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dem Befehl der Götter leben sollen.) Und diese Stätte lag am Himmel.

Allnächtlich sah der Ägypter über sich die Sterne wandeln in jener ungetrübten Pracht, die der glückliche Himmel seines Landes zeigt. Er kannte einzelne unter ihnen, die besonders auffielen, den Hundsstern, den Orion, den Morgenstern und dachte wohl, daß dies Götter sein möchten, die gleich dem Sonnengotte die Erde verlassen hätten. Wer aber war die unendliche Zahl namenloser Sterne, die jene wenigen umgab? Ohne Zweifel waren das Tote, glückliche Seelen, die ihren Weg zum Himmel gefunden hatten und nun dort im ewigen Glanze mit den Göttern wandelten. Der große Gott, der Herr des Himmels (d. h. der Sonnengott) hatte ihnen die Hand gereicht oder die Himmelsgöttin hatte sie zu sich genommen und sie unter die unvergänglichen Sterne ihres Leibes eingereiht. Nun zeigt sich uns der Verstorbene vielleicht als jener einzelne Stern, der an der Ostseite des Himmels aufsteigt,2) der zusammen mit dem Orion und der Sothis (dem Hundsstern) über den Himmel wandelt.3)

Lebhaft ist dann die Phantasie des Volkes beschäftigt gewesen, diese Vorstellung von der himmlischen Existenz der Toten auszugestalten; wie bunt und widersprechend das Bild war, das so entstand, soll im folgenden an der Hand der ältesten Pyramidentexte geschildert werden.

Als ein Vogel Aliegt der Tote zum Himmel empor: er geht zum Himmel wie die Falken und seine Federn sind wie die der Gänse,4) er stürmt zum Himmel wie der Kranich, er küßt den Himmel wie der Falke, er springt zum Himmel wie die Heuschrecke.5) So fliegt er von euch fort, ihr Menschen; er ist nicht mehr auf Erden, er ist am Himmel,6) bei seinen Brüdern den Göttern, wo ihm die Himmelsgöttin ihr Hände reicht. Aufsteigt er zum Himmel zu dir, o Re, mit einem Falkenkopf und Gänseflügeln ... er bewegt die Arme als Gans und schlägt die Flügel als Vogel. Es fliegt wer da fliegt, ihr Menschen, und dieser fliegt von euch fort.7) Am Himmel aber setzt ihn dessen Göttin, die Nut, hin als einen unvergänglichen Stern, der an ihr ist;8) sie ist es, die sein Leben macht, sie ist es, die ihn gebiert. de Nacht vird er erzeugt, in der Nacht wird er geboren; er gehört zu denen hinter dem Re, zu denen vor dem Morgenstern.9) Er fährt zu der Ostseite des

= P 99.

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P 173

1) Pyr. 225 P 99. 2) ib. 243 = P 157. 3) ib. 225
4) ib. 251

5) ib. 248 = M 328.
6) ib. 248 = P 164. 7) ib. 91 W 570 ff.
8) ib. 215

P 63. 9) ib. 7 W 197 ff.

Himmels, zu dem Ort, wo die Götter geboren werden und wo er mit ihnen geboren wird, erneut, verjüngt.1)

Wohl begegnet er allerlei Göttern und Sternen, die seinen Weg hindern könnten, aber keiner vermag ihn aufzuhalten: es gibt keinen Gott, der ihn festhiclte, es gibt keinen Widersacher, der sich ihm auf seinem Wege widersetzte.2) » Wohin geht er denn?« fragt ein großer Stier, der ihn mit seinem Horne bedroht. Aber die Antwort lautet: »Er geht zum Himmel voll Lebenskraft, daß er seinen Vater schaue, daß er den Re schaue«, und das schreckliche Wesen läßt ihn vorbeigehen.3) Und der Sonnengott nimmt sich des neuen Himmelsbewohners freundlich an; ich gebe dir, sagt er zu ihm, deine Sprache und deinen Leib und du empfängst die Gestalt eines Gottes;4) er läßt seinen Leib leuchten wie den der Himmlischen 5). Er nimmt ihn als Ruderer in sein eigenes Schiff) oder gewährt ihm einen Platz am Vorderteile und die Steuerleute, die den Re fahren, die fahren auch ihn.7) Oder er macht ihn gar zum Befehlshaber seiner Ruderer;8) ja er setzt seinen eigenen himmlischen Schreiber ab und setzt den Toten an seine Stelle,9) so daß er richtet und Schiedsrichter ist und Befehle gibt einem, der größer ist als er:10). So fährt er als Genosse des Sonnengottes über den Himmel und jeder Gott freut sich, wenn er sich naht.11) Auch Thoth, der Mondgott, nimmt sich in gleicher Weise des Toten an, er nimmt ihn des Nachts in sein Schiff auf und so durchkreist er den Himmel wie Re und durchkreist den Himmel wie Thoth. 12)

Die überschwengliche Auffassung von der Macht des verklärten Toten im Himmel, die sich schon in manchen der angeführten Stellen findet, tritt uns dann in anderen dieser Sprüche noch weit schärfer entgegen. Der Tote heißt schlechtweg ein Gott; er ist Thoth, der stärkste der Götter, 13) oder er ist Weneg (d. h. Schu), der Sohn des Re, der den Himmel trägt, die Erde leitet, die Götter richtet.14) Wohl denen, die ihn sehen, wie er gekrönt ist mit dem Kopfschmuck des Re, mit seinem Schurze an wie Hathor.15) Er geht zum Himmel und findet den Re dort stehen; er setzt sich an seine Seite und Re läßt nicht zu, daß er sich zu Boden werfe, denn er weiß ja, daß er größer ist als er. 16) Er weiß, daß dieser unvergängliche Verklärte sein Sohn ist und sendet göttliche Boten aus, um den Himmelsbewohnern zu melden,

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1) ib. 56 = P 171. 2) ib. 297 = P 454.

3) ib. 251
4) ib. 206 = P 18. 5) Sonnenlitanei bei Mar. Ab. II 14.
6) Pyr. 248 P 163. 7) ib. 193

8) ib. 252
9) ib. 257
= P 186. 10) ib. 193

11) ib. 252
13) ib. 297

T 340.
T 342.
: P 454:
P 90.

N 948. - P 175. - P 185.

14) ib. 257 15) ib. 124 = T 42. 16) ib. 222

12) ib. 6

W 195.

daß ein neuer Herrscher für sie erschienen sei: Set und Nephthys eilet! verkündet den südlichen Göttern und ihren Verklärten: »Er kommt, ein vernichtung sloser Verklärter! Wenn er will, daß ihr sterbt, so sterbt ihr; wenn er will, daß ihr lebt, so lebt ihr«. Ebenso müssen Osiris und Isis sich nach Norden, Thoth nach Westen und Horus sich nach Osten begeben. Dann heißt es: O Re Atum, dein Sohn kommt zu di er kommt zu dir; du läßt ihn bei dir wohnen, du schließt ihn in deine Arme, ihn deinen leiblichen Sohn ewiglich.1)

Voll Schreck fahren die Götter aus dem Schlafe auf, vor dem großen Vogel, der aus dem Nil kommt, dem Schakalsgott, der aus den Tamarisken kommt,2) denn plötzlich wie der Vogel aus dem Wasser aufflattert und wie der Schakal aus dem Busch hervorhuscht, ist der Tote in ihrer Mitte erschienen.

Am weitesten treibt diese Überschwänglichkeit der folgende Text, 3) dessen wilde Phantasie den Verstorbenen als einen Jäger schildert, der die Sterne des Himmels fängt und die Götter und Verklärten auffrißt: Der Himmel regnet, die Sterne kämpfen, die Bogenträger irren umher und die Knochen des Akeru4) zittern . wenn sie ihn gesehen haben, wie er aufgeht und eine Seele hat als Gott, der von seinen Vätern lebt und von seinen Müttern ißt. .

Seine Herrlichkeit ist am Himmel, seine Kraft ist im Horizont, wie die des Atum seines Vaters, der ihn erzeugte; er erzeugte ihn als einen der stärker ist als er selbst. . Er ist es, der Menschen ist und von Göttern lebt. Der Scheitelfasser und der Emi-kehuu sind es, die sie für ihn fangen; der Prachtkopf hütet sie für ihn und treibt sie ihm zu, der Heri-Terut fesselt sie ihm, der Läufer mit allen Messern sticht sie ihm ab und nimmt ihren Bauch aus, . . der Schesmu zerlegt sie ihm und kocht davon in seinen Abendkesseln. Er ist es, der ihren Zauber ißt und ihre Verklärten verschluckt. Die Großen von ihnen sind seine Morgenspeise, die Mittleren sind sein Abendbrot und die Kleinen von ihnen sind sein Nachtmahl. Die Greise und Greisinnen von ihnen kommen in seinen Ofen. Der Große im Himmel wirft Feuer an die Kessel, die die Schenkel ihrer Ältesten enthalten. Die Himmelsbewohner sind sein eigen und was er schießt, sind Kessel mit den Beinen ihrer Weiber. Und diese scheußliche Kost bringt ihm Nutzen, denn er verzehrt ihre satten Gedärme und genießt damit Sättigung; er ißt ihre Herzen und ihre Kronen und gewinnt damit deren Kräfte, so daß ihr Zauber

1) Pyr. 13 W 222 ff. 2) ib. 6 = W 187. 3) ib. 63a = W 496 ff.

4) Die Bogenträger, der Akeru und all die anderen im Folgenden genannten Wesen sind wohl Sternbilder.

in seinem Leibe ist; er verschluckt den Verstand jedes Gottes Anschauungen, die ja auch sonst bei Kannibalen sich finden.

Natürlich bilden aber derartige Phantasien nur die Ausnahme und selbst der Glaube, daß der Tote im Sonnenschiffe den Re begleite, kann, so häufig er auch vorkommt, schwerlich als der eigentlich volkstümliche gelten. Nach diesem haben vielmehr die Verklärten einen festen Wohnort auf der Ostseite des Himmels auf seinem nördlichen Teile unter den Unvergänglichen 1) oder bei den Verklärten, den Unvergänglichen, die im Norden des Himmels sind 2) oder im Osten des Himmels. 3) Vielleicht dachte man an die im Nordosten gelegene Stelle der Circumpolarsterne, die ja wirklich als »Unvergängliche« gelten können, da sie nie gleich den anderen vom Himmel verschwinden.4)

Diesen Wohnort der Seligen malte sich das Volk dann weiter aus als eine Reihe von Inseln, die von allerhand Gewässern umschlossen werden; es liegt he, zu denken, daß der matte Streifen der Milchstraße, dessen Verästelungen dunkle Flecke umschließen, zu dieser Vorstellung angeregt hat. Die eine dieser Inseln heißt das Speisenfeld und zeigt schon durch diesen Namen, daß es auf ihr nicht an Nahrung fehlt; auf ihr lassen sich die Götter und die Unvergänglichen nieder. Noch bekannter ist das Feld Earu, dessen Name vielleicht Binsenfeld 5) bedeutet und das auch den späteren Ägyptern noch als das Land der Verklärten gilt. Daß man sich diese Paradiese nach der Art des eigenen Landes dachte, versteht sich von selbst; sie haben Gewässer, die man wie die Nilkanäle zur Zeit der Überschwemmung öffnet, sie werden mit Wasser gefüllt und grünen6) dann, um den Toten ihre Nahrung zu gewähren. Denn ohne Nahrung können auch die Götter und die Verklärten des Himmels nicht bestehen; im Osten des Himmels steht jene hohe Sykomore, auf der die Götter sitzen,7) der Lebensbaum, von dem sie leben; 8) dessen Früchte ernähren auch die Seligen. Und die Göttinnen, die am Himmel sind, gewähren ihm noch unschuldigere Kost. Kommt er zur Nut oder zu der Schlange, die die Sonne hütet, so begrüßt ihn jede als ihren Sohn; sie hat Mitleid mit ihm und reicht ihm ihre Brust, daß er sie sauge und so lebt er und ist wieder ein Kind.9) Er kommt zu jenen seinen beiden Müttern, den Geiern mit langem Haar und strotzenden (?)

P 203

= P 435

- P 174,

1) Pyr. 262
2) ib. 292

3) ib. 251
4) Mündliche Mitteilung Borchardts.
5) Mündliche Mitteilung Sethes.
6) Pyr. 292 P 416. 7) ib. 25 I
8) ib. 292
P 431. 9) ib. 251

P 173 und 281

: P 286.

P 174

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dargestellt ist. (Berlin P 3008.) 70. Das Feld Earu, aus dem Totenpapyrus einer Frau, die darauf ackernd, fahrend und betend

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Brüsten, die auf dem Berge Sehseh sitzen; sie reichen ihre Brust seinem Munde und niemals entwöhnen sie ihn. 1) Aber auch auf Speisen und auf ein Leben gewöhnlicherer Art darf hoffen,

1) ib, 281

P 303.

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