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angeredet; das Meerweib Sigelind, dem Hagen das Schwanenhemd geraubt hat, sagt von seiner Gefährtin Hadburg: „Meine Muhme hat dich der Kleider wegen belogen“ (N. L. 1479); einige von Nixen bewohnte Seen heißen Mummelsee (D. S. Nr. 59, 331). Auch mehrere Eigennamen entstammen dem Glauben an Wasserelbe, doch berühren sie sich wie die Meerweiber des N. L. mit den Wolken- und Schwanjungfrauen: Triuloug ist die im Walde badende, auch die rauhe Else, Wolfdietrichs Geliebte, das Waldweib, badet sich in einem Jungbrunnen, legt ihr rauhes Gewand ab und wird die reizende Sigeminne, die schönste über alle Lande, und trägt jetzt den Namen einer Schlachtenjungfrau. Wâchild ist das Wogenmädchen, Seoburg, Meridrûd, Meriburg bedeutet dasselbe. Welth rûd, Wield rûd mag die Quelljungfrau bezeichnen. An den sandigen Ufern der Flüsse und Bäche bekommt man sie zu sehen: Sandhilt, oder auf feuchtem Boden: Wasa hilt, auch auf Wiesen: Wisagund. So beweisen auch die Namen die Verwandtschaft der Wassergeister mit den andern elfischen Wesen. Auch der Name Ilse ist die Bezeichnung eines weiblichen Wassergeistes. Von einem solchen stammt das von Heine besungene Flüßchen im Harz und auch der Mädchenname Ilse, der sich als Else mit der Abkürzung des hebräischen Elisabeth vermischte (D. S. Nr. 316, s. u. Waldgeister, Ellusii).

Verschiedene Nixensagen sind durch den Nebel beeinflußt, der aus dem Wasser emporsteigt.

Auf den Saalweiden trocknen die Nixen bei heiterem Wetter ihre Wäsche; sie setzen sich dann in den Wipfel der Weiden, breiten ihre Hemden und Röcke an den Zweigen rings um sich aus, und wenn alles trocken ist, nehmen sie es ab und steigen wieder damit ins Wasser. Ein Fuhrmann sah, wie die Nixe blendendweiße Wäsche am Rande einer Quelle ausbreitete, daneben saß sie selber und wiegte ihr Kind. Sie lud ihn ein, es zu wiegen und schenkte ihm dafür einen goldenen Peitschenstecken. Einen andern aber, der mit seiner dreckigen Peitsche ihre Wäsche beschmutzte, riß sie in das Wasser hinab. Das Wäscheaufhängen bedeutet Wolken oder Nebel. Der Wassermann und das Wasserweibchen haben zuweilen Nebelgestalt. Ein Fischer ging früh vor Tage hinaus, zu fischen, fand aber zu seinem Ärger einen, der ihm zuvorgekommen war; wie er näher kam, ward die Gestalt immer dünner und loser und zuletzt wie ein

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Nebel, und wie er hinsah, war sie ganz fort. Das war der Wassermann gewesen. Das Tiroler Wasserweibele schwebt wie perlmutterfarbiger Silbernebel über den See, wächst hoch, macht sich klein und bringt gutes Wetter. Aber während die reinen Nebelwesen sich frei und ungebunden bewegen, ist die dämonische Gewalt der Nixen bedingt durch die Nähe des Wassers; sie können einem gehaßten Menschen nichts anhaben, so lange er sich vom Wasser fernhält, dafür ist aber auch die kleinste Lache am Wege, den der Unvorsichtige wandelt, genügend, ihn in die Gewalt der feindseligen Geister zu liefern. Eine beleidigte Nixe schüttet zwar als Luftelbin Platzregen über ihren Feind, kann ihn aber doch erst packen und unter heiserem Kichern das Genick drücken, wenn er ausglitscht und in eine Pfütze stürzt (vgl. auch D. S. Nr. 52).

Der Wassermann wird gewöhnlich schon ältlich und langbärtig vorgestellt, als ein kleines, graues Männchen. Seine Haare sind lang und grün, er trägt einen grünen Rock und Hut, und wenn er den Mund bleckt, sieht man seine grünen Zähne (D. S. Nr. 52). Zuweilen hat er geschlitzte Ohren (D. S. 63), seine Füße läßt er nicht gern sehen (D. S. 66). Die Nixen aber sind an Gestalt völlig den Menschen gleich. Lange goldene Haare hüllen wie ein Schleier den weißen Leib ein (K. H. M. Nr. 181). Sie kleiden sich wie die Menschen, aber der nasse Zipfel der Schürze oder der nasse Saum des Gewandes, oder ihre göttlichen Augen verraten ihre Herkunft (D. S. 59, 60), oder sie erscheinen nackt, mit Schilf und Moos behangen. Sie lieben wie alle elbische Wesen Gesang und Tanz. Auf den Wellen sieht man die Nixen tanzen (D. S. 61), oder sie finden sich auf den Tanzplätzen der Dörfer ein und knüpfen Liebschaften mit den Burschen an (D. S. 58). Mancher hat an den Ufern der Bäche ihren Reigen belauscht und ist in heißer Liebe zu den schönen Tänzerinnen entbrannt. Selten endet die Liebe eines Menschen zu den Wassergeistern glücklich (D. S. Nr. 58-60).

Wenn der Bursche seine Tänzerin heimgeleiten will, und er sie plötzlich im Wasser verschwinden sieht, erschrickt er so, daß er in drei Tagen stirbt. Öfter aber zieht ihn die Nixe mit hinab in das Wasserhaus, und er muß nun immer bei ihr bleiben oder kommt erst nach Jahren zu den Seinen zurück. Meistens erzählt die Sage von der grausamen Strafe, die der Nix an der Ungehorsamen nimmt. Denn er ist menschenfeindlich und will nicht leiden, daß die Wasserfrauen sich mit den Menschen verbinden. Darum achtet er streng darauf, daß die Stunde innegehalten wird, die der Nixe zum Besuch der Oberwelt gestattet ist. Wenn sie sich von dem Tanze und dem Geliebten nicht trennen kann und die Zeit der Rückkehr überschreitet, dann ahnt sie selbst ihr trauriges Ende und jammert, daß ihr Leben vei rkt sei. Wenn Milch aus dem Wasser aufspringt, ist es ihr geschenkt, springt dagegen Blut, so ist das ein Zeichen ihres Todes (D. S. Nr. 60). Gewöhnlich aber sieht der Bursche, der die Nixe bis an das Wasser geleitet, einen Blutstrahl aufsteigen und erfährt damit den Tod der Geliebten (D. S. Nr. 49, 58, 59, 60, 304, 306, 318, 1).

Die Wasserfrau ist im allgemeinen freundlicher gesinnt als der Wassermann. Sie bedarf menschlicher Hilfe bei der Geburt, belohnt aber den Beistand mit reichlichen Schätzen (D. S. Nr. 49, 58, 65, 66, 68, 304; K. H. M. Nr. 79). Ihre Gegenwart bei der Hochzeit bringt der Braut Segen.

In Luthers Tischreden heißt es, daß die Frau Doktorin einmal er. zählt habe, wie eine Wehmutter zu einer Frau geführt sei, die in einem Loche im Wasser an der Mulde gewohnt habe; aber das Wasser habe ihr gar nichts geschadet, sondern sie wäre in dem Loche gesessen wie in einer schönen Stube. Dietrich von Bern verfolgt den Helden Wittich, nur eines Rosses Länge trennt ihn noch von der Fliehenden, und Wittich selbst bangt um Leib und Leben; denn vor ihm breitet sich das unendliche Meer

Da taucht aus den Fluten Wittichs Ahnfrau, Wâchilt hervor, führt den starken Recken samt seinem guten Rosse mit sich hinab auf des Meeres Grund und rettet ihn so vor dem Berner. Bis an den Sattelbogen schlugen Dietrich bereits die Wogen, vergebens schleuderte er seinen Speer hinterdrein, der Gegner, den er so grimmig haßte, war auf ewig verschwunden (Rab. 964–74).

Aber die alte wilde Natur der Wasserfrauen, die aus der unheimlichen, oft verderblichen Gewalt der Wasser entspringt, zeigt sich darin, das Mädchen, die von ihnen ins Wasser gezogen sind, in Nixen verwandelt werden und Nixen bleiben müssen, wenn sie nicht ein Glied ihres Leibes lösen. Für Blut und Fleisch gibt die Nixe Gold, aber sie sucht es wieder zu gewinnen. Berührt Wasser das Gold, so kehrt dieses zur Nixe zurück. Auch Kinder rauben die Nixen und legen dafür Wechselbälge hin; sie tun dem vertauschten Kinde alles an, was man ihren eigenen erweist (D. S. Nr. 81, 82).

Der Wassermann ist hart, wild, blutdürstig und grausam. Er duldet nicht, daß der Mensch in seine Wohnung eindringt oder ihm sein freies Element versperrt.

aus.

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Als man, um eine Wasserleitung zu bauen, große Pfähle in den Fluß schlug, konnte man bald nicht weiter. Man sah einen nackenden Mann in der Flut stehen, der mit Macht alle eingesetzten Pfähle ausriß und zerstreute, so daß man den vorgenommenen Bau wieder einstellen mußte (D. S. Nr. 57). Jeden Versuch, die Tiefe des Wassers durch ein hinuntergelassenes Seil zu ergründen, vernichtet er (D. S. 111, 59). Dem Fischer raubt er seinen Kahn und versteckt ihn auf einer hohen Buche (D. S. 55). Den Schwimmer zieht er hinab, aber er ertränkt ihn nicht nur, sondern man sagt auch der Nix hat ihn gesogen“, denn die Leiche ist ganz von Blut unterlaufen, und man kann leicht die Narben erkennen, die ihm der Nix oder Wassergeist gemacht (D. S. 54, 57; vgl. 49, 53, 60, 65, 69).

Der Kampf mit den Wasserunholden galt daher als eine besondere Heldentat.

Die Kimbern sprangen bei hereinbrechender Flut mit voller Rüstung in das empörte Element, um gegen die Dämonen des Meeres den väterlichen Grund und Boden zu verteidigen, aber zuletzt mukten sie doch hoffnungslos der Götterstärke weichen und griffen schließlich zum Wanderstabe (Strabo VII, 292).

Als die Langobarden nach Süden zogen, wollten ihnen walkürenartige Meerfrauen den Übergang über einen Fluß verwehren. Da wurde ausgemacht, daß ein auserwählter Held der Langobarden mit einer der Frauen in dem Flusse schwimmend fechten sollte: würde ihr Kämpfer besiegt, so sollte das Heer zurückweichen, unterläge die Meermaid dem Helden, so sollte ihnen der Übergang gestattet sein. Diesen Kampf bestand der tapfere La missio und erwarb sich durch seinen Sieg großen Ruhm, seinen Landsleuten aber freien Zug durch den Strom (Pls. Diac. 1,5; D. S. Nr. 392b). Um seine Befähigung zu dem bevorstehenden Kampfe mit dem Dämon der zerstörenden Gewässer, Grendel, zu beweisen, erzählt Beowulf, daß er schon einmal des Nachts in den Wogen die Nixe erschlagen und trotz großer Not die grimmen Feinde zerrissen hat (V. 421 ff.). Als Beowulf mit Breca den Schwimmwettkampf unternahm, hatte er nur das nackte Schwert in der Hand, das harte, um sich gegen die mächtigen Meertiere zu wehren. Neun der Nixen fällte er mit dem Schwerte. Nie hat man unter des Himmels Wölbung von einem härteren Kampfe vernommen, noch in den Meeresfluten von einem beklagenswerteren Manne (V. 539 ff.).

Weil der Nix mit einem Haken die Menschen ins Wasser zieht, heißt er Hakemann.

Schon ein Zeugnis des 7. Jbds. weiß, daß man, wenn man ein von den Unholden bewohntes Wasser betrat, plötzlich von geisterhaften Stricken umschlungen wurde und so grausam sein Leben verlor (V. Sulpicii). Ein Knabe fiel bei der Moselbrücke ins Wasser. Ein junger Mann, der dies sah, warf seine Kleider ab und sprang hinterher; aber ein böser Wassergeist, den sie Neptun nennen, entriß ihm zweimal den Knaben; erst als er den Namen eines Apostels anrief, bekam er den Toten zu fassen (Miracula Matthiae K. 43).

In der Mark und in Niedersachsen zieht der Wassergeist mit einem Netze die Menschen in sein kühles Wogenreich.

In Österreich spannt der Wassermann ein unsichtbares Netz über den Fluß, es ist so fein, dafi man es mit freiem Auge gar nicht sehen kann; wer hineinkommt, ist auf ewig verloren. Aus altem Volksglauben stammt das Netz, das in des Strickers Artusroman „Daniel vom blühenden Tal" erwähnt wird (V. 4128, 7459).

Durch seinen Ruhm angezogen besucht eines Tages ein Meerweib, das Königin ist über alle Meerwunder, den Herrn vom blühenden Tal. Beim Abschiede läßt sie ihm drei wunderbare Gaben zurück, die der Dichter unmittelbar der volkstümlichen Überlieferung entnommen hat. Die erste Gabe ist eine wunderbare Haut, die er an seinem Leibe tragen soll; darunter ist er so gut behütet, daß ihn keine Waffe verwunden kann. Sie war einer Meerfrau aus dem Leibe geschnitten und im Blute eines Drachen gebeizt (S. 104; Laurin 185). Die zweite Gabe ist ein unsichtbares Netz, in dem sich der stärkste Mensch und das wildeste Tier verwickelt und verfängt. Die dritte Gabe, eine Salbe, verleiht den Augen eine wunderbare Kraft, vermöge deren sie auch das Netz erkennen. Dieses Netz wird später am Eingange des Landes aufgestellt und der Ort, den es versperrt, wird noch durch Wasser geschlossen. Es soll dazu dienen, die fahrenden Ritter gefangen zu nehmen. Denn ein Unbold, der das Land beherrscht, leidet an einem Siechtum und kann nur geheilt werden, wenn er ein Jahr lang jede Woche ein Bad von Männerblut nimmt. Auf sein Geheiß kommen Alt und Jung, Sieche und Gesunde scharenweise herbei, um sich gebrauchen zu lassen. Nur noch dreißig Männer sind übrig; um die Zahl der Opfer zu vermehren, wird das unsichtbare Netz aufgestellt.

Ein Zauberhemd, als Gabe der Meerfrau, erwähnt auch das mhd. Gedicht „A bor und das Meerweib“. Abor kommt zu einem Jungbrunnen, in dem sich ein Meerweib zu baden pflegt (wie die raube Else. S. 136). Sie findet ihn, nimmt ihn mit sich auf ihre Burg und liebt ihn. Auf einem unzugänglichen Berge gräbt ihm das Meerweib eine kräftige Wurzel, durch deren Genuß er alsbald die Sprache der Vögel, der wilden Tiere, Fische und Würmer versteht. Aber nach kurzer Zeit muß ihn das Meerweib entlassen, weil es die Rückkehr des Gatten fürchtet, es schenkt ihm beim Abschiede noch ein unverwundbar machendes Hemd.

Mit dem herrlichen, lockenden oder klagenden Gesange, mit dem die Wasserfrauen den Menschen in den Teich ziehen, ist oft die Gabe der Weissagung verbunden.

Badende Meerweiber verkünden Hagen das Geschick der Burgunden in Etzels Lande (N. L. 1473 ff.). Auch Wâchilt verkündet dem Wittich,

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