleine Abmessungen. Die Grabkammer des Meten, die die königliche Sammlung besitzt und die noch der dritten Dynastie angehört, ist eigentlich nur eine tiefe, schmale Nische, deren Ende vor der Rückwand sich kreuzartig erweitert. Sie bot gerade Raum für die beiden Totenpriester, die im Grabe zu beten und zu opfern hatten, und erlaubte außerdem dem Opfernden, die Speisen links und rechts aus der Hand zu stellen. Die Wände dieser kleinen Kammer hat man mit allerlei passenden Bildern versehen; seine Leute bringen dem Toten Speisen und Hausrat, seine Hunde (er war ein Oberjägermeister) fangen ihm Wild für seine Opfer, und die Totenpriester verrichten ihm ihre Zeremonien. Am Eingang aber steht in zwei langen Inschriften zu lesen, wie weit Meten es in seinem Leben gebracht hat, und welch schönes Haus und welch großen Garten er sich anlegen konnte.

Einige Jahrzehnte später, zur Zeit des Königs Cheops, verlangte man schon einen größeren Raum und eine mannigfaltigere Dekoration und vollends unter der fünften und sechsten Dynastie erbauen sich manche Große wahre Häuser in ihren Mastabas. Zählt doch das Grab des Mereruka, des Veziers des Königs Pepi, nicht weniger als 31 Zimmer, von denen 21 dem Toten selbst, 6 seiner Frau und 4 seinem Sohne gewidmet sind. Und was ist nicht alles in solchen Gräbern dargestellt, Ackerbau und Viehzucht, Jagd und Vogelfang, Handwerker und Schiffer, Musiker und Tänzerinnen, Schlachten und Keltern und was sonst immer einem vornehmen Ägypter erfreulich und interessant erschien: Gewiß haben diese Bilder zumeist auch einen Bezug auf das Grab – das Vieh, das Wild, die Vögel, das Korn, der Wein werden für die Opfer des Grabes gewonnen, die Handwerker arbeiten für seine Ausstattung, die Schiffer fahren Gaben zu ihm und mit Musik und Tanz soll der Tote wie im Leben erheitert werden. Aber wer näher zusieht, bemerkt doch bald, daß dieser Bezug immer mehr zur Nebensache wird. Wenn die Schiffer wirklich nur als Gabenbringende gedacht waren, so war es nicht nötig, darzustellen, wie sie sich dabei prügeln und ebenso unnötig war es, auf der Grabwand zu verewigen, was die Schlächter sich zurufen, was die Sänftenträger singen oder wie die gewagten Sprünge der Tänzerinnen benannt sind. Durchweg erkennt man das Bestreben, das Grab künstlerisch und heiter zu dekorieren, auch wenn der Vorwand dazu nur gewaltsam zu gewinnen war. Schwerlich aber wird diese Änderung ohne inneren Grund gewesen sein; man möchte glauben, daß schon damals die Sitte eingerissen war, die Feiertage der Toten als ein fröhliches Gelage zu begehen. Dazu paßten dann die großen und heiter dekorierten Räume besser als die engen Kammern mit ihren eintönigen Bildern.

Auch sonst war ja alles, was sich auf die Opfer und Feste der Toten bezog, im alten Reiche von Jahrhundert zu Jahrhundert luxuriöser geworden. Was einst das übliche Opfer gewesen war, läßt sich noch an dem Schriftzeichen des Wortes Opfer ermessen: eine Matte hatte man ausgebreitet und einen Napf mit Brot darauf gestellt. Und wenn man dann dem Toten zurief, auf die Stimme zu kommen und sein Opfer in Empfang zu nehmen, die tausend Brote,

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79. Opferstein aus dem neuen Reich. Unten die Matte mit dem Brotnapf, darüber gehäuft Brote, Wasser

krüge, Fruchtkorb, Gänsebraten u. a. (Berlin 2273.)

tausend Krüge Bier, tausend Ochsen, tausend Gänse und alle guten reinen Dinge, so ist billig zu bezweifeln, ob man selbst jemals viel zur Verwirklichung dieser Worte beitrug; es war eine übertreibende Formel, deren Herbeten nichts kostete. Für gewöhnlich werden die Hinterbliebenen auf den Opferstein vor der Scheintür einige Brote niedergelegt und ihn mit Wasser begossen haben; wenn sie dann an den großen Festtagen etwa noch eine Rinderkeule dazufügten, so werden sie gedacht haben, sie hätten ihre Pflicht genügend erfüllt. Auch die lange Liste der Speisen, die

gern neben den Bildern der schmausenden Toten niederschrieb, mit ihren fünferlei Sorten Wein und den

man

vierzehn Sorten Kuchen und den zehn Sorten Fleisch hat gewiß nur als frommer Wunsch gedient.

In jenen großen Gräbern des alten Reiches, von denen ich oben sprach, ist dies offenbar anders geworden, das zeigt schon die Zahl der einfachen, höheren und obersten Toten· priester, die in ihnen aufgeführt werden. Wo ein so großes Personal (im Grabe des Mereruka zähle ich 47 Totenpriester) mit dem Darbringen der Opferspeisen beschäftigt war, mußte auch die Menge des Dargebrachten im Verhältnis dazu stehen. Augenscheinlich hatte auch hier das Vorbild der Könige, die bei ihren Pyramiden zahlreiche vornehme Leute als Totenpriester beschäftigten, zur Nachahmung geführt. Das alte gesunde Verhältnis, daß Söhne und Enkel für das Grab sorgten, war nicht mehr zu halten; diese vornehmen Leute hatten zu viel andere Pflichten, als daß sie sich noch der regelmäßigen Pflege eines Grabes unterziehen konnten. So blieb denn nichts übrig, als die Pietät beiseite zu setzen und durch ein geschäftliches Verhältnis für die Verstorbenen zu sorgen.

Man schloß mit einzelnen Verwandten oder Bediensteten der Familie oder auch wohl mit fernstehenden Personen einen Vertrag ab, durch den man ihnen bestimmte Äcker oder Einkünfte als Eigentum übergab; dafür verpflichteten sie sich, die Opfer dem Verstorbenen zu bestreiten, die nötigen Zeremonien zu erledigen und das Grab instand zu halten. Diese Totenpriester bildeten dann bei großen Gräbern eine Genossenschaft mit bestimmten Rangunterschieden und eigenen Statuten.

Auch hier kann man übrigens beobachten, wie die von den Großen eingeführte Sitte sich bald auch unter den geringeren Ständen verbreitet, und ein Mann, der selbst nur ein Totenpriester ist, hat uns eine Tafel hinterlassen,1) auf der er die verschiedenen Personen aufzählt, mit denen er das Grab seiner Tochter ausgestattet hat. Wenn man aus der Roheit dieser Inschrift auf seine Vermögenslage schließen darf, so dürfte er diese Leute freilich nicht allzu reich bedacht haben. Vielleicht aber war ihm der König dabei so zu Hülfe gekommen, wie er dies in der älteren Zeit oftmals tat.

Dieses Eingreifen des Königs hat zu so merkwürdigen Anschauungen geführt, daß wir es hier nicht wohl übergehen dürfen. In der obersten Schicht der ägyptischen Bevölkerung, die vielfach von der Gnade des Herrschers lebte und am Hofe das Treffliche , das er gab,2) kam es natürlich oft vor, daß verdiente Leute auf ihre Bitte vom Könige auch bei der Anlage und dem Unterhalte ihrer

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Gräber unterstützt wurden. Oft genug hören wir von solchen Fällen; dem einen läßt der König das Grab ganz errichten, einem andern (es ist sein Leibarzt) schenkt er wenigstens die Scheintür dazu,t) einem dritten läßt er einen Steinsarg herbeiholen 2) und wieder ein anderer hofft in seinem Grabe, daß ihm geliefert werden möge das Totenopfer aus den Scheunen,. aus den Schatzhäusern, aus den Werkstätten des Königlichen Schmuckes .... und aus jeder Stätte des Hofes, aus der ein Totenopfer geliefert wird.3) Was so im alten Reiche vereinzelt vorkam, das mag in jener Urzeit, in der das ausgebildete Gräberwesen noch auf einen kleinen Kreis der höchsten Personen beschränkt war, fast die Regel gewesen sein und so erhoffte man für jeden Toten, daß ihm der Pharao Speisen vor sein Grab legen werde.

Wie man

von dem alten Totengott Anubis erwartet, daß er dem Toten zu Nahrung verhelfe, so erwartet man es auch von dem König: das Opfer, das der König gibt! das Opfer, das Anubis gibt! tausend an Brot, an Bier, an Ochsen, Gänsen, an allem Gutem! das ist das Gebet, das man häufiger als jedes andere im Grabe spricht. Und dieses Gebet hat sich nun bis in die Zeit hinein gehalten, für die seine Anfangsworte fast bedeutungslos waren und es ist das eigentliche Totengebet der Ägypter geworden. Das Opfer, das der König gibt, ist dem Ägypter das Gebet aller Gebete; durch alle Jahrtausende hindurch hat es sich erhalten, umgedeutet und entstellt, aber immer mit seinen alten Anfangsworten und selbst für die Götter in den Tempeln wird es angewendet. So lange der ägyptische Glaube überhaupt existiert hat, hat man es in alle Gräber geschrieben und auf alle Gegenstände, die in sie gelegt werden; seine Zeichen erblicken wir daher auf den ägyptischen Altertümern bis zum Überdrusse und sehen gern über sie hinweg. Freilich, wenn wir es gut mit den alten Ägyptern meinten, sollten wir nicht so über sie hinwegsehen, sondern sollten sie laut und andächtig lesen, denn das ist es, was die Insassen der ägyptischen Gräber immer wieder von der Nachwelt erbitten. Sie bitten uns um diesen Hauch des Mundes, der nützlich ist für den Toten und doch nichts schweres 4) für den, der ihn spricht und bitten uns darum bei allem, was einem Ägypter heilig ist: so wahr wir wollen, dass uns unsere heimischen Götter lieben und belohnen und dass wir unsere Ämter unsern Kindern hinterlassen oder so wahr wir das Leben lieben und das Sterben hassen.

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1) Mar. Mast. D. 12. 2) Inschrift des Una.
4) Berlin 7311 u. 0.

3) Mar. Mast. E. 12.

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