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pfahle gepeitscht wurde, klagte er unaufhörlich: Weh mir, daß ich die Flascbe meines Gevatters verloren habe!

Gervasius von Tilbury berichtet von Hauskobolden, die bei Nacht ans Feuer kommen, Frösche aus dem Gewande hervorziehen, auf den Kohlen braten und essen; sie sind von greisenhaftem Aussehen und runzlichtem Gesichte, von der Gestalt eines Zwerges, nicht einmal einen halben Daumen hoch; wenn es in dem Hause etwas zu tragen gibt oder eine schwere Arbeit auszuführen, so übernehmen sie es und bringen es schneller als Menschen zustande (p. 180).

Dasselbe Bild entwerfen die deutschen Volkssagen. Fast jeder Bauer, Weib, Söhne und Töchter, hat einen Kobold, der allerlei Hausarbeit verrichtet, in der Küche Wasser trägt, Holz haut, Bier holt, kocht, im Stalle die Pferde striegelt, den Stall mistet und dergleichen. Wo er ist, nimmt das Vieh zu, und alles gedeiht und gelingt. Noch heute sagt man sprüchwörtlich von einer Magd, der die Arbeit recht rasch von der Hand geht: „sie hat den Kobold“. Wer ihn aber erzürnt, mag sich vorsehen (D. S. Nr. 71, 73). In dem Klostermärchen von Wilhelm Hertz „Bruder Rausch“ und in Shakespeares „Sommernachtstraum“ ist das Treiben der Kobolde und Elfen unübertrefflich geschildert.

Für seine Dienstfertigkeit will der Kobold seinen Lohn haben, der meist in Milch oder Butter besteht (d. h. ursprünglich ein Opfer). Er begleitet die Knechte und Mägde, wenn sie des Morgens gemolken haben, ins Haus und liest sorgfältig die Tropfen Milch von der Erde auf, die verschüttet sind. Selbst Brot und Bier verschmäht er nicht. Wer aber sein Essen anrührt, wird von ihm in der Nacht heimgesucht, aus seinem Bette gerissen und auf den Dielen umhergeschleift (D. S. Nr. 73). Einem armen Nagelschmiede zu Hildesheim ließ Hütchen ein Stück Eisen zurück, aus dem goldene Nägel geschmiedet werden konnten, und dessen Tochter eine Rolle Spitzen, von der man immer abmessen konnte, ohne daß sie sich verminderte (D. S. Nr. 74). Dem Guardian eines Franziskanerklosters in Mecklenburg verdingte sich Puck gegen einen Rock von allerhand Farben und voll Glocken. Er holt das Bier für das Kloster aus der fernen Stadt, weckt die Brüder bei Nachtzeit zur Mette, verrichtet das Amt einer Wäscherin in der Küche, wäscht das Gerät und die Schüsseln und säubert die Töpfe. Als das Kloster abbrennt, fällt er in einer Nacht soviel Holz, wie zum Neubau nötig ist, schleppt es durch die Luft daher und dient so treu dreißig Jahre. Dann fordert er ungestüm seinen versprochenen Lohn und schwingt sich mit dem bunten Rocke davon.

In Freud und Leid hält er bei seinem Herrn aus. Aber seine Anhänglichkeit wird oft lästig, und man kann ihn nicht wieder los werden. Ein Bauer war seines Kobolds ganz überdrüssig geworden, weil er allerlei Unfug anrichtete, doch mochte er es anfangen wie er immer wollte, so konnte er ihn nicht wieder los werden. Zuletzt ward er Rats, die Scheune anzustecken, wo der Kobold seinen Sitz hatte und ihn zu verbrennen. Deswegen führte er erst all sein Stroh heraus, und bei dem letzten Karren zündete er die Scheune an, nachdem er den Geist wohl versperrt hatte. Wie sie nun schon in voller Glut stand, sah sich der Bauer von ungefähr um, siehe, da saß der Kobold hinten auf dem Karren und sprach: „es war Zeit, daß wir herauskamen! es war Zeit, daß wir herauskamen!

Wenn wir nicht wären entronnen,
Wir wären alle verbronnen,

Der Kobold saß hinten im Faß!“
Der Bauer mußte also wieder umkehren und den Kobold behalten (D. S.
Nr. 72).

Der Kobold führt gern lustige Streiche aus, und wenn es ihm gelungen ist, möchte er sich krumm lachen vor Freude. Schon im Mittelalter heißt es ,,lachen wie ein Kobold". Aber auch wenn er schmollt und einem übel will, erschallt ein spöttisches Gelächter aus vollem Halse. Seine Stimme ist zart und fein, heiser und ein wenig undeutlich (D. S. Nr. 75). Die berühmtesten Kobolde der Volkssage sind Hütchen und Hinzelmann (D. S. Nr. 74, 75; 44, 72, 76—79, 83, 273). Merkwürdig ist, daß der Kobold ausschließlich männlich ist; weibliche kommen gar nicht vor, darum fehlt auch ganz das bewegende Element der Liebe bei ihnen. Von Hinzelmann heißt es nur, daß er zwei Mädchen, die er selbst gern hat, alle Freier verscheucht (D. S. Nr. 75).

Der Kobold des Schiffes ist der Klabautermann. Wenn auch sein Ursprung im Seelenglauben zu suchen sein mag (S. 21), so entspricht doch sein Charakter und seine Tätigkeit im Schiffe genau der des Hausgeistes. An den Klabautermann glauben die Schiffer allgemein. Ehe sie an Bord gehen, horchen sie aufmerksam, ob sie sein Klopfen nicht vernehmen. Ist er im Schiffe, dann geht es nicht unter; hören sie aber kein Klopfen, so gehen sie nur mit Sorge und ungern an

Klabautermann. Wassergeister.

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Bord. Er läßt sich nicht leicht sehen, doch soll es ein kleiner Mann mit einem großen Kopfe, hellen Augen und ganz feinen Händen sein. Wenn das Schiff in Not kommen soll, macht er großen Lärm; wenn eine Seitenplanke während der Fahrt losreißt, hält er sie fest, daß das Wasser nicht ins Schiff läuft; weun bei Sturm der Mastbaum unten abbricht, hält er ihn auf der ganzen Fahrt. Man setzt ihm Milch als Nahrung hin; aber Röckchen und Schuhe darf man ihm nicht geben, das verscheucht ihn wie den Alp. Ist er bei guter Laune, so verrichtet er während der Nacht manche Arbeit für die Matrosen; in böser Laune aber macht er Lärm, wirft mit Brennholz, Rundholz und Schiffsgerät umher, klopft an die Schiffswände, zerstört Gegenstände, hindert Arbeiten, erteilt wohl auch, ohne selbst sichtbar zu sein, Ohrfeigen. Nur einmal erschien er dem Schiffszimmermann. Dieser, ein beherzter Mann, ergriff sogleich ein Stück Holz und warf es nach dem Kobold, der ganz die Gestalt eines kleinen, dicken Männchens hatte. Er traf ihn so heftig, daß das eine Bein des Klabautermanns zerbrach. Tags darauf aber brach der Zimmermann durch eine ihm unsichtbar gestellte Falle ebenfalls ein Bein, und ein Hohnlachen, das in demselben Augenblicke aus dem Schiffsraume heraufschallte, zeigte, daß der Kleine Rache geübt habe. Lärmt dieses Männchen gar zu gewaltig, oder wird es Nachts in den Masten und Segeln auf den Spitzen der Raaen sitzend sichtbar, so fürchten die Schiffer, daß es mit ihrem Schiffe bald zu Ende geht. Kurz vor dem Untergang erscheint das Klabautermännchen dem Kapitän, nimmit Abschied von ihm und fliegt vor seinen Augen davon.

4. Wassergeister. Für die Zugehörigkeit der Wassergeister zu den Elben spricht folgende Sage des 8. Jhdts. (Vita Galli 2,):

Als der Erwählte Gottes Gallus einst die Netze in die klare Flut während der Stille der Nacht senkte, hörte er einen Berggeist nach seinem Genossen rufen, der sich in den Abgründen des ees befand. Auf dessen Antwort: „hier bin ich!“ entgegnete der Berggeist: „Mache dich auf zu meiner Hilfe! Siehe, Fremdlinge sind gekommen, die mich aus meinem

Tempel geworfen haben; komm, hilf uns diese aus dem Lande treiben.“ Der Wassergeist erwiderte: „Siehe, einer von ihnen ist auf dem See, dem werde ich aber niemals schaden können. Denn ich wollte seine Netze zerreißen, aber besiegt trauere ich. Mit dem Zeichen des Gebetes ist er stets umgeben und niemals vom Schlafe überwältigt.“ Als der heilige Gallus dieses hörte, schützte er sich allenthalben mit dem Zeichen des heiligen Kreuzes und sprach zu ihnen: „Im Namen Jesu Christi befehle ich euch, weichet aus dieser Gegend und unterfanget euch nicht, irgend jemand hier zu verletzen.“ Er teilte seinem Abte das Erlebnis mit, und dieser rief die Brüder durch den Ton der Glocke in die Kirche. Aber noch ehe man das Gebet erhob, ließ sich ein schreckliches Geheul und Gebrüll durch die Höhen der Gebirge hören, und der Dämon entwich trauernd. Noch ein zweites Zusammentreffen des heiligen Gallus wird in seiner Lebensbe. schreibung erzählt (21): Als sein Diakon das Netz auswarf, erschienen ihm zwei Geister in Weibergestalt, die nackt am Ufer standen, wie wenn sie sich baden wollten, und indem sie ihm ihren entblößten Körper wiesen und Steine gegen ihn schleuderten, riefen sie: „Du hast jenen Mann in diese Wildnis geführt, einen ungerechten und neidischen Menschen, der uns immer übermächtig ist bei unseren bösen Taten.“ Vor dem Gebete des Gallus entflohen dann die Geister durch den Lauf des Flusses bis zu dem Scheitel des Berges. Aber als sie die Netze ans Land zogen, hörten sie vom Gipfel des Berges Stimmen gleichsam zweier Weiber, die über den Tod der Ihrigen klagten und jammerten, daß sie fortan weder unter Menschen noch in der Wildnis leben dürften. Kurz nachher vernahm der Diakon zu dreimalen die Geister mit Geschrei von einem Berge fragen, ob Gallus noch in der Wildnis wäre oder sich fortbegeben hätte. Wie hier die Seefrauen, die sich in das Gebirge zurückziehen, mit Steinen werfen, so schleudert der Nix nach seinem Opfer eine Keule. Ein siebenjähriger Knabe spielte mit seinen Schwestern am Flukufer. Da stieg aus dem Wasser ein häßlicher, rauhhaariger Mann hervor, trat unter die Spielenden und sagte:

warum stört ihr mich hier ? Alle flohen entsetzt, dem Knaben aber, der langsamer als die übrigen lief, warf er seine Keule in den Rücken, tötete ihn und sprang dann wieder in die Flut zurück (Thom. Cantiprat.).

Ein freundliches Geschick hat uns überhaupt verschiedene Nixensagen aus der heidnischen Zeit bewahrt.

Ein frühe zu Walde ziehender Mann ließ sich seine Morgenkost vorher segnen, ehe er sie zu sich nahm. Als er in der Mitte des Flusses war, den er auf seinem Wege zu durchschreiten hatte, hörte er eine Stimme rufen: „schnell, schnell, tauch ihn unter! Aber eine andere Stimme antwortete: „Auch ohne diese Ermahnung hätte ich getan, was du begehrst, aber das Geweihte wiedersteht meinen Versuchen; wisse, er ist durch den Segen des Priesters geschützt, daher kann ich ihm nichts anhaben“ (Greg. v. Tours, glor. conf. 31). Bei Hildesheim war ein schrecklicher Sumpf;

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bei Tage und bei Nacht ließen sich hier gräuliche, gespensterhafte Erscheinungen hören und sehen, die das Volk erschreckten. Godehardus aber drang mit dem Kreuz und den Reliquien der Heiligen in den Sumpf, gründete eine Kapelle und vertrieb so die feindlichen Wassergeister (V. Godehardi 4).

Der alte Name des Wassergeistes ist Nix. Der Nix oder die Nixe (nich-us, nic-or, nich-esa) ist eigentlich ein am Baden sich ergötzender Seegeist (skr. nij, gr. víceiv, vintelv, waschen); die Nixe (nichesa) ist die Wäscherin, das Plätschern des fließenden Wassers rief die Vorstellung des Waschens bei den geisterhaften Weibern hervor. Die ahd. Glosse ,,crocodilus nichus“ beweist, daß man sich den Wassergeist auch in Tiergestalt dachte. Er hat nicht nur Roßgestalt denn das springende und sich bäumende Roß ist das Bild der hoch aufrauschenden Woge (S. 104) – sondern auch der Fisch ist eins der Tierbilder für den Wassergeist. Sagen und Märchen kennen den Wassermann oder Nix als Fisch (D. S. Nr. 54; K. H. M. Nr. 19, 85).

Bei Magdeburg sitzt der Nickerkater im Wasser. Halb Fisch, halb Mensch ist der Nickelmann, der rohe Fische frißt, gleich dem Fischotter. Daher erscheinen auch die Nixen entweder in ganz menschlicher Gestalt, oder von oben Weib, unten vom Nabel ab geschuppter Fisch mit Schwanzflossen. Melusine, ursprünglich eine Luftelbin (ahd. Melusind Staubfahrerin) ist von einem Grafen im Bade überrascht und dann geheiratet. Jede Woche schließt sie sich einmal in ihre Kammer ein. Ihr Gemahl kann der Neugier nicht widerstehen, aber als er sieht, daß der Leib der badenden Frau in einen Fischschwanz endigt, stößt er einen lauten Schrei aus, und Melusine verschwindet wie der Alp, hinter dessen Geheimnis man gekommen ist. Aus der tierischen Gestalt, dann aus der gemischten Bildung, halb Fisch, halb Mensch, ist die Nixe in volle Mädchengestalt übergegangen.

Dem ahd. nicchessa (Nixe) entspricht mhd. merwîp, merkint, merwunder, mermeit (Gudr. 109, 112). Der männliche Wassergeist heißt auch Wassermann, Hakemann, weil er die Kinder ins Wasser zieht, Seemensch, Nicker, Nickel, Nickelmann. Die weiblichen Wassergeister heißen in Schlesien Lissen oder Wasserlissen, eigentlich Lixen, Seejungfer, Seeweiber, auch Muhme, Wassermuhme. Eine Merminne, die in einem Berge die Zwerge beherrscht, wird „liebe muome"

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