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Gottes allumfassende Gnade sei mit Eurer kaiserlichen Hoheit alle Tage des Lebens.

Eurer kaiserlichen Hoheit

Unterthänigst gehorsamster Diener

MICHAEL RAJEWSKY,
Erzpriester bei der kais. russischen Botschaft in Wien.

Wien, am Feste der Verklärung Christi 1861.

VORREDE.

„Man zündet nicht ein Licht an und stellt es unter einen Scheffel, sondern auf einen Leuchter, so leuchtet es Allen, die im Hause sind,“ – spricht

unser göttlicher Erlöser. Die orthodoxe, innerhalb der Wohngebiete der Ost - Slaven und Griechen befindliche, Kirche ist den Fremden wenig bekannt: Gottesdienst und Ceremonien derselben werden von ihnen nicht begriffen, die griechischen oder altslavischen Gesänge und Gebete werden nicht verstanden. Der Zweck dieser Schrift ist, dieses Verständniss des Gottesdienstes, insbesondere aber der erhabenen Gebete und Gesänge der orthodoxkatholischen Kirche Jenen zu öffnen, die der deutschen Sprache mächtig sind. Wohl haben schon auch früher die Gelehrten Westeuropa's dasselbe mit der orthodox-katholischen Kirche bekannt zu machen getrachtet, schrieben Abhandlungen über diesen Gegenstand und übersetzten den griechischen oder altslavischen Text, wie z. B. Renaudot, Goar, Heineccius, King, in der neueren Zeit Alting, Daniel, Alt u. a. m.; allein theils thaten sie dies in der lateinischen Sprache, die eben fast nur jenem Theil der Leserwelt verständlich ist, welcher ohnehin auch der griechischen, nicht selten selbst der altslavischen Sprache kundig ist, theils sind sie, als Nichtangehörige der orthodox-katholischen Kirche, nicht selten eben solchen Darstellern folgend, unwillkürlich in manche Fehler verfallen. Dazu haben sie blos einzelne Bestandtheile, und nicht den ganzen Cultus in seiner Ordnung, und selbst diese in zu häutigen Abkürzungen gegeben, wie z. B. King (dessen englische Uebersetzung erst wieder ins Deutsche übertragen wurde); oder sie haben zu den gemeintäglichen Gottesdiensten, mit Auslassung einiger, die einer bestimmten Zeit nach Belieben hinzugefügt, wie z. B. derselbe King und Goar; oder sie haben nur Bruchstücke gegeben, wie vorzüglich Renaudot und Alt, selbst Daniel, in wiefern ihnen dies so zu thun zu ihrem Zwecke, der Vergleichung dieses Cultus mit dem der anderen christlichen Confessionen, räthlich erschien.

Der Vertasser der gegenwärtigen Uebersetzung nahm das ganze grosse Euchologion vor, welches die Darstellung einer vollständigen Reihe der

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Alltags - Gottesdienste, Spendung der Sacramente und anderer wichtigen Ceremonien enthält, und bietet somit etwas Vollständiges dar. Zwar hat auch er einige von den heiligen Amtshandlungen, deren Darstellung in dem grossen Euchologion mit vorkommt, ausgelassen (die, so Gott will, später in einem eigenen Bande werden nachgeliefert werden können); es verliert jedoch das hier gebotene Euchologion dadurch nichts an seiner Vollständigkeit.

Damit die Vollziehung des Gottesdienstes dem Leser desto anschaulicher erscheinen könne, fand es der Uebersetzer für zweckmässig, in der nachfolgenden Einleitung zu diesem Werke eine Belehrung über die Form und innere Einrichtung einer orthodox-katholischen Kirche, über die heiligen Gefässe, über die Amtstracht und die Gewänder, über die Kirchenbücher und die Zeit, in welcher ein bestimmter Gottesdienst vor sich geht, über die Personen, welche den Gottesdienst verrichten, wie auch über mehrere beim Gottesdienste vorkommenden Termine zu geben.

In jenen Stellen, in welchen bei einigen gottesdienstlichen Amtshandlungen Varianten angetroffen wurden, hielt sich der Uebersetzer an den

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ausführlicheren Text, ob dieser griechisch oder altslavisch war. Wieder hätten andere Stellen stylistisch wohl besser, näher der deutschen Ausdrucksweise, gegeben werden können; allein der Uebersetzer hat stets die Absicht im Auge behalten, durch diese Uebersetzung möglichst genau und wortgemäss den Originaltext wiederzugeben, und so mit dessen Eigenthümlichkeit den Leser bekannt zu machen; darum wurde er gezwungen den dem Deutschen geläufigeren Ausdruck seinem Zwecke zu opfern.

Schliesslich erachtet er es für seine Pflicht, Herrn k. k. Professor Carl Kuzmany für die ihm willig und vielfach geleistete Hilfe, insbesondere hinsichtlich des biblisch - deutschen Ausdrucks, seinen innigsten Dank auszusprechen.

Wien im August 1861.

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