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sorgt wird.

Neben dem Grabe gibt es übrigens noch eine andere Stätte, an der für die Speisung eines vornehmen Toten ge

Wie er im Leben an den Festtagen dabei gewesen war, wenn die Opfer vom Altare des Gottes verteilt wurden (S. 50), so wünscht er auch im Tode noch seinen Anteil an diesen Mahlzeiten zu haben. Daher stellt man seit dem mittleren Reiche eine Statue des Toten im Tempel auf und erbittet für sie alles, was auf dem Altar des Gottes geliefert wird. Vorsichtige verlassen sich dabei nicht auf dies Gebet allein, sondern erkaufen sich von der Priesterschaft die ewige Lieferung einer bestimmten Anzahl Brote für die Feste. Die werden dann vor ihrer Statue hingelegt und fallen nachher gewiß ihrem Totenpriester zu. Übrigens hat diese Sitte oft den Königen als Gelegenheit gedient, treue Dienste anzuerkennen und auf so mancher Statue eines Privatmannes, die wir in einem Tempel gefunden haben, lesen wir, daß sie als eine Belohnung seitens des Königs dahin gestiftet ist.

Und noch an eine dritte Stelle konnten die Ägypter die Hoffnung für ihr zukünftiges Leben knüpfen, an die heilige Stadt Abydos. Seit die Könige der ersten Dynastie in Abydos residiert hatten, und dort bestattet waren, hatte sich die Ansicht herausgebildet, daß der Osiris, der Erste der Westbewohner, den man dort verehrte, ein besonders gnadenvoller und heiliger Gott sei. Dort war auch die höchste seiner Reliquien, sein Haupt, in einem Kästchen beigesetzt und an seinem Grabe wurden die großen Feste des Gottes gefeiert. Wohl daher den Toten, die dort bestattet waren, unweit der Treppe die zu dem Grabe des Gottes führte. Sie bildeten die Umgebung des Totenkönigs, sie waren die Großen von Abydos und seine Hofleute. Sie erhielten einen Platz im Schiffe des Gottes, sie nahmen teil an seinen Speisen und ihnen wurde » Willkommen « gesagt von den Großen von Abydos.

Es mußte daher der höchste Wunsch jedes frommen Ägypters sein, in Abydos begraben zu werden, und in der Tat haben seit dem Ende des alten Reichs so manche Leute aus allen Ständen ein Grab an dieser heiligen Stätte einem Grabe am Hofe oder in der Heimat vorgezogen. Wer es aber nicht vermochte, sich in Abydos sein Grab zu bauen, der tat wenigstens gut daran, den Gott in Abydos zu besuchen, und dort einen Stein an der Treppe des großen Gottes aufzustellen; damit sicherte er sich doch einen Platz zwischen diesen Bevorzugten unter den Toten. Wie verbreitet diese Sitte war, zeigen noch unsere Sammlungen; die große Menge der kleinen Grabsteine und Denksteine des mittleren Reiches stammt aus Abydos. Manche dieser Pilger sind, wie sie uns berichten, durch Geschäfte in die heilige Stadt geführt worden, andere haben sie nur als Wallfahrer besucht und wieder andere haben diese Pilgerfahrt erst im Tode unternommen. Wer das Grab des Fürsten Chnemhotp in Benihassan betrachtet, der erblickt darin ein großes Bild, das nach der Überschrift uns darstellt, wie er hinauffährt, um die Dinge von Abydos kennen zu lernen. Auf dem Schiffe liegt seine Mumie unter einem Baldachin und der Sempriester und der Cherheb weichen auch während der Fahrt nicht von ihrer Seite. In der heiligen Stadt stellt er sich dann dem Totengotte gleichsam als neuen Untertan vor und nimmt an dessen festlichen Handlungen teil. Dann fährt er, von Weibern und Kindern begleitet, in die Heimat zurück und bezieht sein herrliches Grab in der Felswand von Benihassan.

Die meisten der Totengebräuche, die wir bisher geschildert haben, haben auch im neuen Reiche noch weiter bestanden und wenn einige der älteren Sitten in dieser Epoche verschwinden oder zurücktreten, so entfalten sich andere dafür um so reicher und neue Künste werden entdeckt, die ebenfalls voll Segen für die Toten sind.

Bei der Anlage der Gräber bleibt man bei den beiden Formen, die schon das mittlere Reich bevorzugt hatte, einfachen Leuten genügt die kleine Ziegelpyramide, vornehme legen sich ein Felsengrab an. Auch die Könige erbauen sich jetzt ein solches, aber die Gestalt, die sie ihm geben, ist eine neue: ein langer schmaler Gang, an dem sich Nebenräume anschließen können, führt zu einem Saale, dem Goldhause, in dessen Mitte der Steinsarg mit der Leiche des Herrschers ruht. Alle Wände sind mit religiösen Texten und Bildern bedeckt und da diese hauptsächlich den oben (S. 110 ff.) besprochenen Beschreibungen des Totenreiches entnommen sind, so hat man nicht ohne Wahrscheinlichkeit vermutet, daß es die Unterwelt selbst war, die den Erbauern dieser seltsamen Gräber vorschwebte: ein langer Gang, der immer dunkler wird, bis er schließlich zu dem Goldhause führt, wo Osiris der König weilt. In wie weit diese Königsgräber, die in dem öden Wüstentale von Biban elmoluk liegen, zum Totenkultus gedient haben, stehe dahin; weder ihre Räume noch ihre entfernte Lage sprechen dafür. Wahrscheinlich hat man die Opfer und Zeremonien für die verstorbenen Könige in Derelbahri, Gurna und all jenen Tempeln vollzogen, die sie sich auf dem Westufer Thebens erbauten und in denen sie als Mitgötter der thebanischen Gottheiten verehrt wurden.

Auch in den Gräbern der Privatleute ist eine charakteristische Änderung zu bemerken. Drehten sich bisher die

Bilder der Gräber und der Grabsteine in der Hauptsache um das eine unerschöpfliche Thema der Ernährung des Toten, um die Gaben, die ihm seine Hinterbliebenen oder seine Diener bringen, so treten diese seit dem neuen Reiche zurück. An ihre Stelle treten zunächst Darstellungen religiöser Natur; Bilder und Inschriften aus dem Totenbuche und ähnlichen Texten bedecken die Wände, und auf den Grabsteinen wird dargestellt, wie der Tote den Osiris oder den Sonnengott verehrt. Und weiter entwickeln sich jene Bilder des irdischen Lebens, die in den Mastabas nur per nefas ihren Platz gefunden hatten, jetzt in manchen Gräbern so sehr, daß diese uns fast als Denkmäler eines ruhmvollen Lebenslaufes erscheinen. Wie der hier Bestattete sein Amt ausübte und wie er vom Könige ausgezeichnet und belohnt wurde, das wird ausführlich dargestellt und erzählt und selbst die Bilder des Begräbnisses und der Totenfeier nehmen einen persönlichen Charakter an, den sie früher nicht hatten. Wie in der religiösen Poesie dieser Zeit das eigene Empfinden sich frei zu geben wagt, so tritt es auch in diesen Gräbern offen hervor; der Tote ist in ihnen nicht mehr der Verklärte, den man anteillos ehrt und speist, er ist der geliebte Vater und Gatte, der Freund und Herr, der den Seinen entrissen ist und um den sie weinen und klagen. Zwar öffnet ihm so wie immer der Sem den Mund und der Cherheb betet seine Formeln vor ihm her, denn das ist zum Heile des Toten nötig. Aber in diese trocknen Reden mischt sich die Klage der Gattin, die die Mumie umfaßt, ehe man sie für immer in das Grab versenkt: ich bin doch deine Schwester, du Großer, verlasse mich nicht. ... Il’as soll cs. daß du fern von mir bist? Der du so gern mit mir scherstest, du schweigst und redest nicht. Und hinter ihr und hinter den Priestern klagen die Angehörigen des Toten um ihn und die armen Frauen und Kinder, denen er wohlgetan hat: weh, wehe .... ach dieser Verlust! Der gute Hirte ist zum Lande der Ewigkeit gegangen.

Der du so viele Leute hattest, du bist nun im Lande, das das Alleinsein liebt!

Der so gern die Füße öffnete zum Gchen, der ist nun eingeschlossen, eingewickelt und beengt. Der so viel feines Leinen hatte und so gern es anlegte, der schläft jetzt im abgelegten Kleide von gestern. Und wenn auch die vornehmen Herren, die dem Leichenzuge ihres Kollegen folgen, nicht in diese Klagen einstimmen, so freuen sie sich doch der allgemeinen Teilnahme: wie schön ist dies, was ihm geschieht ...; er hatte seinen Gott so sehr geliebt, drum ließ der ihn auch den Il'esten erreichen, begleitet von Geschlecht auf Geschlecht seiner Diener. I)

1) Wilkinson III, pl. 67.

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Inzwischen hat man Tische voll Speisen und Gestelle mit Krügen herbeigebracht, denn an das Begräbnis schließt sich das Totenmahl an, das im Grabe selbst oder in Lauben aus Blumen und Zweigen stattfindet. Wie es sich am Tage der Beerdigung abspielte (und ebenso gewiß an den großen Festen, wo man den Toten opferte), das stellen uns die Gräber des neuen Reiches oft genug dar. Da sitzen die Verwandten und Freunde des Toten, festlich gekleidet und mit Blumen geschmückt; sie essen und trinken, sie sehen den Tänzerinnen zu und hören auf das Lied des Harfenspielers: 1) wie ruhig liegt dieser gerechte Fürst; das schöne Geschick ist eingetreten. Die Leiber gehen dahin seit der Zeit der Götter und der Nachwuchs tritt an ihre Stelle. So lange Re sich am Morgen zeigt und Atum am Ilestberge untergeht, so lange zeugen die Männer und die Weiber empfangen und alle Vasen atmen Luft. Aber alles was sie gebüren, in der Frühe geht es an die Stätte, die ihm bestimmt ist. Und nun redet der Sänger den Toten selbst an, als säße er noch mit unter den Schmausenden und ruft ihm zu, des kurzen Lebens mit seiner Gattin zu genießen: Feiere den schönen Tag! Stelle dir Salben hin und feines Öl für deine Nase und Kränse und Lotusblumen für den Leib deiner lieben Schwester, die dir sur Seite sitzt. Laß Gesang und Musik vor dir sein. Wirf alles Traurige hinter dich, denke an die Freude, bis daß kommt jener Tag, an dem man landet im Lande, das die Leute schweigen läßt. Immer wilder und lasziver springen die Tänzerinnen und immer eifriger bieten die Diener die Weinschalen an: trink bis du trunken bist! Und schon ruft die eine Dame nach mehr Wein, denn alles in ihr sei Stroh2) und ach, bei einer anderen ist die Trunkenheit noch weiter vorgeschritten; kläglich hockt sie auf dem Boden, ihr Kleid gleitet von der Schulter, welk hängt ihr die Lotusblume über den Arm und die Dienerin, die eiligst das ominöse Gefäß geholt hat, kommt zu spät.

Während man die Personen höheren Standes in so üppiger Weise im Tode feierte, machte man mit geringeren Leuten natürlich nicht viel Umstände. Indessen eine Gelegenheit, sich ein leidlich anständiges Begräbnis zu schaffen, war auch diesen gegeben. Denn seit der Wunsch nach einer rituell richtigen Bestattung auch in die unteren Schichten des Volkes eindrang, hatten spekulative Leute es unternommen, diesem Bedürfnisse Befriedigung zu verschaffen. Sie erwarben ein altes leerstehendes Felsengrab, erweiterten es und vermieteten Stellen darin. Schön war eine solche

1) Aus dem Grab des Veferhotp zu Theben.
2) Paheri pl. 7. Das folgende nach Wilkinson I, 392. 393.

Stelle ja nicht, denn bis an die Decke der Räume hinauf wurde Sarg über Sarg darin geschichtet, aber es war doch ein richtiges Grab, das sich so dem Fischer, dem Bauern, dem Handwerker oder der Tänzerin öffnete. Sie ruhten in richtigen Särgen und ihre Hinterbliebenen konnten ihnen ihre Geräte und die anderen Beigaben dazulegen, wie das bei den reichen Leuten geschah.

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86. Kasten mit Holzpuppen als Ersatz für ein Begräbnis.

(Berlin 9506.)

Aber es gab noch Ärmere, solche, die nicht einmal in einem Massengrabe einen Platz fanden. Wo deren Leichen im Sande verscharrt sind, wissen wir nicht, aber noch glauben wir zu sehen, wie auch sie versucht haben, sich etwas von dem Segen eines Grabes zu verschaffen. Sie machten kleine Holzpuppen,1) die entfernt einer Mumie ähnlich sahen, ließen sie mit ihrem Namen beschreiben, wickelten sie in einen Fetzen Leinen und legten sie in einen kleinen Sarg; ward dann dieser vor dem Eingange eines großen Grabes verscharrt, so war zu hoffen, daß der Tote durch diesen seinen hölzernen Vertreter an dem Wohlergehen der dort Bestatteten teilhaben werde.

Die Wertschätzung der Äußerlichkeiten der Bestattung, die sich in diesen Dingen ausspricht, zeigt sich dann auch in der Form der Särge. Der Sarg war bis dahin nichts gewesen, als was er seiner Bestimmung nach sein sollte: ein starker Kasten, der die Leiche vor Zerstörung schützte. Jetzt im neuen Reiche muß er, unnatürlich genug, selbst die Gestalt einer Mumie annehmen, denn die Gestalt der Mumie gilt diesem Geschlechte schon als etwas wunderbares und geheiligtes; selbst wo die Mumie des besseren Schutzes

1) Ausführl. Verz. S. 184.

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