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gebracht werden konnten. Hierdurd nahm die Hungersnoth auf eine schreckliche Urt überhand, und das Elend wurde unbeschreiblid. Ausgezehrte Menschen fchliden allentbalben uinber ,- 'und fielen oft todt auf der Straße nieder, indem sie ihre Freunde begraben wollten. Die bewaffneten Näuber fielen in die Häuser, bemidrigten sich aller Nahrungsmittel, und quálten diejenigen auf das grausamste, welche sie wegen Verbergung der Lebensmittel in Verdacht hatten. Die Eltern riffen ihren Kindern, und diese den Eltern und Geschivistéru den lekteü Bisen aus dem Munde. Viele, die diesem Jammer durch die Flucht zu entgehen hofften, wurden von den römiswen Soldaten aufgefangen und lebendig aufgescuitten, weil man glaubte, sie hätten Gold verschlungen. Man suchte durch die unnatürlidsten Mittel den Hunger zu stillen; man gernagte Gürtel, Schube 'und das Leder an den Soilden; man brauchte Bea zur Spelse, und vertaufte eine Hand voll davon sehr theuer. Alle Straßen waren mit Leichen bedect; mehr als hundert tausend wurden von Hunger und Krantheit aufs gerieben. Das waren die foredlichen Tage, von denen Jesus gefagt hatte : Das sind die Tage der Rache, daß erfület werde alles, was geschrieben ist; denn es wird große Noth auf Erden reyn, und ein Zorn über dieses Pole; es wird alsdann große Erúbral seon, als nicht gewesen ist, vom Anfange der Welt bisher , 'uod auch nidt werden wird!" Doch auch dadurch wurden die Verblendeten nicht zum Naddenken gebracht. Titus befeuşte mit zum Himmel gebobenen Hånden, er sey nicht Sduld an diesem unausspredliden Elende. År ließ nun die feite Burg Antonia in der Stadt bestürmen, und eroberte sie. Noch einmal forderte er die Juden zur Uebergabe der Stadt auf das bewegliciste auf, aber vergeblich. Nun griff man auch den Teinpel an, der ebenfalls ditæ feine Rage sowohl als durch seine Mauern sehr befestigt war. Gerne håtte ábrigens Titus den Tempel gerettet, zumal, da er eine nicht geringe Shrerbietung für dieses herrliche Gebäude , und überhaupt für den Gottesdienst der Juden begte. Allein, da alle seine Warnungen, Ermahnungen und Anerbietungen nichts fruchteten: ro fan er sich gezwungen, den Tempel mit seinen Kriegsmaschinen anzugreifen, und an die Chore desselben Feuer zu legen, welches auch bald die bedeďten Gänge um den Tempel herum ergriff. Noch wollte er wenigstens das Hauptgebäude desselben, oder das Heilige mit dem Allerheiligsten retten, und befahl" daher, das entstandene Feuer zu löschen. Dies geschah nun zwar, aber keine mensdliche Vorsicht konnte den Rathsaluß, Gottes hindern; denn als lich den folgenden Tag ein Gefecht mit den Juden in die Nähe des Tempels 309, warf ein römischer Soldat einen Feuerbrand durch ein Fenster in diejenigen Zimmer, die an den Tempel angebauet waren. Sogleich breitete sich das Feuer von neuem aus, und alle Bemühungen, das Innere dieres Tempels zu erhalten, waren vera geblich. Das ganze Tempelgebäude, welches über sechs hundert Jahre gestanden hatte, wurde verbrannt, und zwar am zehnten August des siebenzigsten Jahres nach Christus Geburt, an eben dem Tage, an welchem ehemals der erste Tempel von den Babyloniern war zerstört worden. Hier wurde Jesus Vorherverkündigung wahr gemacht:

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Cuer Haus fol euch waste gelaffen werden!. Hier wurde erfüllt, was er zu seinen Jüngern sprach: „Wahrlich! ich sage euch, es wird hier nicht ein Stein auf dem andern bleiben, der nicht zerbrochen werde. Die erbitterten Kriegsheere fielen nun mit der größten Wuth über alles her, mordeten und plünderten alles, was ihnen in die Hande fiel; Kinder und Greise, Volk und Priester, alles wurde ohne Untersdied niedergemacht. Die untere Stadt, die Burg Antonia und der befestigte Tempel waren nun erobert. Die belagerten Aufrábrer begaben sich in den obern Cheil der Stadt, und verlangten noch eine Unterredung mit dem Feldherrn Titus. Dieser erbot fid), ihnen das Leben zu idenfen, wenn sie die Waffen sogleich niederlegen würden. allein da sie einen freien ubzug verlangten, und seine Geduld obnes dem schon lange genug gemißbraucht hatten: 10 versagte er ihnen nun alle Gnade. Er übergab den untern Theil der Stadt sogleich der Plánderung, griff nuu den obern Theil derfelben mit seiner ganzen Macht an, und in Monatsfrist war aud dieser erobert und verbrannt, wobei abermals die entseglidste Niederlage unter den Einwohnern angerichtet wurde. Dies geschah am achten September des liebens zigsten Jahres nach Christus Geburt. Von diesem unglügliden Volke sind während der Belagerung der Stadt Jerusalem elfmal hundert tausend auf manderlei Art umgekommen, sieben und neunzig, tausend wurden gefangen fortgeführt, zu schweren Arbeiten verurtheilt, als Sklaven verfauft, oder zu Gefechten mit wilden Thieren aufbewahrt; ůberdem sind noch außer der Stadt und im júbischen Lande während des ganzen Krieges viele Tausende getödet worden. So hatte Jesus es vorausgefagt: „ Sie werden fallen durch des Schwertes Scharfe, und gefangen weggeführt unter alle Völker, und Jerusalem wird zertreten werden von den Heiden, bis daß der Heiden Zeit erfüllet wird.“ Daß aber bei dieser gånzliden Zerstörung Jerusalems eine höhere Hand mitwirfte , erkannte selbst Titus ; denn als er in die vollis eroberte Stadt ging, als er befahl, daß alles , außer dret Thurmen und einem Cheile der Mauer, dem Erdboden gleid gemacht werden sollte, und bei dieser Gelegenheit die ungemeine Festigkeit der Mauern und Ehárme bewunderte, legte er das Geständnis ab: Wir haben mit Gottes Beistande Krieg geführt; es ist Gott, der die Juden aus diesen Festungen herausgetrieben hat; denn. was würden menschliche Hände und Masdinen gegen solche Thürme vermögen!

Und so müsse denn die Rüderinnerung an die Zerstörung Jerusas : lems uns in dem hohen Glauben befestigen, daß Jesus Christus, der alte diere Ereigniffe vorhersah und so genau vorherverfúndigte, der Sohn Gottes und der von Gott gerandie Heiland der Welt fer, der deswegen auf die Erde fam, deswegen lebte, litt und starb, damit alle, die an ibn glauben , durd ihn relig werden möchten. Wir wollen die Weisheit Gottes darinnen erkennen, daß der Umsturz des Judenthums die Verbreitung der christlichen Religion erleidterte, und das gåttlide Unsehen thres Stifters recht augeasdeinlich be! festigte. wir wollen aber auch bedenken, daß die Verachtung Jesus und seiner beseligenden Lebre, daß Lafterliebe und Sittenlosigkeit,

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daß bürgerlide Swietradt und widerfeslidkeit dem heiligen Gott miffalen, und fihr die Mensobeit die lolimmsten und traurigsten Folgen haben. Mit demüthigem Danke wollen wir die berrlichen Vorzüge imagen, die aud ung durch die Befanntmachung der Lebre Jesus zu Ebeit worden sind ; wir wollen und der bemern Belebruns gen, Verheißungen und Hoffnungen freuen, die wir dadurch erlangt haben ; aber auch durch vorzügliche Heiligkeit des Sergens, durch strenge Reinigkeit der Sitten, und durch einen unbescoltenen Wandel uns auszeidnen. Wir wollen durch den sanfter. Geist der christliden Duldung und Mensdenliebe , besonders gegen die unglůds liden Nadkommen jeres volts, das etnit Jefus verwarf, und durd Unglauben und faster den Untergang seiner Hauptstadt bed leunigte, dem Christenthume Ebre machen. Ja, wir alle wollen ein 'fidesi frommes, geruhiges Leben führen in aller Gottseligkeit und Ehrbacs teit; denn Gerechtigkeit erhöhet ein volt, aber die Sünde ift det Vente Perderben,

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