Ҿ˹˹ѧ
PDF
ePub

als Bild des Sonnengottes Segen bringen mußte, ist klar

, und (vgl. S. 17), die man den Mumien auch gern in die Hände gab, dem Toten im Osirisreiche zur Empfehlung dienen mußten, sieht man auch. Die aufgehende Sonne bewirkte gewiß, daß der Tote diese schauen durfte. · Aber

[ocr errors][merged small][ocr errors][ocr errors][ocr errors][ocr errors][merged small][ocr errors][merged small][merged small][ocr errors]

91. Amulette von Mumien. a aufgehende Sonne; 6 Auge; c-e Kronen; f Papyrusstab der Göttinnen; & Herz; h Kopfstütze;

i Winkelmaß; k Setzwage; 1 Treppe.

schon bei dem häufigsten aller Amulette, dem Auge, versagt jede Deutung; ist es das Horusauge, das Vorbild aller guten Gaben? Bei den Kronen und Szeptern darf man vielleicht annehmen, daß sie auf die Toten die göttlichen Kräfte übertrugen, die (wie wir gesehen haben) ihnen innewohnten. Das kleine Herz mag ähnlich wirken wie der oben besprochene Herzskarabaeus und die abgeschnittenen Schlangenköpfe konnten dem Gewürm, das die Toten in den Gräbern bedrohte, zum Schrecken dienen. Die kleine Kopfstütze aus

Erman, Die ägypt. Religion.

IO

Eisenstein mag dem Toten einen sanften Schlaf sichern. Wozu aber dienen Winkelmaß und Setzwage? und wozu die Treppe oder Terrasse? und wozu so manches andere Stück, das man an die Halskragen der Mumien hängt? Waren doch, nach der Angabe eines späten Textes, nicht weniger als 104 Stück nötig, wenn anders eine Leiche so gut geschützt sein sollte, wie es die des Osiris gewesen war. 1)

Während dem Toten in den Gräbern des neuen Reiches noch immer genug an Hausrat und Gerät, an Kleidung und Schmuck beigelegt wurde und während man sich nicht scheute, ihm noch nach uralter Sitte ein nacktes Weib auf

[ocr errors][ocr errors][ocr errors]

92. Frau auf dem Bett; am Fußende ihr Kind und

ihre Sandalen. (Berlin 12661.)

einem Bette mitzugeben, trat die Sorge für seine Ernährung, die früher doch die hauptsächlichste gewesen war, jetzt mehr in den Hintergrund. Hölzerne Gefäße, die Steinkrüge nachbilden, hölzerne Gänsebraten und hölzerne Datteln werden hier und da ins Grab gelegt, aber im Ganzen verläßt man sich auf die Wunderkraft der Eingeweidekrüge, von denen wir oben (S. 129) schon gesprochen haben und die jetzt zu den notwendigsten Requisiten der Gräber gehören. Man fertigt in der Regel vier derselben aus Alabaster an und gibt einem jeden den Kopf eines der vier Horussöhne, sodaß sich ein Mensch, ein Affe, ein Schakal und ein Falke in die Obhut des Toten teilen.

Faßt man alles hier dargelegte zusammen, so kann man wohl sagen, daß im neuen Reiche das Totenwesen seinen alten naiven Charakter einbüßt, während seine religiöse Seite und das magische Element mehr in den Vordergrund treten. Das zeigt sich auch in der Verwendung der alten Totenliteratur. Wir haben gesehen, wie gegen Ende des alten Reiches die Könige sich in den Inschriften ihrer Pyramiden eine Sammlung dieser Literatur mitnahmen und wie dann später auch Privatleute sich ihre Särge mit solchen alten

1) Brugsch, Thesaurus S. 1402.

Sprüchen beschreiben ließen. Im neuen Reiche bedeckt man nicht nur die Wände der Gräber zum großen Teil mit religiösen Texten, sondern gibt auch dem Toten lange Papyrusrollen mit, die solche Sprüche enthalten, deren Kenntnis als besonders ersprießlich für ihn gilt, solche, an deren Schluß zu lesen steht: wer diesen Spruch kennt, der genießt dieses Segens oder jenes. Es sind das die sogenannten » Totenbücher«, denen wir im vierten Kapitel so vieles über die jüngeren Vorstellungen vom Totenreiche entnommen haben. Zu ihnen treten dann am Ende des neuen Reiches noch andere Papyrus, die jenes Amduatbuch enthalten, das man zuerst für die Königsgräber als einen nützlichen Schutz hervorgesucht hatte (S. 110). Übrigens

[ocr errors]

93. Eingeweidekrüge. (Berlin 7193. 7191. 7189. 7188.)

werden alle diese Totenpapyrus ebenso wie die anderen Requisiten der Gräber fabrikmäßig hergestellt; was dabei herauskommt, kann man sich leicht denken. Mit ihren zierlichen und oft kolorierten Bildern sehen diese Handschriften äußerlich sauber und ordentlich aus, aber sie wimmeln von Schreibfehlern und Auslassungen; oft genug sind zu einem Texte falsche Bilder gesetzt oder ein halb schlummernder Schreiber hat gar die Zeilen seiner Vorlage in verkehrter Reihenfolge kopiert. Das hindert freilich nicht, daß man diese Totenbücher, da sie so alte heilige Worte enthalten, in den nächsten Jahrhunderten selbst als etwas heiliges ansieht und dementsprechend behandelt. So wird immer neues in das ägyptische Totenwesen hineingeheimnißt und schon im neuen Reiche sollte man meinen, daß es bald in seinem eigenen Widersinn ersticken müßte. Und doch ist das nicht geschehen und wir werden sehen, wie es noch fast ein Jahrtausend lang sich weiter in seiner Weise entwickeln konnte.

Sechstes Kapitel.

Die Zauberei.

Die Zauberei ist ein wilder Auswuchs der Religion; die Gewalten, die über des Menschen Schicksal schalten, unternimmt sie zu zwingen. Wie der Glaube an die Möglichkeit eines solchen Unterfangens entstehen kann, ist wohl zu ersehen. Ein Gebet scheint das eine Mal von der Gottheit erhört zu sein, das andere Mal nicht; da stellt sich unwillkürlich der Gedanke ein, daß die Worte, in die es das erste Mal gekleidet war, der Gottheit besonders genehm gewesen sind. Nun gilt diese Fassung als die beste, sie wird zur Formel, von der man bald annimmt, daß sie immer wirkt, daß sie das Schicksal zwingt. Und derselbe unrichtige Schluß führt dann weiter zu bestimmten Handlungen und Unterlassungen. Heute ist etwas gelungen, was neulich mißglückt war; offenbar hattest du die Gottheit damals durch etwas gekränkt und heute durch etwas erfreut, und wenn es dir gelingt, dies zu ergründen, so wirst du auch in Zukunft dieses Mißgeschick vermeiden oder dieses Glück hervorrufen können. Und wer dann über diese Dinge grübelt und das Wesen der Götter kennt, der wird auch bald ersehen, was es gewesen sein kann. Wer daher am meisten von den Göttern weiß, der wird auch der beste Zauberer sein, und auch bei den Ägyptern gilt der »oberste Cherheb« (S. 58), der Priester, der die alten heiligen Bücher in- und auswendig kennt, als solcher.

Hat das Denken eines Volkes erst einmal diese Richtung eingeschlagen - und gerade jugendliche naive Völker müssen ihr am ersten verfallen -, so ist kein Halten mehr und neben der edlen Pflanze der Religion wuchert das tolle Unkraut der Zauberei empor. Bei Völkern mit beschränkter Begabung erstickt es sie schließlich ganz und es entsteht jenes Barbarentum, dessen Höchstes der zauberkräftige Fetisch ist und dem der Hexenmeister mit seinem Hokuspokus an die Stelle des Priesters tritt.

Einen solchen Zustand wird man einem jugendlichen Volke wie den alten Ägytern nicht zuschreiben wollen

es wäre das ebenso, als wollte man den Blödsinn eines kindischen Greises der Torheit eines hoffnungsvollen Knaben gleichsetzen. Aber sein reichliches Teil an diesen Verirrungen hat das ägyptische Volk auch gehabt und hat es früh gehabt.

Zwar ist die Grenze da schwer zu ziehen und nicht jeder Gebrauch, der auf Übersinnliches hindeutet, darf schlechtweg als Zauber gelten. Wer dem Toten Speisen beigibt oder ihm Bilder eines wohlversorgten Lebens an die Grabeswände malt, der begeht damit noch keinen Zauber. und wer ihm die Opferformel im Grabe hersagt, der spricht schließlich immer noch ein Gebet, wenn auch ein abgestorbenes und formelhaftes. Sehen wir daher von solchen Fällen, die sich mit dem Kultus der Götter und Toten berühren, ab und lassen wir auch das Totenbuch und seine oben besprochene (S. 147) magische Verwendung beiseite. Es bleibt auch so noch genug.

Mannigfach sind die Formen der Zaubersprüche. Die einfachste und vielleicht ursprünglichste ist die, in der der Magier selbst das Übel anredet, das er bannen will. So lautet einer der uralten Sprüche gegen die Schlangen, die uns in den Pyramiden erhalten sind: Die Schlange fällt, die aus der Erde kommt, die Flamme fällt, die aus dem Meere kommt. Falle!!) Oder der Zauberer stellt den Toten, die spukend Krankheit ins Haus gebracht haben, vor, daß

er ihnen Böses antun könnte; er könnte ihre Gräber zerstören und ihre Opfer fortnehmen.2) Er setzt einer Krankheit auseinander, daß es gefährlich für sie sei, diesen Patienten heimzusuchen, denn bei keinem seiner Körperteile sei es geheuer: die Zunge im Munde ist eine Schlange in ihrer Höhle, der After ist der Abscheu der Götter, die Zähne werden die Krankheit stoßen, der Fuß sie zertreten, und im Munde kann sie verschwinden. 3) Und wo Befehlen, Drohen und Zureden nichts nutzt, da verlegt sich der Zauberer auch auf ein sanfteres Verfahren und sagt der Krankheit, wie viel besser sie es doch daheim in ihrem Harem haben würde als hier bei dem armen Kinde: komm, gehe schlafen und gehe dahin, wo deine schönen Weiber sind, die, in deren Haar Myrrhen getan sind und an deren Achseln frischer Weihrauch gelegt ist.)

In der Regel aber nimmt der Zauberer die Hilfe der Götter in Anspruch. Er betet zu Re, der alles sieht.

W 322.

1) Pyr. Kap. 28

2) Zauberspr. f. M. u. K. S. 33; die richtige Auffassung verdanke ich Hrn. Grasen Schack,

3) ib. S. 19, ff. 4) ib. S. 19.

« ͹˹Թõ
 »