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werden. 1) Am Feste des Osiris ziehen die Weiber umher, singen, von einer Flöte begleitet, Lieder auf den Gott und tragen Bilder desselben umher, deren Phallus sich bewegt. 2) Und bei dem großen Feste von Bubastis strömen 700 000 Menschen überall her in dieser Stadt zusammen: Männer und Weiber fahren zusammen und auf jedem Schiff ist eine große Menge von ihnen. Manche Frauen haben Kastagnetten, die sie spielen, manche Männer spielen die ganze Fahrt hindurch die Flöte und die übrigen Weiber und Männer singen

und klatschen in die Hände. Kommen sie an einer Stadt vorbei, so legen sie das Schiff an; dann treibt ein Teil der Frauen es weiter so, wie ichs eben sagte, andere verhöhnen schreiend die dortigen Frauen, andere tanzen und andere heben sich die Kleider hoch. So machen sie es bei jeder Stadt, die am Flusse liegt. Kommen sie dann nach Bubastis, so feiern sie das Fest mit großen Opfern, und es wird mehr Wein bei diesem Feste verbraucht, als im ganzen übrigen Jahr.3)

Auch durch Opfer nimmt das Volk am Kultus teil, wenn auch unter der Aufsicht der Priester. Einer derselben gewiß der alte We'b (S. 58)

untersucht zuerst

den Opferstier; hat er kein schwar113. Bastet, an ihren Katzen

zes Haar, sind die Schwanzhaare und Körben kenntlich. Affen richtig gewachsen und zeigt die klettern auf ihren Schultern, Zunge nichts absonderliches, so ein anderer blies neben ihr hängt er ein Siegel an sein Horn die Flöte. (Berlin 12424.) und erklärt ihn damit für rein.4)

Das so gezeichnete Tier führt man an den Altar, WO man opfern will, und zündet ein Feuer

Dann sprengt man Wein darauf, ruft den Gott an, schlachtet es und schneidet ihm den Kopf ab. Den Leib des Tieres zieht man ab, den Kopf aber verfluchen sie

und wünschen, daß, wenn ihnen selbst oder Ägypten ein Unheil bevorstehen sollte, dies auf diesen Kopf fallen möge. 5) Daher essen denn auch die Ägypter keine Köpfe; in den Städten, wo Griechen leben, verkaufen sie sie an diese; an anderen Orten wirft man die Köpfe in den Fluß.

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an.

1) ib. 62.

2) ib. 48.

3) ib. 6o.

4) ib. 38.

5) ib. 39.

Schon in dieser Scheu vor den Köpfen der Opfertiere liegt etwas den alten ägyptischen Sitten fremdes, denn gerade Kopf und Schenkel des jungen Stieres waren ja die Stücke, die auf allen Opfertischen der alten Zeit gelegen hatten. Und ebenso war das teilweise Verbrennen des Opfers) gewiß eine Neuerung, die aus der Fremde nach Ägypten gekommen war; dafür spricht auch, daß ein solches Brandopfer in der späteren Sprache einen aus Kanaan entlehnten Namen glil trägt.

Fremdes Beispiel mochte es auch sein, daß das Orakelwesen, das in der damaligen griechischen Welt eine so große Rolle spielte, auch am Nile zur vollen Blüte gebracht hatte. Herodot kennt in Ägypten nicht weniger als sieben Götter die Orakel erteilen, von diesen Stätten der Weissagung gilt die der Buto in der gleichnamigen Stadt als die zuverlässigste.2) Auch durch einzelne merkwürdige Ereignisse tun die Götter zuweilen ihre Absichten kund: auf diese achten die Ägypter sorgsam und schreiben auf, was darauf erfolgt ist.3) Ebenso nehmen sie an, daß das Geschick des einzelnen durch den Tag seiner Geburt feststehe, denn jeder Tag gehöre einem bestimmten Gotte an.+) Sie sind überhaupt in allen Punkten frömmer als die übrigen Menschen,5) von denen sie sich auch schon durch manche ihrer Sitten trennen. So durch die Beschneidung, die sie zuerst und zwar aus Reinlichkeitsgründen eingeführt haben,6) des weiteren durch ihren Abscheu vor den Schweinen,7) der gewiß damit zusammenhängt, daß Set als ein schwarzes Schwein den Horus verwundet hatte,) und endlich und am meisten durch ihre Ehrfurcht vor den Kühen, die sie nie essen oder opfern werden, weil sie damit die kuhhörnige Isis beleidigen würden. Deshalb würde kein Ägypter und keine Ägypterin je einen Griechen küssen oder sein Messer, seinen Bratspieß oder seinen Kessel gebrauchen oder von dem Fleisch eines (sonst) reinen Ochsen essen, das mit einem griechischen Messer geschnitten wäre.9) Noch schärfer als das Volk sondern sich natürlich die Priester ab, die unzählige Gebräuche zu beobachten haben. Sie ererben ihre Ämter von ihren Vätern 10) und erhalten täglich einen reichlichen Unterhalt von Brot, Rindfleisch, Gänsen und Wein, aber Fische sind ihnen verboten und Bohnen dürfen sie nicht einmal sehen.II) Zweimal in der Nacht und zweimal am Tage müssen sie sich waschen, täglich müssen sie den Kopf scheren und jeden dritten Tag den ganzen Leib. Nach alter Sitte tragen sie Sandalen aus Papyrusschilf und leinene Kleider denn wollene sind den Göttern ein Greuel.)

1) ib. 40.

3) ib. 82.

2) 83. 133. 155. 4) ib. 82; vgl. oben S. 163. 7) ib. 47. 8) Totb. Kap. 112.

5) ib. 37

6) ib. 36. 37 9) ib. 41. 10) ib. 37. 1) ib. 37. 1) ib. 81.

Wer diese Schilderung des griechischen Reisenden heute liest, der sieht, daß er Ägypten zwar den Respekt entgegenbrachte, den eine uralte Kultur beanspruchen muß, aber er

sah das fromme Volk doch nicht viel anders an, als wir heute etwa die Chinesen oder Inder. Die Ägypter waren ihm ein Rest aus einer vergangenen Epoche der Menschheit; sie sahen in hochmütiger Beschränktheit auf die anderen Völker herab, die unrein waren und den Göttern nicht so nahe standen wie sie. An dem neuen Leben, das in diesen Jahrhunderten in der Welt aufblühte, konnten und wollten sie keinen Anteil mehr nehmen, wohl aber wollten sie ihr Leben so wie bisher fortsetzen, im Dienste und unter dem Schutze ihrer Götter. Ward ihnen das gewährt, so lag ihnen an allem andern nicht viel.

Daher haben denn auch alle Regierungen, die sich seit dem Sturze des Saitenhauses in Ägypten gefolgt sind, darnach gestrebt, mit den Priestern, als den eigentlichen Vertretern des Ägypter

tumes, auf bestem Fuße zu 114. Hare, Priester zu Heliopolis

stehen. Selbst Kambyses, unter der Perserherrschaft.

dessen Raserei zuerst die (Berlin 7737.)

Ägypter so tief beleidigt hatte

(hatte er doch sogar den Apis höhnend getötet), hat sich dieser Rücksicht auf die Geistlichkeit nicht ganz entziehen können; freilich besaß diese auch an dem Leibarzte Uzahorresnet einen besonders geschickten Vertreter in seiner Umgebung. Der hatte ihn wenigstens für Sais zu interessieren gewußt; er hatte seiner Majestät gezeigt,

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wie groß Sais ist .... und wie groß der Tempel der Neith ist und hatte ihn alle Heiligtümer von Sais kennen gelehrt. So brachte er es dahin, daß der Perserkönig in Sais selbst in den Neithtempel einging und sich vor seiner Herrin niederwarf, so wie es jeder König getan hat; er brachte auch ein großes Opfer an allem Guten der großen Neith, der Gottesmutter, und den großen Göttern von Sais, so wie es jeder treffliche König getan hatte. Und als Uzahorresnet dem Kambyses vorstellte, daß auf dem Grund und Boden des Tempels allerlei Fremde wohnten, deren Anwesenheit dem frommen Ägypter ein Greuel sein mochte, da tat der Perserkönig, was die einheimischen Könige nicht getan hatten; er befahl die Häuser der Fremden abzubrechen und zwang sie, sich außerhalb der Ringmauer des Tempelbezirkes anzusiedeln.

Auch unter Darius setzte der Leibarzt seine Vermittlerrolle fort; er überzeugte ihn als Arzt, wie trefflich diese Kunst der ägyptischen Medizin sei, um jeden Leidenden am Leben zu erhalten; der König sandte ihn nach Ägypten, damit er in Sais, der alten Stätte der priesterlichen Heilkunst, das Lebenshaus, das heißt die Priesterschule, wieder emporbringe. Das tat er und stattete die Schule mit all den Büchern und Geräten aus, die sie nach den alten Schriften einst besessen hatte. So förderte Uzahorresnet mitten in dem sehr großen Unglück, das im ganzen Lande eingetreten war, doch noch die Interessen des Ägyptertumes und wenn er es verstand, dabei auch seinen Verwandten Priesterämter zu verschaffen und sie mit Grundbesitz durch die Gunst der Perserkönige zu bereichern, so werden ihm seine Landsleute dies gern verziehen haben.")

Vollends die ägyptischen Gegenkönige der Perserzeit werden alles getan haben, was ihnen die Hilfe der Geistlichkeit sichern konnte. Die Frömmigkeit der beiden Herrscher des vierten Jahrhunderts, die wir mit den Griechen Nektanebus nennen, tritt uns denn auch an allen Stätten Ägyptens entgegen. Wie wenig gesichert auch ihre politische Lage war die Perser haben sie ja auch wirklich überwältigt – an den Tempeln ist unter ihnen gebaut worden, als wäre das alte Pharaonenreich der Amenophis und Ramses wieder auferstanden. Das härteste und kostbarste Material ward bei diesen Bauten verwendet und einen Tempel ganz aus dem roten Granit von Assuan zu erbauen, wie das der erste Nektanebus in seiner Heimatstadt Behbet unternommen hat, das war eine Übertreibung, wie sie selbst in der Baugeschichte Ägyptens zu den Seltenheiten gehörte.

1) Statue im Vatikan; für den Schluß vergl. Schäfer, Ägypt. Ztschr. 37, 72.

Auch in den Inschriften dieser Könige erkennt man das gleiche Bemühen der Priesterschaft gefällig zu sein. In Abydos haben die Gläubigen Anstoß daran genommen, daß man in den Bergen, die die heilige Stadt umrahmen, zu irgend welchen Bauten Steine bricht. Auf ihre Beschwerde erläßt der erste Nektanebus im Jahre 378 ein Dekret, das bei Strafe des Gliederabschneidens jede weitere Beschädigung des Berges verbietet.1) Und als der zweite Nektanebus im Jahre 361 den Thron besteigt, da zeigt er sogleich, wie sehr er die Götter seines Landes liebt und wie verhaßt ihm die Fremden sind. Sein Vorgänger hatte in der Not eine zehnprozentige Steuer auf alle Einfuhr und alle Fabrikation gelegt und auch Nektanebus ist nicht in der Lage, darauf zu verzichten. Aber zwei beträchtliche Teile davon überweist er der Neith zu ihren Opfern: die Steuer, die der Import vom griechischen Meer bringt und die, die von den Handwerkern der Griechenstadt Naukratis einkommt.2) Wenn es für einen Pharao des vierten Jahrhunderts nicht möglich ist, dieser gewandten, geschäftigen und kunstfertigen Fremden zu entraten, wenn er es nicht hindern kann, daß sie auf dem heiligen Boden Ägyptens wohnen, so sollen sie doch wenigstens den Göttern dafür Strafe zahlen. Welchen Haß gegen alles Fremde setzt diese Maßregel bei den frommen Ägyptern voraus. Aber es war ein greisenhafter, ohnmächtiger Haß, der bald ersterben sollte. Noch wenige Jahrzehnte und dieselben Priester beugten sich in Demut vor den griechischen Herren des Landes.

1) Berlin 14399.

2) Äg. Ztschr. 38, 133.

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