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Gräber, das den Toten allein oder mit seiner Frau beim Mahle zeigt. Es ist schwerlich ein Zufall, daß wir in den alten Grabreliefs Nordsyriens, die gewiß bis in das zweite Jahrtausend hinaufreichen, die gleiche Darstellung finden, und ebenso kehrt das Bild des schmausenden Toten auf den ältesten griechischen Grabreliefs wieder. Auch die Sitte, die Leiche in einem Sarge beizusetzen oder sie gar durch doppelte Särge zu sichern, hat nur bei einem Volke einen Sinn, das es vor allem für notwendig hält, den Leib der Toten zu bewahren; auch dieser Brauch wird demnach da, wo er sich in Europa findet, aus Ägypten nach dem Norden verpflanzt sein. Wie hätte auch all das Große, das die Ägypter für ihre Toten ausführten, ohne Eindruck und ohne Wirkung auf die anderen Völker bleiben sollen, die mit ihnen in Verkehr standen? Freilich bleibt es zweifelhaft, ob hier je mehr vorlag als ein äußer

liches Annehmen einer fremden Sitte. Es wäre wohl möglich, daß die Völker des Nordens ihre 123. Grabstein einer syrischen Königin Grabsteine und ihre

aus Sendschirli. (Berlin.) Särge nach ägyptischer Sitte gestaltet hätten, ohne doch dabei von dem Reiche des Osiris etwas zu wissen. Erst recht gilt dieser Zweifel bei all dem Ägyptischartigen, das sich in Etrurien, in Nordafrika oder gar in Vorderasien findet; wenn man das ägyptische Lebenszeichen, den schakalköpfigen Gott, die geflügelte Sonne oder die Götterkronen auf Denkmälern verwendete, so brauchte man sich doch nicht mehr dabei zu denken, als daß das Zeichen der frommen Ägypter seien, Dinge, die gewiß auch den eigenen Göttern wohl gefallen würden.

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Auf festeren Boden gelangen wir erst in Palästina und Phönizien, denn dort hat, wie wir sicher wissen, bis zum Ende des neuen Reiches an einzelnen Stellen ein ägyptischer Kultus bestanden. Die Pharaonen haben dort dem Amon Tempel erbaut und eine Zeitlang hat das Ägyptertum dort alles beherrscht; auf die Siegelsteine setzte man ägyptische Götter und sogar die Gräber hat man damals nach ägyptischer Art bemalt. I) Aber die fremde Religion hat bei diesen Völkern wohl nie wirklich die Herrschaft erlangt über den einheimischen Glauben und über das, was ihnen vordem aus Babylon zugekommen war. Selbst nicht in der Hafenstadt Byblos, die von uralter Zeit her in besonders engen Beziehungen zu Ägypten stand. Schon um 1100 v. Chr., als der thebanische Tempelbeamte Wenamun nach Byblos reiste, um Holz zu einer neuen Tempelbarke zu holen, machte es dort wenig Eindruck, daß er als Bote des Amon und mit einem Götterbilde desselben kam. Vergebens berief er sich darauf, daß Vater und Großvater des Fürsten von Byblos in Amon ihren Herrn gesehen hätten und daß sie ihr Leben zubrachten, ihm zu opfern und daß auch der Fürst selbst ein Diener des Amon sei. Der Fürst erkannte das alles zwar ohne weiteres an und gab auch zu, daß von Ägypten aus die Künste und die Lehre nach Phönizien gekommen seien, aber es rührte ihn nicht mehr und da Amon kein Geld mitgeschickt hatte, so galt ihm der Wille des Gottes nichts.2) Äußerlich ist freilich noch manches lange in Phönizien zurückgeblieben, was aus der ägyptischen Religion stammte und noch um 400 v. Chr. stellen die Leute von Byblos ihre alte Stadtgöttin 3) als eine Hathor dar.

Auch in den Oasen der Sahara wird die ägyptische Religion im neuen Reiche zur Herrschaft gelangt sein, denn der Gott dieser Epoche, der Amon, ist der Hauptgott ihrer Tempel. Und während Amon in Ägypten selbst allmählich in den Hintergrund tritt, hielten die Libyer der Oasen treu an ihm fest und seit dem fünften Jahrhundert blüht hier sein Kultus sogar in merkwürdiger Weise wieder auf. Unter den Perserkönigen beginnt man in Charge den Bau eines großen Tempels und auch die Tempelbauten der anderen Oasen entstammen der spätesten Zeit. Da aber die Bevölkerung dieser Oasen schwerlich reich genug war, um solche Bauten aus eigenen Mitteln zu errichten, so müssen wir annehmen, daß ihnen das Geld dazu

1) Ein Bruchstück eines solchen Grabbildes in der Sammlung Kennard in London.

2) Äg. Ztschr. 38, 1. 3) Den Ägyptern schon im mR bekannt; vgl. Louvre C 43.

von Ägypten aus zukam; man möchte vermuten, daß diese in der Wüste geheimnisvoll verborgenen Tempel den Ägyptern als besonders heilig galten und daß sie daher ihren Nutzen aus dem Orakelglauben der Spätzeit gezogen haben. Sicher ist dies bei derjenigen Oase so gewesen, die am weitesten von Ägypten abliegt, der Oase des Jupiter Ammon,

Byblos.

124. König Jehawmelek von Byblos vor der Göttin von

die heute Siwa heißt. Das dortige Orakel des Amon hatte in den griechischen Kolonisten der Cyrenaika, die ja nur wenige Tagereisen von ihm entfernt lebten, ein dankbares Publikum, das seinen Ruf in der Welt des Mittelmeeres verbreitete. Von Kleinasien, Griechenland, Karthago aus erholte man sich Rat bei ihm. Und ein besonderer Glücksfall sollte diesen Ruhm noch weiter steigern. Als Alexander im Jahre 332 nach Ägypten kam, lockte es ihn, diese Stätte zu sehen und er unternahm jenen Zug in die Wüste, der den Griechen einen so großen Eindruck gemacht hat. Als ihn der Hohepriester dort, der ägyptischen Sitte entsprechend, als den Sohn des Gottes begrüßte, gefiel es dem Könige, darin mehr zu sehen, als eine herkömmliche Phrase; es war ihm ein Ausspruch des Gottes, der ihm damit die Weltherrschaft verlieh. Von dieser Zeit an gehört das Orakel des Jupiter Amon zu den großen

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125. Der kleinere Felsentempel von Abusimbel; zu beiden Seiten

des Tores die Statuen Ramses' II. und seiner Gemahlin.

Wundern des Altertums und seine Tempel und seine Sonnenquelle werden berühmte Sehenswürdigkeiten. Wenn der Amon dabei für die Griechen immer mehr zum Zeus wurde,

schon die alten Münzen von Kyrene stellen ihn so dar so bewahrten die Einheimischen selbst doch die ägyptische Überlieferung; das Bild des Amon erteilte seine Entscheidung genau wie in Theben, die Tempel waren ägyptische Tempel mit hieroglyphischen Inschriften und Bildern, und in ihre Gräber malten die Ammonier die Bilder und Texte des Totenbuches.

Aber weitaus den dankbarsten Boden und die reichste Entfaltung hat die ägyptische Religion in dem Lande gefunden, in dem sie einst Stämmen von niedrigster Kultur und geringster Begabung aufgezwungen war, in den Ländern der Nubier und Neger.

Als die Könige des mittleren Reichs Nubien eroberten, beließen sie ihm seinen Gott, den Dedwen, und gesellten diesem den ägyptischen Kataraktengott Chnum bei. Im neuen Reiche, wo die Eroberung noch um vieles weiter nach Süden ausgedehnt und Nubien als ein Vizekönigtum organisiert wurde, wurde dann auch sein Kultus ägyptisiert. Die großen Reichsgötter Amon, Ptah und Re Har-achte zogen mit Isis und Hathor in das Land ein und neben diesen gab man den Nubiern ihre ägyptischen Herrscher selbst zu Landesgöttern. In

Semne mußten sie den ersten Unterwerfer ihres Landes, Sesostris III. und ihren neuen Unterwerfer Thutmosis III. verehren; in Soleb setzte sich Amenophis III. zum Gotte ein; in Abusimbel thronte der zweite Ramses neben den Göttern im Allerheiligsten des großen Tempels, während ebenda im kleinen Tempel seine Gattin mit der Hathor verehrt wurde.

Großartig führte der Staat den Nubiern die Herrlichkeit seiner Götter vor Augen. In diesem menschenarmen, dürftigen Lande errichtete er Tempel, die mit den gefeierten Wunderwerken der ägyptischen Städte sich messen konnten. Und da das enge Tal nicht einmal rechten Raum für sie bot, so höhlte man die Felsen aus und schuf so die wunderbaren Grottentempel von Abusimbel, Gerf Husen oder Derr. Ganz im Süden aber, etwa da, wo heute die Sudanbahn aus der Wüste wieder in das Niltal tritt, gründete man bei der Stadt Napata, am reinen Berge, ein Heiligtum, das denselben Namen Throne der beiden Länder empfing, den der große Tempel von Karnak trug; offenbar sollte es das südliche Seitenstück zu diesem werden, der Reichstempel Nubiens. Daß auch die Priesterschaft dieser Tempel eine entsprechende Ausstattung an Äckern und Einkünften erhielt, versteht sich von selbst, wie wenig auch eine solche Verleihung zu der Armut des Landes passen mochte.

Es ist begreiflich, daß diese großartige Entfaltung der ägyptischen Religion auf die beschränkten Bewohner der Südländer einen dauernden Eindruck gemacht hat. Als nach dem Ausgang des neuen Reiches das Band zerschnitten wurde, daß sie mit Ägypten verknüpft hatte, mußte zwar die ägyptische Sprache bald wieder der einheimischen den Platz räumen; die ägyptische Religion aber blieb und sie gewann unter den Negern und Nubiern eine größere Macht als sie je in ihrem eigenen Lande besessen hatte. Unter diesen Barbaren verwirklichte sich im Großen jenes Gottesreich, das die thebanischen Priester in ihrer eigenen

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