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gegeben. Auch ein tönernes Haus, in dessen Hof allerlei Speisen liegen, wird ihm zuweilen als Wohnung ins Grab

gelegt.

83. Elfenbeinstab mit Amuletten. (Berlin 14 207.)

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Der alte Gebrauch, den Verstorbenen mit Schiffen zu versehen, die ihn von der Gnade des himmlischen Fährmannes unabhängig machen, hat sich ebenfalls bis in das mittlere Reich erhalten. Neben der Pyramide des dritten Sesostris zu Dahschur hat man sogar wirkliche Schiffe im

Sande verscharrt, gewöhnliche Sterbliche begnügen sich natürlich mit kleinen Nachbildungen. Wenn dann aber auf diesen Schiffchen der Tote schon als Mumie unter dem Baldachin liegt, mit den Klageweibern und dem Priester, der aus seinem Buche die alten Sprüche rezitiert und wenn dann noch dabei ein zweites Ruderschiff vorhanden ist, um das Totenschiff zu schleppen, so sieht man deutlich, wie sich der ursprüngliche Zweck dieser Schiffe verwischt hat, denn was sie darstellen, ist augenscheinlich nur die Überfahrt über den Nil bei dem Leichenbegängnis.

Die Amulette und heiligen Zeichen, die man später den Mumien in so großer Zahl beigibt, um sie vor Fährnissen zu bewahren, spielen in der älteren Zeit noch keine Rolle. Hier seien nur die Elfenbeinstäbe erwähnt, auf die allerlei wunderliche Figuren geritzt sind, die vielen Amulette, die Schutz gewähren. Eine dieser Figuren heißt der Kämpfer und scheint den Toten vor Schlangen und Skorpionen schützen zu sollen. Wie viel man gerade von dieser Gefahr für den Verstorbenen besorgte, zeigen die endlosen Zauberformeln gegen Schlangen in den Pyramidentexten und es zeigt es noch ein anderer Umstand: man hat sich sogar vor den Schlangen gefürchtet, die man als gewöhnliche Schriftzeichen in das Grab schrieb. In vielen Gräbern sind

die Buchstaben f und z, × und

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so geschrieben, als seien sie zerhackt. Auch das Zeichen des Löwen (rw) wird zuweilen in gleicher Weise unschädlich gemacht; weshalb dann in anderen Gräbern auch die Vögel auf ihre Beine verzichten müssen, das zu ergründen, will unserm modernen Verstande nicht glücken.

Was und wieviel man an Hausrat und Gerät dem Toten beigibt, das hängt natürlich von dem Reichtum und dem Belieben der Hinterbliebenen ab; Waffen und Stöcke, Sessel und Kasten, Toilettengerät und Schmucksachen, Kleider und wohlriechende Öle es findet sich alles in dem einen oder anderen Grabe. Und zu den Dingen, die man wirklich in die Sargkammer legt, treten dann auch noch die, mit denen man sie nur bildlich versieht. Schon in den ältesten Gräbern trifft man auf kurze Listen, die die verschiedenen Arten Öl oder Leinen aufzählen, die der Tote haben soll und seit dem Ende des alten Reiches malt und schreibt man auf die Wände des Sarges alles das, was der Tote an Armringen, Halskragen, Sandalen, Stöcken, Waffen, Handwerkszeug und so manchem anderen bedarf.

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Aber die merkwürdigste aller Beigaben ist doch die Statue des Toten. Ihre Bestimmung ersieht man aus der Stelle, wo sie gewöhnlich in den Mastabas aufgestellt ist;

sie steht in dem sogenannten Serdab, einem kleinen, vermauerten Raume neben der Opferkammer, der häufig noch durch einen schmalen Spalt mit dieser verbunden ist. So wohnt der Tote seiner Verehrung wenigstens in effigie bei, er hört den Priester rezitieren und der Duft des Weihrauchs und der Geruch der Speisen dringt zu ihm; vielleicht dachte man, daß seine Seele dann die Leiche in der Sargkammer verlasse und diese Statue wie einen zweiten Körper beziehe. Auch in solchen Gräbern, die nicht die Form der Mastaba haben und keinen Serdab besitzen, bringt man doch meist irgendwie eine Statue des Toten an; im Felsengrabe thront . sie offen am Ende der letzten Kammer, in den kleinen Gräbern des mittleren Reiches liegt wenigstens eine Figur des Toten auf dem Sarge.

Von den eben genannten beiden Arten des Grabes ist übrigens die eine, das Felsengrab, kaum jünger als die Mastaba selbst; schon die Großen der vierten Dynastie haben in Gize ihre Gräber zuweilen in die Felswand gegraben, statt sie auf derselben aufzubauen. Doch war gerade da, wo die meisten großen Gräber des alten Reiches errichtet wurden, auf dem Plateau von Memphis, die Erbauung einer Mastaba um so viel bequemer, daß das Felsengrab hier immer die Ausnahme blieb. Seine eigentliche Stätte sind die südlicher belegenen Bezirke, in denen hohe steile Wände das Niltal begrenzen; hier war es das einfachste, das Grab horizontal in den Felsen hineinzutreiben. Auch diese Felsgräber werden ebenso wie die Mastabas mit Inschriften und Bildern geschmückt und auch in ihnen gibt es eine Scheintür und einen Schacht, an dessen unterem Ende die Sargkammer liegt, aber ihre Anlage hat sich doch früh nach einem anderen Gesichtspunkte entwickelt. Man hat sich wohl das Felsengrab als das Haus des Toten gedacht; und wie die Wohnung eines Lebenden hat es vorn einen breiten Empfangsraum, dahinter den großen Saal, und hinter diesem liegt dann die eigentliche Wohnung des Toten, die Nische in der seine Statue thront.

84. Ziegelpyramide, rekonstruiert von

Perrot-Chipiez.

Die kleinen Ziegelpyramiden, die seit dem mittleren Reiche in den Provinzialstädten die gewöhnliche Art des Grabes werden, sind natürlich eine Nachahmung der großen Königspyramiden. Aber es sind gerade Leute geringeren

Standes, die sie sich erbauen, denn diese Art des Grabes ist trotz ihres großartigen Vorbildes doch die einfachste und billigste. Eine Grube im Felsboden dient als Sargkammer; man überdeckt sie mit einem Gewölbe und erbaut darüber auf einem niedrigen Unterbau eine kleine Pyramide aus getünchten Ziegeln. An ihrer Ostseite bezeichnet ein Grabstein die Stelle, wo das Opfer zu bringen ist; sein Bild zeigt den Toten mit seiner Frau beim Mahle und gern noch daneben die langen Reihen der Kinder und Verwandten, die ihren Verstorbenen huldigen. Vor dem Grabsteine liegt dann im Sande der Opferstein, auf den man die Speisen legt und das Wasser gießt.

Zu all den Vorkehrungen, die wir hier geschildert haben, tritt dann noch ein weiterer Segen für die Toten, die mancherlei Zeremonien, die man bei der Herrichtung der Leiche, bei ihrer Beisetzung und bei der Speisung des Verstorbenen vollzieht. Sie sind derselben Art wie die, die wir oben (S. 47 ff.) beim Kultus der Götter angetroffen haben; hier wie dort wird jede einzelne Handlung von Reden begleitet, die an irgend einen Vorgang aus der Welt der Götter erinnern endlos und geistlos und auch dadurch nicht verschönert, daß allerlei Wortspiele in diesen Sprüchen angebracht sind.

Das Ritual der Balsamierung ist uns zusammenhängend nur in sehr später Gestalt erhalten; wir greifen aber wohl nicht fehl, wenn wir annehmen, daß sich dabei der Balsamierer und sein Gehilfe, der weise Cherheb (S. 58), als die Götter betrachtet haben werden, die die Leiche des Osiris gesalbt und in Binden gehüllt haben.

Desto genauer kennen wir das Ritual für die Handlungen am Grabe, die zuerst wohl am Tage der Beisetzung an der Mumie selbst und nachher dann an den Festtagen an der Statue des Toten vollzogen wurden. Die Hauptperson bei diesen Zeremonien ist ein Priester, den man den Sem nennt, aber auch der Cherheb und manche andere Personen nehmen daran teil. Wenn der Tote mit Wasser besprengt und mit Weihrauch umräuchert ist, dann treten drei Leute zum Grabe und wecken den Sem, der sich in Binden gehüllt vorher in ihm niedergelegt hatte. Hat er sich in bestimmter Weise langsam erhoben, so übernehmen die vier zusammen die Rolle jener Horussöhne, die für Osiris gesorgt hatten (S. 128). In einem weiteren Stadium der Handluug, wo der Sem einen seltsamen Brustschmuck und einen Stab trägt, stellt er Horus, den Sohn des Osiris dar; die einen rufen: o Isis, Horus ist gekommen, daß er seinen Vater umarme und der Cherheb ruft: eile, daß du deinen Vater schauest. Da vertauscht der Sem seinen Schmuck mit einem Pantherfell und

während neben ihm das Opfertier zerlegt wird, verkündet er dem Toten: ich habe dies mein Auge aus seinem Munde befreit, ich habe seinen Schenkel abgeschnitten den Schenkel des Stieres will ja der Sem dem Toten so darbringen, wie einst Horus seinem Vater das eigene Auge darbrachte, das ihm Set ausgerissen hatte (S. 37). Aber ehe der Tote dem Genusse dieser Speise sich hingeben kann, muß erst noch der wichtigste aller Gebräuche an ihm vollzogen werden, das Öffnen des Mundes und der Augen. Zweimal mit kleinen Queräxten und einmal mit einem Meißel wird das Gesicht

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85. Opfer an einem Grabe des alten Reiches.
Oben die Statue des Toten in einer Kapelle. (L D II, 35.)

des Toten berührt und wenn das und allerlei anderes dazwischen getan ist und wenn der Sem dann Mund und Auge mit dem kleinen Finger geöffnet hat, dann ist der Tote wieder fähig seine Nahrung zu empfangen. Der Sem erhebt seinen Stab und überweist ihm die Speisen. Zuletzt räuchert und salbt er den Toten, er gibt ihm ein Kopftuch und kleidet ihn in Binden und gibt ihm Stab und Geißel, wie sie Osiris trägt.

Neben diesem Zeremoniell steht dann das eigentliche Opferritual, jene Sprüche ohne Ende, in denen die Gaben nach der oben erwähnten Spielerei das Horusauge heißen: Ich bringe dir das Horusauge, das ich dem Set fortgenommen habe oder ich bringe dir das Horusauge, nachdem du es gezählt hast und so fort; ob von dem Auge dieses oder jenes ausgesagt wird, hängt dabei einzig von dem Namen der betreffenden Gabe ab, denn mit diesem muß der Zusatz ein Wortspiel bilden.

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