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sind ihm Isis und Nephthys und deuten hier auf Geburt und Tod. Schüttelt man aber das Sistrum, so zeigt man damit an, daß alles Seiende in ständiger Bewegung sein muß.)

Wäre der Isisglaube wirklich nichts gewesen als solch ein verworrenes Grübeln, so würde er nie eine Macht geworden sein. Aber so legte ihn sich gewiß nur die kleine Minderzahl zurecht, der es ein Bedürfnis war, zwischen ihrem religiösen Empfinden und ihren philosophischen Anschauungen zu vermitteln. Was einfachere Gemüter von der Isis dachten, zeigen uns zwei Inschriften den griechischen Inseln; beide haben den gleichen Inhalt, nur daß die eine breit in homerische Verse umsetzt, was die andere so in Prosa sagt: Ich bin Isis, die Herrscherin des ganzen Landes; ich bin von Hermes unterrichtet worden und habe zusammen mit Hermes die Volksschrift erfunden, damit nicht alles mit denselben Buchstaben geschrieben würde. Ich gab den Menschen die Gesetze und verfügte was niemand abändern kann. Ich bin die älteste Tochter des Kronos. Ich bin die Frau und Schwester des Königs Osiris. Ich bin es, die im Hundssterne aufgeht. Ich bin es, die von den Weibern Göttin genannt wird. Mir ward die Stadt Bubastis erbaut. Ich bin es, die den Himmel von der Erde getrennt hat. Ich habe den Sternen den Weg gewiesen. Ich habe die Seefahrt erfunden. ... Ich habe Weib und Mann zusammengeführt. ... Ich habe verfügt, daß die Eltern von den Kindern geliebt werden. Ich machte mit meinem Bruder Osiris dem Menschenfressen ein Ende. Ich habe den Menschen die Mysterien gezeigt. Ich habe die bilder zu ehren gelehrt. Ich habe die Tempelbezirke der Götter festgestellt. Ich habe die Regierungen der Tyrannen zerstört. Ich habe die Männer gezwungen, die Weiber zu lieben. Ich habe die Gerechtigkeit stärker gemacht als Gold und Silber. Ich habe verfügt, daß man das Wahre für schön hält. ...?) Ganz ähnlich sollte eine Inschrift lauten, die angeblich in Nysa in Arabien auf einem Grabe der Isis stand und auf einem Grabe des Osiris sollte ebenda zu lesen sein: Mein Vater ist Kronos, der jüngste aller Götter und ich bin der König Osiris, der über die ganze Erde hin Krieg geführt hat, bis hin zu den unbewohnten Stätten der Inder und zu den Gegenden des Nordens, bis zu den Quellen der Donau und wieder bis zu dem Ozean. Ich bin der älteste Sohn des Kronos und als ein Keim aus einem schönen, edlen Ei ... ward ich geboren. Es gibt keinen Ort in der Welt, wohin ich nicht gekommen wäre und allen gab ich, was ich gefunden hatte.3) Alles was

von diesen Göttern dachte, faßt dann

man

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ein kleines Lied zusammen, das uns eine Inschrift zu Cius in Bithynien erhalten hat:1)

Dich aller Himmlischen König, ich grüße dich, ew'ger Anubis und deinen Vater Osiris, den heiligen goldenbekränzten, er ist Zeus der Kronide, er ist der gewaltige Amon, , der Unsterblichen König, und hochgeehrt als Serapis. Dich auch selige Göttin und Mutter, vielnamige Isis, die der Himmel gebar auf den flimmernden Wellen des Meeres, und die das Dunkel erzog als das Licht für alle die Menschen, die als Alteste du das Szepter führst im Olympus, und als göttliche Herrin die Erde, regierst und die Meere, die du alles erblickst viel Gutes gabst du den Menschen.

Man sieht wie die ägyptische Religion sich hier vereinfacht hat; von allen Göttern sind außer der Isis eigentlich nur zwei übrig geblieben, Osiris Serapis, der zugleich der Amon ist, und Horus, der zugleich Anubis ist. Isis ist die Ordnerin der Natur und sie ist es gewesen, die den Menschen zum Menschen gesellt hat. Neben ihr tritt auch Osiris zurück; trotz der Eroberungen, die ihm seine europäischen Freunde zuschreiben, ist er eigentlich nur der verstorbene Gatte, um den Isis trauert. Bei allen aber hat der menschliche Zug, den diese Götter schon in alter Zeit gehabt haben, sich noch gesteigert, so sehr, daß die Nichtgläubigen sich über den Menschen Osiris aufhielten.2)

Zu der Ehrfurcht, die man der Isis für ihre Wohltaten an der Menschheit zollte, trat dann noch der Dank, den der einzelne ihr schuldete. Vor allem half sie als Hafengöttin von Alexandrien den Seefahrern und wer glücklich den Stürmen entkommen war, der ließ ein Weihebild für ihren Tempel malen und so nährt Isis die Maler.3) Wenn der Geliebte verreisen will, so verehrt das Mädchen doppelt eifrig die Isis, sie schüttelt ihr das Sistrum und reinigt sich für sie und schläft allein; wenn er glücklich heimkehrt, so will sie auch im Leinengewand mit aufgelöstem Haar unter der Menge vor dem Tempel sitzen und zweimal täglich das Lob der Göttin singen.4) Aber Isis straft auch die Sünder; wer Geld unterschlagen hat, der fürchtet, daß sie ihm init dem zornigen Sistrum aufs Auge schlagen werde, daß er erblinde.5) Die Dame aber, die an den heiligen Tagen, die man beobachten muß, die Keuschheit nicht gewahrt hat, fühlt sich beängstigt, denn im Tempel sah es ihr aus, als habe die silberne Schlange den Kopf bewegt; doch der Priester tröstet sie, denn es steht zu hoffen, daß Osiris ihr verzeihen wird, wenn sie ihm eine Gans schenken will und einen

1) CIG 3724.

2) Lucan. Pharsal. VIII, 832.
3) Juvenal 12, 28.
4) Tibull I, 3, 23.

5) Juvenal 13, 92.

Kuchen.) Aber nicht immer konnte man die ägyptischen Götter so billig erfreuen, und die Weihinschriften melden von reelleren Gaben aus Edelmetall, von Schlangen mit Edelsteinen, silbernen Sistren und Schalen; eine spanische Dame weiht der Isis neben einer Schlange mit vielen Edelsteinen und neben anderem Schmuck mehr

als siebzig Pfund Silbergerät.2)

Noch wohlgefälliger war es natürlich der Göttin, wenn ein frommer Mann ihren Tempel neu errichtete. So hat in Malcesine am Gardasee ein G. Menatius ihren Tempel hergestellt und eigenen Mitteln einen Vorbau da

errichtet. 3) Zu Benevent aber hat ein Lucilius

einen herrlichen

Palast gebaut für die große Isis, die Herrin von Benevent, und ihre Mitgötter und hat ihr davor zwei Obelisken aus rotem Granit errichtet, die noch erhalten sind und die uns dieses Ereignis in einer hieroglyphischen Inschrift berichten. Dafür geben ihm

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160. Serapeum, in der Mitte sieht man das Bild des Gottes. Links im Hof die Statue

eines Apis. (Berlin 16777.)

aus

vor

1) Juvenal 6, 526 ff.

2) CIL. II, 3386.

3) CIL, V, I, 4007.

die Götter ein langes Leben in Freude und da er zugleich seine Weihung getan hatte, um damit die glückliche Heimkehr

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Domitians zu feiern, der aus dem Lande und aus den unterworfenen Fremdländern zurückkehrte zu seiner Residenz, der Landeserobrerin Rom, so wird ihm auch der Kaiser seine Stiftung wohl vergolten haben.:) Um so mehr als Domitian selbst ein Freund der Isis und des Serapis war, denen er in Rom ihre Tempel neu erbaute. In Pompeji, 2) wo der Isistempel im Jahre 63 n. Chr. vom Erdbeben zerstört war, hatte die Familie der Popidier ihn aufgebaut und zwar im Namen eines sechsjährigen Knaben, des N. Popidius Celsinus; und auch diesmal trat noch ein weltlicher Vorteil zu dem religiösen Verdienste hinzu, denn der Gemeinderat mußte den kleinen Stifter zum Danke in seine Mitte aufnehmen.

Wie dieser Tempel Pompejis zeigt, hatte ein solches Heiligtum der Isis kaum noch etwas mit denen Ägyptens gemein; seine Vorbilder mochten die Tempel Alexandriens sein. In einem Hofe, der von einem Säulengange umgeben war, erhob sich der eigentliche Tempel, zu dem eine Treppe hinaufführte; er bestand aus einem Vorbau, den sechs Säulen trugen, und aus einer Kammer, die das Allerheiligste war. Ein kleineres Gebäude stand in einer Ecke des Hofes und neben ihm befand sich ein großer Altar. Auf zwei Seiten war der Hof dann noch von Räumen umgeben, die als Wohnungen der Priester, als Magazine und ähnliches dienten. Auch in der Ausschmückung dieses Heiligtumes und seiner Nebenräume war Ägyptisches und Griechisches, Heiliges und Profanes untereinander gemischt. Neben Isis, Osiris, Harpokrates, Anubis, den heiligen Tieren und den Priestern erblickt man auch Dionysos und Narciss, und Chiron mit Achilles und die schöne Geschichte von Ares und Aphrodite. Zwei Bilder, die die Geschichte der Io darstellen, nehmen eine Mittelstellung ein, denn in dieser armen Geliebten des Zeus, die kuhgestaltig nach Ägypten floh, hatte man längst die kuhgestaltige Göttin der Ägypter erkannt und ließ sie in komischer Verwechselung sogar den Apis gebären. Die Landschaftsbilder zeigen ägyptische Gegenden mit Kapellen und Sphinxen oder auch Seebilder mit Schiffen, als deren Patronin ja die Isis galt. Unter den Marmorstatuen des Tempels finden wir neben Isis auch Dionysos, Aphrodite und Priap. Bei fünf anderen Statuen waren nur Gesicht, Hände und Füße aus Stein, während der Körper aus Holz bestand; das waren offenbar die Bilder, die mit Leinen bekleidet bei der Feier umhergetragen wurden. Das größte von ihnen trug goldene Ohrringe und hielt ein Sistrum in der Hand.

Während das, was man selbst an den Tempeln baute und malte, halb oder ganz griechisch aussah, legte man

1) Äg. Ztschr. 34, 149 ff.

2) Für das Folgende vgl. Lafaye, Hist. du culte des dieux d'Alexandrie S. 173 ff.

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