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wer den irdischen Gewohnheiten nicht entsagen mag. Er empfängt seinen Anteil von dem, was in der Scheune des großen Gottes ist, er wird gekleidet von den Unvergänglichen und hat Brot und Bier, die ewig dauern:1) er ißt dies sein Brot ganz allein und braucht keinem, der hinter ihm steht, etwas davon abzugeben.2) Seine Nahrung ist unter den Göttern und sein Wasser ist Wein wie das des Re.3) Wenn Re ißt, so gibt er ihm, wenn Re trinkt, so gibt er ihm. Er schläft gesund alle Tage ... es geht ihm heute besser als gestern.4) So wohl ergeht es den Verklärten mit ihrem ausgestatteten Munde, 5) sie brauchen nicht Hunger zu essen und Durst zu trinken6) und sie haben nicht zu fürchten, daß sie einmal zu jener Nahrung greifen müssen, die dem Ägypter immer als das äußerste Schrecknis vorschwebt, zu dem eigenen Unrat.7)

Nicht jedem aber gelingt es, auf den schönen Wegen, die am Himmel sind, 8) zu diesen Gefilden der Seligen zu gelangen, denn die Gewässer, die sieumschlieBen, sind schwer

überschreiten. Da hoffen die einen auf die Gunst göttlicher Vögel, des Falken des Horus 71. Die Horussöhne. (Berlin 12631–34.) und des Ibis des Thoth, daß sie ihn hinübertragen werden: ihr Krallen des Horus, ihr Flügel des Thoth, setzet ihn über und laßt ihn nicht unübergesetzt!9) Andere beten zu vier himmlischen Geistern, dem Hapi, Amset, Duamutef und Kebehsenuf, den Kindern des Horus, ihnen ein Fahrzeug zu bringen 10) oder wenden sich an den Sonnengott selbst, daß er sie in seinem Schiffe übersetze. II) Die meisten aber vertrauen auf einen Fährmann, der die Namen Hintersichschauer und Wendegesicht führt, weil er ja, wenn er hinten in seinem Nachen stehend »staakt«, den Kopf wenden muß. Der setzt die Götter auf seiner Barke

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5) ib. 254

ib. 288 - P 395; 391. 2) ib. 294 = P 443. 3) ib. 6
4) ib. 3 W i8o.

- P 178. 6) ib. 7 =
7) ib. 6
W 189. 8) ib. 225

P 100.

9) ib. 288 10) ib. 295 = P 444.

11) ib. 245 = P 160.

W 193.
W 195
P 390.

über 1) und wird auch dem Toten diesen Dienst erweisen. Freilich nicht einem jeden, denn dieser Fährmann des Feldes Earu fährt nur den gerechten Schiffslosen über, den, der gerecht befunden ist vor Himmel und Erde und vor der Insel selbst.2) Es ist das eine merkwürdige Spur sittlichen Empfindens in dieser alten Zeit und sie steht auch in diesen Pyramidentexten nicht ganz allein da. Wenn von dem Verstorbenen gesagt werden kann: »Nicht gibt es etwas Böses was er getan hätte«, so dringt dieses Wort bis zu dem Sonnengotte hin und er nimmt ihn freundlich auf 3) und ebenso dient es dem Toten zur Empfehlung im Himmel, wenn er nie auf den König geschmäht und die Götter mißachtet hat.4)

In der Regel ist es freilich mehr die körperliche Reinheit, die die Götter von ihrem neuen Himmelsgenoss

ssen verlangen und zu dieser sind sie ihm selbst behülflich. Die Göttin, die den Strudeln von Elephantine vorsteht, reinigt ihn mit vier Wasserkrügen 5) oder er badet sich zusammen mit Re in dem See von Earu; Horus trocknet ihm den Leib ab, Thoth trocknet ihm die Füße.6)

Zu den hier geschilderten Vorstellungen vom Leben nach dem Tode ist dann noch eine andere hinzugetreten, die ursprünglich nebensächlich, im Laufe der Zeit alles überwuchert hat. Das ist die Lehre von dem verstorbenen Gotte Osiris als dem Könige und Vorbilde aller Toten.

Wir haben oben (S. 34) die Sage dieses Gottes erzählt, der dem Tode verfiel, aber doch wieder in das Leben zurückkehrte. Eine ihrer Hauptstätten hatte sie in Abydos gehabt, das sich später rühmte, den Kopf des Gottes als Reliquie zu besitzen und hier mag man zuerst auf den Gedanken gekommen sein, in dem getöteten Gotte nun auch den Herrscher des Totenreiches zu sehen, den Ersten derer, die im Westen sind, für die eine Auffassung, den König der Verklärten für die andere.

Aber nicht diese Schaffung eines Königs der Verstorbenen war das wesentliche; was über die weitere Entwicklung des ägyptischen Totenglaubens entschied, war vielmehr, daß man gleichzeitig in dem verstorbenen Gotte auch ein Vorbild für den verstorbenen Menschen sah. Der Mann, den

in die Erde senkte, hatte ja das gleiche Schicksal gehabt wie der Gott; auch er hatte wider Willen aus dem Leben scheiden müssen und Frau und Kinder zurücklassen; durfte man da nicht wünschen, daß auch sein weiteres Ergehen dem des Gottes gleichen möchte? So wahr Osiris lebt, wird auch er leben; so wahr Osiris nicht gestorben ist, wird auch

man

P 400.

3) ib. 297

1) ib. 60
4) ib. 248

W 489. 2) ib. 290
P 164. 5) ib. 281

P 455
P 234.

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P 297. 6) ib. 112

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er nicht sterben; so wahr Osiris nicht vernichtet ist, wird auch er nicht vernichtet werden.1) Als ein zweiter Osiris wird er zu einem neuen, glücklichen Leben erwachen. Sein Sohn wird wie ein zweiter Horus heranwachsen, er wird über den Feind, der seinen Vater im Leben geschädigt hat, ebenso triumphieren wie Horus über den Set triumphiert hat; er wird sein Haus bewahren und seinen Namen in Ehren halten.

Vor allem aber wird der Tote nun auch in der Art wieder erwachen, wie einst Osiris wieder erstanden ist, nicht als ein schattenhafter Geist, sondern in körperlicher Auferstehung, denn des Osiris Gebeine haben ja die Götter wieder zusammen gesetzt, 2) sein Kopf wurde wieder an seine Knochen geknüpft und seine Knochen an seinen Kopf geknüpft.3) So wird es nun auch dem menschlichen Toten ergehen, wenn ihn als einen Osiris ansieht. Noch liegen seine Knochen zerfallen und unbeweglich da, aber schon naht die Nut, die Mutter des Osiris, um seine Knochen wieder zu vereinigen: Sie gibt dir deinen Kopf, sie bringt dir deine Knochen, sie setzt dir deine Glieder zusammen und setzt dein Herz in deinen Leib.4) Und alle Teile deiner Person finden

72. Nut breitet die Flügel über Osiris. (Berlin 10832.)

man

neuen

1) Pyr. 15 W 240 ff. 2) ib. 153 3) ib. 144

T 158. 4) ib. 229 II Erman, Die ägypt. Religion.

T 272.
PIIO.

7

er

sich zu deinem Leibe zurück: Dein verklärter Geist und deine Kraft kommen zu dir als dem Gotte, dem Vertreter des Osiris; deine Seele ist in dir und deine Kraft hinter dir.1) Dein Ka (vgl. S. 88) will wieder mit dir gehen; dein Leben kommt zu dir es kommt zu dir dein verklärter Geist, du Erster der Verklärten, und deine Kraft, du Erster der Lebenden; du hast eine Seele, du Beseelter.2) Um dich her stehen die Götter und rufen dir zu »erhebe dich, stehe auf« 3) und du erwachst. Keb öffnet dir den Mund, daß du wieder reden kannst;4) Thoth und Horus richten dich auf und stellen dich in die Mitte der Götter.5) Dann läßt Horus den Thoth dir deinen Feind herbei führen und setzt dich auf seinen Rücken: Nimm deinen Sitz auf ihm, steige hinauf und setze dich auf ihn.) Und höhnend rufen die neun Götter dem Feinde zu, wenn unter dir liegt: trage einen, der größer ist als du.7)

Wenn du so über deine Verfolger triumphiert hast, so stellen dir Re und Horus eine Leiter auf, der eine von ihnen steht auf dieser Seite und der andere von ihnen steht auf jener Seite) und du steigst auf ihr zum Himmel empor.9) Das Himmelstor wird dir geöffnet und die großen Riegel werden dir zurückgezogen. 10) Da findest du den Re dastehen . . er nimmt dich bei der Hand und führt dich in das Heiligtum (?) des Himmels und setzt dich auf den Thron des Osiris, 11) auf diesen deinen Thron, damit du die Verklärten regierest.12) Da sitzest du nun wie Osiris, mit deinem Szepter in der Hand, damit du Befehle gebest den Lebenden; mit deinem Krummstab (?) und deiner Geißel in der Hand, damit du Befehle gebest denen, deren Stätten verborgen sind. 13) Die Diener des Gottes stehen hinter dir und die Edlen des Gottes stehen vor dir und rufen: Komm du Gott! komm du Gott! komm du Besitzer des Osiristhrones! Isis spricht mit dir und Nephthys begrüßt dich. Die Verklärten kommen zu dir und neigen sich, damit sie die Erde an deinen Füßen küssen.14) Da stehst du nun geschützt und als Gott ausgestattet, versehen mit der Gestalt des Osiris, auf dem Throne des Ersten der Westlichen. Du tust was er tat unter den Verklärten und Zerstörungslosen. Dein Sohn aber steht auf deinem Throne , versehen mit deiner Gestalt. Er tut was du vordem zu tun pflegtest, er der Erste der Lebenden nach dem Befehle des Re. Er baut Gerste, er baut Spelt und beschenkt dich damit. 15) Du aber läßt dein Haus hinter dir gedeihen und bewahrst deine Kinder vor Leid. 16)

1) Pyr. 206

P 2. 2) ib. 229 II = P 108. 3) ib. 249 4) ib. 154

T 273. 5) ib. 258 P 186 6) ib. 160 7) ib. 154

T 274. 8) ib. 94 W 579. 9) ib. 259 10) ib. 144 T 160. 11) ib. 206 = P 12.

12) ib. 144 13) ib. 9 W 206. 14) ib. 206 P 6. ib, 15) ib. 206 16) ib. 229 I P 106.

P 165.
T 286.
P 193.
T 167.
P 18.

Das ist das Los, das der Frommen harrt, die den Osiris verehren. Wohl müssen auch sie fortgehen von der Erde, aber nicht als Tote gehen sie fort, sie gehen als Lebende fort, I) sie führen im Tode nicht nur eine geisterhafte gespenstische Existenz, sondern sie erwachen zu einem wirklichen neuen Leben, im vollen Besitze ihres Körpers und ihres Geistes: sie besitzen ihr Herz, sie besitzen ihren Sinn, sie besitzen ihren Mund, sie. besitzen ihre Füße, sie besitzen ihre Arme, sie besitzen alle ihre Glieder.2)

Wann diese Lehre sich im ägyptischen Volke zuerst weiter verbreitet hat, vermögen wir nicht zu sagen; jedenfalls ist es aber ein Vorgang uralter Zeit, denn selbst in dem ältesten Bestande der Totenliteratur, in den Pyramidentexten, finden sich schon überall Sprüche, in denen der Tote dem Osiris gleichgesetzt wird. Freilich sind gerade diese Beispiele aus den Pyramidentexten zum Teil nur Umarbeitungen älterer Sprüche; man war eben an die Formeln, der alten Art so gewöhnt, daß man sie auch bei dem neuen Glauben nicht missen mochte. Hieß ein alter viel verbreiteter Spruch: Glücklich, die da sehen, und wohl denen, die da schauen sagen die Götter

wie heraufsteigt dieser Gott zum Himmel .... mit seiner Seele auf ihm, mit seinem Messer an seiner Seite, mit dem Zauber bei sich ... Du steigst auf zum Himmel und betrittst ihn usw.,3) so heißt die neue Umarbeitung: Glücklich, der da sieht den Vater sagt Isis , und wohl dem, der da schaut den Vater sagt Nephthys zu seinem Vater, zu Osiris, wenn er zum Himmel aufsteigt, unter den Sternen, unter den Zerstörungslosen, mit dem Kopftuch auf dem Haupt, mit dem Messer an der Seite, mit dem Zauber bei sich. Er geht fort zu seiner Mutter Nut und betritt sie usw.4) Der erste schilderte die Himmelfahrt des Toten, der als neuer Gott den Himmel betritt zum Staunen der alten Götter (vgl. S. 91f.); man hat ihm den Namen des Osiris eingefügt, hat den Himmel in seine Mutter Nut verändert, hat aus den Göttern die Isis und die Nephthys gemacht und hat damit einen Spruch von der Himmelfahrt des Osiris gewonnen. Er ist freilich dabei nicht verständlicher und schöner geworden.

Noch ärger ist es, wie ein alter Spruch benutzt wurde, der die Himmelsgöttin feierte, die bei ihrem Emporsteigen einst die Götter mit sich in die Höhe gerissen hatte. Ein Vers in ihm lautete: Nut, du bist als König gekrönt, weil du dich der Götter bemächtigtest und ihrer Seelen und ihres Erbes und ihrer Speisen und aller ihrer Habe 5) und ohne weiteres hat man dies benutzt und sagt: Osiris, du bist als

1) ib. 9 W 206. 2) Totb. 68. 3) Pyr. 95
4) ib. 255 P 181. 5) ib. 227

Ρ ΙΟΙ.

W 584.

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