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einrückend die mannigfachen Gestalten des Nebels kennen lernten, können die Nebelmythen entstanden sein. Aber Sagenzüge aus der idg. Orzeit sind vielfach in sie übergegangen, als dieser Nachschößling der Mythenbildung hervorbrach.

Obwohl bereits die idg. Hauptgötter in menschlicher Gestalt aufgefaßt wurden, ragt doch noch in germanischer Zeit das Tierreich in zahlreichen Resten und Spuren in die Götterwelt hinein. Die Schlange z. B. ist das Symbol der chthonischen Mächte, und wenn die Langobarden eine goldene Schlange als göttliches Bild verehren, so kann sie nur ein Zeichen des Gottes sein, dem sie Sieg und Namen verdankten, des Herrn der Unterwelt, der Nacht und des Todes, Wodans. Die Götter können sich wieder in Tiere verwandeln, oder die Tiere erscheinen als im Besitze der Götter befindlich und ihnen dienend.

Wie für die Weltanschauung der Naturvölker die Grenze zwischen Menschen und Tier verschwimmt, so haben auch die personifizierten Naturmächte noch nicht menschliches Ebenmaß, sondern bleiben hinter ihm zurück, wie die elfischen Geister, oder überragen es weit, wie die Riesen. Die Elbe verkörpern mehr die geheimnisvollen, in der Stille wirkenden Kräfte der Natur, und da Strom und Wald, Ebene und Gebirge von freundlichen oder feindlichen Geistern beseelt sind, sind sie eng mit dem Seelenglauben verknüpft. Die Riesen sind die Vertreter der ungezügelten Naturgewalten, der Elemente, die das Gebild von Menschenhand hassen; sie sind vom Seelenglauben völlig losgelöst. Und wie Riesenkämpfe mit Drachenkämpfen wechseln, so sind auch die Elbe und Riesen nicht immer streng auseinander gehalten: sie sind nur dem Maße, nicht der Art nach verschieden.

Der Riese Sigenot haust mit vielen Zwergen in einem hohlen Berge. Dem König Nibelung dienen zwölf Riesen, dem Laurin fünf, dem Goldemar sehr viele, Walberan zahllose. Dem Riesen Kuperan sind tausend Zwerge untertan und müssen ihm ihr eigenes Land zinsen. Zwerge wachsen zu Riesen an, und Riesen schrumpfen zu Zwergen zusammen. Ein Bauersmann hatte einen Sohn, der war so groß wie ein Daumen und ward gar nicht größer und wuchs in etlichen Jahren nicht ein Haarbreit. Er war

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von so winziger Gestalt, daß ihn der Vater in die Tasche stecken konnte. Ein Riese aber nahm ihn mit sich, ließ ihn an seiner Brust saugen, und der Däumling wuchs und ward groß und stark nach Art der Riesen (K. H. M. Nr. 90). Der sanfte wohltätige Wind rührt von einem Zwerge her, der tobende Sturm ist ein Riese.

Bei Sturm und Regen kam ein wandernder Zwerg durch ein Dörflein am Thunersee, ging von Hütte zu Hütte und pochte regentriefend an die Türen der Leute, aber niemand erbarmte sich und wollte ihm öffnen, ja sie höhnten ihn noch dazu. Am Rande des Dorfes wohnten zwei fromme Arme, Mann und Frau, da schlich das Zwerglein müd und matt an seinem Stabe einher, klopfte dreimal bescheidentlich ans Fensterchen, der alte Hirte tat ihm sogleich auf und bot gern und willig dem Gaste das Wenige dar, was sein Haus vermochte. Die alte Frau trug Brot auf, Milch und Käs, ein paar Tropfen Milch schlürfte das Zwerglein und aß Brosamen von Brot und Käse. „Ich bin's eben nicht gewohnt“, sprach es, „so derbe Kost zu speisen, aber ich dank euch von Herzen und Gott lohn's; nun ich geruht habe, will ich meinen Fuß weiter setzen. „Ei bewahre“, rief die Frau, „in der Nacht in das Wetter hinaus, nehmt doch mit einem Bettlein vorlieb“. Aber das Zwerglein schüttelte und lächelte: „droben auf der Fluh hab ich allerhand zu schaffen und darf nicht länger ausbleiben, morgen sollt ihr mein schon gedenken.“ Damit nahm's Abschied und die Alten legten sich zur Ruhe. Der anbrechende Tag aber weckte sie mit Unwetter und Sturm, Blitze fuhren am roten Himmel, und Ströme Wassers ergossen sich. Da riß oben am Joch der Fluh ein gewaltiger Fels los und rollte zum Dorf hinunter, mitsamt Bäumen, Steinen und Erde. Menschen und Vieh, alles, was Atem hatte im Dorfe, wurde begraben, schon war die Woge gedrungen bis an die Hütte der beiden Alten; zitternd und bebend traten sie vor ihre Türe hinaus. Da sahen sie mitten im Strom ein großes Felsenstück nahen, oben darauf hüpfte lustig das Zwerglein, als wenn es ritte, ruderte mit einem mächtigen Fichtenstamm, und der Fels staute das Wasser und wehrte es von der Hütte ab, daß sie unverletzt stand und die Hausleute außer Gefahr waren.

Aber das Zwerglein schwoll immer größer und höher, war d zu einem ungeheueren Riesen und zerflok in Luft, während jene auf gebogenen Knien beteten und Gott für ihre Errettung dankten (D. S. Nr. 45).

Der regengebietende Zwergkönig Gibich vermag seine kleine Gestalt hoch zu recken. Ein Schäfer in Schleswig sah einen Mann vor sich aus der Erde aufsteigen, der immer größer und höher wurde, bis er endlich als ein ungeheurer Riese dastand; dann ward er kleiner und- kleiner und verschwand wieder in der Erde. Die Waldgeister sind von riesiger Ge. stalt oder ein zwerghaftes Völkchen, das zu ungeheurer Gröke anwächst.

Alle diese Wesen zusammen nennen wir Dämonen oder Naturgeister in Menschen gestalt. Die Volksdichtung hat sie zu ihren Lieblingen erwählt, das Märchen schildert sie mit innigem Behagen, und seit Wielands Übersetzung von Shakespeares Sommernachtstraum (1764) und Herders Volksliedern (1774) sind sie auch wieder in die deutsche Dichtung eingezogen. Sie sind von der Naturerscheinung getrennt, aus der sie entsprossen sind, die Lust des Volkes am Fabulieren wird nicht müde, diese Gestalten auszuschmücken und ihr Verhältnis zum Menschengeschlechte dichterisch darzustellen, und mit dem Seelen- und Mahrenglauben bildet der Dämonenglaube den eigentlichen Volksglauben, die niedere Mythologie.

Die elfischen Geister,

1. Elfen und Wichte.

Name und Begriff der Elbe uud Wichte geht in urgermanische Zeit zurück. Ahd. mhd. alp (Plural Elbe oder Elber, vgl. Elberfeld), schwed. elf, dän. elv (ellerkonge = elverkonge Elfenkönig, irrtümlich bei Herder und Goethe Erlkönig) ist der listige, geschickte Truggeist (S. 80) oder der Lichtgeist (skr. rbhu, germ. albh = glänzend, strahlend). Die hochdeutsche Form Elb ist durch das englische Elf verdrängt. Albruna ist die mit der Zauberkraft der Elbe begabte (Germ. 8), Albing ist der von den Elben stammende, Alfred der ihres Rates teilhaftige, Alberich (romanisch Auberic, Auberi, Oberon) der Elfenkönig; außerdem begegnen ahd. Alptrûd, Alpagêdis (Pipius Frau), langob. Albisinda, Alphari; Albwin, Alboin ist der Elfenfreund. Sinnig erläutert Gustav Freytag im Ingo den Namen Albwin: Sie sagten, daß ein Hausgeist im Balkendache seines Hofes wohne seit der Väterzeit und in der Nacht die Kinder des Geschlechtes wiege, und daß diese darum nicht zu dem Himmel wüchsen, wie die andern Menschen; denn zierlich und klein waren alle seines Blutes, doch artig von Geberden und guter Worte mächtig.

Wicht (ahd. und mhd. der und das wiht, got. und an. fem. vaihts, vaettr) gehört zu wegen, bewegen und bedeutet

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„kleines Ding“, „Ding“ überhaupt: die Wichte der germ. Mythologie sind nichts wie „Dinger“, winzige Elbe.

Im H sind die wihtî unholde, böse Geister. Als der Heiland in der Wüste nichts genok, fühlten die finstern, gewaltigen Geister nicht Mut ihm zu nahen (1030, 1055). Böser Geister Tücke hat die Tochter des kananäischen Weibes mit Krankheit geschlagen (2990). Leidige Geister verleiten den Menschen zur Begierde nach fremdem Gute (2503). Zornige, wilde, arge Geister, leidige Unholde reden nach der Anklage der Juden aus dem Erlöser (3931). In Sodomaburg haben die Menge der Feinde, der bösen Wichte, die Leute zu Wehtaten verleitet (as. Genesis 257). Wie der as. Dichter an Stelle der überlieferten Kuppelei das seinen Sachsen verständlichere Verbrechen des Mordes setzt, so stellt er als die Verführer zu diesen Freveln die elbischen Geister hin, die im Dunkel der Nacht Unheil säen und Böses stiften.

Ahd. wihtelin sind „penates“, mhd. wichtir „sirenae“, wichtelîn oder elbe „lemures“ (Gespenster) oder „nächtliche Dämonen“. Die Wichtelmänner, Wichtelmännchen und Wichtelweibchen der Sagen und Märchen gleichen völlig den Zwergen, in Schwaben werden sie genauer bezeichnet als Erdwichtele, in Niederdeutschland als Erdwichter; auch die Zwerge heißen Unterirdische, in Westfalen Trudenmännchen. In Luft, Sonnen- und Mondenschein und im wallenden Nebel wirken und wohnen die Elbe im engern Sinne, die Lichtelfen. Besondere Arten der elfischen Geister sind die Erdelfen: die Zwerge, die Hauselfen: die Kobolde, die Wasserelfen: die Nixe, die Wald- und Flurelfen: die Holz- und Moosfräulein, die wilden Leute, die Feldgeister.

Die Elbe sind licht und schön; „glänzend wie ein Elb“ ist ein beliebtes Beiwort im Ags. Der gefangene Zwerg im Ruodlieb (Fragm. 18) will dem Helden sein Weib als Geisel geben. Er ruft sie aus der Höhle heraus, und sie erscheint sogleich: sie war klein, aber sehr schön, goldgeschmückt und reich gekleidet. Die Schönheit der Zwergkönigin Heriburg, die Ruodlieb sich gewinnen soll, wird ausdrücklich hervorgehoben. Heinrich von Morungen singt in seinem Liebeszauber (Anfang des 13. Jhds.):

Von der Elbin wird bezaubert mancher Mann,
So ist mir's durch Liebesmacht geschehn
Von der Besten, die je einer lieb gewann.

Die Nixen sitzen gern an der Sonne und kämmen ihr langes Haar; sie sind sehr schön, haben langes, goldenes (auch grünliches) Haar und lange, grünliche Schleppkleider, deren Saum aber immer naß ist. Auf grüner Heide neben einem kühlen Brunnen und unter einer Linde, in deren Zweigen die Vögel in lautem Wettstreite singen, schläft Alberich. Er ist nicht größer als ein Kind von vier Jahren und doch schon fünfhundert Jahre alt. Er trägt an seinem Leibe ein wunderschön Gewand, das mit Gold und Edelsteinen geziert ist. Als Ortnit ihn in Kindes Weise aufheben will, schlägt der Kleine nach ihm mit seinen Fäusten, und obwohl er die Stärke von zwölf Männern hat, bezwingt er ihn nur mit Mühe (Ortnit 90 ff.). Im Nibelungenliede (462 ff.) ist Alberich ein kühner, wilder starker Zwerg mit einem greisen Barte; seine Hand schwingt eine schwere Geißel von Gold und zersplittert Siegfrieds Schild. Prachtvoll ist die Charakteristik, die die Deutschen Sagen von Kobold Hinzelmann geben (Nr. 75). Das „stille Volk“ wohnt in Felsen, Brunnen, Quellen, Schluchten und Höhlen und hat die Stuben und Gemächer voll Gold und Edelstein. Dieses Bergvolk ist von Fleisch und Blut wie andere Menschen, zeugt Kinder und stirbt; allein es hat die Gabe, sich unsichtbar zu machen (durch die Tarnkappe; S. 99 f.) und durch Fels und Mauer eben so leicht zu gehen, wie wir durch die Luft (D. S. Nr. 30).

Wenn im Mondenscheine die Nixe am Wasser sitzt, den Nebelschleier vor dem Gesichte, dann schlieft der Zwerg aus den Felsklüften und bläst auf der Silberschwegel über Tal und Hügel sein Klagelied, das erst verstummt, wenn der Mond versinkt und die Sterne erblassen; wehmutbleich lehnt dann unten die Nixe, und von ihren schweren Tränen ist der Wasen weich. Mit einer wundervollen Musik ziehen die Zwerge um Stolberg scharenweise über die Stadt weg in der Luft. Die Nixen lieben Tanz, Gesang und Musik und singen schön, hinreißend erschallt ihr Geigenspiel. In Laurins Berg, in Frau Venus Berg rauscht fröhliche, verführerische Musik, Tänze werden darin getreten. Der unwiderstehliche Hang der Elbe zur Musik muß uralt sein; das bezeugt der Name Albleich „elbische Leich, Elbenweise“ und mhd. albleich im Sinne der seelenberückenden, süßesten Melodie, die ein Geiger hervorbringen konnte. „Seiten spil und des wihtels schal“ heißt es im mhd. ganz gleichbedeutend. Oberons (Alberichs) Horn zwingt die Füße, sich wirbelnd im Tanze zu drehen. Durch den Albleich bezauberte ursprünglich der vielbesungene Frauenräuber seine Opfer, der als Ulinger, Blaubart in weit

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